Bischof + Klein blickt auf eine über 130‑jährige Unternehmensgeschichte zurück. Was als Druckerei begann, entwickelte sich über Papiersacklösungen hin zu einem internationalen Anbieter flexibler Verpackungen für Industrie, Konsumgüter, Medizin und Spezialanwendungen.
Parallel dazu hat sich auch die Rolle des Einkaufs grundlegend verändert. Während früher Konditionen, Preise und Verfügbarkeit dominierten, ist der Einkauf heute ein zentraler Hebel für Nachhaltigkeit, Innovation und Resilienz.
„Nachhaltigkeit ist kein Thema, auf das man nur reagieren kann – sie ist etwas, das wir aktiv steuern wollen.“
Nils Beermann
Gerade Lieferketten sind heute stärker denn je gefordert: geopolitische Krisen, volatile Rohstoffpreise, regulatorische Anforderungen (PPWR!) und steigende Erwartungen von Kunden und Gesellschaft treffen hier unmittelbar aufeinander.
Supplier Day: Mut zur Offenheit
Ein zentrales Element dieser neuen Denkweise sind die Supplier Days, zu denen Bischof + Klein gezielt strategisch relevante Lieferanten – und bewusst auch Anbieter aus unterschiedlichen Warengruppen – einlädt.
Das Bemerkenswerte daran:
- Es geht nicht um klassische Lieferantenbewertungen.
- Es geht nicht um Einbahnkommunikation.
- Es geht um Dialog, Verständnis und gemeinsames Lernen.
Lieferanten, Wettbewerber, Technologiepartner und interne Fachbereiche diskutieren gemeinsam:
- Wo entstehen die größten Nachhaltigkeitshebel?
- Welche technologischen Optionen sind realistisch?
- Welche Risiken, Investitionen und Prozessanpassungen sind notwendig?
Für viele Unternehmen ist diese Offenheit ein großer Schritt – für Bischof + Klein jedoch ein bewusster Teil der Strategie.
Kollaboration ist kein „Soft Skill“
Eines wird im Gespräch sehr deutlich:
Nachhaltige Lösungen entstehen nicht in isolierten Abteilungen und nicht durch Lastenhefte allein.
Wer Verpackungen recyclingfähig machen will, muss:
- Lieferantenprozesse verstehen
- Kunden frühzeitig einbinden
- Zielkonflikte offen benennen
- Scheitern zulassen können
Das erfordert Führung, die Vertrauen ermöglicht, statt nur Kontrolle auszuüben.
Recycling, Rezyklate und Realität
Besonders eindrucksvoll ist der Einblick in Entwicklungsprojekte mit Rezyklaten – etwa im Bereich Hygieneverpackungen. Der Weg dorthin war lang, geprägt von Rückschlägen, Qualitätsproblemen, schwankenden Abfallströmen und hohen Kosten.
Wichtige Erkenntnis:
„Nachhaltige Entwicklung ist kein Sprint – sie ist ein Marathon.“
Für Führungskräfte bedeutet das:
- Langfristig denken
- Projekte auch durch schwierige Phasen tragen
- Lernkurven einpreisen, statt schnelle Erfolge zu erwarten
Nachhaltigkeit braucht Standhaftigkeit
Gerade in Krisenzeiten geraten Nachhaltigkeitsziele schnell unter Druck. Steigende Energiepreise, Rohstoffknappheit oder geopolitische Konflikte verleiten viele Unternehmen dazu, Nachhaltigkeit „temporär“ zurückzustellen.
Bischof + Klein verfolgt bewusst einen anderen Ansatz:
- Nachhaltigkeit als langfristige Investition
- Rezyklate auch aus Gründen der Versorgungssicherheit
- Technologische Optionen offenhalten (mechanisch, chemisch, Mono‑Material)
Diese Haltung verlangt strategische Klarheit und innere Überzeugung – Kernkompetenzen moderner Führung.
Lieferantenbewertung neu gedacht
Ein besonders spannender Aspekt aus Coaching‑Sicht:
Bischof + Klein arbeitet aktuell daran, Lieferantenbewertungen neu auszurichten.
Künftig sollen stärker gewichtet werden:
- Entwicklungsfähigkeit
- Innovationsbeiträge
- Nachhaltigkeitsperformance
- Bereitschaft zur Zusammenarbeit
Das ist ein Paradigmenwechsel: Vom „Lieferanten“ zum Entwicklungspartner.
Gute Ideen brauchen Schutz und Vertrauen
Innovation entsteht nur dort, wo sich Menschen trauen, Ideen zu teilen. Gleichzeitig sind Schutzrechte, Know‑how und Wettbewerb reale Themen.
Die Lösung liegt – wie so oft – nicht im Entweder‑oder, sondern in:
- klaren Vereinbarungen
- früher Transparenz
- professionellem Umgang mit IP
- gegenseitigem Respekt
Auch das ist Führungsarbeit.
Fazit: „Strong Partnership – Smart Solutions“
Der Leitspruch des Supplier Days bringt es auf den Punkt: Nachhaltige Verpackungslösungen entstehen nur gemeinsam.
Für Führungskräfte im Einkauf, in der Entwicklung und im Management heißt das:
- Beziehungen bewusst gestalten
- Kooperation ermöglichen
- Mut zur Unvollkommenheit haben
- langfristig denken
Oder, wie es symbolisch am Ende der Supplier Days hieß:
„Jetzt machen wir uns auf die Socken.“
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Transkript
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Ich freue mich heute mit Nils Beermann von Bischof + Klein zu sprechen. Grüß dich, Nils. Hallo Karsten. Nils, wir haben uns wieder getroffen in Konzell, in eurem Werk in Bayern und ihr hattet den Mut, mich einzuladen für einen provokanten Vortrag bei euren Supplier Days.
