Hören Sie heute einen Zusammenschnitt von fünf Interviews mit Referenten im Rahmen des 20. Inno-Meeting 2023 in Osnabrück. Die Aufnahmen sind im Februar 2023 entstanden und hier zusammengeführt.
Es beginnt Dr. Thomas Lehnen von Siegwerk Druckfarben. Sein Titel lautet:
Wasserbasierter Inkjetdruck auf Folie und Papier – Chancen und Installationen
Er erläutert, wie der Einstieg in den digitalen Inkjet gelingt und warum wasserbasierte Farben sinnvoll sind.
Nelly Freitag vom Fraunhofer Institut sprach bei der Tagung über:
Hochwertiges Recycling von und für flexible Verpackungen
Wie kann ich Kunststoffmaterialien Informationen in der Masse mitgeben – und geht das überhaupt? Nach dem Vortrag wussten die Teilnehmer, dass es funktioniert und dass es momentan primär am Willen fehlt. Tracer ist das Zauberwort, mit denen man Kunststoffe wieder erkennbar machen kann.
Daniel Holspach sprach über:
Gartenkompostierbare Frischhaltefolie – eine Idee wird zum Produkt
Jemand, der an Bioökonomie glaubt, kommt an solchen Produktideen kaum vorbei. Vorperforierte, biobasierte Frischhaltefolie, die mit Speiseresten im Heimkompost kompostiert werden kann – ein Produkt aus dem Hause Maropack. Wir haben nachgefragt.
Magnus Berheide von Flint Group sprach über:
Cradle to Cradle als ein Baustein nachhaltiger Druckfarben
Nicht nur das Prinzip C2C, sondern auch warum das sogar für Druckfarben interessant ist, erörterte ich im Gespräch mit Magnus. Wir sollten nur das in die Natur entlassen, was wir wirklich kennen und nicht schadet – so könnte man knapp zusammenfassen.
Ohne Digitalisierung geht gar nichts mehr im Maschinenbau. Manfred Bauer von BOBST fragt erst nach der IP-Adresse der Maschine, bevor BOBST wissen will, wo sie aufgestellt wird. Sein Titel lautete:
Transparente Produktion – wenn Maschinen für Transparenz sorgen
Das sind nur Auszüge aus dem Gesamtprogramm, das auch nachträglich in Video- und Handouts zum Kauf zur Verfügung steht: https://www.innoform-coaching.de/tagung/20-inno-meeting-2023_1
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Herzlich willkommen zu dieser etwas besonderen Episode des Innoform Podcasts zum Inno-Talk. Mein Name ist Karsten Schröder und ich habe Ihnen diesmal hier fünf Zusammenschnitte von Interviews zusammengestellt, die ich im Rahmen des 20. Inno-Meetings der Jubiläumsveranstaltung 2023 in Osnabrück geführt habe. Es drehte sich alles um Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung und wie das miteinander zusammenhängt.
Und ich habe die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner nach ihrer Meinung gefragt, erst mal zu ihrer Kernaussage in ihrem Vortrag, aber natürlich auch zur Gesamtwetterlage in dieser krisengeschüttelten Flexpack-Industrie, in der wir uns alle bewegen. Freuen Sie sich auf die fünf Interviews. Inkjet ist für Flexpacker das Verfahren der Wahl für den Einstieg in den Digitaldruck. Das sagt Dr.
Thomas Lehnen im Rahmen des Inno-Meetings von Siegwerk Druckfarben. Wir erläutern, warum gerade der wasserbasierte Inkjet Vorteile hat in Sicht auf Nachhaltigkeit und warum das modulare System des Digitaldrucks hier seine Stärken ausspielen kann, um alten Hasen, aber auch Quereinsteigern, den Einstieg in digitale Geschäftsmodelle zu erleichtern. Hören Sie rein in dieses Interview. Freue mich, dass Thomas Lehnen den Weg wieder gefunden hat nach Osnabrück zum 20.
Inno-Meeting. Du hast heute am zweiten Tag einen schönen Vortrag gehalten über wasserbasiertes Inkjet im Wesentlichen. Inkjet an sich ist eine Digitaldruck-Technologie. Du hast sie sehr stark nach vorne gestellt.
Warum? Einfach auch so ein bisschen wegen dem Fokus dieser Veranstaltungen. Es geht ja dann doch irgendwie um Mainstream Packaging, wenn viele Vorträge zum Bedrucken von Folie gehören. Und gerade da, wenn es halt um große Druckbreiten geht, um schnelle Druckverfahren geht, da ist Inkjet einfach flexibler.
Es gibt andere Druckverfahren, die haben auch ihre Daseinsberechtigungen, aber das ist halt dann ein bisschen eingeschränkter, was Druckbreite oder Output angeht. Und da sehen wir einfach klare Vorteile im Inkjet. Überrascht war ich über diese unheimlich dünnen Schichtdicken, die ihr auftragt. Das ist ja im wasserbasierten Inkjet, habe ich verstanden, was Besonderes.
