Fachpack 2024 – Episode 2: Wipf & Coim

Fachpack24 Episode 2: Coim und Wipf

Innovationen und Nachhaltigkeit in der Flexpack-Industrie

Die Fachpack 2024 in Nürnberg ist ein bedeutendes Ereignis, auch für die Flexpack-Industrie, und in der zweiten Episode unserer Serie haben wir spannende Einblicke von zwei Unternehmen im Gepäck: Wipf und Coim. In diesem Blogartikel fassen wir die wichtigsten Themen und Innovationen zusammen, die in den Interviews mit Stefano Di Maiolo von Wipf und Frank Rheinisch von Coim besprochen wurden.

Nachhaltige Technologien bei Wipf

Ultraschall-Siegeltechnologie und Monomaterialien

Stefano Di Maiolo von Wipf wird auf der 8. Europäischen Pouch-Konferenz in Wien über die Vorteile der Ultraschall-Siegeltechnologie sprechen, insbesondere im Zusammenhang mit Monomaterialien und deren Recyclingfähigkeit. Diese Technologie bietet erhebliche Vorteile in der Verarbeitbarkeit und Maschinengängigkeit, was sie zu einer umweltfreundlichen Alternative macht.

Lösemittelfreie Triplex-Kaschiertechnologie

Eine der spannendsten Neuheiten, die Wipf auf der Fachpack 2024 präsentiert, ist die Einführung einer lösemittelfreien Triplex-Kaschiertechnologie. Diese Anlage wird ab Oktober 2024 bei Wipf installiert und soll die CO2-Emissionen erheblich reduzieren. Stefano betont, dass dies ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist und dass die ersten Tests und Optimierungen der Maschine bald beginnen werden. 

Science Based Targets Initiative (SBTi)

Wipf hat sich der Science Based Targets Initiative (SBTi) angeschlossen, um ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Stefano erklärt, dass Wipf bereits die Ziele für Scope 1 und Scope 2 erreicht hat, die direkte und indirekte Emissionen umfassen. Der Fokus liegt nun auf Scope 3, das die gesamte Lieferkette betrifft. Dies ist besonders wichtig, da der größte Teil der Emissionen in der Lieferkette entsteht.

Coim’s Expansion in den Druckfarbenmarkt

Integration von Druckfarben (Inks)

Frank Rheinisch von Coim erläutert, warum das Unternehmen beschlossen hat, Druckfarben in ihr Portfolio aufzunehmen. Die Entwicklung von PVC-freien Systemen und die Nachfrage nach High-Performance-Druckfarben haben zu einem Anstieg von Polyurethan-basierten Druckfarben geführt, die perfekt zu Coim’s chemischem Know-how passen.

Bedeutung von Coatings

Coatings spielen eine immer wichtigere Rolle in der Flexpack-Industrie, insbesondere bei der Entwicklung von Monomaterialstrukturen. Frank erklärt, dass Coatings heute nicht nur optische Effekte bieten, sondern auch Barriereeigenschaften und Recyclingfähigkeit verbessern müssen. Coim arbeitet daran, ihr Portfolio an funktionalen Coatings kontinuierlich zu erweitern.

Recyclingfähigkeit und Klebstoffe

Ein weiterer Schwerpunkt von Coim liegt auf der Verbesserung der Recyclingfähigkeit ihrer Klebstoffe. Frank betont, dass die Klebstoffe den Recyclingprozess nicht negativ beeinflussen dürfen. Coim hat bereits mehrere Systeme zertifiziert und arbeitet weiter daran, die Recyclingfähigkeit ihrer Produkte zu optimieren.

Schauen Sie mal rein:

Folge uns und verpasse keine Episode

 Apple Podcast

 Spotify

 Deezer

Youtube

 RSS Feed


Transkript

Automatisch generiertes Transkript. Kann einzelne Fehler enthalten. Bitte den Originalton für verbindliche Aussagen verwenden.

Dritter Messetag Fachpack Nürnberg. Wir machen einen kleinen Messe-Rundgang hier für die Flexpack-Industrie. Freuen sich auf einige Termine, die ich gemacht habe mit Flexpack-Vertretern auf der Fachpack hier in Nürnberg 2024. Ich freue mich auf spannende Gespräche und ich nehme sie einfach mal mit.

Nächste Station Wipf. Ich spreche mit Stefano. Stefano, du wirst vortragen in Wien bei der Pouch-Konferenz zum 8. Mal.

Sprechen wir dort über Pouches. Was hast du dafür mitgebracht? Ja, hallo. Ich freue mich drauf auf die Konferenz, muss ich ganz ehrlich sagen.

