Erste INNO‑Fiber: Erfolgreicher Auftakt für papierbasierte Flexpack‑Lösungen

Interview Visual Felix Scghoeller mit INNO-Fiber

INNOFORM zu Gast bei Felix Schoeller – Interview mit Julian Thielen und Guido Hofmeyer

Mit der ersten INNO‑Fiber hat Innoform ein neues Branchenevent etabliert – und direkt ein starkes Signal gesetzt. Rund 70 Teilnehmende vor Ort sowie weitere im Livestream diskutierten an anderthalb intensiven Tagen über papierbasierte Verpackungslösungen, Regulierung, Technik und Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Für Julian Thielen, den neuen Geschäftsführer von Innoform Coaching, war es die erste vollständig selbst konzipierte und moderierte Veranstaltung. Sein Fazit fällt eindeutig aus: Grandios.“

Ein neues Format – und ein starkes Team

Die INNO‑Fiber war von Beginn an als Dialogplattform gedacht. Ziel war es nicht, klassische Keynotes zu liefern, sondern praxisnahe Einblicke von Menschen, die wirklich hinter ihren Themen stehen. Genau das wurde von den Teilnehmenden besonders positiv hervorgehoben: die Qualität der Vorträge, die logische Dramaturgie der Themen und das spürbare Engagement aller Beteiligten.

Auch organisatorisch zahlte sich der Teamansatz aus. Programm, Referierende und Diskussionen griffen ineinander – und setzten sich in den Gesprächen nach den Vorträgen fort.

Gastgeberpaket: Industrie erleben statt nur zuhören

Ein besonderes Element der INNO‑Fiber war das Gastgeberpaket. Nach dem ersten Veranstaltungstag bei Innoform folgte am zweiten Tag der Besuch bei Felix Schoeller. Gastgeber Guido Hofmeyer hatte keine Sekunde gezögert, dieses neue Format zu unterstützen.

Der Gedanke dahinter: Papier für den Flexpack‑Markt nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern direkt in der Produktion erlebbar zu machen. Für Hofmeyer war schnell klar, dass genau solche Formate gebraucht werden:

„Wir müssen mehr miteinander reden. Formate wie die INNO‑Fiber bringen genau die richtigen Menschen zusammen, um den Wandel gemeinsam wirklich hinzubekommen.“
Guido Hofmeyer, Felix Schoeller

Gerade der zweite Veranstaltungstag zeigte, wie wertvoll dieser Perspektivwechsel ist – vom Vortragssaal direkt an die Maschine.

Warum INNO‑Fiber? Papier ist eine spannende Welt für Flexpacker

Lange Zeit war Flexpack nahezu synonym mit Kunststoff-Folie. Doch das ändert sich grundlegend. Papierbasierte Lösungen gewinnen rasant an Bedeutung – getrieben durch PPWR, Nachhaltigkeitsziele und neue Marktanforderungen.

Julian Thielen bringt es auf den Punkt: Für viele, die aus der Folienwelt kommen, ist Papier Neuland. Es gibt Unsicherheiten, Wissenslücken – und manchmal auch Widerstände. Genau hier setzt die INNO‑Fiber an: Verständnis schaffen, Wissen teilen und einen eigenen Raum für dieses Thema bieten.

Die gesamte Wertschöpfungskette an einem Tisch

Ein häufig geäußerter Wunsch bei Innoform‑Tagungen ist eine stärkere Einbindung von Markenartiklern. Mit dem Gastgeberpaket der INNO‑Fiber ist das gelungen. Die Struktur der Teilnehmenden war bewusst breit aufgestellt:

  • Markeninhaber
  • Converter
  • Maschinenbauer
  • Papierhersteller
  • Zulieferer
  • Regulatorik‑Expert:innen

Dieses bunte Potpourri machte die Diskussionen besonders wertvoll – und führte zu neuen Kontakten und konkreten Ansätzen für zukünftige Zusammenarbeit.

Warum Tesa? Kleine Komponenten, große Wirkung

Mit Tesa war ein Supporter dabei, der eindrucksvoll zeigte, wie entscheidend scheinbar kleine Komponenten sein können. Klebebänder spielen eine zentrale Rolle beim Rollenwechsel, in der Verarbeitung und im laufenden Produktionsprozess papierbasierter Verpackungen.

