Die neueste Inno-Talk Podcast Episode ist heute veröffentlicht worden. ISRA VISION Vision ist bekannt als Inspektionssystem Lieferant. Aber darüber sprechen Karsten Schröder und Marcel Epping nur am Rande. Vielmehr geht es um Industrie 4.0 und den Mittelstand. Um Fehlerkultur bis hin ins Supermarkt-Regal und Fehlervermeidung entlang der #FlexPack Produktionskette.
Hören Sie rein in dieses Gespräch zwischen dem Entsorgungs-Ingenieur Marcel Epping und dem Werkstoff-Ingenieur Karsten Schröder zum Thema IT, Daten und Fehler-Inspektion. Es lohnt sich nicht nur fachlich, sondern es ist auch ein munteres Gespräch – also (scheinbar) leichte Kost auch für unterwegs.
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Transkript
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Folienwissen Spezial, der Innoform Podcast zum Inno-Talk. Also ohne Daten keine Industrie 4.0 und ohne Inspektionssysteme keine Daten. Hallo, herzlich willkommen hier beim Innoform Podcast zum Inno-Talk. Mein Name ist Karsten Schröder und diesmal spreche ich mit Marcel Epping von Isra Vision.
Isra Vision ist bekannt als Bahninspektionssystem-Lieferant und diesmal sprechen wir aber genau darüber nur ganz wenig. Denn wir wollen uns unterhalten über Industrie 4.0 im Mittelstand. Welche Rolle eigentlich der IT-Abteilung auch beim Mittelstand in Zukunft zufallen wird? Wer Datenhoheit über Inspektionsdaten hat, von zum Beispiel Folien, Papieren oder sonstigen Bahnen, die vielleicht später zu Flexpack-Verpackungen verarbeitet werden.
Und ganz zum Schluss geht es auch nochmal um einen Ausblick, um einen Appell quasi an die Branche, wie man sich neuen Technologien gegenüber vielleicht öffnen könnte, um auch im Mittelstand vor allem Industrie 4.0 Realität werden zu lassen. Auch und vor allem durch Cloud-Datenspeicherung. Seien Sie gespannt auf dieses etwas andere Interview eines Inspektionssystem-Lieferanten. Ich freue mich auf Marcel Epping.
Ja, ich bin im Gespräch mit Marcel Epping. Ich freue mich, dass wir so schnell zu diesem Podcast gekommen sind. Wir haben uns quasi über die sozialen Netzwerke wiedergefunden, sage ich mal, und haben sofort einen Draht zueinander gefunden und haben gesagt, Mensch, wir verabreden uns mal zum Podcast, denn Sie haben einige interessante Stichworte in unserem letzten Gespräch fallen lassen. Industrie 4.0, Druckbeobachtung ist heute Standard und so weiter und so weiter.
Und da habe ich gedacht, da müssen wir mal in die Tiefe gehen. Warum trauen Sie sich denn bei Isra Vision zu, einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeitssteigerung zu leisten? Wie kommen Sie zu der Expertise und was machen Sie eigentlich bei Isra Vision? Genau, also bei der Isra Vision bin ich Key Account Manager, also sprich schon im Vertrieb, aber eben sehr beratend da auch tätig.
Geht nicht nur, dass man jetzt rein das ganze System voraus als Inspektionssystem, sondern eben auch das Gesamtkonzept im Blick behält. Was macht für den Kunden Sinn, was macht vielleicht auch keinen Sinn? Wo kann man das vernetzen? Wo kann man Daten erzeugen, die man jetzt endlich nutzen kann?
Und dementsprechend ist dieser beratende Ansatz eben auch wichtig, um Nachhaltigkeitssteigerung leisten zu können in Form der Abfallvermeidung. Denn so ein Inspektionssystem, wenn es den Fehler schnell detektiert und das prozessrelevante Fehler zum Beispiel sind oder Defekte, dann kann man eingreifen. Und wenn Sie sich jetzt vorstellen, in der Blasfolien-Extrusion, wenn wir da schon den Fehler direkt finden und das wird nicht mehr bedruckt, dann spare ich mir auch eine Menge Energie und Aufwand, Mannstunden und so weiter. Und natürlich vermeide ich, dass er die Königsdisziplinen der Recyclingbranche zum Beispiel den Abfall vermeiden.
Und das geschieht genau an der Stelle. Also das hat dann wirklich einen Nachhaltigkeitsbeitrag und natürlich auch, ja, man kann ruhig sagen, auch einen monetären Beitrag. Denn was ich mir spare, zu produzieren, wenn ich keinen Abfall produziere, habe ich mir auch wieder Zeit gespart. Wenn ich keine Mannstunden in sinnlose Produktion stecke, habe ich mir Geld gespart.
Von Sorgungsingenieur zu digitaler Umgebung
Also in dem Sinne macht das da auf jeden Fall Sinn. Und ich bin auch noch ein Entsorgungsingenieur, eigentlich ein gelernter, aber an der RWTH Aachen ein Entsorgungsingenieur studiert und kenne die Verpackung eigentlich aus dem, ja, genau aus dem anderen Ende, sprich am Ende des Lebenszyklus. Allerdings habe ich mich da für die sensorgestützte Sortierung spezialisiert, immer schon mit Kameras, nein, Spektroskopie und so weiter zu tun gehabt. Und bin dann wirklich auf die andere Seite gewechselt mit dem Effekt, dass die Sensoren eigentlich genau dieselben sind.
Aber ich mich jetzt nicht mehr vor der Umgebung schützen muss, sondern genau umgekehrt, nicht mehr staubig und dreckig, sondern ich bin derjenige, der das H-Netz tragen muss. Und dementsprechend kann man auch da noch ganz anders an die Nachhaltigkeit rangehen, weil ich da halt beide Seiten kenne. Deswegen passt das ganz gut. Das ist ja auch genau das Spannende, was uns hier zu diesem Podcast zusammengebracht hat.
