Bischof + Klein blickt auf eine über 130‑jährige Unternehmensgeschichte zurück. Was als Druckerei begann, entwickelte sich über Papiersacklösungen hin zu einem internationalen Anbieter flexibler Verpackungen für Industrie, Konsumgüter, Medizin und Spezialanwendungen.
Parallel dazu hat sich auch die Rolle des Einkaufs grundlegend verändert. Während früher Konditionen, Preise und Verfügbarkeit dominierten, ist der Einkauf heute ein zentraler Hebel für Nachhaltigkeit, Innovation und Resilienz.
„Nachhaltigkeit ist kein Thema, auf das man nur reagieren kann – sie ist etwas, das wir aktiv steuern wollen.“
Nils Beermann
Gerade Lieferketten sind heute stärker denn je gefordert: geopolitische Krisen, volatile Rohstoffpreise, regulatorische Anforderungen (PPWR!) und steigende Erwartungen von Kunden und Gesellschaft treffen hier unmittelbar aufeinander.
Supplier Day: Mut zur Offenheit
Ein zentrales Element dieser neuen Denkweise sind die Supplier Days, zu denen Bischof + Klein gezielt strategisch relevante Lieferanten – und bewusst auch Anbieter aus unterschiedlichen Warengruppen – einlädt.
Das Bemerkenswerte daran:
- Es geht nicht um klassische Lieferantenbewertungen.
- Es geht nicht um Einbahnkommunikation.
- Es geht um Dialog, Verständnis und gemeinsames Lernen.
Lieferanten, Wettbewerber, Technologiepartner und interne Fachbereiche diskutieren gemeinsam:
- Wo entstehen die größten Nachhaltigkeitshebel?
- Welche technologischen Optionen sind realistisch?
- Welche Risiken, Investitionen und Prozessanpassungen sind notwendig?
Für viele Unternehmen ist diese Offenheit ein großer Schritt – für Bischof + Klein jedoch ein bewusster Teil der Strategie.
Kollaboration ist kein „Soft Skill“
Eines wird im Gespräch sehr deutlich:
Nachhaltige Lösungen entstehen nicht in isolierten Abteilungen und nicht durch Lastenhefte allein.
Wer Verpackungen recyclingfähig machen will, muss:
- Lieferantenprozesse verstehen
- Kunden frühzeitig einbinden
- Zielkonflikte offen benennen
- Scheitern zulassen können
Das erfordert Führung, die Vertrauen ermöglicht, statt nur Kontrolle auszuüben.
Recycling, Rezyklate und Realität
Besonders eindrucksvoll ist der Einblick in Entwicklungsprojekte mit Rezyklaten – etwa im Bereich Hygieneverpackungen. Der Weg dorthin war lang, geprägt von Rückschlägen, Qualitätsproblemen, schwankenden Abfallströmen und hohen Kosten.
Wichtige Erkenntnis:
„Nachhaltige Entwicklung ist kein Sprint – sie ist ein Marathon.“
Für Führungskräfte bedeutet das:
- Langfristig denken
- Projekte auch durch schwierige Phasen tragen
- Lernkurven einpreisen, statt schnelle Erfolge zu erwarten
Nachhaltigkeit braucht Standhaftigkeit
Gerade in Krisenzeiten geraten Nachhaltigkeitsziele schnell unter Druck. Steigende Energiepreise, Rohstoffknappheit oder geopolitische Konflikte verleiten viele Unternehmen dazu, Nachhaltigkeit „temporär“ zurückzustellen.
Bischof + Klein verfolgt bewusst einen anderen Ansatz:
- Nachhaltigkeit als langfristige Investition
- Rezyklate auch aus Gründen der Versorgungssicherheit
- Technologische Optionen offenhalten (mechanisch, chemisch, Mono‑Material)
Diese Haltung verlangt strategische Klarheit und innere Überzeugung – Kernkompetenzen moderner Führung.
Lieferantenbewertung neu gedacht
Ein besonders spannender Aspekt aus Coaching‑Sicht:
Bischof + Klein arbeitet aktuell daran, Lieferantenbewertungen neu auszurichten.
Künftig sollen stärker gewichtet werden:
- Entwicklungsfähigkeit
- Innovationsbeiträge
- Nachhaltigkeitsperformance
- Bereitschaft zur Zusammenarbeit
Das ist ein Paradigmenwechsel: Vom „Lieferanten“ zum Entwicklungspartner.
Gute Ideen brauchen Schutz und Vertrauen
Innovation entsteht nur dort, wo sich Menschen trauen, Ideen zu teilen. Gleichzeitig sind Schutzrechte, Know‑how und Wettbewerb reale Themen.
Die Lösung liegt – wie so oft – nicht im Entweder‑oder, sondern in:
- klaren Vereinbarungen
- früher Transparenz
- professionellem Umgang mit IP
- gegenseitigem Respekt
Auch das ist Führungsarbeit.
Fazit: „Strong Partnership – Smart Solutions“
Der Leitspruch des Supplier Days bringt es auf den Punkt: Nachhaltige Verpackungslösungen entstehen nur gemeinsam.
Für Führungskräfte im Einkauf, in der Entwicklung und im Management heißt das:
- Beziehungen bewusst gestalten
- Kooperation ermöglichen
- Mut zur Unvollkommenheit haben
- langfristig denken
Oder, wie es symbolisch am Ende der Supplier Days hieß:
„Jetzt machen wir uns auf die Socken.“
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