Bevor wir da gleich einsteigen, erstmal so ein bisschen die Vorstellungsrunde. Was macht eigentlich Bischof + Klein? Viele kennen Bischof + Klein, aber die Firma hat sich verändert. Klären Sie mal ein bisschen auf.
Genau so ist es. Bischof + Klein, gegründet 1892, mal angefangen zu der Zeit mit dem Druck von kleinen Bibelkärtchen. Das hat sich dann über die Jahre hinweg natürlich komplett in andere Themen hin entwickelt. Wir sind dann in den 1920er Jahren mal angefangen mit der Produktion von Papiersäcken für die hiesige Zementindustrie, haben viele Jahre dann ausschließlich im Papiersack-Segment entsprechende Lösungen, Produkte angeboten, bis wir dann in den 60er Jahren angefangen haben, Kunststoff zu verarbeiten in der Blasfolien-Extrusion, das kontinuierlich ausgebaut haben und jetzt mittlerweile in drei Marktbereichen unterwegs sind, im Bereich Industrial Packaging, wo wir eben auch viel für die Chemie, Petrochemie, Bauchemie an entsprechenden Produkten anbieten.
Dann haben wir den Bereich Consumer Packaging, wo wir eben sehr viel auch in Richtung Brand Owner unterwegs sind, wo wir beispielsweise Kaffeverpackungen, Nachfüllverpackungen für Flüssigseife und ähnliche Themen anbieten. Petfood ist ein großer Markt. Und dann gibt es im Bereich Specials, wo wir eben einmal das Thema Oberflächen-Schutzfolien haben, aber eben mittlerweile auch das sehr sensible Thema Medical Packaging und Packaging für die Halbleiterindustrie und dass es so pi mal Daumen, der Range, in dem wir uns bewegen mit dem Produkt. Ich habe vorhin im Vorgespräch schon lustig angesprochen, wir beiden sind eigentlich so ein bisschen aktivistisch unterwegs in Amt und Würden sozusagen und das im besten Sinne.
Wir kleben uns nicht auf Straßen fest, aber wir haben ein gemeinsames Ziel, wir wollen Verpackung nachhaltiger machen und das ist bei Bischof + Klein ein ganz großes Thema. Wie kommst du eigentlich zu dieser Ausrichtung, zu dieser Idee, auch bei Bischof + Klein dann einen Punkt zu setzen? Naja, ich bin ja mittlerweile im 30. Jahr bei Bischof + Klein unterwegs und Bischof + Klein ist auf der einen Seite schon relativ früh in das Thema Umweltschutz eingestiegen in den 1980er Jahren und das ist auch immer ein Thema gewesen, was auf der Agenda bei Bischof + Klein sehr hoch priorisiert gewesen ist.
Wir haben da viele Dinge in der Vergangenheit gemacht und dann ist natürlich das ganze Thema Nachhaltigkeit mit den mit den anderen beiden Säulen zwangsläufig auch irgendwann mal in der Evolution von Bischof + Klein immer weiter priorisiert worden und insofern ist das auch am Einkauf logischerweise nicht spurlos vorbeigegangen und ich in meiner Funktion als Director Group Procurement habe natürlich dann auch schon die Aufgabe, auf der einen Seite natürlich dafür zu sorgen, dass wir, was das Thema Konditionen auf der Einkaufsseite angeht, sauber aufgestellt sind. Aber die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten gravierend verändert und insofern eben auch das ganze Thema Nachhaltigkeit hat einen deutlich stärkeren Fußabdruck in der Lieferkette mittlerweile und es gibt Dinge, auf die ich auf der einen Seite vielleicht nur reagieren kann, aber gerade das Thema Nachhaltigkeit ist ein Thema, was wir auch aktiv steuern können und auch aktiv steuern wollen bei Bischof + Klein und insofern ist das ein Thema, was bei uns eben im Lieferantenmanagement auch verankert ist. Noch ganz kurz zu deiner Person. Du sagst, du bist schon 30 Jahre da.
Wir haben uns damals auch getroffen da bei Bischof + Klein. Ich war von 90 bis 99 dabei in der Entwicklungsabteilung. Ganz andere Straßenseite haben wir damals immer gesagt. Ihr wart im Weißen Haus angesiedelt.
Das waren so ein bisschen die internen Begriffe damals. Damals war das ein top-down gemanagtes Unternehmen. Knallharte Review-Meetings und so weiter. Ich habe da viel gelernt und sowohl technisch als auch was der Umgang mit Menschen angeht sehr viel Positives mitgenommen.
Westfälische Karrierewege und Unternehmenskultur
Westfalen sind eben ein spezieller Menschenschlag. Bist du richtig? Hast du eine typische Karriere dort durchlaufen? Oder wie ist das eigentlich von statten gegangen?
Weil das können nicht viele sagen: 30 Jahre bei einem Unternehmen. Ja, und es ist tatsächlich, du sprichst von typischer Karriere. Das ist tatsächlich das, was man früher wahrscheinlich tatsächlich so den klassischen Karriereweg genannt hätte, obwohl er nie so geplant gewesen ist. Ich bin 1996 ins Unternehmen eingetreten als Auszubildender mit berufsbegleitendem Studium und habe dann nach den dreieinhalb Jahren Ausbildung und Studium die Chance gehabt, im Einkauf eine Position zu übernehmen als Disponent im Papierbereich.
Und so bin ich direkt in die Einkaufsthemen eingestiegen, habe relativ früh die Chance gehabt, in ein Projekt sehr tief und intensiv einzusteigen. Damals die SAP R3 Einführung hat einen sehr tiefen Einblick in die Prozesse bei Bischof + Klein bekommen. Das war sehr hilfreich und bin dann immer wieder in verschiedenen Funktionen im Einkauf über Projekte interessante Themen reingekommen und mittlerweile seit 2008 in der Leitungsfunktion für den Einkauf. Wirklich spannend, tolle Sache.
