In dieser Podcast Episode berichtet Frau Dr. Annett Kaeding-Koppers über die Projektinitiative PrintCYC, die 2019 als Impulsgeber für Flexpacker aus der europäischen Initiative Ceflex entstanden ist. Wir sprechen über die Rolle des Handels, der Druckfarbenhersteller und der Verpackungsdesigner. Alle Glieder der Lieferkette können und müssen Beiträge leisten, um aus bedruckten Folienverpackungen wieder Folienverpackungen werden zu lassen. Das geht nicht ohne den Gesetzgeber, der zumindest für Lebensmittelverpackungen dieses größtenteils noch ausschließt. Und genau deswegen ist die Lebensmittelverpackung der Benchmark.
Im Gespräch berichtet Frau Dr. Kaeding-Koppers über den Mut vieler Marken und Kosmetikhersteller, hier mit recycelten, etwas anders anmutenden Verpackungen in den Markt zu gehen. Wird grau das neue grün? Welchen Nutzen könnten Marken aus dem Einsatz von Regenraten ziehen, und was kann der Druckfarbenhersteller und Extrudeur tun, um aus Abfall Folie werden zu lassen?
Profitieren Sie von diesen erfrischend optimistischen Einblicken, auch schon in wenigen Jahren große Fortschritte auf Basis des mechanischen Recyclings machen zu können. Gespannt dürfen wir alle sein, wie Designer*innen und Handel sowie die Markeninhaber mit Farbabweichungen der Regenerate umgehen werden. Bei Weiß- und Buntglas hat das funktioniert.
Auch auf Apple Podcast oder Overcast etc.
Projektpartner:
www.akk-innovation.de | www.brueckner-maschinenbau.com | www.erema.com
www.hubergroup.com | www.packsysglobal.com | www.profol.com
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Transkript
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Folienwissen Spezial, der Innoform-Podcast zum InnoTalk. Heute im Innoform-Podcast zum InnoTalk begrüße ich Dr. Annett Cading-Koppers. Sie leitet das Projekt Prinz Zück und sie wird uns aufklären, was man darunter versteht.
Wir sprechen über die Kreislaufwirtschaft mit bedruckten, flexiblen Verpackungen entlang der gesamten Lieferkette. Wir erörtern, welche Rolle dem Handel in diesem Projekt zufällt und warum Designer und Designagenturen sich auch mit diesem Thema intensiv beschäftigen müssen. Wir reden über eingefärbte Rezyklate und eingefärbte Folien auch für Kosmetikprodukte. Was heute noch absurd scheint, wird die neue Normalität.
Freuen sich auf dieses Interview mit Dr. Annett Cading-Koppers. Herzlich willkommen im Innoform-Podcast, Frau Dr. Annett Cading-Koppers.
Sie beschäftigen sich mit dem Projekt Prinz Zück und wir wollen heute darüber sprechen, was dieses Projekt eigentlich bedeutet und womit Sie sich damit auseinandersetzen. Ja, vielen Dank erst mal für die Einladung zu diesem Gespräch. Das freut mich sehr. Prinz Zück ist ein Projektansatz der Wertschöpfungskette Verpackung.
Es haben sich dort verschiedene Stakeholder zusammengeschlossen aus dem Maschinenbau, aus der Recyclingwirtschaft und der Folienproduktion und Veredlung und auch aus dem Bereich Druckfarbenherstellung um das Thema Kreislaufwirtschaft von bedruckten Polyolefinfolien gemeinsam voranzubringen durch Industrieversuche. Schnell, pragmatisch und kompetent. Also wirklich eine Impulsinitiative. Ist ja ein hoch spezielles Projekt, was sich mit vielen Projektpartnern nur erfüllen lässt.
Was befähigt Sie überhaupt dazu, so ein Projekt durchzuführen? Was sind Sie von der Ausbildung? Stellen Sie sich mal kurz vor. Ja, vielleicht zu meinem Werdegang.
Ich habe viele Jahre in der Verpackungsbranche gearbeitet, habe dort Innovations- und Nachhaltigkeitsmanagement gestaltet bei einem mittelständischen Converter bei der Firma WIPAC und habe dort eigentlich das Grundlagenhandwerkzeug für die Verpackung gelernt über viele Jahre. Und das ist auch das, was notwendig ist, um jetzt das Thema Kreislaufwirtschaft für Verpackungen voranzubringen. Ja, das Thema ist, dass wir hier im Team zusammenarbeiten. Es ist ein sehr hochkarätiges Experten-Team, was ich hier koordinieren darf in diesem Projekt.