Man hat ja selten jemand, der so die Fronten wechselt, sozusagen quasi die Entsorgung schon verstanden und sogar studiert hat und dann jetzt sich bemüht, Nachhaltigkeit auch in die Produktionsprozesse von Verpackungen einfließen zu lassen. Und da ist ja natürlich die Müllvermeidung ein ganz, ganz großer Punkt. Das haben Sie sehr schön rausgearbeitet. Warum kaufen denn die Kunden jetzt bei Ihnen solche Druckbeobachtungsgeräte beispielsweise?
Ist das wirklich dieser, ich sag mal, Nachhaltigkeitsgedanke oder geht es da doch immer nur um den harten Euro? Genau, also ketzerisch könnte man sagen, es geht um den harten Euro. Es gibt aber eigentlich, wenn man möchte, drei Hauptmotivationen. Also es ist nicht immer ganz schwarz und weiß.
Man kann es eigentlich unterteilen in wirtschaftliche Gründe oder in politische Gründe, wo der Endkunde das wirklich verlangt. Also wenn ihr z.B. Fork.com Gamble sagt, wir produzieren nur noch bei euch. Wenn ihr auch eine 100%-Inspektion einsetzt, dann ist das mehr so ein politischer Grund.
Oder es gibt auch Digitalisierungsgründe. Die werden ja in Zukunft immer wichtiger. Und bei den wirtschaftlichen Gründen kann man es ja, Sie haben es schon angesprochen, einfach den harten Euro nehmen. Also sprich, wann rechnet sich mein System?
Rechnet sich das nach 15 Monaten, weil ich so viele Reklamationen habe? Kann ich meinen Prozess damit optimieren? Möchte ich auch vielleicht meine Marge einfach verbessern gegenüber den Endkunden? Der kann ja auch sagen, ihr habt nicht gut produziert.
Und mit so einem System kann ich aber ganz transparent darlegen: Doch, ich habe gut produziert. Das heißt, dann hat der Endkunde letztendlich keine große Möglichkeit mehr, dort an der Marge was zu drehen oder am Endpreis was zu drehen. Und das wären so die drei wirtschaftlichen Geschichten.
Datengewinnung durch Inspektionssysteme
Die politischen, logisch, die sind immer so ein bisschen schwierig, weil ja, wenn der Produzent eigentlich gar kein Inspektionssystem möchte, aber sein Endkunde es verlangt – ja, dann muss man schon ein bisschen aufpassen, dass die Systeme auch vernünftig genutzt werden. Und der dritte Punkt ist eigentlich ein ganz interessanter, und das ist eben dieser Digitalisierungsansatz. Denn es ist auch ganz klar: ohne Daten habe ich auch keine Industrie 4.0 oder keine digitalisierte Produktion.
Und diese Daten erzeuge ich mir natürlich auch unter anderem durch Inspektionssysteme. Wenn man ein ganz einfaches Beispiel nimmt, kann man auch an eine Welle zum Beispiel mal rangehen und da irgendwie einen Sensor dran setzen, wie sich das Ding, wie das Ding überhaupt schwingt. Dann kann ich da schon wieder Rücklöse ziehen. Und das Ganze kann man auch auf Inspektionsebene machen, dass ich also weiß, da habe ich jetzt gerade irgendwo so einen Auszieher und dann kann das Inspektionssystem zum Beispiel sagen, wo, an welchem Druckwert vielleicht das passiert ist oder dass das überhaupt passiert ist.
Dann kann man entsprechend eingreifen und das Ganze vielleicht auch mal in einem großen digitalisierten Bild umsetzen und auch im besten Fall sogar austauschen und so weiter. Also ohne Daten keine Industrie 4.0 und ohne Inspektionssysteme keine Daten. So kann man es glaube ich auch noch mal sagen. Nun, wenn man in Zentraleuropa, insbesondere im deutschsprachigen Raum, Daten in den Mund nimmt, dann ist man ja sofort ein Bein im Gefängnis.
So wird man ja fast eingesperrt. Die Datenhoheit ist ja immer ein ganz strittiger Punkt. Wer wem gehört, jetzt wie was. Und jetzt haben Sie sicher, das habe ich im Vorgespräch wahrgenommen, auch dafür stark gemacht, dass man Daten sogar austauscht.
Nicht nur von einer Druckmaschine zur Kaschiermaschine, vielleicht zum Längsschneider in einem Betrieb, sondern Sie hatten es eben schon gesagt, bis hin zur Marke vielleicht sogar. Ist das ein Projekt, wo Sie sich konkret mit beschäftigen? Ja, das ist natürlich ein riesen Thema und es wird auch kommen. Also egal, wie das dann am Ende läuft, kommen wird es definitiv.
Natürlich ist das auch ein Projekt, mit dem ich mich beschäftige, aber eben auch die ISRA generell. Und ja, Sie haben schon recht, die Hemmnisse und die Ängste sind noch recht groß. Wir sehen aber auch zum Beispiel, dass in Nachbarländern, man muss gar nicht weit reisen. Man muss nur in die Niederlande einmal hingehen.
Und da sieht man schon, wie es auch anders geht. Die sind da deutlich progressiver und die umarmen das Ganze, dass diese Datenerzeugung und das Austauschen zwischen den Prozessschritten, aber eben auch zwischen Endkunden und Produzenten, das findet da einfach schon viel mehr statt. Und es hat jede Menge Vorteile und es hat natürlich auch ein paar Nachteile beziehungsweise man muss ein paar Dinge beachten. Und am Ende wird es aber auf kurz oder lang so oder so kommen.
Da bin ich mir auch ganz sicher. Wir nutzen auch heute Smartphones und Sprachassistenten und so weiter. Hätten wir uns vor zehn Jahren auch nicht unbedingt gedacht oder erträumt. Jetzt ist es auch da.
ISRA als Innovationstreiber Folienextrusion
Und ich glaube auch, dass wir als ISRA auch da so eine Art, hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber so ein bisschen den Bildungsauftrag auch haben oder so einen Informationsauftrag, um einfach dann zu sagen, so und so könnt ihr es umsetzen. Da sind eure Probleme oder da können auch wirklich sensitive Geschichten sein, die man besser nicht in die Cloud packt. Aber am Ende sind die Möglichkeiten doch so groß, dass es in meiner Welt und in meiner persönlichen Meinung sehr viel Sinn macht, das zu tun und das auch konsequent zu leben. Gehen wir da doch ruhig mal ein bisschen in die Tiefe.
