D.W. Renzmann ist Spezialist für automatische Waschsysteme für die Farb-, Lack- und Druckindustrie. In seiner Funktion als Bereichsleiter Vertrieb bedient Jonas Becker in Europa ein riesiges Verkaufsgebiet. D.W. Renzmann liefert lösemittelhaltige und lösemittelfreie Waschsysteme auf höchstem technischen Niveau. Wir sprechen in dieser Episode über technische Auslegung, Vor- und Nachteile von wässriger und Lösemittelreinigung sowie über Trends, die auch durch den Dauerbrenner Nachhaltigkeit befeuert werden. Erleben Sie ein offenes, detailliertes Gespräch über dieses Peripheriethema – dem Waschen farbführender Teile, das doch so viele Kosten- und Qualitätspotenziale in sich birgt. Lernen Sie, warum so etwas nachhaltig ist und was man für das Waschen von farbführenden Teilen braucht. Durch die lange Bekanntschaft mit Jonas hat das Gespräch eine persönliche und erfrischend offene Note – hören Sie selbst.
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Folienwissen Spezial, der Innoform-Podcast zum Inno-Talk. Thema Schutz geht uns alle was an, nicht nur den Druckern, nicht nur den Verpackern, nicht nur den Endkunden, sondern alle können da mitwirken. Heute im Innoform-Podcast zu Gast Jonas Becker von DW Rehnsmann. Er ist als Gebietsvertriebsleiter zuständig für den Vertrieb von Waschsystemen von farbführenden Teilen.
Was das ist, werden wir in dieser Episode besprechen. Kunden sind zum Beispiel Farb- und Lackhersteller, aber auch die gesamte Druckindustrie in Europa. Wir sagen auch einen Blick rüber nach Asien, welche Trends es dort gibt und welche Rolle lösemittelhaltige, aber auch Wasserwaschsysteme heute in Europa spielen. Hören Sie rein, freuen Sie sich auf Jonas Becker.
Herzlich willkommen, Jonas Becker von DW Rehnsmann. Ihr habt nichts mit Zigaretten zu tun, werdet aber oft verwechselt. Erzähl mal, was macht ihr überhaupt bei Rehnsmann? Ja, wir bei Rehnsmann beschäftigen uns mit der Reinigung von Top-6-Teilen und mit der Distillation des verwendeten Reinigungsmediums.
Aber wir sind auch ganz stark vertreten im Bereich der Farb- und Lackherstellung. Das heißt in Druckfarbenherstellung. Da bieten wir auch unsere Waschmaschinen an und eben auch die Distillation. Bevor wir jetzt gleich auf die Technik gehen, wollen wir natürlich ein bisschen mehr auch über deine Person erfahren.
Du bist dort auch im Vertrieb tätig für ein riesiges Verkaufsgebiet. Erzähl mal ein bisschen, wofür bist du zuständig? Was machst du bei Rehnsmann und wie kannst du das überhaupt erfüllen? Was befähigt dich dazu?
Ja, in der Tat hast du da recht, dass ich ein riesiges Gebiet habe. Wir haben jetzt gerade vor kurzem umgestellt. Das heißt, in Deutschland war, hatte ursprünglich nur den Druckbereich betreut. Das ist jetzt seit Anfang diesen Jahres, hat sich das geändert.
Ich betreue hier jetzt auch den Farb-Lack-Bereich, aber auch in den anderen Ländern wie Schweiz, Österreich, Balkanstaaten, arabische Staaten, Türkei, Ägypten bin ich zuständig für beide Bereiche, die wir betreuen. Das heißt, Druckbereich wie auch den Farb-Lack-Bereich. Das heißt also, du sprichst auch mehrere Fremdsprachen, gehe ich mal davon aus? Ja, es sind nur zwei.
Neben Deutsch kann ich auch noch Englisch. Damit kommen wir ganz gut zurecht. Klar, man versucht dann die Höflichkeitsfloskeln in den verschiedenen Ländern bei der Begrüßung zu berücksichtigen. Aber im Großen und Ganzen ist es dann halt die Englisch-Frage gehalten.