Und das ist eigentlich die Dynamik, die wir auch daraus ziehen, für das Thema nachhaltige Verpackung. Und Nachhaltigkeit ist eigentlich für mich die Triebkraft meines Tuns und Handelns. Also eigentlich während meiner ganzen beruflichen Karriere habe ich mich mit nachhaltiger Verpackung beschäftigt, um wirklich dort Beiträge für etwas Gutes zu liefern für unsere Kinder letzten Endes. Das hört sich jetzt pathetisch an, ist aber wirklich die Triebkraft dahinter, Verantwortung zu übernehmen.
Nachhaltigkeit: Umwelt, Soziales, Wirtschaft
Vielleicht steigen wir da sogar mal noch mal kurz ein in das Thema Nachhaltigkeit, weil Sie das gerade so schön auch hervorgehoben haben. Nachhaltigkeit verstehen viele ganz einfach nur darin, dass eine Verpackung möglichst minimal ist oder am besten gar keine Verpackung eingesetzt wird. Wie definieren Sie denn so für Ihr Projekt den Begriff Nachhaltigkeit? Was bedeutet das für eine bedruckte Verpackung eigentlich?
Ja, Nachhaltigkeit setzt sich ja im weitesten Sinne immer aus drei Kernelementen zusammen. Einmal natürlich die Umweltverantwortung. Wie können wir einen Beitrag leisten? Etwas Verantwortliches zu tun, für die Umwelt Gutes zu tun.
Das Zweite ist eben, die Wirtschaftsfaktoren zu berücksichtigen. Und natürlich das Dritte ist, Mensch und Gesundheit dabei zu berücksichtigen. Und das sind auch die drei Faktoren, die wir wirklich bei PRINZIC mit adressieren. Alle Partner haben sich dort committed für verantwortliche Produktion und verantwortliches Handeln.
Um weltfreundlich zu operieren, keine schädlichen Emissionen in der Produktion, im Recycling eben zu verursachen. Und auch dort Klimaneutralität zu bewahren. Also das heißt eben auch keine schädlichen Abgase oder auch Ressourceneffizienz, das zu kombinieren. Also Ressourceneffizienz und Klimaneutralität.
Das ist eigentlich das Ziel von PRINZIC. Und die Verantwortung eben auch ganz klar für einen Maschinenbauer ist auch immer Mensch und Maschine ein Thema. Das heißt auch keine Gefährdung des Maschinenoperators. Das sind natürlich ganz klassische Elemente, die da mit reinspielen.
Jetzt können Sie natürlich mit so einem Projekt nicht die gesamte Flexpackindustrie umkrempeln. Worauf liegt denn Ihr Fokus mit PRINZIC? Erzählen Sie uns vielleicht noch ein bisschen so die Kernidee. Wo soll es hingehen?
Unser Fokus ist, die Bedruckung von Polyolefinfolien für das mechanische Recycling näher zu untersuchen. Im Fokus steht dabei die Druckfarbe und die einzelnen Komponenten der Druckfarbe. Was passiert eigentlich im Recycling mit der Druckfarbe, wenn ich sie nicht vor dem Recycling entfernen kann, so wie das heute eben auch der Fall ist in vielen flexiblen Verpackungen, wird die Druckfarbe nicht entfernt vor dem Recycling. Und das ist auch unsere Fragestellung.
Was passiert eigentlich mit der Farbe, wenn ich in den Recycling-Extruder im mechanischen Recycling hineingehe? Und wir haben dort verschiedene Materialien im Fokus, eben BOPP-Folien, die wir bedrucken als klassischen Druckträger, aber auch LDPE-Folien. Und wir untersuchen die Rezyklate, die wir im mechanischen Recycling herstellen, qualitativ und auch quantitativ, also auch welche Ausstoßleistung kriegen wir dann im Recycling auch. Dass der Recycling-Prozess auch im Vordergrund steht, haben wir keine Störungen, zu viele Reinigungen.