Wie hoch sind die und warum ist das was Besonderes? Es ist einfach sehr wenig, weil im wasserbasierten Inkjet wir halt auch sehr viel Pigment in sehr wenig Volumen reinbekommen. Wir haben keine großen Mengen an Bindemitteln. Es ist insgesamt auch eine sehr dünnflüssige Farbe.
Das heißt, das, was nachher übrig bleibt, auch am Substrat, ist halt einfach sehr hoch pigmentiert und dadurch relativ dünn. Wir erzielen halt sehr, sehr dünne, sehr, sehr farbkräftige und sehr flexible Filme – Transparenz ist das falsche Wort, aber sehr flexible Filme. Und gerade das ist halt für Folie und Druck einfach super. Aus dem Auditorium kam natürlich die Frage, die kommen musste: Lebensmittelrecht.
Druckfarben-Anforderungen: Flexo, Tiefdruck, Offset, Inkjet
Da sagst du, das steht genauso natürlich über euren Druckfarben wie über den anderen. Erfüllt ihr schon alle Anforderungen? Ja, was Lebensmittelrecht angeht, also gerade bei Düsseldorf, wir haben ein eigenes Team dafür, was hier Rohstoffeinführung, Rohstoffqualifizierung macht, was Migrationstests macht. Die Kollegen machen einfach keinen Unterschied.
Sollte ich jetzt Rohstoffe einkaufen für Flexo-Farben, für Tiefdruckfarben, für Offset-Farben oder für Inkjet-Farben, ist der gleiche Prozess, die gleichen Anforderungen und daher auch die gleichen Zertifikate. Es gibt ja nicht nur wasserbasiertes Inkjet. Du sprichst für wasserbasiertes Inkjet und das geht auch für Folie? Wasserbasiertes Inkjet geht sehr gut für Folie, gerade weil wir diese dünnen, sehr flexiblen Filme erzeugen können.
UV-Inkjet hat auch seine Daseinsberechtigung, aber hier sind wir bei den Schichtdicken eher so bei 5, vielleicht bei 10 Mikrometern. Das kann man sich vorstellen, wenn ich eine 12-Mikrometer-Deckfolie bedrucke mit einem 10-Mikrometer-dicken Film, geht mir einfach viel Flexibilität verloren. Deswegen sehen wir da, was Wasser-Inkjet angeht, einfach einen guten Fit zu flexibler Verpackung. Gleichzeitig ist es ja so, flexible Verpackung ist sehr viel Lebensmittelverpackung.
Lebensmittelverpackung hat gewisse Anforderungen, gerade mit dünnen Filmen, was Migration und Sicherheit angeht. Und da ist einfach wasserbasierter Inkjet prädestiniert, was Produkt-Sicherheit und Compliance angeht. Auf Folie und auf Papier, wir haben so ein bisschen über Nachhaltigkeit auch nachgedacht. Und du hast auch darüber gesprochen, dass gerade der Inkjet-Druck, gerade wasserbasiert besonders nachhaltig ist.
Da stellt sich natürlich für den Praktiker die Frage, warum eigentlich? Wenn man Nachhaltigkeit mal überdenkt, was ist eigentlich nachhaltig, wo wollen wir hin, geht es halt sehr viel um diese Ressourceneffizienz. Wir wollen also mit möglichst wenig Ressourceneinsatz möglichst viel erreichen. Und da ist einfach Digital-Druck per se schon mal sehr günstig, weil ich eben nicht diese Druckvorstufen habe, die ja wieder Müll verursachen, die ich irgendwie warten muss.
Ich habe das Einrichten der Maschine nicht, die ganzen Materialien, die bedruckt werden, nur um die Maschine irgendwie zum Laufen zu bekommen. Da hat Digital-Druck an sich halt einen guten Fit. Und wasserbasiert in Inkjet hat halt noch viel mehr, weil es einfach eine sehr grüne Drucktechnologie ist. Wir haben keine Acrylate, wir haben keine Fotoinitiatoren, wir haben keine giftigen Inhaltsstoffe, sehr dünne Filme, keine großen VOCs während dem Druckverfahren.
Das passt einfach sehr gut zu diesen Nachhaltigkeitsgedanken. Ein Wettbewerber von euch hat über Cradle-to-Cradle gesprochen. Materialgesundheit ist da das große Thema, das hast du gerade angesprochen. Das erfüllt eure Farbe zum Teil schon.
Habt ihr da auch irgendwie was vor, in diese Richtung weiterzugehen? Wie am Anfang schon erwähnt, wir sind im Digital-Druck nicht anders unterwegs als in allen anderen Druckverfahren auch. Das heißt, die ganzen Standards, die wir bei anderen Druckverfahren erfüllen, versuchen natürlich auch einen Digital-Druck zu erfüllen. Da gibt es keinen Sinn, das zu differenzieren.
Foliendruck: Viskosität und Druckgeschwindigkeit optimieren
Wenn wir jetzt auf Folie drucken, und hier waren sehr viele Folienhersteller, die auf Folie veredeln, was sind ja die Herausforderungen beim Digital-Inkjet? Es ist einfach so, der Digital-Druck braucht sehr, sehr dünnflüssige Farben. Das kommt durch die Druckköpfe und durch die Voraussetzung an die Farbe für die Druckköpfe. Wir sind so im Bereich zwischen 4 bis vielleicht 10 Millipascal-Sekunden sehr, sehr, sehr dünnflüssig.