Internationale Anforderungen in der Druckindustrie
Ah ja, interessant. Ihr habt wahrscheinlich auch viel mit international arbeitenden Unternehmen dann zu tun. Das muss ja immer eine gewisse Größe geben, um überhaupt sich für so eine Waschmaschine zu entscheiden. Oder ist das eigentlich auch, wenn ich nur eine Druckmaschine habe, schon sinnvoll, so ein Gerät anzuschaffen?
Ja, das ist auch schon bei einer Druckmaschine sinnvoll. Also es ist immer wieder, kommt immer wieder auf den Kunden an. Es gibt auch mittelständige Unternehmen, die wir betreuen. Gerade in der Türkei gibt es ja viele kleine, eigene kleine Druckereien, die da, wo ich jetzt zum Beispiel betreue.
Das heißt, es muss nicht immer ein global agierender Global Player sein. Es kann auch ein ganz normaler Druckbereich sein, der da quasi nur für den lokalen Markt druckt. Hochinteressant, als ich damals anfing, als Jungingenieur, so wurde ich damals betitelt bei Bischof + Klein. Da wurde also alles noch mit der Hand gewaschen und da wurden dann die ersten Waschmaschinen angeschafft.
Das ist allerdings auch schon fast 30 Jahre her. Dort war es wirklich noch mit Putzlappen und Gießkanne, wie man da also die Druckzylinder sauber macht und natürlich auch die Rasterwalze und alle farbführenden Teile letztendlich. Was genau reinigt ihr denn überhaupt mit euren Maschinen? Ja, genau die Teile, die du gerade beschrieben hast.
Also bei uns geht es darum, die Druckwerkzeuge zu reinigen. Das heißt, sprich die Farbwannen, die Schutzbleche, die Rakel, die Rakelhalter, den Druckzylinder, den Puck-Sleeve, aber auch die Druckplatten, wie man so einen Fleck Druck kennt. Das ist quasi die Aufgabe, die wir erfüllen und wo der Kunde auf uns zukommen kann und zu sagen, ich brauche hier eine Lösung, um die Teile zu reinigen. Jetzt machen wir es bei uns im Podcast so.
Wir wollen natürlich auch immer den Interviewten besser kennenlernen. Da mache ich immer so eine Kurz-Blitz-Frage und ich gebe dir immer zwei Begriffe und du in deinem privaten und geschäftlichen Umfeld entscheidest dich einfach immer für einen Begriff. Buch oder Hörbuch? Hörbuch.
Ich bin eigentlich zu faul zum Lesen. Sehr schön. Wasser oder Ethylacetat? Dann Ethylacetat, weil das ist ein Produkt, womit wir uns in der Firma sehr gut identifizieren können, weil wir ja quasi das hauptsächlich beim Reinigen benutzen und aber auch wieder distillieren können.
Papier oder Plastik? Plastik, weil ich bin der Meinung, dass auch jetzt durch die ganzen Diskussionen, was die Reduzierung vom Müll angeht, dennoch Plastik das bessere Produkt ist, um Waren länger haltbar zu halten. Und wenn man es dann wieder richtig recycelt und wieder in den Kreislauf zuführt, denke ich, die Wahl des Kunden eigentlich sein sollte. Tiefdruck oder Digitaldruck?
Tiefdruckverfahren und technische Grundlagen
Ja, ganz klassisch Tiefdruck, weil im Digitaldruck haben wir leider kein Geschäft. Und noch eine kleine spaßige Frage zum Schluss. Hunde oder Katze? Katze, obwohl ich lieber einen Hund hätte, aber meine Frau hat sich dann für die Katze durchgesetzt, dadurch, dass ich ja ein riesiges Vertriebsgebiet habe, viel auf Reisen bin, wird dann keiner mit dem Hund rausgehen und Hunde brauchen Auslauf, aber letztendlich ist es dann eine Katze geworden.
Sehr schön. Jetzt gehen wir mal ein bisschen zu dem fachlichen Teil, denn wir wollen natürlich auch ein bisschen Technik besprechen hier in unserem Podcast, der sich ja auch eigentlich immer um technische Themen rund um Flexpack dreht. Welche Probleme muss denn ein Kunde haben, damit er dich anruft und nach dem Angebot fragt? Ja gut, grundsätzlich geht es ja darum, Druckwerkzeuge zu reinigen bzw.