Ich habe damals auch einen sehr engen Kontakt zum Einkauf gehabt, damals in der Entwicklung von Lieferantenspezifikationen, wovon ich heute noch profitiere. Ich durfte also in die Werke fahren, mir eine Aluminiumfolienproduktion anschauen, eine Metallisierung anschauen, eine Papierproduktion und da auch sehr viel lernen natürlich über die Produkte. Und so ähnlich hast du es ja auch gerade wieder gegeben. Jetzt wollt ihr was ganz Mutiges machen oder seid schon mittendrin eigentlich.
2025 habt ihr Supplier Day gemacht, habt Schlüsselkunden eingeladen und habt quasi eure Türen weit geöffnet. So kannte ich das in den 90er und 2000er Jahren von Bischof + Klein nicht. Was habt ihr vor damit? Ja, also ich setze nochmal da an, weil du ja gerade gesagt hast, du kanntest das so nicht.
Das ist natürlich zu dem Zeitpunkt, wo ich meine Karriere hier begonnen habe, auch ein anderes Thema gewesen. Damals war es tatsächlich so, dass man den Lieferanten eher wenig besucht hat und letztlich die Lieferanten häufig hier bei sich empfangen hat. Das ist natürlich heute ein ganz anderes Thema. Wir legen sehr viel Wert darauf, mit unseren Lieferanten zusammenzuarbeiten, auch vor Ort zu sein, die Prozesse unserer Lieferanten zu verstehen.
Und das ist, glaube ich, auch genau das, was es braucht bei dem Thema, für das wir beide aktiv eintreten, dass wir letztlich ein Verständnis dafür haben, was sind eigentlich die Sorgen, Mühe, Herausforderungen unserer Lieferanten, was treibt die im Prozess um, wo entstehen letztlich auch die energieintensiven Themen auf der Lieferantenseite, was können wir gemeinsam machen? Und das funktioniert eben auch nur, wenn wir diesen kollaborativen Ansatz wählen. Das ist zumindest das, was wir glauben, dass wir einfach, um mit den Lieferanten gemeinsam Dinge voranzubringen, uns austauschen müssen. Und das wird auch nicht reichen, wenn wir es nur mit Lieferanten machen, sondern wir müssen einfach auch weitere Stakeholder inkludieren.
Idealerweise ist es auch immer sehr hilfreich, den Kunden möglichst früh bei bestimmten Themen mit an Bord zu holen, um dann wirklich auch gerade, was das Thema Nachhaltigkeit, Sustainability oder auch recyclingfähige Produkte im Speziellen dann angeht, um da möglichst früh den Fuß in die Tür zu bekommen. Wir kommen auch nachher noch zu dem Thema Erfolgsstories. Und da gab es ja auch im Konzert die eine oder andere Botschaft, das ist im Bereich Recyclingfähigkeit einiges unterwegs, auch Einsatz von Rezyklaten. Solche Ideen zu teilen, sowohl aus Lieferantensicht als auch aus eurer Sicht, aus Einkaufssicht, ist ja nicht risikolos.
Nachhaltigkeit als langfristige Strategie
Du hast den Punkt Nachhaltigkeit angesprochen. Ich lese in der Presse immer: Nachhaltigkeit ist zu teuer. Wir müssen wieder zurückrudern. Wir kaufen jetzt wieder Frackinggas.
Warum haltet ihr an dem Thema fest? Warum glaubt ihr so stark daran, dass sich das langfristig durchsetzt? Na ja, also zum einen haben wir ja nach wie vor das Thema EU Green Deal. Wir haben letztlich, glaube ich, auch alle und auch wir speziell als Bischof + Klein uns auf die Fahne geschrieben, dass wir auch den nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten hinterlassen wollen.
Und insofern ist die Option einfach munter weiter. So jetzt wirklich nicht die einzig plausible, die existiert. Man muss natürlich schon ganz klar sagen, jetzt, wo wir beide hier reden, haben wir das Thema Iran-Konflikt mit all den entsprechenden Auswirkungen, wo wir, wo wir halt sehen, dass auch das Thema Preise, Verfügbarkeiten gerade wieder eine sehr dominante Rolle spielt. Das kann man auch nicht vom Tisch wischen.
Das ist klar. Nichtsdestotrotz in der Langfrist-Perspektive. Es ist einfach notwendig, dass wir an dem Thema Nachhaltigkeit intensiv dranbleiben, an dem Thema arbeiten, die Themen nicht aus dem Auge verlieren und letztlich unsere Produkte dahingehend entwickeln, dass wir die Recycling-Fähigkeit erhöhen, dass wir es schaffen, in einen entsprechenden Kreislauf zu kommen, die Kreislaufwirtschaft entsprechend zu fördern. Und das ist der Antrieb, der dahinter steckt.
Die Frage ist ja auch, wie entstehen eigentlich Ideen bei Lieferanten? Und warum teilen die die mit euch? Ihr müsst die ja motivieren. Und das war ja auch ein Teil dieses Inno-Meetings, an dem ich teilhaben durfte.
Die Lieferanten wirklich zu motivieren. Kommt mit euren Ideen zu uns. Wir haben ein tolles Entwicklungszentrum. Lasst uns was gemeinsam machen.
Wie geht ihr da dran? Ja, du sprichst dich schon an. Also auch da, wenn man mal so einen kurzen Blick in die Vergangenheit werfen, ist es sicherlich in der Vergangenheit eher so gewesen, dass es sehr stark kundengetrieben gewesen ist, dass wir sehr stark immer einen Impuls von außen gebraucht haben, wo der Kunde vielleicht eine Produktanpassung bei uns im Hause angefragt hat. Und heute ist es eben schon ein wenig anders, dass wir eben auch sagen, wir gehen das Thema ganzheitlich an und sagen, wenn wir auf bestimmte Regularien, die nach Weltregionen auch sehr unterschiedlich sind.