Ich bin jetzt Folienextrudeur, habe eine stippy Folie, hat mein Beobachtungsgerät, hat mir das gemeldet. Ich habe jetzt Stippen-Nester identifiziert. Das Ganze geht jetzt zur Druckmaschine. Was passiert da?
Wie geht das weiter? Und wie geht das vielleicht weiter bis hin ins Regal beim REWE? Genau, das ist der Ansatz. Von der Blasfolien-Extrusion bis ins Regal bei REWE, dass man eben die ganze Kette mitnimmt.
Es gibt jetzt verschiedene Betriebe. Es gibt welche, die haben die Extrusion und den Druck in einem Haus. Dann gibt es welche, die machen nur die Extrusion und verkaufen dann die entsprechende Folie an den Drucker, der dann bedruckt und der dann wieder weiter verkauft an einen Konverter und so weiter. Da gibt es dann verschiedenste Ansätze.
Wenn man alles in Haus hat, ist es recht simpel. Dann kann ich mir überall eigentlich ein Inspektionssystem draufsetzen und habe die Daten sowieso intern. Dann brauche ich gar nichts in die Cloud schieben. Sprich, ich müsste mich nur noch, ich sage mal bei REWE oder bei denen, die erst letztendlich dann final verarbeitet, einmal andocken und die Daten letztendlich dort abgeben und austauschen und dann wissen beide Bescheid, wie die Produktion gelaufen ist, wo eventuell Fehler zu sehen sind oder wo auch nicht.
Das ist dann der einfachste Weg. Wenn ich jetzt das Ganze gesplittet habe, dann ist natürlich so, dass es schon sinnvoll ist, wenn sich die Betriebe untereinander auch noch austauschen. Im besten Falle die ganzen Produktionsdaten wirklich in eine Art Cloud reinpacken, dass jetzt auch nicht jeder, jeder hat ja ein eigenes MES oder ERP-System, dass man sich da auf eine Cloud-Lösung einigt und auch da, dass man ja Inspektionshersteller übergreifend das Ganze anfasst. Nicht jeder hat ISRA-Systeme, es gibt ja auch noch andere gute Hersteller, dass man sich dort auf Datenmanagement-Ebene dort auch einigt, dass das auch systemübergreifend funktioniert.
Denn wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, dann wird es nicht funktionieren. Das sehen wir auch bei Plattformen. Unser Plattformgedanke ist ja auch da. Wir kennen alle Amazon, Spotify und so weiter.
Auch alles große Plattformen, die funktionieren, weil sich eben jeder andocken kann. Und dementsprechend müsste man das in der Industrie in meiner Meinung nach auch einfach umsetzen, leben und erst mal anfangen damit. Und wenn dann die Produktion so transparent ist, dann gibt es auch viel weniger Diskussionen mit, da sind jetzt Stippenlester gewesen. Ich schicke euch die ganze Charge zurück, wenn derjenige aber sagt, oh, das ist nur bei Rolle 3 passiert, können wir euch jetzt zeigen, und die anderen 17 sind völlig in Ordnung, dann hat man auch da wieder viel weniger Aufwand.
Innovation Push oder Pull Strategie
Am Ende gewinnen beide Seiten. Aber ist natürlich erst mal ein Schritt dahin, keine Frage. Könnte ein steiniger Weg sein. Wir Menschen neigen ja von der Psychologie her ein bisschen dazu, Fehler auch gerne unter den Tisch zu kehren, vielleicht auch gar nicht beim Namen zu nennen, da mitkämpfen sie wahrscheinlich.
Ist es denn jetzt so, dass es eher ein Innovations-Push oder Pull ist? Sprich, ist es eher etwas, wo die Extrudeure bei ihnen anklopfen und sagen, ich brauche unbedingt eine Bahnbeobachtung, weil ich hab ab und zu Stippenlester und die will ich besser finden? Oder ist es eher der Procter & Gamble, der sagt, so wie sie es vorhin schon angedeutet haben, dass es passieren könnte, wir kaufen bei dir nur noch, wenn du uns die Protokolle mitschickst? Die Antwort ist recht banal, denn beides passiert.
Also es kommen tatsächlich die Kunden auf uns zu und sagen, wir wollen das haben. Weil wir haben zum Beispiel gesehen, dass einer unserer Mitbewerber hat das auch, oder es ist der Endkunde, der es jetzt endlich verlangt. Oder was jetzt auch durchaus immer wieder kommt, ist wirklich dieser Digitalisierungsgedanke, dass man die ganzen Daten nicht nur einfach erfassen möchte, sondern auch auswerten und verknüpfen möchte. Sprich, mit einem Temperatursensor vielleicht mal vorsehen, da gibt es eine sehr schöne Anekdote zu, dass im Winter bei einem unserer Kunden in der Nachtschicht weniger Fehler auftraten als in der Tagschicht.
Und man konnte sich das nicht erklären. Und am Ende des Tages war es wirklich, der Temperatursensor verknüpft mit den Inspektionsdaten, hat dann herausgefunden, dass in der Tagschicht mehr Verkehr ist von Gabelstapler usw. und dann die Tore einfach offen waren. Und im Winter zog dann der Wind einmal durch.
In der Nachtschicht war weniger Gabelstapler-Verkehr, Tore wieder zu, Temperatur stabiler und weniger Defekte. Also auch solche Dinge können vorkommen. Und ich sag mal, bei den größeren Unternehmen ist es eher der Digitalisierungsgedanke, der dann zählt. Klar, auch der Qualitätsgedanke, logisch.
Also der steht sowieso in meinem Vordergrund. Und bei den kleineren Unternehmen ist es eher so, dass die anfragen oder kleinere, billigere Unternehmen, wir haben das gesehen oder der Endkunde verlangt das jetzt von uns und wir müssen was tun. Oder eben die haben zu viele Reklamationen. Also das sind so die Hauptgeschichten, mit denen die Kunden dann an uns herantreten.