Materialien, die ich für den Prozess benötige, zu reinigen, um eventuell eine andere Farbe drin zu lagern oder wieder ein qualitativ hochwertiges Produkt produzieren zu können. Hier geht es primär darum, dass der Kunde quasi sagt: okay, ich habe hier eine Druckmaschine, die ist von X, Y und Z, und ich möchte hier in einer gewissen Zeit so und so viele Teile reinigen bekommen. Das heißt, es muss immer geklärt sein, die Aufgabenstellung ganz klar definiert sein, damit wir dann entsprechend auch ein Angebot ausarbeiten können. Das heißt, es wird verlangt, das oder wir fragen dann aktiv auch den Kunden, wie viel Jobwechsel hast du am Tag, wie oft wechselst du die Farben bei jedem Jobwechsel, welche Teile fallen an, die gereinigt werden müssen und wann brauchst du die Teile wieder zur Verfügung?
Und darauf basierend wird dann natürlich das Angebot entsprechend ausgearbeitet und auch die Maschinengröße und auch dann, wenn gewünscht, mit einer Destillation auch die Destillierkapazität festgelegt. Es ist ja gerade das Hantieren mit Lösemitteln immer so ein bisschen eine gefährliche Sache auch. Ich denke dann zum Beispiel an den Ex, also Explosionsschutz, Ex-Schutz. Wir selber haben damals ziemlich viel rumgekleckert in der Druckerei mit unserem Lösemittel und da gab es dann eben lustigerweise einen Bäcker, der sich weitergebildet hat als Tiefdrucker und der verbrauchte am wenigsten Lösemittel.
Der nahm nämlich nicht die Gießkanne, um zum Beispiel einen Druckzylinder zu reinigen, sondern einen kleinen Pappbecher mit vielleicht nur 200 Milliliter drin und kriegt ihr damit ein ganzes Druckwerk gereinigt. Wie funktioniert das bei euch? Ist das auch ein Punkt, wo ihr sagt: naja, durch unsere Waschmaschinen können wir auch Recycling optimieren oder Nachhaltigkeit verbessern oder ist das eigentlich nur ein Convenience-Produkt, eure Waschmaschinen? Na, das ist auf jeden Fall eine Recycling-Verbesserung.
Witzigerweise ist ja schon seit ein paar Jahren jetzt dieses Thema Circular Economy in aller Munde und wir bei Rennspiel leben eigentlich schon seit 50 Jahren dieses Thema. Das heißt, mit unseren Anlagen, wir haben in der Waschmaschine zum Beispiel und im Grunde ein Lösemittelvorrat, der die Waschpumpe versorgt und dann wird das Lösemittel im Kreislauf in der eigenen Maschine gefördert durch die Spritzrohr, durch die Spritzdüsen, letztendlich an die Teile, um sie zu reinigen. Also das heißt, es ist ein geschlossener Lösemittel-Kreislauf. Wenn jetzt, kann man ja sagen: klar, nach so und so vielen Waschgängen habe ich ja irgendwann auch eine Sättigung des Lösemittels.
Damit wir diesen Fallpunkt natürlich verlängern, haben wir nochmal extra Spritzrohre drin in den Waschmaschinen, um nochmal mit sauberen Lösemitteln klar zu spielen. Dieses Lösemittel wird dann quasi oder ergänzt den Lösemittelvorrat von dem internen Waschtank und jetzt steigt hier das Volumen, aber gleichzeitig erhöhe ich auch die Standzeit von dem internen Waschbad, weil ja immer wieder frisches Lösemittel hinzukommt und ich dadurch aber auch ein sauberes Reinigungsergebnis habe. Das heißt, das Lösemittel, was ja schon farblich angehaucht ist, hinterlässt ja immer noch so ein bisschen einen Schleier auf den bereits gereinigten Teilen, was dann mit dem sauberen Lösemittel abgespült wird. Jetzt, wenn das Volumen steigt, müssen wir auch eine Überfüllung verhindern.