Ich meine, wir in Europa reden jetzt gerade natürlich viel über die PPWR und die entsprechenden Herausforderungen, die damit einhergehen, dass wir eben schon schauen, was brauchen wir denn eigentlich, um dann eben auch unseren Kunden eine Lösung oder Produkte anbieten zu können, von denen er vielleicht noch gar nicht weiß, dass sie eben bei den entsprechenden Regularien dann auch frühzeitig schon helfen oder unterstützen können. Insofern ist das sicherlich das Thema, dass wir möglichst früh mit unseren Lieferanten das Gespräch suchen und sagen: Was seht ihr im Markt? Was glaubt ihr, wie können wir mit unserer Technologie, die wir hier an den unterschiedlichen Standorten vorhalten, da im Markt entsprechend agieren? Lasst uns mal die Köpfe zusammenstecken und nach entsprechenden Lösungen suchen und versuchen dann mit dem Lieferanten erst mal entsprechende Dinge auf den Weg zu bringen.
Lieferantenklassifizierung und Partnerschaften
Interessant war auch für mich, es waren Schlüssellieferanten da, also wohlbekannte Player bei euch, die auch schon liefern. Und es waren auch Wettbewerber da. Da geht ihr ganz offen mit um, oder? Ja, gut, also wir haben eine entsprechende Systematik, die wir da letztlich anwenden.
Wir sprechen da immer von einer Lieferantenklassifizierung. Und ich hatte das ja auch in Konstanz mal vorgestellt, wie unsere Pyramide da aussieht, und dass wir letztlich natürlich nur einen kleineren Teil, den oberen Teil der Pyramide dann auch zu diesem Supplier Day eingeladen haben, weil wir sagen, wir können unsere Kapazitäten und Ressourcen einkaufsseitig, entwicklungsseitig, produktionsseitig natürlich nicht auf alle Lieferanten aufteilen und schauen da schon, dass wir die Partner einladen, die dann eben auch vom Potenzial her entweder schon ein klarer Entwicklungspartner sind oder wo wir glauben, dass wir ihnen dahin entwickeln können. Und insofern versuchen wir da schon gezielt, die Lieferanten zusammenzubringen. Es ist uns aber auch wichtig, dass wir jetzt nicht nur wir reden bei uns im Haus von Warengruppen, in anderen Unternehmen meistens Materialgruppen.
Auf der Einkaufsseite nehmen wir mal beispielsweise das Thema Resins, dass wir jetzt nicht nur einen Resin Supplier reinholen, sondern dann eben auch versuchen, möglichst früh schon Impulse anderer Rohstofflieferanten, sei es ein Farblieferant, Kleberlieferanten entsprechend mit reinzubringen oder eben auch aus dem technischen Bereich, dass wir sagen, was ist denn eigentlich mit der Maschinentechnologie, und dass wir dann einfach mal, so wie wir es beim Supplier Day gemacht haben, eben auch Formate testen und sagen: OK, wir versuchen jetzt mal über die Warengruppen hinweg, die Leute zusammenzubringen und entsprechend an konkreten Themen mal auf hoher Flughöhe zu arbeiten und dann zu gucken, dass wir mit den Ideen, die da generiert werden, dann nachher in kleineren Teams idealerweise weiterarbeiten können. Gewichtet ihr auch so ein Engagement im Entwicklungsbereich bei der Lieferantenbewertung beispielsweise? Ist das für euch ein maßgeblicher Faktor oder ist das auch alles noch so ein bisschen im Entstehen? Das ist spannend, dass du das ansprichst, weil das ist genau das, was wir gerade bei uns auf der Agenda verfolgen.
Wir sind gerade dabei, unsere Lieferantenbewertung zu überarbeiten. Wir haben auch in der Vergangenheit schon immer Fragen und Bewertungen in puncto Entwicklungsfähigkeit von Lieferanten oder Unterstützungsleistungen von Lieferanten in der Bewertung berücksichtigt. Da haben wir mal gesagt, wir wollen das Augenmerk in diese Richtung noch deutlich stärker legen und an der Stelle einfach anpassen, weil wir finden, dass das momentan noch nicht stark genug gewichtet ist. Genauso wie wir sagen, das Thema Nachhaltigkeit in Gänze kommt in der Bewertung noch nicht ganz so zum Tragen, wie wir uns das wünschen.
Und das ist letztlich genau das, was wir jetzt auch im Rahmen eines Transformationsprogramms im Einkauf verfolgen, dass wir eben genau an der Stelle auch nochmal stärker reingehen. Nicht nur in der Lieferantenbewertung, sondern generell versuchen wir das ganze Thema Lieferantenmanagement organisatorisch noch anders einzubinden. Wir sind da jetzt noch nicht in der Final Stage sozusagen, dass wir sagen, wir wissen, wie das organisatorische Gesamtbild schon aussieht, aber wir haben zumindest schon mal für uns klar, dass wir da ein starkes Gewicht in Richtung Lieferantenmanagement legen wollen, weil wir daran glauben, dass es nur gemeinsam geht, wenn wir die Herausforderungen, die da vor uns liegen, lösen wollen. Das sehe ich genauso.
In meiner Brust schlägt immer das Entwicklerherz und Entwicklungsprojekten am Start. So ein kleines Hobby von mir. Aber da ist auch immer das Thema Schutzrechte ein Thema. Ich könnte mir vorstellen, wenn ich jetzt eine brillante Idee habe, gerade als kleiner Lieferant und komme damit zum großen Bischof + Klein und lege das mal einfach so auf den Tisch, habe ich vielleicht Angst, dass ihr mir das klaut.
Wie geht ihr mit so was um? Ihr klaut das natürlich nicht. Dafür kennen wir uns gut genug. Aber die Angst ist ja da.