Gerade hier wird deutlich, wie eng alle Zahnräder ineinandergreifen müssen, damit papierbasierte Lösungen zuverlässig funktionieren – ein Kerngedanke der INNO‑Fiber.

PPWR, Barrieren und neue papierbasierte Lösungen

Die PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) war ein zentrales Thema der INNO‑Fiber. Felix Schoeller zeigte, wie Papierhersteller mit technologischer Vielfalt darauf reagieren:

  • Dünne PE‑Extrusionsbeschichtungen bis 3 – 4 g/m²
  • Mehrlagige Extrusionslösungen
  • Dispersions‑ und Curtain‑Coating‑Technologien
  • Präzise, anwendungsorientierte Barriereeigenschaften

Ziel ist es, faserbasierte Verpackungslösungen zu entwickeln, die sowohl regulatorisch tragfähig als auch technisch beherrschbar sind.

Frischfaser, Recycling – und Offenheit

Ein wichtiger Diskussionspunkt auf der INNO‑Fiber war die Frage nach Frischfaser versus Rezyklaten. Felix Schoeller setzt derzeit überwiegend auf Frischfaser – aus funktionalen Gründen und aufgrund der Produkthistorie. Gleichzeitig wurde betont: Die Branche ist im Wandel, und Offenheit bleibt entscheidend.

Kooperation bedeutet dabei mehr als Austausch: Sie muss praktisch umgesetzt werden – auch mit externen Papieren und gemeinsamen Lösungsansätzen.

Wie geht es weiter mit der INNO‑Fiber?

Die Fortsetzung der INNO‑Fiber ist bereits in Planung. Parallel steht mit der INNO-Circle am 1. und 2. Juli 2026 in Würzburg das nächste große Innoform‑Event an. Dort wird das Thema Kreislaufwirtschaft – inklusive papierbasierter Ansätze – weiter vertieft.

Eines ist nach der ersten INNO‑Fiber klar:
Der branchenweite Dialog hat begonnen. Der Bedarf ist da. Und dieses Format macht Lust auf mehr.


Transkript

Erste Inno-Fiber ist vorbei, Julian. Deine erste selbstorganisierte, selbst zusammengestellte, selbst moderierte Tagung bei Innoform als neuer Geschäftsführer. Wie war es für dich? Grandios. Natürlich vorher viel Planung gehabt. Wir sind als Team, glaube ich, super zusammen gewesen. Haben wir gestern auch einfach gutes Programm, gute Speaker, alles gut aneinander aufgebaut, auch aufeinander referiert und hat gut geklappt. Die Gespräche danach haben es auch gezeigt. Also ich bin sehr zufrieden.

Wir hatten rund 70 Teilnehmer vor Ort, noch mal einige im Livestream, rund 17, glaube ich. Das war auch ein Verdienst von Chef Felix Schöller. Wir sprechen hier auch mit Guido Hofmeyer. Guido, wir haben uns erst vor weniger als einem Jahr kennengelernt und du hast sofort die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, unserer neuen Idee zu folgen. Gastgeberpaket nennen wir das. Du hast also gesagt: „Okay, ersten Tag Remark, wie immer.

Zweiten Tag kommt doch bitte zu uns und guckt euch mal die Papierproduktion für den Flexpack-Markt an.“ Was hat dich dazu bewogen? Das war wirklich relativ schnell klar, nachdem wir uns tatsächlich vor einem guten Jahr erst kennengelernt haben. Wir wollen ja unsere Verpackungsaktivitäten nach vorne treiben und mir haben diese anderthalb Tage wirklich gezeigt, wir sind da sehr gut beraten gewesen, euer Angebot da auch anzunehmen. Und Julian, noch mal an dich, wirklich Gratulation. Das war richtig klasse.

Ich bin froh, dass wir das gemacht haben. Das war ja relativ schnell, dass wir gesagt haben, natürlich, das macht total Sinn. Weil eines ist, glaube ich, in diesen anderthalb Tagen auch noch mal wirklich sehr deutlich geworden: Wir müssen mehr miteinander reden. Wir brauchen Formate wie diese. Wir haben es hier mit einer Veränderung zu tun. Das ist schon was anderes, ob ich eine Folienverpackung oder eine Papierverpackung habe.