Druckfarben-Impact auf Polymer-Recycling
Und der Impact auf die Polymere und auf das Recycling wird eben für die Druckfarbe analysiert. Die Druckfarbe mit all ihren Komponenten passiert dort eine Zersetzung einzelner Komponenten, wird Temperaturstabilität erreicht, das Recycling von Polyolefin-Folien benötigt Temperaturen von 240 bis 250 Grad für circa zwei Minuten. Und das müssen alle Druckkomponenten wirklich leisten. Ansonsten werden Schadprodukte vielleicht entstehen oder Oxidationsprozesse angestoßen, die wir nicht haben wollen, weil es eben Materialverschlechterung bewirken kann.
Jetzt haben Sie schon ein paar Mal das mechanische Recycling genannt. Es gibt ja noch andere Recyclingverfahren, die im Moment in der Presse sehr stark auch gewürdigt werden. Das chemische Recycling beispielsweise, wo man ja wieder versucht, auf die polymeren Grundbausteine, auf die Monomere zurückzugehen. Sie fokussieren sich nur auf das mechanische Recycling.
Warum? Wir betrachten das mechanische Recycling als den nachhaltigsten Recyclingansatz, der auf der Kurzzeitskala auch wirklich umgesetzt werden kann. Und zwar nicht nur jetzt hier in Deutschland umgesetzt werden kann, sondern weltweit. Es hat die weiteste Verbreitung heute schon das mechanische Recycling.
Das heißt, wenn wir schnell wirksam werden wollen, die Kreislaufwirtschaft voranzubringen und einen Klimabeitrag zu leisten, dann ist das mechanische Recycling einfach schon etabliert. Von den Umweltaspekten her sind die anderen Verfahren noch in der Entwicklungsphase. Also das braucht einfach dort noch Zeit. Und man muss dann auch einfach mal über Ökobilanzen vergleichen.
Was ist denn wirklich das nachhaltigste Recyclingverfahren? Und am Ende wird sicherlich eine Kaskadenartige Entwicklung vielleicht etabliert werden, dass man sagt, alles geht erst mal in das mechanische Recycling, weil es das nachhaltigste Recyclingverfahren ist. Und was nicht im mechanischen Recycling rezipiert werden kann, geht dann vielleicht in eine nächste Stufe. Mechanisches Recycling mit Lösungsmitteln kombiniert oder vielleicht sogar dann in das gesamte Pyrolyse-Recycling, wo ich dann wirklich wieder in die Grundbausteine im Prinzip die Polymere abbauen.
Jetzt wissen die Leute, die sich mit mechanischem Recycling schon intensiv auseinandergesetzt haben, das, was da rauskommt, ist nie Neuware. Das heißt, man muss sowohl beim Anblitz der Verpackung als auch bei Verarbeitung und so weiter Klimmzüge machen, um eine gleiche Qualität hinzukriegen wie mit Neuware. Außerdem ist ja im Moment für die Lebensmittelverpackung der Einsatz von Polylofin-Rezyklaten zumindest in Europa bis auf ein paar wenige Ausnahmen verboten. Trotzdem setzen Sie aus mechanischem Recycling.
Wer muss da mitspielen und wer muss welche Kompromisse eingehen? Ja, also es muss an dieser Stelle, wenn man ein solches Projekt angeht, die ganze Wertschöpfungskette mitspielen und es sind auch alle involviert. Das war für uns auch bei Prinsic eben der Ansatz, Partner aus der gesamten Wertschöpfungskette mit einzubeziehen. Es hängt immer davon ab, welche Anwendung für die Rezyklate denn vorgesehen ist.
Das heißt, wenn ich jetzt den höchsten Standard sage und ich möchte Rezyklate zum Beispiel in der Lebensmittelverpackung einsetzen, dann ist das heute noch von den Regularien überhaupt nicht möglich und noch gar nicht erlaubt an dieser Stelle. Andere Bereiche sind dort offener, die nicht unmittelbar im Lebensmittelkontakt stehen oder nicht unmittelbar mit dem Menschen im Zusammenhang stehen. Parkbänke mal so als Stichwort wird ja immer gerne genannt. Das ist dann aber nicht der Kreislauf in der Verpackung.
Qualitätsanforderungen nach Marktsegment
Also es gibt natürlich auch Verpackungsanwendungen zum Beispiel im kosmetischen Bereich oder im Waschmittelbereich, wo die Anforderungen dann an die Rezyklatqualitäten andere sind als jetzt für die Lebensmittelverpackung, die den höchsten Standard fordert. Und darum geht es auch. Man muss die Rezyklate bewerten, die man erzeugt, gemäß den Anforderungen der verschiedenen Marktsegmente. Also was wird dort denn gefordert?