Gehen wir mal gedanklich weiter durch. Wir haben jetzt also mal angenommen den Extrudeur überzeugt. Der liefert jetzt mehr oder weniger stippige Folie an den Drucker. Und der weiß jetzt, okay, mit der Rolle muss ich aufpassen.
Dabei Kilometer so und so, vielleicht mal ein Kilometer rausschneiden hinterher oder sowas. Jetzt haben die vielleicht einen Benefit erkannt. Aber Sie sprachen eben auch diese Cloud-Lösung an des Datenaustauschs. Wem gehören die Daten?
Datenvernetzung produktionsübergreifend implementieren
Wer muss da der Treiber sein und wie funktioniert das? Wie gehen Sie das an? Also im besten Falle gehören die Daten natürlich dem, der sie auch produziert. Das sollte eigentlich auch der Standard sein.
Wenn sich jetzt diese ganzen Sachen vernetzen und man sagt, man macht das wirklich produktionsübergreifend und der Extrudeur sagt, ich stelle die Daten in die Cloud und ihr könnt wirklich darauf zugreifen, dann ist der auch der Herr über seine Daten und die anderen sind im Prinzip in Anführungszeichen Nutzer dieser Daten und können darauf zugreifen und sagen, super, die Produktion passt so weit. Wir nehmen euch das alles so ab und wir haben auch in unserer Produktion gesehen, dass es so weit hinkommt. Man schneidet ja auch nicht jeden Fehler raus. Also jede Stippe wird ja nicht rausgeschnitten.
Und es ist dann so, wenn ich aber weiß, ich habe jetzt hier zum Beispiel eine sehr, ich sage mal in Anführungszeichen, stippige Folie, dann würde ich jetzt die nicht vielleicht unbedingt dafür benutzen, um für Nestlé zu produzieren, sondern vielleicht eher für andere Produkte, wo ich weiß, da sind die Anforderungen nicht so hoch. Das können eben welche, weiß ich nicht, Tragetaschen oder sowas sein. Dann habe ich einfach verschiedene Produkte, verschiedene Qualitäten und bin ja auch auf der Produzentenseite, der dann die Folie weiterverarbeitet auf der sicheren Seite. Der wiederum gibt dann seine Daten auch wieder weiter oder könnte sie weitergeben.
Und es sollte dann in meinen Augen auch der Herr über seine Daten sein. Und es ist auch ganz wichtig, dass das so ist, denn ich glaube, die großen Abnehmer, also wir haben es P&G, Unilever und Nestlé jetzt einfach mal so als große Abnehmer genannt. Wenn man sich die nimmt, dann werden die auf kurz oder lang selber sowas einführen. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass noch Zeit ist und die Produzenten das noch selber gestalten können.
Ansonsten werden die was hingesetzt bekommen und P&G sagt einfach, sowas jetzt zu laufen und Punkt. Und das sollte man in meiner Welt eher vermeiden. Das ist auch schön, wenn das die Produzenten noch selber gestalten könnten und dann sich P&G zum Beispiel andockt. Genau, ein ganz wichtiger Punkt.
Wir haben sowas ja schon mal damals erlebt, ich selber persönlich mit der statistischen Prozessregelung. Da hat auch der, die gab es immer Appelle. Macht das doch bitte und so weiter. Eingeführt wurde es letztlich erst, als dann die großen Marken gesagt haben, wir kaufen nur noch, wenn ihr es macht.
Und dann wurde SPC umbenannt in „Show Program for Customers“ anstatt in Statistische Prozesskontrolle. Und das Ganze hatte plötzlich so ein Geschmäckle. Aber heute ist es aus der Flexpack-Industrie nicht mehr wegzudenken. Das muss man ganz klar sagen.
Es hat 20 Jahre gedauert. Wir haben vor zehn Jahren in ISRA-Vorträgen immer über Pixelgröße, über Rechnerkapazität, über Bandbreite gesprochen. Darüber höre ich gar nichts mehr. Ist das ausentwickelt?
Genauigkeit und Datennutzbarkeit optimieren
Haben Sie heute die Genauigkeit, die Sie brauchen? Und es geht wirklich mehr darum, jetzt die Daten auch nutzbarer zu machen? Ist das im Moment der Punkt, an dem wir stehen? Es geht auf jeden Fall weiter.
Also klar, natürlich ist das noch ein Thema Pixelgröße und Bandbreite und so weiter und Geschwindigkeiten. Ganz klar, das wird auch weiter exerziert und die Entwicklung geht auch immer da weiter. Aber mittlerweile ist es so, dass eben, ja, wie beim Auto auch. Früher war, glaube ich, Hubraum und also als ich noch jünger war, war Hubraum eine große Kenngröße.
Mittlerweile ist es wichtig, dass man das Handy vernünftig anbinden kann. Und so kann man das jetzt auch ein bisschen sehen. Also die Entwicklung geht ganz klar auch weiter in Form von Bits und Bits und Pixel. Die Diskussion ist aber viel ganzheitlicher.
Die ist nicht mehr, von wem kann das System den kleinsten Defekt erkennen? Ja, nein. Sondern, klar, das ist natürlich noch sehr wichtig. Aber die Fragen sind auch, wie kann ich das System ganzheitlich nutzen?
Wie kann ich das vernetzen? Wenn ich drei verschiedene Systeme hab von drei verschiedenen Herstellern, wie bekomme ich meinen Workflow vernünftig hin? Was mache ich an Punkt A, wenn ich zu Punkt B muss? Also es wird einfach immer beratender, das Ganze.
Es wird viel, viel großflächiger aufgezogen, das ganze Thema. Und es sind nicht mehr diese Insellösungen und nicht mehr nur „Kann ich den Defekt sehen? Ja, nein.“ Sondern: Was mache ich mit den ganzen Daten?
Wie kann ich das noch nachverfolgen? Wie kriege ich den später raus? Wie kann ich meinem Endkunden das erzählen? Was gibt es da für Möglichkeiten?
Also es geht vom reinen Inspektionssystem immer mehr in Richtung ganzheitlicher, digitalisierter Ansatz und Track and Tracing oder Track and Trace, wie es so schön heißt. Da geht es immer mehr hin. Genau, die Diskussion wird einfach großflächiger, größer und breiter. Erinnert mich so ein bisschen auch an diese Open-Book-Diskussion, die es in der Autoindustrie gab, wo man ja die Kalkulationen offenlegen wollte aus Sicht der OEMs.