Das heißt, wir pumpen partiell mit einem Waschgangsschrittzähler generiert, pumpen wir dann wieder Lösenmittel ab. Das ist dann unser Schmutzlösenmittel. Und wenn wir jetzt sagen, wir wollen das Ganze natürlich in der Circle Economy betrachten, dann kommt unsere Destillationsanlage ins Spiel, wo wir dann quasi über eine Glasendestillation dieses Schmutzlösenmittel destillieren. Das heißt, die Lösenmitteldämpfe steigen auf, kondensieren im Kondensator und werden dann in einem sauberen Lösenmittelbehälter gelagert, beziehungsweise nicht gelagert, das darf man nicht sagen, sonst kommt die Behörde wieder in die Regulierung, weil es sind ja eigentlich Prozessverhältnisse, keine Lagerbehälter.
Lösemittelrückgewinnung und Spülprozesse
Und von dort aus wird wieder das Kurzregister für das sauberen Mühlen, also quasi für dieses Finale-Klarspülen, gespeist. Somit haben wir einen komplett geschlossenen Kreislauf und verlieren tatsächlich eigentlich nur mit der Abluft. Das heißt, wenn wir den Bedienbereich, die Waschkammer evakuieren, von den Lösenmitteldämpfen, von der imitierten Lösenmittelhaltigen Luft, verlieren wir Lösenmittel. Das heißt, der Kunde hat eigentlich einen komplett geschlossenen Kreislauf, wo er immer nur mal sukzessive den Lösenmittelverlust ausgleichen muss, der halt mit der Abluft verloren wird.
Dann alternativ kann man die Lösenmittel sammeln. Man kann dann viele gehen hin, lassen sie es absetzen und pumpen dann den oberen Bereich wieder ab, verwenden es wieder. Oder man sammelt es in diesen IBC-Containern oder in 200-Liter-Fässern und gibt es dann für die externen Destinationen. Wir hören ja bei jeder Drucktagung, machen immer Druckfarbenhersteller oder auch Trocknungsgeräteherstellerreklame für Wasserfarben, auch auf Plastik tatsächlich, also Kunststoff, wie wir es im Deutschen sagen.
Ist das bei euch auch schon angekommen? Nimmt das zu? Wie ist das vielleicht auch regional verteilt? Ja, es ist in der Tat, spielt die wässrige Reinigung eine immer größere Rolle.
Gerade im asiatischen Markt, speziell China, wird sehr viel mittlerweile angefragt auf wässriger Basis. Beziehungsweise auch die Farben sind auf wässriger Basis und man kommt mit Lösenmittel natürlich nicht mehr weit, um das zu reinigen. Da müssen wir zwangsläufig auf die Wasserfarben oder die wässrige Schiene gehen. In Europa ist es so ein zweischneidiges Schwert.
Die einen sagen, wir wissen nicht, wo die Reise hingeht. Deswegen möchten wir, obwohl wir mit Lösenmittelfarben pumpen, eine wässrige Reinigung installieren. Andere gehen halt wieder zu dem Thema hin, dass sie dann doch mit Lösenmittel arbeiten. Wir persönlich versuchen, den Kunden ein bisschen zu beraten.
Die westliche Sache ist natürlich klar, kommt bei mich drum herum. Bei manchen Produkten ist es zwangsläufig erforderlich. Aber da, wo es vermeidbar ist, empfehlen wir eigentlich persönlich, das Ganze doch weiterhin auf Lösemittelbasis zu machen, um eben diesen Gedanken der Circular Economy zu erfüllen. Weil wir ja hier auch das Lösemittel destillieren können.
Jetzt gibt es natürlich auch die Farbhersteller, wenn ich mal so einen Schwung in die andere Branche machen darf, die Wasserfarben herstellen. Die gehen oft hin und haben dann Überflockung, Fällung oder Filtration oder sonstige chemische Prozesse, wo sie dann das Reinigungsmedium bzw. die Wasserfarben wieder abbauen und das Wasser wieder zurückgewinnen und dann wieder irgendwelchen Prozessen zuführen. Aber das ist schon chemisch sehr detailliert, sehr tiefgehend, was ein Drucker nicht unbedingt hat, dieses Fachwissen, was die chemische Verwandtnis daran widerspiegelt.