Und jedes Marktsegment hat die eigenen Regularien und Richtlinien. Und dem gegenüber muss das Rezyklat qualitativ untersucht werden. Weil wir gerade so schön dabei sind. Ich weiche ein bisschen ab vom Manuskript hier in Vorbereitung.
Aber stellen wir uns mal vor, ich bin jetzt ein In-Verkehr-Bringer. Ich produziere Kartoffelchips, mache eine BOPP-Folie, bedrucke die im Kontadruck, kaschiere eine zweite Folie dahinter. Und was passiert mit diesem von Ihnen mit einer besonderen Druckfarbe vielleicht versehenen bedruckten Material? Wie geht das dann weiter?
Ja, also wir haben bei uns ein solches Snackprodukt uns einmal angeschaut und die einzelnen Komponenten mal definiert. Was ist dann in so einer Snackverpackung enthalten? Die besteht eben einmal aus der BOPP-Komponente. Sie besteht aus der Bedruckung.
Das heißt, hier kommen dann die verschiedenen Farbelemente wie Pigmente zum Einsatz, wie Bindemitte, Additivierung der Farben und eben Lösungsmittel. Das macht die Druckfarbe dann aus. Und wir haben hier natürlich auch den Einfluss von Metallisierung beispielsweise, aber auch von Klebstoffen, was nachher alles ein Potpourri sein wird, Polymer und die einzelnen Komponenten Druckfarbe, Kleber, Metallisierung, was jetzt in so einem von Ihnen genannten Beispiel dann zum Tragen kommt. Bei Primsic nehmen wir das auseinander.
Wir untersuchen zunächst die Einzelkomponenten und rezyklieren diese. Und an einem zweiten Schritt rezyklieren wir dann auch den Gesamtverbund, wo dann alles zusammen im Extruder halt ist. Und wir vergleichen dann die Rezyklatqualitäten. Der Hintergrund ist, dass wir durch das Auseinandernehmen Zusammenhänge verstehen können der einzelnen Materialkomponenten.
Was passiert im Extruder, im Recycling Extruder und kriegen eben Hinweise auf die Druckfarbe und nachher auch auf die Verpackung, auf das Recycling von Verpackungen. Was müssen wir denn verändern, vielleicht im Produktdesign zum Beispiel Farbkomponenten verändern? Ist ein Pultment vielleicht nicht temperaturstabil? Dann muss es ausgetauscht werden durch eine andere Alternative.
Oder ist das Bindemittel nicht temperaturstabil? Da haben wir beispielsweise Unterschiede festgestellt für nitrozerulose basierte Bindemittel gegenüber polyurethan basierten Bindemitteln. Die polyurethan basierten Bindemittel sind thermisch beständiger und damit haben wir natürlich eine bessere Rezyklatqualität am Ende erhalten. Das heißt so etwas, daran tasten wir uns heran, Schritt für Schritt und optimieren auf diese Weise dann das Produktdesign für so eine Snackverpackung.
Rezyklat-Eigenschaften und Anwendungsgrenzen
Also ich habe richtig verstanden jetzt. Ich wiederhole nochmal mit meinen Worten, vielleicht auch fürs Auditorium. Es war eine ganze Menge Information. Sie nehmen erst mal die Komponenten auseinander, versuchen zu verstehen, wo gibt es Probleme fürs Recycling letztlich, um daraus nicht wieder eine Lebensmittel Verpackung machen zu wollen, sondern eine andere Verpackung.
Zum Beispiel Kosmetik hatten Sie mir im Vorgespräch verraten. Aber so ein Rezyklat, was dann da rauskommt, ist doch immer ein bisschen farbstichig oder hat in irgendeiner Form andere vielleicht mechanische Nachteile. Ich weiß es von der Folieindustrie. Da werden ja für fünfschichtige Folien werden manchmal sieben, acht, zehn verschiedene Polymere zusammengemischt, um die optimale Performance für die Folienverpackung hinzukriegen.
Bei einer OPP-Folie sind es vielleicht nur drei Schichten, aber auch da mehrere verschiedene Polymere. Die sind ja nachher alle zusammen. Muss nicht da der Handel vielleicht die Marke extreme Abstriche hinsichtlich Design, Haptik und so weiter machen, weil die Verpackung vielleicht stippig wird? Oder versuchen Sie wirklich, dieses auf höchstes Niveau zu bringen, sodass Sie quasi 1A-Ware hinten wieder rauskriegen?
