Interview mit Flore Mees: Barriere-Coatings als Schlüssel für den Wandel

Nach dem erfolgreichen Auftakt der ersten INNO-Fiber in Osnabrück wird eines deutlich: Der Weg zu nachhaltigen Flexpack-Lösungen führt über den intensiven Dialog und technologische Innovation. Ein Highlight der Veranstaltung war der Beitrag von Flore Mees von Siegwerk, die aufzeigte, wie moderne Beschichtungen die Brücke zwischen der klassischen Folienwelt und neuen, papierbasierten Ansätzen schlagen.

Zwischen den Welten: Folie trifft Papier

Während die INNO-Fiber den Fokus auf faserbasierte Werkstoffe legt, zeigt die Praxis bei Siegwerk eine parallele Entwicklung. Laut Flore Mees ist das Interesse an Barriere-Lösungen in beide Richtungen enorm:

Folie

Hier ist der Markt aktuell besonders mutig, speziell bei der Implementierung neuer Sauerstoffbarrieren.

Papier

Es bleibt eine spannende Welt für Flexpacker, erfordert aber ein technologisches Umdenken, da Papier im Gegensatz zu Folie „saugt“ und deutlich rauer ist.

Technologische Highlights: Effizienz durch Weiß-Coating

Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Vorstellung eines weiß eingefärbten Barriere-Coatings. Dieses wurde entwickelt, um den Wechsel auf nachhaltige Monomaterialien (wie MDO-PE) wirtschaftlich attraktiver zu machen. Das Coating ersetzt die Sauerstoffbarriere und die vollflächige Weiß-Bedruckung in einem einzigen Schritt – eine Lösung, die Prozessschritte spart und die Komplexität reduziert.

Barrierewerte auf High-End-Niveau

Dass papierbasierte Lösungen technisch beherrschbar sind, belegen die von Flore Mees präsentierten Leistungswerte aus dem Labor:

  • Wasserdampfbarriere: Unter 10 g/(m² · d) selbst unter tropischen Bedingungen (38 °C / 90 % r.F.).
  • Sauerstoffbarriere: Hier werden bereits Werte unter 5 cm³/(m² · d · bar) erreicht.

Recyclingfähigkeit: Keine Kompromisse bei der Kreislaufwirtschaft

Im Einklang mit den Forderungen der PPWR steht die Recyclingfähigkeit an oberster Stelle. Siegwerk testet seine Coatings konsequent nach aktuellen Standards (z. B. Cepi), um sicherzustellen, dass die Barrierefunktionen den Papierkreislauf nicht stören. Viele dieser Lösungen, wie Fett- oder Wasserdampfbarrieren, sind zudem bereits siegelfähig oder lassen sich als Kombinationslacke einsetzen.

Fazit: Den Wandel gemeinsam gestalten

Genau wie das von Julian Thielen konzipierte Format der INNO-Fiber zeigt auch der Beitrag von Siegwerk: Die Transformation gelingt nur, wenn alle Zahnräder der Wertschöpfungskette ineinandergreifen. Ob Tiefdruck oder Flexodruck – die Chemie liefert die entscheidenden Bausteine für die Verpackung der Zukunft.

Wer das Thema Kreislaufwirtschaft weiter vertiefen möchte, hat dazu bereits am 1. und 2. Juli 2026 beim INNO-Circle in Würzburg die nächste Gelegenheit.

Nach der ersten INNO‑Fiber steht fest: Die Branche ist bereit für den Wandel und den gemeinsamen Diskurs. Die hohe Nachfrage bestätigt unser Konzept und lässt uns mit großer Vorfreude auf kommende Veranstaltungen blicken.

Unsere nächsten Tagungen

INNO-Circle: Umweltgerechte Flexpacks – Vom Design bis zur wiederverwerteten Verpackung

Mittwoch, 1. / Donnerstag, 2. Juli 2026 – Start 9:30

Diese zweitägige Fachtagung richtet sich an Experten aus den Bereichen flexible Verpackungsindustrie, Recyclingwirtschaft, Forschung und Behörden. Ziel ist es, aktuelle und zukünftige Herausforderungen nachhaltiger flexibler Verpackungen praxisnah zu beleuchten – von Materialinnovationen über Recyclingprozesse bis hin zu gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Die Teilnehmenden erhalten tiefe Einblicke in:

– mechanisches und chemisches Recycling

– Systemverantwortung und Duale Systeme

– PPWR & ZSVR-Vorgaben

– neue Materialien für Flexpack

– Recyclingfreundliche Veredelung, Kaschierung und Drucktechnologien

Die Veranstaltung verbindet Vorträge, Erfahrungsberichte und Diskussionen. Es gibt zudem Gelegenheit zum Austausch mit Herstellern, Recyclern und Entscheidern. Interaktive Abstimmungen und Fragerunden runden das Programm auch für Livestream-Teilnehmende ab.