Die müsst ihr irgendwie auch lösen. Auch das ist ja spannend. In der Vergangenheit ist das ja tatsächlich auch immer ein Thema unsererseits gewesen, warum wir vielleicht auch die Türen gegenüber Lieferanten nicht so weit geöffnet hatten, wie das heute der Fall ist, weil da per se auch immer die Angst bestand, dass der Lieferant mit dem, was wir ihm vielleicht im Rahmen von möglichen Entwicklungsthemen erzählen, dann auch gleich weiter zum nächsten Häuschen geht und dort entsprechend die Erkenntnisse ausplaudert. Und insofern verstehe ich diesen Punkt.
Transparenz in Entwicklungspartnerschaften
Und da sind wir auch sehr transparent und versuchen idealerweise möglichst früh in diesen Entwicklungspartnerschaften eben auch entsprechende Vereinbarungen bilateral zu treffen, wo wir das dann absichern, wie wir mit solchen Themen dann umgehen. Das wird dann ganz gut aufgestellt. Ich weiß, dass noch Patentanwälte waren immer am Start. Da wurden Patente gescreened und das machen wir heute auch eigentlich alle.
Und da muss man doch offen sein. Das glaube ich auch. Welche spezifischen Impulse erwartet ihr denn von euren Lieferanten? Gibt es da ganz was Spezifisches, wo ihr sagt, Mensch, da sind wir im Moment ganz besonders hinterher?
Oder wie funktioniert das im Moment? Ich sage es mal so: Wir sehen ja schon, dass wir eine unglaubliche Dynamik in bestimmten Themen sehen. Wenn wir das Thema Recyclingfähigkeit unserer Flexpack einfach mal nehmen, dann ist natürlich schon eine ziemliche Dynamik in dem Thema drin. Kann mich an deinen durchaus kontroversen Impulsvortrag erinnern, der ja auch dem einen oder anderen Lieferanten vielleicht nicht ganz so gefallen hat.
Stichwort Aluminium freie Flexpack-Lösungen, dass wir, dass wir dann auf der einen Seite sagen, OK, wir nehmen wir nehmen beispielsweise Aluminium raus. Wie kriegen wir das hin? Wir wissen, es gibt entsprechende Lösungen, aber wir müssen müssen dann ja auch auf der anderen Seite berücksichtigen, dass es prozessual vielleicht Anpassungen beim Kunden gibt. Vielleicht müssen wir in unseren Fertigungsprozessen Anpassungen vornehmen, um diese ganzen Dinge letztlich dann umzusetzen.
Was heißt das? Sind sind damit entsprechende Investitionsentscheidungen in Maschinentechnologie verbunden? So insofern, dass wir zumindest erst mal diesen Anreiz beim Lieferanten schaffen. Denkt mal drüber nach.
Was können wir gemeinsam machen? Du kennst unser Maschinensetting hier. Du weißt, welche Produkte wir heute einsetzen. Du weißt, welche möglichen Lösungen es in deinem Produkt-Portfolio gibt.
Lass uns bitte mal die Köpfe zusammenstecken, was wir hier machen können, um eben diesen Weg weiter zu bestreiten und welche entsprechenden Herausforderungen für uns oder vielleicht auch für unseren Kunden damit verbunden sind. Und das gilt es dann entsprechend möglichst früh in der gesamten Kette zu adressieren. Genau so ist das. Und es ist ja unumstritten, dass wir von Multimaterial-Verbunden wegkommen müssen.
Wir müssen hin zu Monomaterial-Verbunden. Das hat sich ja nun als erste Sofortmaßnahme eigentlich in der gesamten Industrie und in der gesamten Wertschöpfungskette rumgesprochen. Da muss man natürlich auch darüber sprechen, wie man Aluminium zum Beispiel rauskriegt aus einer Folie oder aber auch andere Bergstoffe wie Polyester aus Polyolefin-Verbunden und so weiter und so weiter. Und das ist natürlich auch ein steiniger Weg.
Lieferantenmotivation und Zusammenarbeit
Gehen eure Lieferanten denn diesen steinigen Weg oder gibt es da viel Gegenwind? Wie ist denn so der Spirit? Ja, es ist tatsächlich ein sehr steiniger Weg. Es gibt einige Lieferanten, die ich sage mal, auf diesem steinigen Weg die richtige Bereifung gewählt haben und da gut vorwärtskommen und letztlich auch eine entsprechend starke Zugmaschine darstellen in diesem Segment, weil sie vielleicht auch die entsprechenden Möglichkeiten haben, weil sie vielleicht sagen, OK, du kaufst dann vielleicht zukünftig kein Polyester mehr bei mir, aber ich habe andere Lösungen im Portfolio, sei es ein OPA, ein OPP oder whatever.
Und das ist letztlich dann eben auch wieder sehr individuell. Aber es sind sehr intensive Diskussionen. Es ist auch eben sehr viel Überzeugungsarbeit nicht nur in Richtung Lieferanten erforderlich, sondern eben auch gerade in Richtung unserer Kunden, sich frühzeitig mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Weil das ist so ein bisschen das, was wir natürlich auch sehen, dass wir die Befürchtung haben, dass viele möglichst lange an den bereits existierenden Lösungen festhalten wollen, weil eben Anlagentechnologie und ähnliche Dinge komplett darauf ausgerichtet sind.
Alles nachvollziehbare Argumente. Aber irgendwann nehmen wir wieder das Thema PPWR, dann spätestens ab 2030, für alle entsprechende Verpflichtungen da sind. Und dann kommen plötzlich alle auf einen Schlag und suchen die entsprechenden Lösungen. Und das ist so die Herausforderung, die wir gerade in dem Thema sehen.
Wir Verpacker lehnen uns ja gerne an, an das Vorbild der Automobilindustrie. Und da sieht man ja immer genau schon vorweg, wie so was abläuft. Wir haben dort die Elektromobilität, die sich ja erst überhaupt nicht durchzusetzen schien. Plötzlich war es ein Hype.