Transparenz Zulieferer Folienhersteller
Die Zulieferer haben sich immer gesperrt und machen es bis heute, glaube ich, nicht ganz transparent, aber man ist in der Verpackungsindustrie natürlich noch weit davon entfernt. Was ich sagen will, ist, wir haben ja eine ganz andere Kommunikationsebene zwischen Lieferant und Marke im Moment noch. Das heißt, die Marke sagt eigentlich, was sie braucht, und der Lieferant folgt. Aber mit viel Geheimniskrämerei, das war so meine Wahrnehmung.
Folienhersteller, da haben wir nicht eine Bahnbeobachtung eingesetzt, um Procter and Gamble zu beeindrucken, sondern um festzustellen: wenn irgendwo – bleiben wir mal beim Beispiel stippy Folie – wenn irgendwo was produziert wurde, dass wir die Druckmaschine anders planen, weil wir wissen, da kommt eine Folie, können wir eigentlich gar nicht zu 100 Prozent verwenden und das in Nachproduktion angestoßen wird und so weiter, damit wir das mal intern überhaupt sehen, wo sind denn unsere Baustellen. Das ist aber 20 Jahre her, das ist, glaube ich, vorbei. Oder 15 Jahre? Na, das ist ja 20. Darüber ist man hinweg.
Damals war das in großen Firmen vorbehalten. Wie sehen Sie denn dieses Ganze, wenn wir das jetzt so ein bisschen globaler betrachten, für die kleinen Unternehmen, die ja nach wie vor die Flexpack-Industrie stützen, die ja die größten Mengen auch produzieren, die kleineren und mittelständischen Unternehmen, die 200, 300, 500 Mitarbeiter-Unternehmen. Sind das die, die auch ihre Geräte jetzt zunehmend einsetzen und dann die Cloud nutzen und laufen die den Großen vielleicht jetzt vorweg oder wie muss ich mir das vorstellen? Ja, im besten Fall laufen die natürlich vorweg, denn die haben eins ganz sicher als Vorteil: die sind flexibler.
Großunternehmen sind eher langsamer in ihren Entscheidungen. Natürlich haben die andere finanzielle Mittel, die können auch bestimmt, wenn sie mal losrennen, ganz anders loslaufen. Aber bis die mal loslaufen, dauert es. Und das ist die große Chance nicht nur für Start-ups, sondern eben auch für KMUs, also kleine, mittlere Unternehmen, die dann, wenn sie es jetzt vernünftig aufbauen, sich definitive Vorteile erarbeiten können.
Zumindest ist das meine ganz feste Meinung. Und es wird auch kommen. Also auch, egal wie lange man jetzt das Thema vor sich her schiebt, irgendwann ist es da. Und die Frage ist, ob man jetzt agiert und proaktiv ist oder ob man reagiert.
Und noch ist die Zeit, dass man agieren kann und das Ganze proaktiv voranschiebt. Und wenn man sich auch gerade das Stichwort OEM noch mitgenommen, wenn man sich die Druckmaschinen, die großen Druckmaschinenhersteller anschaut, zum Beispiel W&H, die packen dann ihr eigenes System drauf. Das heißt, im Laufe der Zeit wird es ja immer so sein, dass auch andere auf die Idee kommen und das nicht nur auf Druckmaschinen machen, sondern auch meinetwegen auf einen Rollenschneider, auf eine Kaschanlage und so weiter. Also auch von Seiten des OEMs wird das Thema ja immer weiter getrieben.
Diese Inspektionen, die werden, glaube ich, immer mehr Standard werden. Und dann ist die Frage, wie geht man damit um mit den ganzen Daten, die man erzeugt? Was mache ich damit? Wo setze ich die sinnvoll ein?
Und ja, was macht für den kleinen oder für den mittleren Betrieb überhaupt Sinn? Weil over-engineeren müssen wir es ja auch nicht. Der Große, der wird eine viel, viel größere Lösung anstreben mit viel höheren Aufwänden, die braucht so ein kleiner oder so ein mittlerer eigentlich gar nicht. Und das ist eine Riesenschance, dass der eben viel flexibler, viel schneller das Ganze umsetzen kann, das ganz anders auf den Markt reagieren kann.
KMU Chancen Cloud-basierte Lösungen
Und während der Große noch überlegt, ist der Kleine und Mittlere vielleicht schon da. Und die Chance ist definitiv in meinen Augen gegeben. Wo sind wir denn konkret jetzt mal Butter bei die Fische, wie wir Norddeutschen sagen? Ich bin jetzt eine Druckerei, habe 30 Mitarbeiter, fünf Druckmaschinen, Kleine, Große, Mittlere, tummeln mich in irgendeinem, ich sage mal im Etikettenmarkt im besten Fall noch, also Preisdruck, Lieferzeitdruck.
Kann ich bei Ihnen die Cloud jetzt schon buchen mit den Beobachtungsgeräten und kann ich jetzt meinen Kunden schon beglücken mit Auswertungen? Geht das schon? Also Cloud-Lösungen gibt es definitiv. Die kann man auch tatsächlich schon buchen.
Die kann man sogar, es gibt, es gibt ein bisschen vielleicht Produktwerbung, aber es nennt sich E-Promi Live, das ganze Teil. Da kann man das auch in Echtzeit, sich die Produktionsdaten auf dem Handy sich anschauen und so weiter. Und es ist tatsächlich so, dass wir davon so überzeugt sind vonseiten der ISRA, dass bei einem Neusystem dieses E-Promi Live drei Monate kostenfrei vorinstalliert wird. Das wird auch immer weiter ausgerollt und das wird auch jetzt immer weiter.
Das ist jetzt kein Produkt, welches das jetzt komplett hundertprozentig überall zupasst. Also es wird natürlich immer weiter entwickelt, wie das bei Cloud-Lösungen so ist. Das ist ein Produkt, was man heute nutzen kann. Und dann werden wir auch sehen, wo geht die Reise hin und werden das Ganze auch entsprechend anpassen an die Märkte, an die Bedürfnisse und an die Wünsche letztendlich auch, von denen die es dann am Ende auch benutzen und damit arbeiten.