INNO-Pouch: Smart Pouches – Digital, compliant, tight

Donnerstag, 8. / Freitag, 9. Oktober 2026 – Start 9:00

Die INNO-Pouch 2026 (9. Europäische Standbeutel-Konferenz) rückt die drei entscheidenden Säulen der modernen flexiblen Verpackung in den Fokus: Digitalisierung, Konformität und technische Performance. Erfahren Sie, wie KI-gestütztes Design und digitale Features und die Entwicklung kreislauffähiger Standbeutel beschleunigen. Wir zeigen Ihnen praxisnahe Wege auf, um die strengen Anforderungen der EU-Verordnungen (u.a. PPWR) rechtssicher zu erfüllen. Ein technischer Schwerpunkt liegt dabei auf der Herausforderung „Tightness“ – wie Mono-Materialien trotz reduzierter Komplexität maximale Barrierewirkung und Siegelfestigkeit behalten. Mit dem Leitmotiv „Mastering Circularity“ schlagen wir die Brücke von der werkstofflichen Innovation zur ökonomischen Marktfähigkeit. Diese Konferenz bietet Experten aus der gesamten Wertschöpfungskette eine exklusive Plattform für strategischen Austausch und technisches Benchmarking. Nutzen Sie das gebündelte Know-how der Innoform-Gruppe, um Ihre Beutelverpackungen zukunftssicher zu gestalten.


Transkript

Bei Inno-Fiber 2026 in Osnabrück. Flore, du hast eben einen tollen Vortrag gehalten über Barrierebeschichtungen, Coatings, die man im Tiefdruck und anderen Druckverfahren aufbringen kann. Worum ging es da konkret? Vielleicht kannst du da mal so einen groben Abriss geben. Genau, der Fokus war einfach ein bisschen zu zeigen, was braucht man, um eine Verpackung, die nachhaltig sein sollte, hoffentlich, in den Markt zu bringen.

Und ich habe das dann ein bisschen aufgeteilt in sechs Schlüsselparameter und wollte zeigen, dass es wichtig ist, dass nicht nur das Barriere-Coating muss stimmen, sondern es gibt auch andere Parameter, die einfach zusammenkommen müssen, damit wir dann vielleicht eine tolle neue Verpackung in den Markt bringen können. Wir sind hier bei Inno-Fiber. Es geht eigentlich um faserbasierte Werkstoffe, aber es funktioniert auch für Folie. Ich hatte dann die Frage gestellt: Mehr Folie oder mehr Papier? Wo ist eure Zielrichtung?

Konzentriert ihr euch im Moment auf Folie oder doch mehr auf Papier? Also sowohl als auch. Wir machen Forschung in beide Richtungen. Wir fokussieren uns auf beide Richtungen. Es ist natürlich aktuell so, die Leute sind ein bisschen mutiger, was Folie angeht. Da geht es ein bisschen mehr so, Sauerstoffbarriere geht gerade mehr in die Folienrichtung, aber wir sehen schon, Interesse gibt es wirklich in beide Richtungen. Deswegen machen wir auch beides.

Welche Auftragsverfahren werden da heute bei Folie, um da mal kurz zu bleiben, heute eingesetzt? Ist das Tiefdruck, Flexodruck? Gibt es noch etwas anderes? Wie machen die das? Also das ist wirklich hauptsächlich Tief- und Flexodruck. Wir sehen, dass es aktuell noch ein bisschen einfacher im Tiefdruck ist, einfach aufgrund von dem Auftragsgewicht und so. Aber wir wollen uns jetzt auch auf Flexodruck ein bisschen fokussieren. Aber es ist mehr Tiefdruck aktuell für Folien, für Barriere. Genau.