Jetzt ist alles wieder abgeflacht. Und jetzt kommt diese Krise. Und dadurch wird ja, so habe ich gerade einen Artikel gelesen, die Elektromobilität wieder angefeuert, weil die Spritpreise durch die Decke gehen. Und so ähnliches könnte ich mir im Flexpack-Bereich eigentlich auch vorstellen.
Wir sehen ja im Moment zum Beispiel das große Sterben der Recycling-Unternehmen. Hat das für euch schon konkrete Auswirkungen? Nehmt ihr das mit Besorgnis wahr oder sagt ihr, naja, das ist der normale Lauf der Dinge. Das ist eben dieser Umbruch, in dem wir uns befinden.
Ja, da ist in dem, was du sagst, auf beiden Seiten etwas drin. Also wir sehen das schon. Wir sehen das schon mit einer gewissen Sorge, weil da sind viele Recycler vor Jahren mit guter Intention, mit guten Ideen, mit guten Produkten gestartet. Wo wir auch wussten, da braucht es an der einen oder anderen Stelle eben noch Entwicklungsarbeit.
Da braucht es noch die richtigen Abfallströme und auch wirklich die Sicherung der richtigen Abfallströme, um eben auch ein konstantes Produktqualitätsniveau erhalten zu können, beispielsweise bei den entsprechenden Regranulaten. Auf der anderen Seite sage ich aber auch: Ja, das ist sicherlich so ein bisschen diese Umbruchphase, aber wir müssen halt schon aufpassen, dass wir da letztlich uns sehr breit aufstellen, mit vielen möglichen Partnern, mit möglichen Lieferanten in die Diskussion gehen und auch lernen zu scheitern. Das ist für mich eigentlich genau das Thema. Wir müssen bereit sein, auch zu akzeptieren, dass wir scheitern, und dann nicht zu sagen: Ja, es hat jetzt nicht geklappt.
Recyclatinnovation in Hygieneprodukten
Wir machen jetzt nicht weiter und bleiben bei dem bestehenden Produkt, sondern da weiter auch motiviert bei der Sache zu sein und zu sagen: OK, es hat jetzt im ersten oder zweiten Mal nicht geklappt. Aber wir nehmen jetzt noch mal gemeinsam Anlauf und gucken, ob wir das Produkt trotz alledem dahin entwickeln können, wo wir glauben, es hin entwickeln zu müssen, weil wir halt auch einfach sehen, dass das, was wir an Bedarf zukünftig prognostizieren, über 2030 hinaus mit dem, was wir heute vorfinden, schlicht und ergreifend nicht abzudecken ist. Und deswegen müssen wir halt schon gucken, dass wir da auf der einen Seite ein möglichst breites Feld an möglichen Partnern bespielen können, uns aber auf der anderen Seite – das habe ich ja eingangs gesagt – nicht verzetteln, was dann unsere Kapazitäten und Ressourcen für solche Entwicklungsthemen dann angeht. Ganz spannende Sache, ich erinnere mich, und das hat mich wirklich gekriegt.
Dieses Beispiel, das Martina vorgetragen hatte, über den Einsatz von Rezyklaten in Hygieneartikel, da seid ihr schon sehr weit. Was kannst du darüber sagen, ohne jetzt den Wettbewerb total aufzuschlauen? Aber das Projekt ist eines von diesen wirklich tollen Projekten, die man eigentlich auch nach außen stellen sollte, oder? Ja, definitiv.
Aber da muss man auch ganz klar sagen: Da gilt das, was ich gerade gesagt habe – möglichst langen Atem haben. Also wir haben auch viele Rückschläge, gerade in diesem Entwicklungsthema bei uns im Hygienefolien-Bereich hinnehmen müssen. Es hat wirklich mehrere Jahre gedauert, bis wir gemeinsam mit mehreren Lieferanten letztlich dann uns eine entsprechende Produktqualität aufgebaut haben. Wir haben mehrere Rückschläge erleben dürfen, weil einfach eben auch die Abfallströme nicht immer konstant gewesen sind, die der Lieferanten zur Verfügung hatte.
Und das haben wir sofort bei uns in der Produktion dann entsprechend lernen dürfen. Und wir alle aus unserer Branche kennen ja noch diese Diskussionen, wo es mal langsam Fahrt aufgenommen hat mit dem Thema Rezyklate. Am Anfang war das Thema eher ein Geruchsthema. Wenn du in so eine Extrusionshalle reingekommen bist, konntest du einfach riechen, dass gerade entsprechend Rezyklate verarbeitet wurden.
Und später ist es wirklich eher hingegangen zu einem Performance-Thema, weil man da eigentlich dann auch den Anspruch ganz klar hatte, dass zwischen dem Virgin und dem Recycling Material eigentlich in unserem Fertigprodukt keinen Unterschied mehr festzustellen sein sollte. Und da muss man halt sagen: Zwischen diesem Stadium 1, wo wir wirklich Thema Geruch, und dann dem Stadium 2 Performance liegt da eine unglaubliche Entwicklungszeit mit vielen Rückschlägen. Und das ist einfach das. Dieses Thema ist kein Sprint, es ist einfach ein Marathon.
Und da eben mit den richtigen Partnern gemeinsam bei der Sache zu bleiben, kostet Zeit, kostet Nerven. Und das ist eigentlich das, was ich da mitgenommen habe. Wenn ich jetzt wieder die Parallele zur Autoindustrie sehe, das ist ja eigentlich genau das Gleiche wieder. Da hat man erst Qualitätsprobleme, dann hat man Versorgungsprobleme, wir leiden im Moment noch an den extrem hohen Rezyklatpreisen.