Wie ist da Ihr Ziel? Also unsere Anforderung ist wirklich, Premium-Rezyklate herzustellen, die höchsten Anforderungen genügen können. Wir machen bei all unseren Versuchen zum Wiedereinsatz der Rezyklate in Folien immer das Benchmark Rezyklat gegenüber Neuware, um zu sehen, wie gut sind wir denn jetzt wirklich mit unseren Rezyklaten? Und wir untersuchen eben auch Migrationen und schauen dann, was kommt denn eventuell aus Rezyklaten heraus im Vergleich zu dem Neuware-Produkt?
Das heißt, es ist wirklich das Ziel für uns, die bestmögliche Qualität zu erreichen von der Materialseite. Das ist erst mal natürlich der Ansatz Post-Industrie-Abfall. Da kenne ich die Zusammensetzung, da kann ich etwas machen. Dann kommen natürlich für Post-Consumer-Abfälle.
Da kommen natürlich dann noch die Use-Face dazu, also die Benutzungsphase durch den Verbraucher. Hochspannend. Dann spielen ja auch später bei den Post-Consumer-Verpackungen wahrscheinlich auch Kontaminationen eine Rolle. Was war drin in der Verpackung?
Wenn ich da eine Seife verpackt hatte, habe ich eben Seifenreste mit drin. Und wenn ich da einen Chips-Krümmel drin habe, ist es vielleicht nicht so kritisch. Auch das wollen Sie noch bewerten? Oder wird es dann in einem späteren Projekt bewertet, diese Post-Consumer-Verpackung?
Also wir versuchen uns auszutauschen mit der Praxis und führen Gespräche auch mit der Recyclingwirtschaft, um wirklich zu sagen, können wir einen Beitrag mit den Ergebnissen leisten. Wir sprechen auch mit Brand-Ownern oder auch mit dem Handel, wo wir sagen, was kann denn hier auch gemacht werden mit einem farbigen Rezyklat? Daraus kommt auch wieder eine farbige Folie. Sie hatten das eben auch schon angedeutert und angesprochen.
Farbige Folien ohne De-Inking-Prozess
In unserem Ansatz ohne De-Inking, ohne Entfärbung entstehen farbige Folien. Und da stellt sich natürlich die Frage, kann ich denn, wenn ich Rezyklat wieder einsetze, der Handel hat alles in den Zielen formuliert für die Nachhaltigkeitsstrategie, kann ich dann statt einer transparenten Folie, vielleicht zukünftig, eine rezyklathaltige farbige Folie bedrucken und auch diese einsetzen in meinem Produkt? Und das ist natürlich eine Frage, das zu bewerten. Und wie sieht das Marketing dann vielleicht auch andere Farbeindrücke, Farbschwankungen vielleicht auch?
Ist das dort akzeptiert? Ganz spannend. Beim Papier spricht keiner über Farblosigkeit, weil man es einfach so hinnimmt, weil es ein Naturprodukt ist, ist es eben braun. Und wenn man es mit Chemie bombardiert, wird es weiß.
Aber man würde kein transparentes Papier verlangen. Bei der Kunststoff-Sache ist es natürlich umgekehrt. Da kennt man den transparenten Kunststoff und schätzt auch die Transparenz des Kunststoffes. Aber Sie sind schon der Meinung, dass der Handel da eine Rolle spielt und sagt, okay, wir leben jetzt mit eingefärbten Verpackungen.
Werner Merz zum Beispiel geht ja schon ein bisschen voran mit seinen Reinigungsprodukten und geht da auch schon den Weg, dass er sagt, okay, das ist jetzt eine recycelte Verpackung, die ist 100 Prozent recycelt und recycelfähig. Aber welche Rolle fällt dann wirklich der Markt und dem Handel denn zu? Ja, der Handel ist an dieser Stelle die Triebkraft, er gibt die Impulse und er gibt Richtlinien vor. Und er hat den Einfluss auf die gesamte Wertschöpfungsketteverpackung.
