Sekundärverpackung in der PPWR

Visual Papier vs Folie

Wohltat oder Wahnsinn

Es folgt eine Zusammenfassung des Vortrags von Benedikt Kauertz in eigenen Worten.

Weiter unten finden Sie einen Link zu einem durch AI erstellten Podcast, den wir gerne zur Abstimmung stellen möchten. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich die Mühe machen würden, den knapp 8-minütigen Podcast zu hören, und mir anschließend Ihr Feedback geben würden.

Zunächst aber, wie versprochen, der Artikel zum Vortrag von Benedikt Kauertz vom ifeu-Institut im Rahmen des 23. Inno-Meetings.

Warum Mehrweg bei Transportverpackungen oft nicht nachhaltig ist – Ein Blick in die Fakten

Die Diskussion rund um die PPWR und den geforderten Mehrweganteil in Transportverpackungen nimmt an Fahrt auf. Besonders Artikel 29 sorgt für viele Fragezeichen – und für klare Worte sorgte Dr. Benedikt Kauertz in seinem Vortrag beim Inno‑Meeting. Bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, rechnet er eindrucksvoll vor, warum Mehrweg im Bereich der Palettensicherung häufig ökologisch wie ökonomisch nicht sinnvoll ist.

1. Transportverpackungen – eine Nische in der Nische

Transportverpackungen machen in Europa rund 2,3 Millionen Tonnen Kunststoffe aus. Ein kleiner Anteil im Vergleich zur Gesamtmenge. Dennoch sollen sie laut PPWR massiv reguliert werden – mit 40 % Mehrwegquote bis 2030 und 70 % bis 2040.

Doch: Schon heute ist klar, dass diese Vorgaben kaum erreichbar sind und vor allem massive Nebenwirkungen haben.

2. Warum Mehrweg hier im Praxistest durchfällt

Kauertz zeigt in seiner Analyse unterschiedlichste Systeme – von Stretchfolie über Paper‑Wrap bis hin zu Kunststoff‑Mehrwegboxen. Seine Ergebnisse sind eindeutig:

  • Einweg‑Stretchfolie zeigt eine enger gefasste ökologische Bandbreite und hohe Effizienz.
  • Paper‑Stretch ist schwerer – und damit ökologisch schlechter – als Kunststoff.
  • Formstabile Mehrwegboxen schneiden in fast allen Szenarien schlechter ab.
  • Flexible Mehrweg‑Sleeves sind interessant, leiden aber unter Verlusten und niedrigen Umlaufzahlen.

Entscheidend sind drei Faktoren:

  • Verpackungsgewicht
  • Umläufe
  • Transporteffizienz / Füllvolumen

Gerade das Füllvolumen offenbart ein Problem, das in der Politik oft übersehen wird:
Mehrwegboxen transportieren häufig Luft – weil sie sich nicht optimal an das Transportgut anpassen.

3. Ökobilanz: Materialeinsatz schlägt Theorie

Der Begriff „Mehrweg” klingt intuitiv nachhaltig, doch die Realität bei Transportverpackungen sieht leider anders aus.

  • Die Systeme erfordern deutlich mehr Material, das produziert, bewegt und recycelt werden muss.
  • Die Transporte werden ineffizienter – besonders bei leichten Gütern.
  • Redis­tribution der leeren Boxen verursacht zusätzliche Emissionen.
  • Selbst mit optimierten Rückläufen ergeben sich keine ökologischen Vorteile.

Kauertz bringt es auf den Punkt:
Es gibt praktisch keinen Fall, in dem stabile Mehrwegboxen ökologisch besser sind als flexible Einwegsysteme.

4. Der einzige potenzielle Hebel: Produktverluste

Einzige Ausnahme: Wenn Mehrweg Verpackungsschäden verhindert.
Doch dafür müssten Produktverluste zwischen 1–2 % liegen – ein Wert, der in realen Supply‑Chains schlicht undenkbar ist.

5. Die große Fehlannahme der Politik

Die PPWR verlangt eine Item‑based Calculation – jedes Verpackungselement zählt einzeln.
Damit entsteht faktisch ein Mehrwegzwang, selbst wenn die Einwegvariante:

  • weniger Abfall verursacht
  • viel weniger CO₂ verursacht
  • effizienter transportiert werden kann

Ein Beispiel aus der Analyse:
Eine verpflichtende 100 %-Mehrwegquote würde zu 31,7 Mio. Tonnen zusätzlichem CO₂ führen – das entspricht:

  • der kompletten italienischen PKW‑Flotte oder
  • der Waldfläche von Baden‑Württemberg + Bayern als CO₂‑Kompensation.

Ein dramatischer Fehlanreiz.