Es ist eigentlich überhaupt nicht wettbewerbsfähig, das zu tun im Moment als Folienhersteller oder als Abpacker. Man hat eigentlich im Moment nur Nachteile. Ihr geht trotzdem diesen Weg, weil ihr langfristig dran glaubt oder hat es auch mit Versorgungssicherheit zu tun, mit solchen Überlegungen? Es ist tatsächlich der Mix aus beiden.
Wir haben zum einen, weil wir sagen, langfristig ist es der richtige Weg und auf den Weg machen müssen wir uns möglichst früh. Deswegen sind wir früh damit gestartet, wie andere im Übrigen auch. Und es ist aber eben auch das Thema, eine Alternative zu haben. Wir sehen ja gerade im Kontext des Iran-Konfliktes, dass auch gerade das Thema Rezyklate wieder mehr Aufmerksamkeit gewinnt.
Nachhaltigkeitsbewusstsein und Regulierung
Es ist eigentlich schade, dass es immer durch solche, sagen wir mal, Inzidenzen dann erst wieder ins Bewusstsein rückt. Und letztlich würde ich mir einfach wünschen, dass wir da dem Thema Nachhaltigkeit auch außerhalb solcher Krisen entsprechend mehr Aufmerksamkeit bringen und das ganze Thema ein bisschen stärker in den Fokus rücken und einfach mal gucken, wo kann es denn in welcher Anwendung vernünftige Alternative sein? Dass ihr schon nennenswerte Mengen an Rezyklaten in Hygieneartikel einsetzt, zeigt ja eigentlich schon, dass ihr dran glaubt, dass das der richtige Weg sein wird für die Zukunft. Denkt ihr auch daran, in Lebensmittelverpackung irgendwann mal Rezyklate reinzufahren?
Oder seht ihr das kritisch, so wie ich das übrigens sehe, dass das vielleicht nicht unbedingt nötig ist, Rezyklate auch in die Verpackung von unseren guten Lebensmitteln zu packen? Ich bin da ja einer der Skeptiker, aber ich habe dich eben schon nicken sehen. Ihr glaubt auch dran und arbeitet vielleicht sogar schon dran. Das ist natürlich ein super spannendes Thema, also wo wir einfach daran glauben.
Es gibt auf der einen Seite das Thema Lebensmittelverpackung, wo wir alle natürlich entsprechend zu Recht sehr sensibel sind und sagen: OK, wie können wir denn eigentlich sicherstellen, dass in den Produkten, aus denen wir dann die Verpackung fertigen, auch tatsächlich nur das an Stoffen drin ist, was drin sein sollte, wenn wir gar keinen Einfluss auf den Abfallstream haben, der vor dem Rezyklat liegt. Und das ist so ein bisschen das Thema, mit dem wir uns beschäftigen, wo wir sagen: OK, da muss es eine gewisse Sicherheit geben, weil wir reden hier über Lebensmittelverpackung oder wenn wir in unser Business Reinraumverpackung gehen, das wäre ja vielleicht auch noch mal ein Thema. Aber da hast du halt entsprechende Anforderungen zu berücksichtigen, wo wir letztlich auch keine Abstriche machen wollen und machen werden, was das Thema Qualität angeht und was das Thema Produktsicherheit angeht. Und vor dem Hintergrund ist das ein schwieriges, herausforderndes Thema, wo wir aber daran glauben, dass auch da etwas passieren muss.
Und da bin ich sehr gespannt, wie sich das Ganze entwickeln wird, weil auch da gibt es ja viele Glaubensrichtungen, nenne ich das mal. Die einen sagen, es geht nur mit chemischem Recycling. Die anderen sagen, auf gar keinen Fall mit chemischem Recycling. Andere glauben an einen Mix aus mechanischem Recycling und chemischem Recycling.
Also ich sage es mal so, ich wünsche mir, dass es uns gelingt, auch für entsprechende Lebensmittelverpackungen die richtigen Lösungen da zu finden, die richtigen, nachhaltigen Lösungen auch mit Recycling Content. Auf der anderen Seite gibt es eben auch die Lösungen. Und das ist sicherlich das, was du auch im Fokus hast. Das sind eben dann die entsprechenden Lösungen, die, was weiß ich, rein PE-basiert sind, wo wir dann entsprechend von Monoverbund-Strukturen sprechen, die wir eben auch im Fokus haben, ganz klar.
Und wenn ich die dann im Kreislauf führen kann, ist das ja auch eine schöne Sache. Als vorletzte Frage, die PPWR hat ja eigentlich ein Ziel, Verpackung zu vermeiden. Vor allen Dingen Verpackungsabfall zu vermeiden. Wenn man ganz ehrlich ist, wenn man das auf einen Nenner bringen will.
Und die gehen im Moment noch mit Samthandschuhen mit dieser Industrie eigentlich um, wenn man es aus dieser Brille, aus dieser Perspektive betrachtet. Die Flexpack-Industrie rühmt sich damit, die Minimalverpackung zu sein, was auch stimmt. Wir haben pro verpackten Kiloprodukt die geringste Verpackungsmaterial-Einsatzquote. Denkt ihr auch darüber nach, mehr Weg mit Flexpack zu machen oder ganz andere Wege zu gehen?
Habt ihr sogar auch Angst davor, euch selber vielleicht abzuschaffen? Also die letztgenannte Angst, uns selber abzuschaffen, haben wir nicht. Aber genau das, was du sagst, es braucht entsprechende Offenheit auch anderen Lösungswegen gegenüber. Ein Lösungsweg kann letztlich auch das Thema Mehrweg sein.
Verpackungsnachhaltigkeit bewerten und optimieren
Da haben wir auch entsprechende Überlegungen, auch vielleicht im Zusammenspiel mit Partnern auf der Kundenseite, mit Partnern auf der Lieferantenseite an der Stelle Dinge zu machen. Und das ist letztlich eben genau das Thema, die Offenheit an den Tag zu legen, wirklich auch Existierendes infrage zu stellen und zu sagen, okay, was fällt uns denn alternativ dazu ein? Und vielleicht habe ich heute noch nicht den passenden Anwendungsfall. Aber vielleicht ist ja morgen oder übermorgen entsprechend gegeben.