Das heißt, was von dort gefordert wird, das setzt sich dann auf die Vorstufen, wirklich setzt sich das dort fort. Und der Handel hat ja auch, wenn man mal die Visionen, die Nachhaltigkeitsvisionen und Strategien anguckt, in einmal jetzt so auch Schwarzgruppe an dieser Stelle, das sind ja ganz klare Forderungen vom Handel, was sie erreichen wollen. Bis 2025 wollen sie im Durchschnitt 20 Prozent Rezyklatanteil in all ihren Private-Label-Verpackungen haben. All die geht noch weiter, die möchten 30 Prozent Rezyklat im Durchschnitt haben.
Wenn man im Kosmetikhandel Diskussionen führt, sagen die, wir möchten eigentlich so viel Rezyklat einsetzen, wie wir bekommen können und wie es wirklich technisch realisierbar ist für unsere Verpackung. Das heißt, die Forderungen kommen jetzt, werden auch politisch natürlich getrieben durch das ganze Thema Green Deal und den Circular Economy Action Plan von der EU. Das setzt sich natürlich in die einzelnen Länder weiter fort. Und dem trägt der Handel natürlich Rechnung mit diesen Forderungen auch.
Sie sind die Verpflichtung auch eingegangen. Gehen wir nochmal ein bisschen zurück in die Technik. Sie haben ja auch erwähnt, dass Sie nicht anstreben, die Druckfarbe wieder abzuwaschen. Es gibt Druckfarbenhersteller, die propagieren das im Moment ganz stark.
Und ich komme nochmal zurück auf Werner und Mertz. Der hat es ja sogar so gemacht, dass er beim Standbeutel eine dünne Folie außen drauf nur drauf schweißt, die dann nachher beim Häckseln quasi separiert werden kann, die die Druckfarbe trägt. Und das dicke, massive Material des Beutels bleibt dann transparent, unbedruckt und kann dann besser recycelt werden. Sie sagen, nein, wir wollen nicht die Druckfarbe abwaschen.
Bewusster Verzicht auf Entfärbung
Wir wollen die Druckfarbe drin lassen, ganz bewusst. Und was sind die Gründe dafür, dass Sie diesen anderen Weg einschlagen? Na ja, wir kommen ja von der flexiblen Verpackung. Und wenn ich mir heutzutage mal die nachhaltigsten Verpackungskonzepte dort anschaue, dann sind das alles Pouchlösungen in den verschiedensten Formen mit Spaut, ohne Spaut.
Und die sind alle vollflächig bedruckt. Und zwar die meisten davon sind im Konterdruck bedruckt. Das heißt, die Druckfarbe befindet sich in der Zwischenlage. Und unser Ansatz ist gestartet worden genau für solche Verbunde, wo eben die Farbe in der Zwischenlage ist und wo ich mal versuchen möchte, nicht mit Chemie erst, ich muss ja den Verbund auftrennen.
Und genau diesen Ansatz gehen wir ja nicht. Wir sagen, wir lassen das drin. Wir brauchen es nicht auftrennen. Wir haben keinen zusätzlichen Energieeintrag, keinen zusätzlichen Chemie.
Es sind damit vielleicht, wenn eine Druckfarbe das mitmacht, vielleicht ökologisch interessanter für unseren Ansatz und schauen mal, was für Rezyklate sich da realisieren lassen. Und wenn ich deinke, muss ich im Prinzip für so einen Verbund eine Siegelschicht auflösen oder ich muss den Verbund auftrennen, um überhaupt an die Farbe heranzukommen. Und das brauchen wir in unserem Ansatz nicht. Und das entspricht ja eigentlich auch dem Wertebild der Nachhaltigkeit.
Sie hatten es ja angesprochen, ökonomisch, ökologisch und sozial. Und wir dürfen das Ökonomische auch nicht aus dem Auge verlieren. Das Ganze muss bezahlbar bleiben und auch produzierbar bleiben. Und die Maschinen sind weltweit da, die eben diese Kontordrucklösung realisieren.
Und es hat ja auch einen Grund, warum wir es so machen. Und diese vielen Vorteile des Zwischenlagendrucks wollen Sie also behalten einfach dadurch, dass Sie schauen, wie kriege ich die Druckfarbe und den Klebstoff natürlich auch thermisch stabiler, um daraus hochwertige Rezyklate zu machen. Spannendes Thema. Ich gehe noch mal zurück zu der Lieferkette.
Wenn Sie jetzt feststellen würden, ein Partner muss jetzt was machen. Konzentrieren Sie sich wirklich nur auf die Druckfarbe? Oder ist es auch so, dass Sie auch den Polymerhersteller mit im Team haben und den Folienverarbeiter und vielleicht sogar den Designer, der die Verpackung anders designt, damit Farben eingesetzt werden, die vielleicht besser sind fürs Recycling? Wie weit gehen Sie da?