Und das habe ich heute wirklich auch sehr positiv mitgenommen, dass wir diese Bereitschaft haben. Da hilft so ein Format. Es war die erste Inno-Fiber, perfekt getimt. Ich muss sagen, die Auswahl der Themen, die Reihenfolge der Themen und auch die Qualität der Vortragenden war wirklich toll. Das sind ja alles in der Regel keine professionellen Keynote Speaker, sondern Menschen, die hinter den Themen stehen und das hat man sehr deutlich gespürt. Also sehr gut.

Julian, du hast dich stark gemacht für dieses Thema, was ja eigentlich zu Innoform nicht so richtig passte bisher, dachte man, dachten viele Kunden. Habe ich auch in vielen Gesprächen gestern gehört: „Wieso? Ihr macht doch Kunststoffverpackungsprüfung.“ „Nein, wir machen auch Seminare zum Papierbereich.“ Wieso bist du so auf dieses Fiber-Thema abgefahren? Warum hast du das so nach vorne gepusht? Im Prinzip machen wir alles für Flexpacker.

Und gezwungenermaßen war Flexpack bisher einfach immer Folie, aber es war halt einfach immer so. Und jetzt kommt seit einigen Jahren jetzt Papier, halten wir mehr auf. Gründe gibt es viele, aber das ist eine komplett neue Welt für die meisten, die bisher Folien hatten. Und da müssen wir ein Verständnis für schaffen. Da ist erst mal manchmal Unwillen, manchmal Unwissen und alles müssen wir gemeinsam bekämpfen und dem wollten wir einen eigenen Rahmen geben. Und das haben wir heute hier gemacht.

Wir haben immer wieder die Kritikpunkte bei unseren Tagungen: Zu wenig Markenartikler. Deswegen haben wir uns dieses Gastgeberpaket ausgedacht und haben euch gebeten: Guckt doch mal, wen habt ihr denn an VIPs, die ihr mit einladen könnt? Wie ist die Sicht aus deiner Sicht? Wir haben natürlich mehr so die Hardcore-Techniker mitgebracht. War das für euch hilfreich? Sind das für euch überhaupt wertvolle Kontakte? Auf jeden Fall. Also das hätte ich eben auch gleich schon mitgeben können.

Hochkarätige Kunden und Branchenmix vertreten

Wir hatten in der Teilnehmerschaft wirklich auch ein ganz buntes Potpourri und für uns natürlich wichtig: Wir wollen ja wachsen, also brauchen wir auch neue Kunden und dafür brauchen wir die Kundenbeziehung und wir hatten eine ganz tolle Resonanz, muss ich wirklich sagen.

Also wir hatten sehr hochkarätige Kunden, die auch sehr spontan zugesagt haben und das hat mich sehr gefreut, weil wir haben dann quasi vom Markeninhaber über die Converter, über die Maschinenbauer, wir als Papierhersteller und auch andere Papierhersteller und alles drumherum, Beiträge aus der Regulatorik, also alles, was man eigentlich braucht und beleuchten muss in der Wertschöpfungskette, um diesen Wandel auch hinzubekommen. Also von daher, ich habe es eben schon gesagt, wirklich sehr gut. Macht Lust auf mehr.

Bei uns ist es ja so, die Referenten werden ja von uns im Prinzip ausgesucht. Man kann sich bei uns melden, aber wir haben diesmal auch einen Supporter dabei gehabt: Tesa. Passte natürlich hervorragend zum Thema, einmal für die Verarbeitung, aber auch für die Produktpalette. Wie bist du darauf gekommen? Wir hatten einfach gesehen oder wir sehen einfach, dass das Thema total vielschichtig ist.

Und wir haben eben auch an den Maschinen gesehen, da hängen die Bänder auch und du musst natürlich klarmachen, dass wenn sich diese riesigen Papierrollen drehen und die eine ist vorbei und die nächste kommt heran. Wenn das nicht reibungslos funktioniert und das ist so ein kleiner Schnipsel in dem Sinne, der muss auch perfekt funktionieren. Und wenn alles drin bleibt, dann muss das ja auch wiederum im Papierprozess funktionieren.

Also das sind viele kleine Dinge, die zusammenarbeiten müssen, und deshalb müssen wir – du sagtest es auch – es müssen Allianzen dabei sein, wir müssen alle miteinander reden, und das geht bis auf das kleinste Rad. Genau. Wir haben PPWR immer mal wieder natürlich in Vorträgen gehört. Die treibt uns ja auch und führt ja auch zur Paperization, wie wir es ja neudeutsch denken. Welche neuen Eigenschaften kann Schöller vielleicht dazu beitragen?