Und wie kommen wir gemeinsam dahin? Wie bewertet ihr denn eigentlich die Verbesserung der Nachhaltigkeit eines Verpackungssystems? Habt ihr dann eigene Bewertungskriterien? Viele machen das mit LCA.
Das ist vielen aber zu umständlich. Manche machen das so mit dem CO2-Fußabdruck. Wofür habt ihr euch entschieden? Ja, also ich will es mal so sagen.
Wir haben auch das Thema LCA ist ein entsprechendes Thema bei uns im Hause. Wir haben aber auch entsprechende Anforderungen von Kundenseite, die dann vielleicht mit einem mit einem LCA nicht ausschließlich zufriedenzustellen ist. Also wir haben unterschiedliche Ansatzpunkte an der Stelle. Wichtig ist mittlerweile eben auch, dass wir versuchen, dann bin ich wieder auf der Einkaufsseite, eben auch schon eine starke Transparenz bei uns in der Lieferkette aufzubauen, was das Thema Emissionen angeht.
Das ist eben schon ein Thema, was uns umtreibt und dann eben das möglich klar und eindeutig, so wie wir es brauchen, dokumentieren zu können. Und dann besteht natürlich die Herausforderung, letztlich das nachher in dem Wettbewerb mit anderen auch real vergleichen zu können. Weil da stellen wir halt schon fest, dass dann gerade was das Thema Emissionen angeht, auch vielfach nicht auf derselben Datenbasis verglichen wird. Und das ist, glaube ich, aktuell noch ein großes Thema, wo wir für uns die allumfassende Lösung derzeit noch nicht haben.
Genau so ist es. Ich habe mich also intensiv in der letzten Zeit auch beschäftigt. Papier oder Plastik, das ist gar kein Widerspruch. Manches geht besser so, manches so.
Aber der wird im Halbfilm mit Birnen verglichen. Der eine will eine plastikfreie Welt und will deswegen Papier. Und der andere will noch frischer Luft atmen und will deswegen möglichst niedrigen CO2-Fußabdruck. Und schon werden die beiden sich nicht einig.
Beim CO2 ist Plastik wesentlich besser und bei Plastikfrei ist Papier besser. So ist das normal und da kommen wir nicht beieinander. Wenn du jetzt mal fünf Jahre in die Zukunft schaust, was glaubst du, was hast du dann erreicht mit den Supplier-Days, die es ja vielleicht regelmäßig geben wird und was erhoffst du dir von deinen Lieferanten eigentlich? Also grundsätzlich kann ich schon mal sagen, das haben wir nach unserem Test im letzten Jahr schon mal ganz klar auch in der Nachbetrachtung.
Lieferanten-Feedback und Schwerpunktsetzung
Wir haben unsere Lieferanten ja auch im Nachgang nochmal befragt und um ein echtes Feedback gebeten. Wir werden das definitiv als festes Element bei uns im Lieferantenmanagement verankern. Das heißt, wir werden das regelmäßig machen. Da müssen wir dann nochmal gucken, wie der Turnus zukünftig aussehen wird.
Einfach auch, um dann vielleicht konkret Schwerpunkte setzen zu können, was die Themen angeht. Ob wir dann jedes Mal ein neues Thema haben oder ob wir uns damit auseinandersetzen, was ist zwischen zwei Veranstaltungen konkret passiert. Also es geht aber letztlich auf jeden Fall darum, dass wir das Forum dann auch einfach nutzen, die klassischen Success Stories dann auch zu teilen und wirklich auch dann zu vermitteln, was wir gemeinsam bewegt haben. Und das ist eigentlich das, wo ich mit dem Team auch hin möchte, dass wir es wirklich schaffen, gemeinsam mit der Value Chain, wie es so schön heißt, kontinuierlich die Dinge zu entwickeln und einfach die Lösungen anbieten zu können, die es dann braucht.
Damit wir eben auch in den nächsten Jahren genau die passenden Lösungen für die richtigen Fragestellungen dann auch einfach haben. Also insofern wirklich genau dieses Thema Kollaboration und weitergeben miteinander arbeiten. Das ist für uns das, was wir in den nächsten Jahren mit deutlich mehr Struktur als in der Vergangenheit vorantreiben wollen. Ein echter Appell an Lieferanten, die was bewegen wollen mit und für Bischof + Klein.
Danke schön für dieses tolle Gespräch, Nils Beermann. Ganz zum Schluss, lieber Nils, muss ich dir noch ein Geständnis machen. Du hattest eine tolle Idee oder ihr als Team und habt jedem ein paar Socken mitgegeben, so nach dem Motto „Jetzt machen wir uns auf die Socken“. Was hat es damit auf sich?
Kann ich gut verstehen, dass du das geklaut hast. Wir haben seinerzeit, als wir den Lieferanten-Tag gemacht haben, haben wir halt wirklich gesagt, es wird jetzt Zeit, dass wir uns auf die Socken machen und haben das Ganze mit dem Slogan versehen: Strong Partnership – Smart Solutions. Das ist letztlich das, worauf wir hinaus wollten, dass wir gesagt haben, wir brauchen euch, um die entsprechenden Themen anzugehen. Nur gemeinsam in der Value Chain wird es möglich sein, die entsprechenden Herausforderungen anzugehen.
Und dafür brauchst du auf der anderen Seite eben smarte Lösungen, die wir gemeinsam erarbeiten wollen. Und um das zu erreichen, haben wir uns auf die Socken gemacht. Genauso ähnlich haben wir es auch dann weitergeführt. Bei uns steht drauf: Event to go.
In diesem Sinne, wir gehen es gemeinsam weiter an. Danke für dieses tolle Gespräch. Gerne.