Und diesen Gedanken, dass man eben dieses Produkt immer wieder ändern wird oder ändern kann, der ist halt extrem spannend, denn dann kann ich da wirklich drauf reagieren. Und wenn sich was im Markt ändert, dann ändert man das einfach mit. Und das ist wirklich eine spannende Zeit auch einfach, definitiv. Und das ist nicht nur bei ISRA spannend, für alle anderen wird das spannend sein.
Wo Sie sagen Kompatibilität, gibt es denn jetzt schon Schnittstellenstandards oder Protokollstandards oder wie machen Sie das? Weil gerade EDV ist ja das besonders kriegsentscheidend, ob man jetzt wirklich zueinander findet. Wenn keine Schnittstelle definiert ist oder die nicht gut genug funktioniert, wird es nie klappen. Ist das technisch auch schon, gibt es da Gremien?
Sitzen Sie da bei den großen Normenausschüssen, um da irgendetwas zu standardisieren oder wie geht das? Wie muss ich mir das vorstellen? Ja, da sind wir beim Stichwort Industrie 4.0. Da gibt es ja dann ein paar Schnittstellen, die sich dann gegenseitig konkurriert haben.
Und es kristallisiert sich so heraus, dass die OPC-UA-Schnittstelle, das ist so ein Podcast mit dem Kollegen von W&H, der nennt die OPC-UA-Schnittstelle ja auch. Genau, und die wird sich wahrscheinlich rauskristallisieren, um eben systemübergreifend das Ganze anzugehen. Bringt ja nichts, wenn wir jetzt sagen, wir haben hier ein tolles Produkt. Hier unser E-Promi Live oder X-Cloud Experience und wie sie alle heißen.
OPC-UA Integration für Systemoffenheit
Aber die funktionieren jetzt nur in der Isra-Welt. Das hilft am Ende auch nicht. Die müssen auch für andere sich öffnen oder eben auch ganz andere Sensoren miteinander verknüpfen können. Also wie jetzt gerade zum Beispiel das Beispiel Temperatursensor mit Inspektionssystem verknüpft.
Das geht über OPC-UA recht einfach. Nichtsdestotrotz natürlich muss man Leute dafür haben, die das umsetzen. Das können externe Firmen sein, die das letztendlich umsetzen. Oder man baut sich das Wissen intern ein Stück weit auf.
Da muss dann auch, glaube ich, ein kleiner Wandel im Denken der KMUs auch stattfinden, also der kleinen mittleren Unternehmen, die auch in sowas dann investieren. Das kann man sich alles von extern einkaufen. Ein bisschen IT-Wissen sich aufbauen wird aber auf Dauer sinnvoll sein. Da bin ich mir auch ganz sicher.
Und dann kann man eben mit dieser Schnittstelle, also OPC-UA wäre so die Schnittstelle, die wahrscheinlich jetzt durchsetzen wird. Da muss man auch ein bisschen Auge draufhalten. Und wenn man sich da dann einklinkt und sich da Wissen aufbaut, hat man eine ganze Menge gewonnen und ist zukunftssicher. Aber das wäre so die Schnittstelle der Wahl.
Vielleicht als letzte Frage jetzt noch zu diesem Themenkomplex: Sie als ISRA liefern dann auch Support, um so eine Strategie überhaupt erst mal zu entwickeln in einem Unternehmen. Wie baue ich eine Infrastruktur auf? Wie nutze ich die Cloud und welche Daten gebe ich weiter?
Ich gebe ja nicht jede Stippe als Bild weiter in die Cloud, sondern ich gebe ja nur Zusammenfassung wahrscheinlich weiter. Und das ist ja auch ein politischer Ansatz, was ich weitergebe und wie ich das tue. Oft interessiert das ja auch den Kunden gar nicht, weil er eh nicht versteht, was für eine Stippe das ist. Ob das ein Gel ist oder ein verbranntes Stippe oder was weiß ich.
Interessiert ja keinen eigentlich. Wie geht das? Wie machen Sie das im Projekt? Also das ist genau der Punkt.
Dort sind wir dann wirklich beratend auch tätig. Wir haben jetzt auch nicht die Weisheit oder die komplette Weisheit mit allen Löffeln gegessen. Das heißt, auch dort lernen wir dann auch mit unseren Kunden zusammen. Was ist euch wichtig?
Datenauswahl und Temperaturmanagement Stippen
Was braucht ihr denn? Welche Daten wollt ihr weitergeben? Welche müsst ihr gar nicht weitergeben? Und ganz wichtig, welche sind für euch intern?
Denn eben wenn wir über Stippen reden, wenn ich jetzt einen schwarzen Brenner habe und so weiter oder muss ich eine Temperatur irgendwie regeln, ist es mein Eingangsmaterial. Das wäre so intern prozesstechnisch, dass ich das optimiere. Und das Zweite wäre ja dann wirklich, wie gehe ich mit den Daten um und wie haue ich die nach draußen und wie gebe ich die weiter an den Endkunden? Und genau diese Geschichten, die sind im Einzelfall abzuklären und da helfen wir natürlich, wo wir können.
Und haben jetzt aber nie so diese eine Patentlösung, weil die Workflows der einzelnen Unternehmen immer ein Stück weit unterschiedlich sind. Und man muss ja auch nicht alles sofort auf 100 Prozent umdrehen oder sofort alles 100 Prozent ändern. Man kann ja, wichtig ist erst mal, dass man anfängt. Man kann ja mit einem kleinen Projekt anfangen und dann Stück für Stück das Ganze modular hochziehen.
Und das ist so der Ansatz, der sich gerade bei den kleineren Unternehmen bewährt. Wichtig ist, dass man anfängt, erst mal loslegt, dann die Hürden im Kopf so ein Stück weit abbaut und dann über den nächsten Schritt sprechen kann. Ich muss jetzt nicht sofort mit einer Cloud um die Ecke kommen und alle Daten schon austauschen mit all meinen Lieferanten und Geschäftspartnern. Vielleicht mache ich das mit denen, mit denen ich schon sehr gut kann.
