Mineralölkohlenwasserstoffe in Lebensmitteln bleiben ein zentrales Thema für die Verpackungsindustrie. In unserem Webseminar Mineralöl/Mosh/Moah Migration – Aktueller Stand gab Referentin Heike Schwertke einen umfassenden Überblick über Quellen, Analytik, Bewertung und aktuelle regulatorische Entwicklungen.
Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Erkenntnisse für Sie kompakt zusammen.
Was sind MOSH, MOAH und POSH?
Mineralölkohlenwasserstoffe werden im Wesentlichen in zwei Gruppen unterteilt:
- MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons)
→ gesättigte Kohlenwasserstoffe, z. T. im Körper anreicherbar - MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons)
→ aromatische Verbindungen, insbesondere mit mehreren Ringen gesundheitlich kritisch - POSH (Polyolefin Oligomeric Saturated Hydrocarbons)
→ aus Kunststoffen stammend, chemisch ähnlich wie MOSH
Ein wichtiger Punkt aus dem Webseminar:
In der Analytik lassen sich MOSH und POSH oft nicht eindeutig unterscheiden und werden daher häufig gemeinsam bewertet.
Woher kommen Mineralölverunreinigungen?
Ein zentrales Learning:
Die Verpackung ist nur eine von vielen möglichen Eintragsquellen.
Typische Kontaminationspfade sind:
- Verpackungsmaterialien
- Recyclingkarton (z. B. aus Zeitungsdruck)
- Druckfarben
- Klebstoffe
- Produktion & Verarbeitung
- Maschinenöle, Trennmittel
- Reinigungsmittel
- Transport & Lagerung
- z. B. Jutesäcke (bekannte Ursache aus Praxisfällen)
- Rohstoffe / Umwelt
- z. B. natürliche Wachse oder Umwelteinträge
Besonders relevant: Migration erfolgt häufig über die Gasphase, insbesondere aus Recyclingkarton.
Analytik: Komplex, aber etabliert
Die Analyse von MOSH/MOAH erfolgt typischerweise in mehreren Schritten:
- Extraktion aus Lebensmittel oder Material
- Vortrennung in MOSH- und MOAH-Fraktion
- Bestimmung mittels Gaschromatographie
Charakteristisch sind dabei sogenannte „Hügel-Chromatogramme“, da es sich um komplexe Stoffgemische handelt.
Wichtige Erkenntnisse aus dem Webseminar:
- Migrationstests mit Simulanzien können Ergebnisse stark überschätzen
- Realtests im Lebensmittel (z. B. am Ende der Haltbarkeitszeit) sind oft aussagekräftiger
- Das Verhältnis MOSH/MOAH kann Hinweise auf die Quelle geben
Bewertung & Toxikologie: MOAH im Fokus
Die Risikobewertung unterscheidet deutlich zwischen MOSH und MOAH:
MOSH
- Nach aktuellem Stand keine generelle gesundheitliche Besorgnis bei üblicher Aufnahme
- Anreicherung im Körper (z. B. Leber) möglich → weiterer Forschungsbedarf
MOAH
- potenziell krebserregend, insbesondere bei ≥ 3 aromatischen Ringen
- klare Priorität für Minimierung
Die aktuelle Bewertung der EFSA bestätigt:
MOAH stellt das größere Risiko dar und ist daher regulatorisch im Fokus.
Regulatorische Entwicklungen: Neue Grenzwerte in Sicht
Ein besonders relevantes Update:
- Die EU arbeitet an konkreten Höchstgehalten für MOAH im Lebensmittel
- Grenzwerte sollen abgestuft nach Produktgruppen eingeführt werden
- Geplante Zielwerte (je nach Fettgehalt):
- ca. 0,5 mg/kg (fettarm)
- ca. 1 mg/kg (mittel)
- ca. 2 mg/kg (fettreich)
Zusätzlich:
- Frankreich hat bereits strenge Anforderungen an Druckfarben eingeführt
- Fokus liegt hier auf der Reduktion der Einträge in Recyclingkreisläufe
Wie lassen sich Mineralöl-Einträge reduzieren?
Die gute Nachricht: Es gibt wirksame Maßnahmen.
Technische Lösungen
- Einsatz geeigneter Barrieren (z. B. Aluminium, EVOH, PET)
- Optimierung von Verpackungsstrukturen
- Verzicht auf mineralölhaltige Druckfarben
Prozessbezogene Maßnahmen
- Auswahl geeigneter Rohstoffe
- Kontrolle von Schmierstoffen und Hilfsmitteln
- Optimierung von Lager- und Transportbedingungen
Entscheidender Punkt
Polyolefine (z. B. PE) wirken nicht als Barriere, sondern können Mineralöle sogar aufnehmen – ein wichtiger Praxisaspekt.
Typische Praxisfragen – und wie man sie beantwortet
Aus dem Seminar besonders relevant für den Alltag:
- „Ist die Verpackung mineralölfrei?“
→ Besser: „keine absichtliche Verwendung“ und Analytik unter Bestimmungsgrenzen - „Welche Maßnahmen zur Minimierung gibt es?“
→ Barrieren, Rohstoffkontrolle, Verpackungsdesign - „Welche Grenzwerte gelten?“
→ Kombination aus rechtlichen Vorgaben und internen Spezifikationen
Praxis-Tipp:
Eigene Spezifikationen mit Orientierungswerten schaffen Klarheit in der Lieferkette.
Fazit: Hohe Komplexität – klare Handlungsfelder
Das Webseminar hat gezeigt:
- Mineralölkontamination ist ein multifaktorielles Problem
- Verpackungen spielen eine wichtige, aber nicht alleinige Rolle
- MOAH bleibt der kritische Parameter
- Regulierung wird deutlich konkreter
👉 Für Unternehmen entscheidend:
- Ganzheitliche Betrachtung der Lieferkette
- Technisch fundierte Barrierekonzepte
- Klare interne Bewertungsmaßstäbe