Von daher ist es eigentlich im Druckbereich eher so, dass man, wenn man Waschteile reinigt, das Ganze als chemischen Abfall geklärt wird. Verstehe, d.h. das Reinigungsmedium ist gar nicht abhängig, ob ich eine Wasserfarbe nehme oder eine Lösemittelfarbe, sondern es eigentlich separat zu betrachten. Man kann sowohl Lösemittelfarben, auch Waschteile reinigen.
Wasserfarben und Nachverbrennungskapazität
Habe ich das richtig verstanden? Nein, wenn wir Wasserfarben haben, muss es auf jeden Fall ein Waschwasser-Produkt sein. Es ist einfach nur bei den Lösemitteln. Da habe ich die Wahl, nehme ich einen Waschwasser-Reiniger oder nehme ich einen Lösemittelfarbe reinigen.
Es gibt manche Kunden, die z.B. sagen, unsere Nachverbrennung ist am Ende ihrer Kapazität und sagen dann, wir können hier einfach nicht mehr an die Nachverbrennung geben. D.h. wenn wir mit dem Lösemittel reinigen, haben wir doch eine erhebliche Menge an immittierter Luft in diesem Waschraum oder in dieser Waschkammer, die abgeschlossen ist.
Das muss in der Nachverbrennung zugeführt werden. Wenn da die Kapazität am Ende ist, dann ist es oft auch der Gang des Kunden, dass er sagt, ich möchte das ganze Waschwasser abdecken, weil er dann nicht mehr an die Nachverbrennung ist. Jetzt haben wir damals auch, ich komme jetzt wieder auf meine aktive Zeit, eine Verpackungsherstellung zurück, viel mit Wasserfarben experimentiert und haben eigentlich immer festgestellt, die Energie, die wir brauchen, um wässrige Farben z.B. zu trocknen, ist ja viel höher als beim Lösemittel.
Das ist ja auch das große Argument, auch die Geschwindigkeit zu erreichen beim Drucken war schwierig. Das sind alles Probleme, die scheinen gelöst. Wie sieht das denn bei der Reinigung aus? Ist es mit wässrigen Systemen besser, billiger, schneller oder langsamer?
Wie muss ich mir das vorstellen? Eigentlich ist es ehrlich gesagt teurer. Ich habe eine Anlage, die muss erst mal anstatt, wenn wir über Lösemittel reden, zum Beispiel muss ich das Lösemittel kühlen bei der Reinigungsanlage. Hier im Gegensatz muss ich das Medium aufheizen.
Das ist wie wenn du die Hände wäschst mit kaltem Wasser und Seife. Das ist nicht so ein gutes Reinigungsergebnis, wie wenn du warmes Wasser benutzt und Seife. So muss man sich das jetzt auch bei der Reinigung vorstellen von den Druckwerksteilen. Das ist der eine Punkt.
Zum zweiten, ich muss ja gucken, damit ich so wenig wie möglich verliere, muss ich das Ganze ja auch isolieren, damit die Wärme gehalten wird. Das ist auch noch ein wesentlicher Faktor, was natürlich in Arbeit zu Buche geht. Das heißt, die Anlage muss so isoliert sein, dass sich da kein Mitarbeiter oder ein Bediener der Maschine verbrennen kann, weil wir doch schon auf 80 Grad hochgehen. So, dann brauche ich den chemischen Reiniger, muss ich zukaufen und ich muss das Wasser zukaufen.
Dann muss ich, wie in der Geschirrspülmaschine auch die Alkalität wieder wegkriegen nach dem Reinigungsprozess, damit der Bediener gefahrlos die Teile in die Hand nehmen kann. Das heißt, ich habe noch mal eine Nachspülung an Wasser, die aber auch wieder chemisch belastet ist. Dann spüle ich entweder mache ich das direkt aus dem Netzwasser dieses finale Abspülen. Das heißt, dann brauche ich mehr Wasser oder ich gehe hin und fahre das auch mal im Kreislauf, um ein bisschen Wasser zu reduzieren.