Welches Angebot macht ihr überhaupt euren potenziellen Kunden und den Kunden, die ihr jetzt schon habt? Also wir sind natürlich ein Papierhersteller, aber gerade im Bereich Verpackung glaube ich, können wir mit noch viel mehr punkten, was uns auch unterstützt, gerade in der PPWR, in der Regulatorik. Wir beschichten ja auch unsere Papiere. Wir haben Extrusionsanlagen ganz verschiedener Art und wir können aber eben mit diesen Anlagen heruntergehen bis zu drei, vier Gramm PE-Beschichtung.

Wir können mehrlagige Extrusionsbeschichtung machen. Wir können im Dispersionsverfahren Curtain-Coating-Technologie anbieten, die wir schon haben, die sehr präzise Barriereeigenschaften bieten kann, und auch sicherlich einen Beitrag leisten kann, im Rahmen der Regulatorik eben neue Faser-Papier-basierte Lösungen in den Markt zu bringen. Und da sind wir sehr davon überzeugt, dass wir mit diesen Angeboten eben viele unterstützen können, die natürlich jetzt auf der Suche sind nach neuen Lösungen.

Wir haben viel gesprochen, auch über Kreislaufwirtschaft, logischerweise. Das ist der Sinn der PPWR, die zu befeuern. Und da ist natürlich Papier besonders bevorzugt, weil es schon Kreisläufe gibt, weil es preiswerter ist, vielleicht ein Rezyklat einzusetzen als eine Frischfaser. Ihr geht einen anderen Weg. Ihr setzt kein Rezyklat ein, wenn ich das bei der Führung eben richtig verstanden habe. Was ist da die Strategie? Ja, also wir nutzen heute hauptsächlich Frischfaser.

Zellstoff-Innovationen und Produktentwicklungen im Fokus

Wir haben in ganz geringen Anteilen andere Zellstoffe. Das ist bei uns natürlich die Historie. Also die Produkte, die wir heute herstellen – sei es Dekorpapiere oder eben Imaging-Papiere, auch die Release-Papiere – die Anforderungen für die Anwendungen, die wir da zu erfüllen haben, die ermöglichen uns nur sozusagen den Einsatz von Frischfaserzellstoff. Aber wir haben das heute auch gesehen.

Es tut sich auch da eine ganze Menge, und auch wir werden sicherlich immer wieder offen und neu und wertfrei reinschauen, ob das, was wir heute tun, Bestand hat für die Zukunft. Auch wir müssen da auf der Papierseite natürlich offen sein. Aber wichtig ist für uns auch: Wir sind auch nicht nur darauf aus, unsere eigenen Papiere einzusetzen. Also wir sind durchaus auch offen, andere Papiere mit anderen Eigenschaften einzukaufen und dann mit unseren Barriereeigenschaften zu veredeln.

Also ich glaube, das ist auch noch mal ein wichtiger Baustein, einfach zu sagen: „Seid offen.“ Also das, was wir gut können, das bringen wir ein und wenn es mal nicht passt, dann nehmen wir auch gerne was anderes. Also tatsächlich nicht nur Kooperation drüber reden, sondern wirklich machen. Das tun wir. Julian, wie geht es weiter mit Inno-Fiber? Du kommst aus der Kreislaufwirtschaft und da hast du natürlich auch neue Konferenzen im Sinn. Was kommt als Nächstes? Wie geht es mit Inno-Fiber weiter? Genau.

Also Inno-Fiber, machen wir uns den Plan fürs nächste Jahr, ob wir es direkt wieder starten. Jetzt haben wir am 1. und 2. Juli die Inno-Circle. Das ist unsere Nachhaltigkeitsveranstaltung, wo wir alles rund Kreislaufwirtschaft, die Papierthemen auch noch mal in einem kleinen Block quasi reinverfrachten, um da wirklich die Kreislaufwirtschaft innerhalb der Folien und flexiblen Verpackungen noch mal zu machen. Also 1., 2. Juli in Würzburg geht es da weiter. Danach kann nichts mehr kommen.

Danke schön, Guido Hofmeyer und Julian Thielen. Ja, vielen Dank an euch beide. Danke auch euch.