Der Fachaustausch ist sehr wertvoll stets bei diesen Konferenzen. Wir werden uns primär mit dem Thema Ultraschall-Siegeltechnologie im Zusammenhang mit Monomaterialien beschäftigen. Wir werden im gleichen Zusammenhang auch alles, was irgendwo das Thema Recyclingfähigkeit tangiert, mit einbauen. Also auch preisgeben, was wir als Firma dort tun.

Wir haben jetzt gerade an der Fachpack hier eine Weltneuheit zu präsentieren. Wir werden die erste Triplex-LF, lösemittelfrei, Kaschiertechnologieanlage installieren ab Oktober bei uns im Hause. Auch das rein aus Nachhaltigkeitsgründen. Und das sind alles Themen, die ich anschneiden werde und hoffe dort auf interessante Rückfragen zu dem Ganzen.

Wir haben eben im Vorgespräch schon über Scope 1, Scope 2, Scope 3 gesprochen. Du hast gesagt, ihr seid fertig mit Scope 1, Scope 2. Was meinst du damit? Das Ganze basiert auf SBTI, Science Based Target Initiative.

Das ist ein Programm, da meldet man sich an sozusagen und stellt sicher, dass man seine Ziele zum Treibhausgasausstoß bis in eine gewisse Zeitperiode erfüllt. Sprich Minimierung, Reduzierung, Net Zero ist das Ziel, also bis auf Null. Das Ganze geht bis in den Zeitrahmen 2045, 2050 rein. Scope 1 und Scope 2 betreffen direkten Ausstoß.

Also was habe ich in meiner Fabrik, durch meine Produkte, aber auch in meinem eigenen Maschinenpark oder auch Kfz-Park zum Beispiel. Also auch indirekt, aber trotzdem irgendwo von mir direkt beeinflussbar. Habe ich nur E-Autos, aber habe ich Benziner, spielt da alles mit rein in Scope 1 und Scope 2. Scope 3 betrifft die gesamte Lieferkette.

Scope 3 Emissionen und Nachhaltigkeitsziele

Und wir wissen, SBTI, die Organisation, weiß, der größte Teil des Ganzen findet in Scope 3 statt. Das bedeutet, der größte Ausstoß findet nie statt auf Ebene der eigenen Fabrik. Und das betrifft dann auch nicht nur uns, das berichten doch die Nestlés und Unilevers und Mars dieser Welt. Sondern sie müssen an der Lieferkette arbeiten und sicherstellen, dass dort der Ausstoß minimiert wird, um diese 70–80 % Gesamtaustoße an Fällen, die in dem Bereich liegen, eben auch weiter zu reduzieren.

Und wir sind Scope 3 für unsere Kunden. Das bedeutet, wir müssen an unserem Ausstoß arbeiten, um sicherzustellen, dass sie ihre Ziele erreichen können. Das ist ja eine hochspannende Sache. Du willst ja auch sprechen über Ultraschall.

Jetzt nehmen wir die beiden Dinge doch mal unter die Lupe. Ultraschall zum einen und zum anderen das lösemittelfreie Kaschieren. Ist das beides Scope 3 und wie bewertet ihr das in dem Zusammenhang? Für uns ist das alles beides Scope 1.

Für unsere Kunden wird das Scope 3 sein, weil einfach der Gesamtausstoß der Firma Wipf und die Produkte, die die Firma Wipf an X, Y liefert, runtergehen wird durch das Ganze. Der Ausstoß und Science-based Target Initiative würde ich nicht so sehr in Zusammenhang bringen mit der Ultraschall-Siegeltechnologie. Die Ultraschall-Siegeltechnologie wenden wir an, primär um Verarbeitbarkeit, Maschinengängigkeit bei den Kunden zu gewährleisten. Wir haben festgestellt, dass die Siegeltechnologie Vorteile bietet, zum Beispiel was die Planlage angeht bei Beuteln als Beispiel.

Das bedeutet, das bezieht sich eher darauf, dass Dinge, die man sich vornimmt und die positiv für die Umwelt sind, Monomaterialien, am Ende auch maschinell umsetzbar sind beim Kunden. Würde ich nicht so sehr Science-based Target Initiative mit reinbringen. Lösemittelfreiheit bei der Kaschierung hingegen ist ein ganz klarer, ein riesen Unterschied. Es werden weniger CO2-Emissionen ausgestoßen dadurch, dass lösemittelfreie Klebstoffe in der Kaschierung angewendet werden im Vergleich zu einem gleichwertigen Produkt, das mit lösemittelhaltigen Klebstoffen gemacht wird.

Insgesamt ist es ja sogar auch so, dass lösemittelfreie Klebstoffe dünner aufgetragen werden, dass man halt weniger Klebstoff drin hat. Seht ihr auch dann schon oder schaut ihr schon darauf, wie ist die Recyclingfähigkeit von diesen Klebstoffen, die wir dann lösemittelfrei kaschieren? Oder geht es erstmal nur darum, die Lösemittel rauszunehmen und Recyclingfähigkeit kommt dann später? Wie seid ihr da im Moment aufgestellt?