Vielleicht probiert man es mal aus und sieht auch, okay, da hat noch was oder da könnte man noch was verbessern. Und dann kann man uns darauf ansprechen. Wir haben jetzt das und das gelernt. Könnt ihr das und das anpassen?
Und so könnte man sich das vorstellen, dass eben für uns natürlich auch Inspektionssysteme rausspringen, denn ohne System keine Daten. Aber eben auch, dass wir da beratend tätig sind im Sinne von, was mache ich damit? Wie gebe ich die weiter? Was nutze ich intern?
Was nutze ich extern? Da helfe ich natürlich auch sehr gerne. Keine Frage. Also ganz klar doch auch immer wieder der Fokus auf IT-Lösungen in die Strategie eingebettet, habe ich verstanden.
Sehen Sie, dass das jetzt schon ein fester Bestandteil der Flexpack-Industrie ist, diese ganze Thema Bahn-Druckbeobachtung? Oder ist das immer noch so wie vor 10, 15 Jahren, der eine macht es, der andere strickt dagegen? Oder wie muss ich mir das vorstellen? Ist das flächendeckender schon jetzt im Einsatz?
Kaschieranlagen Platzprobleme Sensoren
Das ist deutlich flächendeckender im Einsatz. Und wenn wir wieder bei B+K sind, die das letztendlich bei sich auch schon intern alles dann verbauen, das machen die ja auch nicht, weil sie unbedingt zu viel Spaß dran haben, sondern weil es was bringt, weil der Markt eben das auch fordert, weil man auch sieht, dass das hilft, dass der Markt das auch verlangt. Und bei Druckmaschinen würde ich sagen, ist das mittlerweile – ich hatte auch schon Standard – die 100%-Inspektion bei davor oder nachgelagerten Prozessen, also Extrusion oder eben Rollenschneider, Kaschierer und so weiter. Dort wird das immer mehr ein Thema.
Und auch da muss man den OEM ein Stück weit mitnehmen. Also Kaschieranlagen, da ist in der Regel ganz wenig Platz und da passen die Systeme dann, wenn man sie im Retrofit, also nachträglich einbauen möchte, passen die oft gar nicht mehr rein. Und dann habe ich riesen mechanische Aufwände, weil ich muss die Bahnführung ändern, wenn ich das reinpacken will. Und die machen das dann eher nicht, sondern die machen das dann wahrscheinlich mit dem Wechsel der nächsten Maschinengeneration.
Dann dauert es natürlich noch ein paar Jährchen. Aber auch da bin ich fest der Meinung, das wird kommen und das wird immer mehr Bestandteil werden. Und dort ist es dann halt nicht der Standard, wie es jetzt in den Druckmaschinen ist. Aber das wird auch da ganz sicher kommen.
Also es ist viel weiter verbreitet als noch vor zehn Jahren. Die Technik ist auch viel weiter. Die Preise sind auch nicht mehr so wie vor zehn Jahren, muss man auch ganz klar sagen. Oder vor 20 war es dann noch richtig teuer.
Und das verbreitet sich auch deswegen schon. Genau. Ist es denn dann nötig, dass ein, ich bin immer bei Mittelstand noch, weil unsere Industrie eben so mittelstandsgeprägt ist, muss der jetzt eine IT-Abteilung haben, um so was zu implementieren? Oder sagen Sie, na ja, wenn der Chef gerne möchte, dass er auf seinem Handy die Druckprotokolle sehen kann, dann können wir das auch als Full Service anbieten.
Sie hatten ja so ein bisschen angedeutet: Man kann das extern einkaufen oder man kann das eigen machen. Das kennt man ja auch mit der eigenen Infrastruktur. Die großen Softwareunternehmen, darauf will ich eigentlich hinaus, gehen ja ganz klar Richtung Cloud.
Man kann Microsoft 365 in der Cloud per Klick für jeden Mitarbeiter eben buchen. Dann läuft das. Das zu installieren auf jedem Laptop ist ja viel zu umständlich heute. Deswegen machen es die wenigsten nur noch.
Ist das auch etwas, wo Sie in die Richtung denken, dass es mehr so in diese Richtung geht oder? Ganz klar. Also in die Richtung wird es unserer Meinung nach definitiv gehen. Und so wird es dann auch letztendlich am einfachsten umzusetzen sein.
Cloud-basierte browsergestützte Wartungsfreiheit
Denn dann brauche ich nicht für jeden Laptop, es wird einfach unkomplizierter. Wenn ich die Hürden, die Anfangshürden niedriger gestalte, wie das jetzt mit dem Microsoft 365 zum Beispiel ist oder wie es auch jetzt mit unserem Podcast hier, das sind ja auch alles Aufnahmen, die sind kinderleicht. Das war vor fünf Jahren auch noch anders. Und genau diesen Weg wird man gehen.
Es wird alles, ich sage mal, browserbasiert. Irgendwo werden alles irgendwo in die Cloud verschoben, weil es wartungsfreundlicher ist. Ich brauche also die ganze Software nicht mehr auf dem PC. Ich muss nicht eine IT-Abteilung haben.
Es macht aber natürlich Sinn, wenn man ein, zwei Leute hat, die sich einmal damit auskennen, also ein Stück weit mit der IT auskennen, einfach damit es am Laufen erhalten bleibt oder überhaupt ans Laufen kommt. Und es macht auch natürlich, und das ist eine Sache, die wird oft übersehen, Sinn, dass der Drucker sich mit dem ITler letztendlich unterhält. Denn nur wenn die beiden sich verstehen, kann man auch noch Potenziale heben, die man jetzt erst mal im ersten Moment gar nicht sieht. Und ISRA natürlich geht dahin und sagt: „Wir erzeugen euch die Daten, wir werden aber auch dafür sorgen, dass ihr das in die Cloud umgesetzt bekommt oder dass ihr das auf dem Handy entsprechend seht.“
Es wird auch der Ansatz mit Sicherheit mal sein, dass man dort Drittsysteme, also Fremdanbieter sozusagen, einbindet. Da muss man gucken, wie gut oder schlecht das am Ende funktioniert, aber das muss eigentlich der Weg sein, damit man überhaupt die Akzeptanz dafür erzeugt. Denn wir hatten das ja auch schon besprochen: Wenn jetzt jeder wieder sein eigenes Süppchen kocht, dann hat der eine von Hersteller 1 das System und der nächste von Hersteller 2 das System und keiner hat was Übergeordnetes. Und da liegt, glaube ich, eine ganze Menge Potenziale in diesem übergeordneten Plattformgedanken und dem wird man auch weitergehen.