Wasserbasierende Druckfarben ohne Lösemittel
Ich muss aber am Ende dann noch mal einen dritten Spülgang machen mit weniger Nachspülwasser, sauberer Nachspülwasser. Aber ich habe halt enorme Wassermengen, die chemisch belastet sind, wie auch das Reinigungsbad, was dann natürlich die Betriebskosten circa um einen Faktor 3 teurer macht zum Lösemittel. Bei der letzten Drucktagung hat mir ein Teilnehmer gesagt, an der du ja auch teilgenommen hast, wir haben eigentlich das Problem beim Lösemittelmanagement, dass wir immer diesen Explosionsschutz einhalten müssen. Wenn wir das wegkriegen, wären wir froh.
Deswegen experimentieren wir auch mit Druckfarben auf Wasserbasis, also ohne Lösemittel. Ist das ein Argument, was auch für eure Waschmaschinen zählt? Oder sagst du, unsere Waschmaschinen mit Lösemittel sind genauso sicher und genauso zu Hand haben wie die mit Wasser? Also, unsere Anlagen sind erst mal komplett safe.
Unsere ganzen – wir sind nach ATEX zertifiziert. Unsere Anlagen haben eine Baumusterprüfung. Und bisher, toi toi toi, ist auch noch nie in unseren Anlagen was passiert. Es sei, dass wir irgendwo Fremdverschulden täten.
Aber unsere Anlagen sind komplett sicher, erfüllen die ATEX-Richtlinien und sind somit auch ohne Gefahr betreibbar. Wir betrachten quasi Waschmaschinen so, wie es in der einschlägigen Vorschrift vorgegeben ist, dass wir bei einem Spritzdruck von mehr als 0,7 bar im Inneren einer Zone Null haben. Egal, welchen Flammpunkt das Lösemittel hat. Und so ist auch unsere Waschmaschine begeben.
Im Inneren der Waschmaschine habe ich eine Zone Null. Das heißt, hier muss ich eine Baumusterprüfung machen von den bewegten Teilen, die sich drum bewegen. Das heißt, auch einen mechanischen Eckschutz gewährleisten. Und drum herum um die Anlage haben wir eine Zone Eins.
Das heißt, unsere Anlagen können in einem Bereich Zone Eins ohne Probleme aufgerichtet werden. Was genau bedeutet dann Zone Eins? Das ist also so eine Explosionsschutz-Definition. Genau, bei Zone Null sagt man, dass eigentlich zu jeder Zeit permanent eine explosionsfähige Atmosphäre auftritt.
Und bei Zone Eins wird das dann wieder ein bisschen lockerer, wo man sagt, es kann ab und zu mal eine explosionsfähige Atmosphäre auftreten. Aber grundsätzlich, innen drin – sagen wir immer – da habe ich immer eine explosionsfähige Atmosphäre. Also der erfahrene Tiefdrucker, der mit Lösemittelfarben hantiert, weiß: so eine Maschine brennt ab und zu mal. Deswegen haben die auch alle Löschsysteme.
Das ist aber weniger geworden in den letzten Jahren. Das passiert nicht mehr so häufig und meistens ist es auch sehr lokal und wird sofort gelöscht. Aber das passiert. Ist das etwas, was bei euch auch passiert?
Marktposition bei Druckern und Lieferanten
Gibt es tatsächlich auch noch so Löscheinsätze oder findet das gar nicht mehr statt? Also bei uns findet das gar nicht statt. Wie gesagt, durch die Baumusterprüfung, durch unser Qualitätsmanagementsystem, durch unsere Betrachtung ist alles so sicher, dass wir selbst unvorhergesehene Störungen ausschließen können. Hochspannend, wir haben jetzt schon eine ganze Menge Technik besprochen.
Jetzt interessiert mich noch so ein bisschen die Marktseite. Wo seid ihr denn stärker, bei den Druckern oder bei den Lieferanten? Oder wo liefert ihr die meisten Anlagen eigentlich hin? Was muss man sich da vorstellen?
