Südpack: Einstofflösungen und Verbundstrukturen haben Zukunft

Lutz Nuegebauer

Lutz Neugebauer spricht über umweltfreundliche Kunststoffverpackungen unter besonderer Berücksichtigung des CO2-Fußabdrucks. Dies tut er aus Sicht eines Flexpack-Herstellers.

Er diskutiert den Einsatz von Life Cycle Assessment (LCA) für die Produktions- und Entsorgungsanalyse und vergleicht verschiedene Verpackungskonzepte. Das Potenzial von Drop-In-Polymeren zur CO2-Reduzierung wird ebenso beleuchtet wie der Fokus des Unternehmens auf Polyamid-PE Verbundfolien, wo diese einen echten Mehrwert bedeuten.

Zu den Strategien gehören die Umstellung auf Einstofflösungen, Einsatz von Polypropylen, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und das Recycling durch mechanische Prozesse, aber auch die Pyrolyse. Dieses Interview haben wir im Rahmen der Tagung: Umweltgerechte Kunststoffverpackungen am 11. Juni 2024 in Würzburg aufgenommen.

Live-Aufnahme aus Würzburg, Juni 2024

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Transkript

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Ich spreche jetzt mit Lutz Neugebauer, er hat heute Morgen einen Vortrag gehalten, hier bei der umweltgerechten Kunststoffverpackung in Würzburg, zum Thema, ja, aus Sicht eigentlich des Veredlers. Du hast Vorredner gehabt, die so ein bisschen die Polymerproblematik dargestellt haben, CO2-Fußabdruck war das Thema. Was war deine Kernaussage deines Vortrages aus Sicht von Südpack? Ja, vielen lieben Dank, dass ich hier sein darf.

Wir haben probiert, den Zuhörer einen Einblick zu verschaffen, mit Hilfe einer LCA, wo die großen Stellschrauben sind. Wir sind angefangen quasi mit dem Infeed-Material, haben uns dann quasi einmal die Produktion von Südpack angeguckt und im nächsten Step dann noch die Entsorgung und haben das Ganze dann in einer CO2-Bilanz gegenübergestellt und dort dem Zuhörer einen Eindruck gegeben. Ich habe so ein bisschen wahrgenommen, die LCA, also die Life-Cycle-Analyse ist auch ein bisschen umstritten. Da muss man die Systemgrenzen beachten, man muss die Datenbanken beachten.

Ihr habt euch auf CO2 fokussiert hauptsächlich. Warum habt ihr das gemacht? Ja, ich sage mal so, erst mal um deinen vorigen Punkt mal aufzuzeigen, es gibt natürlich verschiedene Ansätze. Das hatte ich auch gesagt, einmal eine Klasse Screening-LCA, wo dann mehr oder weniger auf Datenbanken zurückgegriffen werden und wenn wir dann über eine LCA sprechen, wo dann wirklich Primärdaten, das heißt, wir greifen auf Daten aus unserer Produktion zurück.

Und ja, ich denke, das ist aber eine ganz gute Möglichkeit, um den Kunden quasi verschiedene Verpackungskonzepte einfach mal gegenüberzustellen und ihm zu zeigen, welchen Einfluss das dementsprechend dann auf den CO2-Fußabdruck hat. Die Vorredner haben auch schon gesagt, Drop-in-Polymere wäre ein Weg, um zum Beispiel auch CO2 abzusenken. Also Polymere, die aus Nachwachs- und Rohstoffen entstehen, die einzufahren in den Produktionsstrom. Macht ihr das auch?

Ist das auch ein Weg, den ihr beschreiten wollt? Ja, wir haben uns natürlich auch schon mit diesem Thema beschäftigt, gerade Thema Bio-Polymere im PE-Bereich. Es waren jetzt auch heute für mich viele Neupunkte dabei, muss ich sagen. Und ja, das nehmen wir nochmal mit und gucken, wie wir uns damit weiter beschäftigen werden.

Ihr seid sehr stark auch bei Polyamid-Polyethylen-Verbund, traditionell. Ihr habt bald 60-jähriges Bestehen, habe ich auch wahrgenommen in dem Vortrag. Haltet ihr an diesem Polyamid-PE weiter fest? Und wenn ja, wie wollt ihr das im Kreise führen?