Da bin ich mir ganz, ganz sicher. Und dann wird es auch attraktiv, auch für kleine und Mittelständler, die ja auch heute mit Microsoft 365 vernünftig arbeiten können, dafür auch keine IT-Abteilung brauchen eigentlich. Das ist dann einer, der sich vielleicht noch drum kümmert, aber nicht mehr so eine ganze Batterie an Menschen, die da noch einen Server unterhalten müssen und so weiter. Das soll ja genau nicht mehr sein dann am Ende.
Genau. Wir sprechen auch im Vorgriff auf unsere Drucktagung Ende November, wo Sie ja auch einen Redeplatz reserviert haben. Wird es da auch um dieses Thema gehen? Was haben Sie da vor?
Genau, da wird es dann um das Thema Industrie 4.0 am Ende gehen, auch in den Schnittstellen, ein bisschen mehr im Detail. Was gibt es für Schnittstellen, welche setzen sich durch und warum ist das Ganze so? Und eben diese ganze Geschichte, wie vernetze ich mich oder wie vernetze ich meine Daten und was wir kurz angerissen haben im Detail auch, was macht Sinn, was man intern hält, was macht Sinn, was man extern teilt und wie kann ich denn die ganzen Daten so nutzen, dass ich meinen gesamten Prozess optimieren kann. Es ist nicht nur den Einzelprozess zum Beispiel Drucken, sondern eben auch prozessübergreifend Extrusion und die ganze Kette einmal durchgehen.
Und vor allem, wo gibt es auch Fallstricke? Ganz wichtig, denn das hört sich in meiner Theorie alles so toll an. Und ja, es ist ja so. Und in der Praxis ist es dann, sieht man, okay, das ist alles schön, aber es funktioniert mit der Synchronisation nicht, weil ich habe mir drei Meter rausgeschnitten und jetzt passt wieder alles nicht mehr.
Industrie 4.0 praktische Materialbeispiele
Und solche Geschichten, die würde ich dann definitiv auf der Drucktagung, auf materialen Beispielen unterfüttern und mich nur darauf fokussieren. Also auf wirklich, dass man sieht, das ist es, so kann das aussehen, da muss ich aufpassen. Und wenn ich den Workflow so habe, dann kann ich das wieder so nicht vernetzen. Und dann macht es da keinen Sinn.
Also da wird die Reise hin. Einmal Industrie 4.0 im Groben und dann wirklich an realen Beispielen runtergebrochen, wie man das Ganze auch umsetzen kann und was wir auch schon so alles gelernt haben im Laufe der Jahre. Ja, genau. Also für die, die sich interessieren, spannender Vortrag.
Ich bin schon ganz gespannt, was ich da alles wieder dazu lerne. Vielleicht Randbemerkung zum Schluss. Wir haben auch eine Softwarefirma gegründet für unseren Inno-Talk, weil uns die Technologie auch übermannt hat. Und ich kann das nur jedem empfehlen, in die Tiefe einzusteigen.
Wir haben auch eigene Prozesse daraufhin total geändert. Wir sind viel virtueller geworden, obwohl wir früher auch schon Teams konnten und Videokonferenzen. Geht es heute einfach viel besser und ist integriert in die Prozesse und die Prozesse haben sich dadurch verschlankt. Und ich glaube, da ging ja auch so ein bisschen Ihr Appell hin, um einfach eine schippige Folie gar nicht mehr zu bedrucken und schon gar nicht noch zu kaschieren und schon gar nicht noch was reinzufüllen, um es dann nachher vielleicht vom Kunden sogar noch aussortieren zu lassen in Form einer Reklamation.
Das wäre natürlich das Worst-Case-Szenario. Wenn Sie sich was wünschen für die nächsten Jahre von der Flexpack-Industrie hinsichtlich Druckbearbeitung. Haben Sie da irgendetwas, wo Sie sagen, mein Appell an die Branche geht mal in die Richtung? Ja, mein Appell an die Branche geht ganz klar in die Richtung, die Zukunft und die Möglichkeiten einfach zu umarmen.
Also sprich, die wirklich lieben, zu lernen und zu akzeptieren und nicht einfach jetzt schon direkt die ganzen Hürden aufzuzeigen. Erst mal anfangen, loslegen, im Kleinen auch gerne loslegen, damit man diesen Vorsprung, den man sich jetzt noch erarbeiten kann, auch entsprechend umsetzt und nicht, dass dann der Druck von außen wieder ist. Und dann muss ich das machen. Jetzt kann man es noch machen.
Und dieses „Jetzt kann ich es noch machen“ wäre mein Appell an die Industrie, dass man wirklich sagt, wir legen jetzt los, wir fangen an im Kleinen und ab geht’s, um die Digitalisierung als Chance zu begreifen und nicht als Hindernis oder als böse Dystopie. Genau, das wäre so mein Appell. Danach kann nichts kommen. Ganz herzlichen Dank für dieses tolle Podcast-Interview, Epping.
Ja, danke auch. Hat mich sehr gefreut. Das war ja schon wieder der Innoform Podcast zum Inno-Talk. Dankeschön an Marcel Epping nochmal für diese Insights in die Ideen von Cloud und Datenhoheit, die eigentlich in Zukunft eine große Rolle spielen werden, auch für flexible Verpackungshersteller, deren Lieferanten und Kunden.
Innoform Podcast Abschlusswort
Ich freue mich auf weitere Wortmeldungen hier für diesen Innoform Podcast. Mein Name ist Karsten Schröder. Tschüss, bis zum nächsten Mal.

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