Im Moment haben wir den Fokus. Das ist der Start des Projektes gesetzt mit der Druckfarbe. Wir gucken uns erst mal die Druckfarbe an und schauen uns die Wechselwirkungen an mit dem Polymer, also Polyolefine hier als Fokus, PP und PE und schauen uns eben an, was haben wir dort an Eigenschaftsveränderungen durch die Farbkomponenten? Das ist ja nicht nur die Farbigkeit.
MFR-Werte und Verstreckungsverhalten
Es geht ja auch zum Beispiel um MFR-Werte. Es geht um veränderte Glastemperaturen. Es geht um veränderte Schmelztemperaturen, die sich ja alle auf die weitere Verarbeitung dann auswirken können. Und wir schauen dann in der Folienherstellung uns verschiedene Folienherstellungsverfahren auch an, weil die alle unterschiedliche Anforderungen an die Rezyklate dann stellen, also Blasfolie, Kastfolie.
Und wir gehen auch in die biaxiale Verstreckung, was das sensibelste Folienherstellungsverfahren ist. Aber wir schließen natürlich damit dann auch den Kreislauf. Das heißt, eine BOPP-Folie ist beispielsweise ein ganz bekannter Druckträger, auch sehr viel eingesetzt. Und wenn wir feststellen können, wir können die Rezyklate auch wieder in BOPP-Folien einsetzen und dann diese auch wieder bedrucken, ist das vielleicht ja auch ein spannender Kreislaufansatz.
Auf jeden Fall. Und wenn wir jetzt noch mal einen Blick Richtung Anfang der Lieferkette wenden. Wo haben wir genau die Hauptschwierigkeiten zurzeit? Sind es Polymere?
Druckfarbe besteht ja im Wesentlichen aus Bindemittel, Pigment und Lösemittel im Wesentlichen. Haben Sie schon erste Ergebnisse, wo Sie sagen können, naja, wir müssen eigentlich schon bei den Rohstoffen, vielleicht beim Pigmenthersteller Veränderungen hervorrufen damit nachher das Produkt recycelt werden kann? Oder sind Sie da eigentlich nur bei der Druckfarbenfabrik, die die Rezeptur anpassen muss? Wie muss ich mir das vorstellen?
Also wir arbeiten im Moment mit handelsüblichen Druckfarbsystemen, die wirklich schon etabliert sind. Und wir bewerten sie einfach anders. Das heißt, wir arbeiten hier mit der Huber Group zusammen, die wirklich an Drucklösungen mit uns hier arbeitet und uns berät zu den einzelnen Komponenten mit der klaren Vorgabe der Temperaturstabilität. Wir prüfen wirklich, erfüllen die Komponenten heute schon diese Temperaturen und wenn nicht, dann tauschen wir im Prinzip diese Komponenten, zum Beispiel Pigmente, Azopigmente, jetzt mal hier so als ein Baustein genannt.
Dann tauschen wir diese aus durch temperaturstabilere Komponenten und nehmen die dann für die Bedruckung heran. Das heißt, es ist eigentlich ein Ansatz, den man schnell realisieren könnte. Es werden keine neuen Großprojekte oder große Druckfarben Entwicklung angestoßen, sondern es wird nur neu kombiniert. Hochspannend.
Das ist ja auch ein Erfolgsfaktor oft in vielen Entwicklungsprojekten, dass man eben auf bewährtes zurückgreift und das anders kombiniert, um eben nicht das Rad neu erfinden zu müssen, was sich ja da manchmal endlos dreht. Ist Ihr konkretes Projekt jetzt in dieser ersten Projektphase? Sie sind sehr stark bei der Druckfarbe, habe ich verstanden. Sie wollen aber auch Pigmente verändern.
Jetzt kann ich mir vorstellen, es gibt 3000 verschiedene Druckfarben Rezepturen. Sie können jetzt nicht jede Rezeptur prüfen. Irgendwann muss ein Projekt ja mal fertig sein. Man Projekt Ziel oder ich sag mal Projekt Ergebnis dann auch kommunizieren.