Natürlich denken wir daran, aber um ganz ehrlich zu sein, die Maschine wird nächsten Monat erst aufgestellt. Wir wissen auch, dass wir uns rantasten müssen. Wir werden auch nicht mit vierfach verbundenen, sterile, pharma, medical beginnen. Also ich nehme jetzt irgendein Segment, was einfach sehr, sehr komplex ist, sehr anspruchsvoll ist.

Ganz bestimmt nicht, sondern es ist schon so, um ehrlich zu sein, der erste Schritt wird sein, lasst uns Lösemittel reduzieren. Und dann schauen wir, welche Spezifikationen wir damit tangieren können. Natürlich planen wir so viel wie möglich Triplex-Spezifikationen, sprich irgendwo eine Barriere-Schicht, irgendwo eine Siegelschicht sowieso, aber auch irgendwo eine Druckschicht mit einzubauen. Also irgendwo, um die Grenzen und die Vorteile der Maschine auch maximal auszunutzen.

Triplex-Verbund mit doppelter Kleberschicht

Bei einem Triplex-Verbund habe ich zwei Kleberschichten ganz klar, habe also doppelt eingespannt, wenn ich auf Lösemittel verzichten kann. Wie der Klebeauftrag sein wird, wie wir Verbundhaftung sicherstellen, welche Menge Klebeauftrag sein wird. Auch die finalen Kleber, natürlich sind wir da tief drin, aber entschieden wird es, wenn die Maschine aufgefahren wird und wenn positiv getestet wird. Das heißt wirklich Step-by-Step, erster Schritt Lösemittel runter, alles andere, was du gerade genannt hast, auf jeden Fall mit dem Fokus, ist aber nicht der erste Schritt.

Vielen Dank für diese tollen Ausführungen, ich freue mich auf Wien im November. Dankeschön. Danke ebenfalls. Nächste Station Fachpack 2024, Wipf & Coim, mein ehemaliger Arbeitskollege Frank Reinisch ist Geschäftsführer in Deutschland von der Unternehmung.

Wir stehen hier nicht nur vor dem Bild von Farben, sondern hier steht auch etwas von Inks, Frank. Frank, ihr habt euch mutig gezeigt und habt auch die Inks mit ins Portfolio genommen. Was ist der Grund? Genau, wir bereiten uns da aus.

Wir sind ein klassischer Klebstoffhersteller bzw. von der Grundchemie sind wir Polyurethan- und Polyesterhersteller. Das passt mit den Mehrkomponenten-Systemen immer gut zusammen. Die Druckfarben sind immer Partner von uns gewesen.

Also in jedem Verbund, entweder wird ein Verbund außen bedruckt oder in Zwischenlagen bedruckt und unser Kleber ist auch in Kontakt damit. Von daher sind wir immer schon in Kontakt gewesen. Wir haben auch immer schon Kohlbindemittel die ganzen Jahre vorher gemacht. Aber die Vielfalt der Druckfarben war ja sehr breit von PVC, NC-Farben, PVB-Farben und das ist nicht unser Metier gewesen, ganz ehrlich.

Mit der Änderung, dass PVC-freie Systeme in den Markt gekommen sind und man nach Alternativen gerade im High-Performance-Bereich gesucht hat, sind Polyurethan-basierte Druckfarben aufgekommen. Das ist unsere Chemie, das ist unsere Basis, wo wir die Rohstoffe haben, das Know-how haben und das Gleiche eigentlich für die Klebstoffe nutzen. Und da haben wir eigentlich die Chance gesehen, dass wir da jetzt einsteigen könnten und auch den Markt damit unterstützen können. Es sind ja wahnsinnige Umbrüche im Moment im Verbundfolienbereich zu beobachten.

Viele entwickeln Monomaterialstrukturen und im Vorgespräch hast du mir schon verraten, dass auch Coatings bei euch eine zunehmendere Bedeutung bekommen. Warum? Was müssen Coatings heute mehr können, als was sie früher konnten und warum wächst das? Coatings waren ja in der Vergangenheit klassische Overprint-Vanische, also Schutzlacke, die noch irgendwelche optischen Effekte hatten.

Mud, Glanz oder irgendwelche Lacke oder irgendwelche Siegellacke. Wenn wir jetzt von Mono verbunden sprechen, sprechen wir ja nicht unbedingt nur von Monostrukturen, das können ja trotzdem Laminate sein. Das heißt, unsere Klebstoffe sind immer noch involviert, müssen ja immer noch mehrere Materialien zusammenbringen. Dann aber weniger vielleicht Strukturen, wo jetzt Aluminium, Polyester und ein PE zusammen kaschiert wird, sondern wo dann ein MDOPE oder mit einem entsprechenden Siegel-PE zusammen kommt.