6. Mehrweg funktioniert – aber nicht überall

Kauertz betont ausdrücklich:

Mehrweg ist nicht grundsätzlich schlecht.
Im Automotive‑Bereich, in geschlossenen logistischen Kreisläufen, ist es oft hervorragend.

Aber:
Was auf einer stabilen Supply‑Chain mit immer gleichen Teilen funktioniert, lässt sich nicht auf die komplexe Konsumgüterlogistik übertragen.


Fazit

Der Vortrag zeigt klar:
Mehrweg ist kein Allheilmittel – und in Transportverpackungen oft kontraproduktiv.
Die PPWR übersieht zentrale Realitäten der Logistik und gefährdet ökologische Erfolge, statt sie zu fördern.

Für die Praxis bedeutet das:
Wir müssen technisch sinnvolle, flexible und effiziente Lösungen stärken – statt dogmatisch auf Mehrweg zu setzen.

KI-Podcast im Debatten-Format

Und hier ist noch das Interview mit Benedikt vom Inno-Meeting.

Mehr Details dazu im Sommer in Würzburg

INNO-Circle - Umweltgerechte Flexpacks

Transkript

Benedikt Kauertz ist hier beim dreiundzwanzigsten Inno-Meeting in Osnabrück. Benedikt, du hast einen Vortrag gehalten über Ökobilanzen, wie immer. Du bist bei uns bekannt für tolle Ökobilanzen. Einer der wenigen, der das richtig ausrechnet. Du hast gesagt, eigentlich ist es nur ein einfacher Dreisatz, aber ganz so ist es nicht. Was hast du diesmal eigentlich mitgebracht? Fass das mal ganz kurz zusammen. Mitgebracht habe ich euch diesmal die Ökobilanz von Transportverpackungen, Einweg gegen Mehrweg.

Und das war dann eigentlich eine ganz kleine Rechnung am Ende des Tages, weil du hast gesehen, du hast bei den Einwegverpackungen, die extrem reduziert sind, hundertvierzig Gramm Folie auf eine Palette. Die vergleichst du mit einer fünfzig Kilogramm Mehrwegbox, einer formstabilen. Da war das eigentlich relativ klar, dass die Ergebnisse ganz schnell dahin gehen, dass wir sagen, so eine reduzierte Folienverpackung mit so einer großen Mehrwegbox zu ersetzen, das kann ökobilanzial keine Vorteile haben.

Da geht der Massenfluss dagegen, ja, viel zu viel Material und Transportineffizienzen, die ich mir damit einfange. Die Bilanz hat auch gezeigt, es gibt ein paar Mehrwegoptimierungen oder Mehrwegsysteme, die tatsächlich auch in die Richtung gehen. Die sind aber auch wieder flexibel. Du sagtest gerade, nicht optimal gefüllt sozusagen, sinngemäß, die, die, die Boxen. Das sind also starre Gebilde, die dann nicht ganz voll gemacht werden. Wie muss ich mir das vorstellen? Woher kommen die Ineffizienzen eigentlich?

Na ja, das kommt ja daher, wenn du eine Einwegtransportverpackung hast, so eine Wickelfolie oder eine Stretchhaube, dann ist die ja genau auf das angepasst, was du auf die Palette packst. Wenn du eine Mehrwegbox hast, die muss ja für jeden Use-Case passen. Ja? Da willst du ja nicht für, für jeden Use-Case eine eigene Mehrwegbox machen.

Und dann kommt es dahin, dass du auf einmal die Füllhöhen nicht wirklich ausfüllen kannst, weil deine Produkte oder Produktverpackungen nicht dafür optimiert sind, in dieser Box transportiert zu werden. Albin Kälin hat sein Buch in Papier eingewickelt. Du hast über Papierwickelstretch, Stretch ist es in dem Sinne nicht, sondern Wickelmaterial gesprochen, und du hast verglichen mit Stretchfolie aus Kunststoff. Wie ist da, waren da die Ergebnisse? Ja, das ist ja auch das, das, der Klassiker. Ja.

Also, da ist eine ganz enge Range. Da muss das Papier schon leicht sein, dass es gegen den Kunststoff tatsächlich auch wirklich eine gute ökobilanzielle Performance hat. Also wenn ich ein Kilo Papier mit, ein Kilo Kunststoff mit vier Kilo Papier abtausche, dann ist das in der Regel keine gute Ökobilanz. Spielen denn die Entsorgungswege auch eine Rolle? Ist Papier da nicht immer im Recyclingfluss besser als Kunststoff? Oder wie ist das bei Transportverpackungen eigentlich?