Standardisierung bedruckter Folien-Bewertung
Was wäre das ideale Ergebnis dieses Projektes? Also das ideale Ergebnis für uns wäre jetzt, wenn wir Diskussionen führen können, wirklich mit dem Marketing der Brand Owner und einfach mal dort unsere Lösungen vorstellen können. Das sind ja Lösungsansätze, Vorschläge, die wir erarbeiten. Mehr kann das Projekt auch nicht haben von dem Anspruch her.
Und ich würde unglaublich gern mal dann solche bedruckten Folien bewerten lassen, mit vielleicht einem Testdruckbild sogar von einem Brand Owner auf Virgin Material gedruckt und auf dem bunten Rezyklat haltigen Material bedruckt. Und dann mal die Farbschwankung oder Farbabweichung bewerten lassen. Gibt es überhaupt eine? Sehe ich überhaupt was?
Ist für uns jetzt auch noch ein Punkt, der noch dann ansteht? Oder habe ich vielleicht ein etwas bräunlicheres Produkt oder ein etwas grünlicheres Produkt? Und wie sieht das Marketing das? Könnte gray is the new green?
Könnte das vielleicht ein neuer Marketing Approach sein, um eine ökologische Verpackung vielleicht auf den Markt zu bringen? Einige Marken sitzen ja schon auf dieser Welle, sage ich mal, und wollen sie jetzt reiten, dass man sagt, auch allein schon durch das Antlitz der Verpackung, dass sie recycelt aussieht, kann ich mich ja auch bewusst positionieren. Wenn das natürlich alle tun, ist wieder alles gleich. Das kann das Ziel ja nicht sein.
Und vor allen Dingen die letzte Frage, die ich jetzt hier noch habe. Wie wollen Sie andere denn motivieren, nur noch solche recycelfähigen Druckfarben zu verdrucken? Weil ich stelle mir jetzt vor, bei Postconsumer, beim grünen Punkt landet ja alles. Da ist nicht nur die Farbe von Huber Group drin, sondern auch noch von den vielen, vielen Wettbewerbern auf der Welt.
Und nicht alle haben ja diesen Ansatz, recycelfähige Druckfarbe in den Markt zu bringen. Und vor allen Dingen nicht alle Drucker sind ja schon so weit, dass sie sagen, ich nehme jetzt nur noch recycelfähige Druckfarben, weil sie vielleicht ja auch komplizierter ist, teurer ist, was auch immer, oder von bestimmten Quellen nur zu beziehen ist. Wie wollen Sie das auflösen? Wird das nachher sortiert oder wird das toleriert oder wie geht das?
Also sicherlich kann man über die Sortierung und Digitalisierung sehr viel steuern. Das ist auch ein Ansatz, den wir mit berücksichtigen durch eine Kooperation, die wir zum Beispiel auch mit einer Initiative VR-Cycle haben, die sich komplett mit einem Produkt Kompass beschäftigen und dann über die Digitalisierung steuern. Dies ist eine Druckfarbe, die ist geeignet für diesen Recycling-Ansatz, wie wir bei Prinsic jetzt mal gehen. Und dann kommt vielleicht ein anderes Produkt, das wird dann eben analysiert bezüglich einer anderen Druckfarbe und geht dann einen anderen Kreislauf in De-Inking oder in ein lösungsmittelbasiertes Recycling.
Und das könnte man natürlich digital steuern. Hochspannend, Frau Dr. Kelly-Koppelis. Ich sage Dankeschön.
Druckfarben als Zahnrad im Recycling
Unsere Zeit ist fast erreicht. Ich habe verstanden, Sie sind ein Zahnrad im Getriebe der Recycling-Wirtschaft. Sie wollen die Druckfarbe recyclingfähiger machen, gehen dadurch die gesamte Lieferkette und versuchen sogar bis hin zum Handel auch ein bisschen Vertrauen zu erzeugen und vor allen Dingen auch Mitsprache zu ermöglichen, um eben eine Recycling-feste Druckfarbe vielleicht auch in den Markt zu bringen. Sie arbeiten mit anderen Partnern zusammen und welche das sind, werden wir im Abspann auch nochmal nennen, wer die Projektteilnehmer wirklich sind.
Ich sage an dieser Stelle erst mal herzliches Dankeschön für dieses tolle Interview. Dankeschön, Frau Kelly-Koppelis. Vielen Dank, Herr Schröder. Projektpartner sind AKK Innovation, Brückner Maschinenbau, EREMA, Uber Group, Paxos Global und Profol.
Herzlichen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Ihr Karsten Schröder.

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