Barriereschichten und Coating-Lösungen

Aber es fehlt ja dann vielleicht eine Schicht wie ein Aluminium oder was man früher hatte, wo eine Barriere involviert war. So, und jetzt muss man halt gucken, wenn ich das raushaben will. Ich kann ja aber nicht darauf verzichten. Ich will ja mein Lebensmittel schützen und ich will ein gewisses MID erzeugen.

Und ich muss aufpassen, dass ich da ja nicht schlechter werde. Und von daher kommen da die Coatings auch mit rein. Coatings haben wir schon seit über 20 Jahren auch im Programm, mehr in dem klassischen Bereich. Aber haben jetzt auch dann Coatings, die dann Zusatzfunktionen haben, neben der Optik, neben der Siegeleigenschaft, dann halt auch noch ein bisschen Barrierewirkung.

Das kann man auch für Folien nehmen, wie auch für Papier nehmen. Das sind verschiedene Produkte, die wir da auch im Angebot haben und das Portfolio bauen wir immer weiter aus. Ist die Chemie von den Farben, den Coatings und den Klebstoffen dann alles vorzugsweise Polyuretan, Polyesterchemie oder wo ist da der gemeinsame Nenner? Genau, das wäre uns am liebsten, dass wir Material nicht zukaufen müssen und dann nur durchreichen.

Wir brauchen eine gewisse Veredelungstiefe und würden unser Know-how natürlich auch dafür nutzen. Und das gelingt uns in den Klebstoffen zu 100 Prozent. In den Lacken ist es immer noch ein Mix. Und in den Farben, wo wir unseren Fokus darauf geben, auf die reinen Polyuretan-Druckfarben, dann können wir dann auch komplett unsere Chemie mit einbringen.

Wie sieht es aus bezüglich Recycling-Fähigkeit? Wenn ihr jetzt diese Polyuretan-Systeme, Farbe, Coatings und Klebstoffe vielleicht in einem Monomaterial verbunden habt, wird er dadurch denn trotzdem besser recyclefähig? Ja, wir haben neue Eigenschaften, die wir brauchen. Auch die Klebstoffe müssen sich weiterentwickeln.

Auch wenn wir jetzt in diese Monoverbunde reingehen und trotzdem noch laminieren und der gesamte Verbund muss dann recycelt werden, dann muss der Kleber das auch mitmachen. Das heißt, wir haben auch eine neue Eigenschaft für die Klebstoffe, dass diese Klebstoffe den Recycling-Prozess nicht zu stark negativ beeinflussen. Und da sieht man deutliche Unterschiede. Und da waren wir die letzten Jahre auch dabei, zu gucken, was beeinflusst das eigentlich positiv oder negativ.

Das sind schon große Schritte. Wir haben jetzt bei Recyclarz aktuell vier Systeme zertifiziert und sind auch weiterhin noch dabei. Es ist halt ein langer Prozess, der über mehrere Monate dauert, aber das ist im Prinzip eine Eigenschaft, die in der Zukunft wahrscheinlich für alle Klebstoffe, außer vielleicht im Speziellen, wo dann nur noch High-Performance-Verbunde, wo auch noch klassische Materialien wie Aluminium verarbeitet werden oder ein anderer Materialmix verarbeitet wird, einfach ein Muss ist, dass man auch diese Recycling-Fähigkeit hat. Hochspannend, also nicht nur mehr Barriere in die Coatings, sondern auch Recycling-Fähigkeit berücksichtigen und das sowohl mit Farbe als auch mit Klebstoffen ist so ein bisschen das Resümee, was ich mitgenommen habe.

Gerade bei den Farben, wo du es noch ansprichst, ist es ja auch so, dass es von den Richtlinien so ausschaut, dass eine Polyurethan-basierte Druckfarbe eine bessere Recycling-Fähigkeit hat als eine Nitrozellulose-basierte. Und da gibt es ja immer noch den Mix, wie viel noch von der Nitrozellulose auch in PU drin sein kann. Wir sprechen da von PU-NC, NC-PU-Systemen. Aber unser Ziel ist eigentlich, auf reine PU-Systeme zu kommen, da eine komplette Range für den Tiefdruck, für den Flexo-Druck anzubieten.

Monosolvent-Basis für Marktkompatibilität

Und wenn es geht, auch noch auf Monosolvent-Basis, weil das auch viel von den Anlagen, die im Markt sind, dass da noch besser verarbeitet werden kann. Vielen Dank für den kurzen Einblick hier in diese komplexe Welt der drei Systeme. Vielen Dank, Karsten.