Gute Frage. Also ich sage mal gerade in den ganzen Anwendungen, in unseren Tiefziehanwendungen, wo natürlich die Anforderungen nochmal ganz anders sind, auch an die mechanisch ans Tiefziehe. Die Verpackung muss sich gescheit ausformen. Wir müssen genug Barrierematerial in den Ecken haben, um dementsprechend Produktschutz geben zu können.

Ich denke, dort werden wir kurzfristig nicht drumherum kommen, diese Strukturen weiter zu nutzen. Und da haben wir dann mit dem chemischen Recycling eine Möglichkeit geschaffen, diese dann auch im Kreis zu fahren. Es gibt verschiedene Hebel, um CO₂ zu senken. Was ist der Hebel, den ihr bevorzugt einsetzt, oder was sind die Hebel, die ihr benutzt im Moment?

Multilayer-Strukturen zu Einstofflösungen umstellen

Gut, im ersten Moment wollen wir natürlich erstmal unsere ganzen Multilayer-Strukturen auf Einstofflösungen umstellen. In diesem Fall hatte ich heute ja ein paar Beispiele vorgestellt, im Bereich PE. Dort sehen wir natürlich erstmal den großen Hebel, das heißt das Infi-Material von klassischen PAP verbunden, hinzuswitchen zu in dem Fall Mono-PE-Lösungen. Das Ganze gibt es auch in Polypropylen.

Bietet ihr sowas auch an oder seid ihr nur bei Polyethylen unterwegs? Wie gesagt, je nach Anwendung. Wir können beides, hatte ich heute auch gesagt, zum Beispiel das Thema Sterilisation dort oder Wärmebehandlung. Dort sehen wir ganz klar eine Polypropylen-Lösung aufgrund der Polymerchemie, da PE definitiv an die Grenzen kommt.

Rohstoff ist ein großer Hebel, hattest du gerade ausgeführt, woran kann man noch arbeiten? Gute Frage. Natürlich arbeiten wir auch an unseren Technologien. Ich hatte hier kurz einmal vorgestellt, zum Beispiel unsere SPQ-Technologie, wo einfach Ressourcen schon gespart wird.

Und das ist für uns auch nochmal ein Hebel, wo wir intern, also Scope 1, Scope 2, noch weiter dran arbeiten können. Nutzt ihr auch erneuerbare Energien für eure Produktion? Habt ihr Photovoltaikplatten auf dem Dach oder wie muss ich mir das denn vorstellen? Ja, das ist richtig.

Unsere Produktion, also die deutschen Standorte sind erstmal nicht mit Strom beteiligt, aber zu 100% aus Grünstrom betrieben. Aber wir haben auch unsere Anlagen und wir haben viele Fläche, die wir dementsprechend genutzt haben. Und es gibt auch noch so die ein oder anderen Projekte im Hintergrund, die wir in naher Zukunft umsetzen werden. Letzte Frage.

Mechanisches oder Pyrolyse-Recycling, also chemisches Recycling? Was sind da im Moment so eure Strategien? Ihr macht ja beides, ihr bedient beides durch Monostrukturen. Könnt ihr auch in beides Ströme letztlich eure gebrauchten Verpackungen, können die Konsumenten da wieder einfließen lassen.

Aber was ist euer Favorit? Herr Favorit, ich glaube in dem Sinne gibt es jetzt nicht. Man muss sich dann wirklich den Einzelfall angucken. Wir als Südpack, wir können beide Technologien, wir haben einmal mit unserem Werk in Schwendi die Möglichkeit, da auch regranulieren zu können und dann auch unter anderem Spezialkomponenten herzustellen.

Und mit dem Unternehmen Carbolic, wo wir halt auch stark sind im chemischen Recycling. Also wir beobachten beide Stränge und klar, das mechanische Recycling hat natürlich nochmal, die Reduzierungen sind da höher. Das hatten wir heute ja auch gesehen, als im chemischen Recycling. Also wenn es möglich ist, würden wir da das mechanische Recycling bevorzugen.

Lebensmittelkontakt: Grenzen von Einstoffmaterialien

Aber wie gesagt, bei den kontaktsensitiven Lebensmitteln sind wir dann wieder genau bei dem Punkt, wo wir an die Grenze kommen und schlussendlich dann da auch das chemische Recycling zurückgreifen müssen. Lutz Neugebauer, live aus Würzburg.