Wenn ich jetzt Drucker bin, muss ich euch jetzt sofort anrufen, wenn ich noch keine Waschmaschine habe, oder eher als Farblieferant? Ja, sowohl als auch. Also wir sind in beiden Märkten sehr gut vertreten. Im Moment, klar durch die Pandemie geschuldet, war jetzt der Lack- beziehungsweise Druckfarbenherstellungsmarkt stärker als der Druckmarkt.
Ich denke, das wird sich auch irgendwann mal wieder ein bisschen relativieren. So sehen wir das aktuell von unserer Seite her, betrachtet von den Zahlen. Und ja, das ist quasi unser Metier. Und im Moment ist halt Europa unser Fokus aufgrund der Pandemie-Bedingungen.
Muss man ganz klar sagen. Ganz zum Schluss biete ich immer noch so einen Appell an unsere Branche an. Habt ihr als Lösemittelhersteller vielleicht noch einen Wunsch an die Industrie oder vielleicht an den Gesetzgeber oder einfach einen Appell, eine Aufforderung? Was wünschst du dir aus Sicht von Rehensmann vielleicht von euren Kunden oder von den Kunden eurer Kunden?
Ja gut, ich denke mal, das, was ja aktuell richtig ist oder ein wichtiges und richtiges Thema ist, ist ja der Klimaschutz. Das heißt, Klimaschutz geht uns alle was an, nicht nur den Druckern, nicht nur den Verpackern, nicht nur den Endkunden, sondern alle können da mitwirken. Wir selbst tun da auch einiges, sind jetzt mittlerweile in der Allianz für Klima und Entwicklung, haben es da jetzt seit diesem Jahr betätigt, haben aber auch schon im Vorfeld bei einem Thema Öko Profit mitgemacht und sind jetzt erst mal bis Ende des Jahres klimaneutral. Wir machen unsere jährliche CO2-Bilanz, natürlich auf tatsächlich beruhigenden Zahlen, jetzt ja auf viel Schmu und wir haben auch bei uns im Gebäude umgestellt auf LED-Technik, werden jetzt noch eine PV-Anlage auf unserem Hallendach installieren, um dann eine Ladestation zu machen für die E-Mobilität.
Das heißt, hier können wir dann unsere eigenen Wägen, aber auch die des Kunden und natürlich der Mitarbeiter aufladen. Und das, denke ich, sollte man mehr sehen, auch dieses Thema Circular Economy, dass man mehr in dieses Kreislaufwirtschaftsdenken geht und ja, guckt, was können wir tun, um die Produkte, die wir auf dem Markt bringen, auch wieder irgendwo anders einzusetzen. Ich denke, dieses Thema, was jeder da immer hört, Plastik- und Kunststoffvermeidung ist schön und gut, wird aber meiner Meinung nach nicht überall funktionieren. Da sollte man einfach überlegen, wie kriegen wir es hin, dieses Material einfach wieder in den Kreislauf zurückzuführen, so ähnlich, wie wir es ja auch mit dem Reinigungsmedium machen.
Schönes Schlusswort, danach kann eigentlich nichts mehr kommen. Ich sage erstmal Dankeschön für dieses tolle Interview. Wir haben das auch mehr oder weniger CO2-neutral gemacht. Ich habe eine PV-Anlage, wir haben remote gesprochen, deswegen vielleicht auch hier oder da mal der kleine Tonaussetzer.
Zusammenfassung und Dankwort
Dankeschön, Jonas, für dieses tolle Interview. Ja, ich habe Sie zu danken, dass ich teilnehmen durfte an dem tollen Format. Das war Sie schon wieder, die aktuelle Episode zum Innoform-Podcast, zum Inno-Talk. Wenn auch Sie einmal Teil dieses Formates werden wollen, brauchen Sie nicht zwingend Supporter werden, sprechen Sie mich an unter ks at innoform.de.
Vielen Dank an Rehnsmann für das zweite Jahr Support des Inno-Talk-Formats. Mein Name ist Karsten Schröder. Ich sage Tschüss, bis zum nächsten Mal.

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