Digitaler Produktpass & Kompass

Albin Kälin sprich beim 23. Inno Meeting über digitale Produktpässe und Kompasse

Im Rahmen des 23. Inno‑Meeting in Osnabrück präsentierte Albin Kälin ein Thema, das für die gesamte Industrie in den nächsten Jahren maßgeblich sein wird: den digitalen Produktpass (DPP) – erweitert um einen „Kompass“, der Unternehmen und Konsumenten bei der Bewertung von Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und Materialgesundheit unterstützt.
Im Gespräch mit Karsten Schröder erläuterte Kälin, warum neue EU‑Gesetze die Branche radikal verändern und wie Unternehmen die zunehmende Komplexität beherrschbar machen können.


Neue EU‑Regeln: Die Karten werden neu gemischt

Kälin betont, dass sich die Ausgangslage vollständig verändert hat:

  • Die EU schafft verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen.
  • Alle Produkte, die in der EU in Verkehr gebracht werden, benötigen einen digitalen Produktpass.
  • Unternehmen müssen Transparenz über Materialien, Inhaltsstoffe, Herkunft, Energie, Lieferketten und End‑of‑Life schaffen.

Seine Botschaft:
Es geht nicht nur um Compliance. Es geht um Zukunftsfähigkeit und Differenzierung.


Produktpass + Kompass: Orientierung statt Datendschungel

Der Produktpass dokumentiert Daten – aber das reicht nicht.
Kälin ergänzt ihn um einen Cradle‑to‑Cradle‑Kompass, der Orientierung schafft.

Der Produktpass dient:

  • der Recycling‑ und Abfallwirtschaft
  • Behörden & Regulatorik
  • Lieferketten
  • Konsument:innen bei der Kaufentscheidung

Der Kompass bewertet:

  • Materialgesundheit
  • Energie & Klima
  • Kreislauffähigkeit
  • Biodiversität
  • Unternehmens‑Ökosystem
  • Lieferketten
  • Rücknahme‑ und Sammelsysteme

„Ein Pass zeigt, was drin ist. Ein Kompass zeigt, wohin die Reise geht.“

Damit können Konsument:innen entscheiden, ob ein Produkt zu ihren Werten passt — und Unternehmen erkennen Entwicklungsbedarf.


Migros‑Projekt: Nachhaltigkeit verständlich machen

Ein Beispiel aus der Schweiz: Migros nutzte den Kompass zur Bewertung von Non‑Food‑Produkten.

Daraus lernte Kälin:

  • Technische Nachhaltigkeitsinformationen sind nicht automatisch konsumententauglich.
  • Handel braucht verständliche Darstellung komplexer Daten.
  • Industrie und Retail müssen eine gemeinsame Sprache finden.

Dieses Wissen floss direkt in das jetzt vorgestellte Tool ein.


Alle Produkte brauchen einen Produktpass – wie soll das gehen?

Karsten Schröder nennt das eine Mammutaufgabe – zu Recht.
Kälin erklärt, wie Unternehmen diese Herausforderung meistern:

  • durch radikale Vereinfachung komplexer Regulatorik
  • durch ein dynamisches Tool, das Gesetzesänderungen flexibel abbildet
  • durch klare Orientierung statt überbordender Datenflut

Das Tool ist keine Zertifizierung, sondern ein lebendes System, das sich mit der Gesetzgebung weiterentwickelt.


Fazit: Der digitale Produktpass kommt – der Kompass macht ihn nutzbar

Für Albin Kälin ist klar:

  • Der digitale Produktpass wird verpflichtend.
  • Unternehmen müssen jetzt Strukturen dafür aufbauen.
  • Der Kompass macht aus Daten echte Entscheidungsgrundlagen.
  • Nachhaltigkeit wird damit vergleichbarer, transparenter und strategischer.

„In Zukunft wird man nach digitalen Produktpässen fragen.“