Du hattest dieses Beispiel gebracht mit weiß eingefärbtem Coating. Wofür ist das gut? Genau, das haben wir entwickelt, weil die Idee war so ein bisschen, dass wir eben, weil wenn ich jetzt von so einem klassischen Verbund auf so ein MDO-PE, PE wechsele, brauche ich ja dann eine Sauerstoffbarriere wieder, weil das Pad ist dann zum Beispiel weg. Dann brauche ich die Sauerstoffbarriere anhand von einem Coating.

Und unsere Idee war es halt einfach, weil ich würde ja auch dann im Konterdruck am Ende in Vollfläche weiß drucken. Und dann würde ich ja das Coating unter das Weiß drucken, aber das Coating ist weiß, also bräuchten wir noch eine Schicht und dann hat man am Ende hoffentlich dann auch diesen Kostenfaktor, dass es sich lohnt, auch auf diese nachhaltige Struktur zu wechseln. Was sind die Herausforderungen beim Papier? Du hattest das dargestellt mit einfach beschichten, doppelt beschichten, mit und ohne Zwischentrocknen.

War dann eine Frage aus dem Auditorium: Wie funktioniert das bei Papier? Was ist da anders als bei der Folie? Also Papier ist halt einfach oft viel rauer und natürlich kann auch offenporiger sein. Das heißt, es ist einfach ein bisschen schwieriger zu beschichten. Man muss halt ein bisschen andere Oberflächenspannung vielleicht berücksichtigen. Und leider ist es halt so, dass man auch eher mal Defekte dadurch haben kann. Deswegen ist es schon ein bisschen herausfordernder.

Es gibt dann glatte Papiere, aber man kann auch mit Primern arbeiten. Man muss einfach anders denken. Papier saugt, eine Folie nicht. Ich muss mich ein bisschen im Kopf umstellen, dass ich es anders machen muss. Genau, aber es geht. Man muss nur ein bisschen. Und dann am Ende, wenn ich von dem Abpackprozess – gut, wenn ich jetzt von einem Verbund auf einen anderen Verbund wechsle, da gibt es auch Faktoren, die man berücksichtigen muss. Aber bei Papier, das ist ja auch noch mal mechanisch ganz anders als eine Folie.

Wasserdampf- und Sauerstoffbarriere-Werte

Deswegen gibt es da einfach sehr viele Parameter, die sich verändern. Genau. Was sind so Barrierewerte für Wasserdampf und Sauerstoff bei Papierbeschichtung? Wo kommt ihr da ungefähr hin? Ja, wir kommen schon, es kommt darauf an, wie wir es beschichten, aber so im Labor können wir schon Werte für tropische Bedingungen unter zehn – also dann 38 Grad, 90 % Luftfeuchtigkeit – für Wasserdampfbarriere erzielen.

Sauerstoffbarriere kommen wir unter fünf, aber da gibt es noch ein bisschen Spielraum nach oben. Um wirklich High-End, wäre ja unter eins alles. Sind diese Beschichtungen dann automatisch auch siegelfähig oder ist das eine extra Anforderung, die man noch reinformulieren müsste? Es gibt sowohl als auch. Wir haben Wasserdampfbarrieren, die siegeln, oder Fettbarrieren, die siegeln, aber das kommt immer so ein bisschen darauf an. Also muss man manchmal kombinieren. Sauerstoffbarriere siegelt aktuell eher nicht.

Das müsste man dann kombinieren. Aber es gibt auch Kombinationslacke. Wir hatten auch Papierreferate hier. Da wurde immer gesagt, die Recyclingfähigkeit ist das Wichtigste heute beim Papier, weil sonst funktioniert die ganze Kreislaufwirtschaft ja nicht mehr. Achtet ihr darauf? Sind eure Coatings auch recyclingfähig? Ja, also was wir eben machen, ist: Wir machen immer Tests. Wir machen immer Recyclingtests, aktuell nach FEPI. Wir sind jetzt mal gespannt, ob das dann der Test bleibt.

Der könnte sich ja dann noch ein bisschen verändern oder so. Aber wir tragen das dann immer auf und testen das. Natürlich, am Ende ist die Frage: Was wird noch auf die andere Seite gedruckt? Welche Farbe und alles. Wir gucken uns wirklich nur das Coating an, damit wir sicherstellen, dass das zumindest recyclingfähig ist, weil ansonsten ist ja auch das ein bisschen verfehlt. Danke schön, Flore Mees von Siegwerk, für dieses tolle Interview. Danke auch.