Ja, das sind ja Business-to-Business-Verpackungen. Die schicke ich vom Lieferanten ins Zentrallager vom Handel. Das Zentrallager oder diese Umschlagpunkte, die haben ja kein Interesse daran, irgendwas mit dem Müll zu machen. Die wollen den möglichst schnell loswerden und da fällt an: Papier, ja, Kartonagen und Kunststoffe und ab und an mal eine kaputte Palette. Das heißt, die haben drei Fraktionen. Das, das, da geht kein Müll verloren.

Die haben kein Littering, die haben keine Fehlwurfquoten, die Mitarbeitenden sind geschult in ganz Europa. Das heißt, wir haben eigentlich auf diesen ganzen Transportverpackungen eine extrem hohe Recyclingquote. Wir haben das aber trotzdem variiert. Wir haben versucht, den Break-even zu bestimmen: Wie hoch muss die Recyclingquote sein, dass es besser ist als die, jetzt sage ich mal, formstabilen Mehrwegsysteme. Und diese Unterschiede in den Bilanzen sind so groß.

Recyclingwirtschaft Folienverpackungen Kreislaufpotenzial

Das heißt, selbst wenn du es nicht recyceln würdest, was hoffentlich niemand tut, wäre es für die Ökobilanz kein Problem. Und trotzdem, Recycling sticht. Das muss man schon echt sagen. Also Recycling sticht, einfach nur so in den Wald entsorgen oder in den Landfill machen wir sowieso nicht mehr, wäre natürlich eine falsche Alternative. Nein, dafür ist das Material viel zu teuer und viel zu kostbar. Das sind ja, das sind ja hochreine Materialien.

Also wir haben, wir haben ganze, ganze, ganze Recyclingbranchen, die, die wirklich nach diesen Folien gieren. Genau, weil sie so sauber sind. Jetzt sind hier gar nicht so viel Transportverpackungshersteller bei uns im Raum. Wir sind ja mehr Flexpacker, aber alle nutzen natürlich Transportverpackungen. Was würdest du denen raten? Mehrweg oder Einweg?

Äh, ich würde sagen, eine, eine, eine gute, optimierte, auf das zu transportierende, gut angepasste Einwegverpackung, möglichst materialreduziert, möglichst hohe Sekundärmaterialanteile, fünfundsechzig Prozent, das geht. Das Mehrgewicht fällt da nicht in den Rahmen, ja, und dann damit reingehen. Und auch, auch ihr Flexpacker, ihr müsst das Zeug an die Kunden bringen.

Das heißt, in der Supply Chain denken und wirklich auch sagen: „Ich muss es auch transportieren und ich lasse mir von, jetzt nicht von einer europäischen Regulierung meine, meine Supply Chain zerstören.“ Stichwort PPWR. Da ging ein Raunen durch die Menge, als du das angesprochen hast. Welcher Paragraph ist es und warum tut der uns so weh? Das ist der neunundzwanzig eins zwei drei, ja. Zwei und drei sind jetzt gestrichen wegen den ökonomischen Herausforderungen für die Branche. Der Einser bleibt bestehen.

Und das Problem ist tatsächlich die, die Zählweise der Mehrwegquote. Das ist Item based. Das heißt, wir zählen auf der Palette, wie viel Transportverpackungssysteme sind das eigentlich: Die Palette, die Umfolie, eine Zwischenlage, ein Kantenschutz. Und wir müssen in dieser Item Calculation müssen mindestens vierzig Prozent der verwendeten Items Mehrweg sein. Das heißt, wenn es dreiteilig ist, dann müssen zwei Sachen Mehrweg sein.

Also Kantenschutz und Palette, dann darf ich eine Einweg-Stretchwickelfolie nehmen. Wäre es Mehrweg, wenn ich jetzt Kantenschutz Einweg habe und Stretch, habe ich die Quote nicht, oder? Dann hast du die Quote nicht. Und ab 2040 geht die halt hoch auf siebzig Prozent. Dann darf höchstens noch ein Item Mehrweg sein. Und wenn’s, wenn’s nur zweiteilige Transportverpackung ist, müssen beide Mehrweg sein. Gibt’s da Chancen, dass das noch gekippt wird?

Weil wir haben dann so sinngemäß gesagt, wir machen da nicht mit, weil es ja eigentlich eine unsinnige Regelung ist, wenn man ehrlich ist, oder? Also es, es gibt die Bestrebung, dass man sagt, bis zu einem gewissen Gewichtsanteil in der Verpackung ist dann, ist das, ist das kein Packaging Item, sondern ein Packaging Aid, also ein Packhilfsmittel. So wie du auf einer Mehrwegflasche den Verschluss oder das Etikett als Packhilfsmittel definierst.

Das ist nicht die eigentliche Verpackung, aber du brauchst es, um die Verpackung zu nutzen. Also die Hoffnung bleibt. Danke schön, Benedikt Kauertz. Ja, es war mir eine Freude.