Sehr dünnflüssig wird man nur, wenn man sehr viel Wasser einsetzt. Dieses Wasser muss aber in Druckgeschwindigkeit natürlich auch wieder raus. Das heißt, wir müssen in einer sehr kurzen Zeit, in einer sehr, auch räumlich sehr kurzen Distanz, sehr viel Wasser loswerden. Das ist auf Papier natürlich einfacher als auf Folie.
Weil Papier schon Wasser absorbieren kann natürlich und später noch abgeben kann, wenn es denn soll. Oder es bleibt einfach drin und macht das Papier flexibel, sozusagen. Genau, außerdem fixiert Papier die Pigmente auch ein bisschen. Das heißt, gerade was Intercolor-Bleeding angeht – wenn ich nass in nass drucke, ist es einfach auf Papier einfacher, das Zerlaufen der Farben zu verhindern, als das auf Folie ist.
Wenn ihr trocknen müsst, macht das nicht nur mit heißer Luft – habe ich gehört –, sondern wie geht das? Wir nutzen oder wir sind ja kein Maschinenhersteller, aber der Markt nutzt sehr viel NIR. Einfach weil das mir ein sehr kompaktes Trockenverfahren ermöglicht. Das heißt, ich kann auf noch wenig Raum sehr viel Leistung einbringen.
Und ich habe halt durch diese NIR-Strahlung auch noch besondere Anregungen der Farbe, was halt für die Trockenleistung einfach vorteilhaft ist. Gerade bei Digitaldruck sind die Maschinen momentan noch sehr kompakt. Das heißt, ich habe einen sehr kleinen Footprint in meiner Druckerei und da kann ich keine großen Trocken-Tunnel anbauen. Wollte ich gerade darauf hinaus: hohe Trockenleistung heißt hoher Energieverbrauch, hört sich nicht so nachhaltig an, aber das geht heute?
Das stimmt, hoher Energieverbrauch, das ist definitiv noch ein Problem. Aber da denken wir halt, es ist ja Strom, der benutzt wird, und nicht Gas. Wenn der Strom halt aus regenerativen Energiequellen erzeugt wird, zum Beispiel Solar oder Windkraft, dann ist das nicht mehr ganz so sehr ein Problem, wie es am Anfang aussieht. Aber es ist klar: Trockenleistung ist definitiv ein Thema.
Letzter Punkt, was auch in der Diskussion immer wieder Thema ist: Wie fange ich an mit Digital Inkjet als traditioneller Drucker? Was muss ich tun? Wie muss ich denken?
So einfach wie möglich und so günstig wie möglich. Also wir glauben wirklich, dass man sich auch da rantasten muss. Also man braucht einen kompletten digitalen Business Case auch dahinter, sonst macht es keinen Sinn. Das heißt, wenn ich vielleicht eine Druckanlage habe, kann man in diese Druckanlage Printbars integrieren, kann erstmal eine Farbe drucken und vielleicht nachher vier Farben drucken in der existierenden Anlage.
Inkjet-Technologie: Modular und kostengünstig skalierbar
Wenn das funktioniert, wenn ich damit erfolgreich bin, kaufe ich mir eine kleine Standalone-Maschine, mache halt ein gewisses Portfolio, ein gewisser Teil von meinem Portfolio. Wenn das gut ist, kaufe ich mir eine größere Maschine. Also wirklich Step by Step. Also nicht gleich Greenfield, große Halle, drei Maschinen rein und dann überlegen, wo kriege ich die Kunden her?
Genau, das ist eben nicht. Aber Inkjet hat ja den Vorteil, dass es sehr modular ist. Mit einem Druckkopf kann ich je nachdem welchen ich nehme, vielleicht ein paar Zentimeter drucken. Dann kann ich halt einfach das aufbauen und so erweitern, wie ich das für mich brauche.
Hochspannend, danke schön. Thomas Lehn von Siegberg beim 20. Inno-Meeting in Osnabrück. Immer wieder gerne.
Schön, hier zu sein. Kennzeichnung von Kunststoffen mit Tracern für mehr Kreislaufwirtschaft, auch für Flexpackfolien. Das ist das Thema von Nelly Freitag vom Fraunhofer Institut. Wir sprachen über die Zwischenergebnisse des Projektes Circular Food Pack.
Der Name ist Programm. Man will also flexible Lebensmittelverpackung kreislauffähiger machen dadurch, dass man Tracer mit in das Material eingibt, sodass durch diese Tracer, durch diese Substanzen in der Masse der Verpackung aus Kunststoff später eine Rückverfolgbarkeit gewährleistet wird. Quasi ein Fingerabdruck der Kunststoffrezeptur. Hören Sie rein in diesem spannenden Beitrag, den ich mit Nelly Freitag im Interview noch einmal vertiefen konnte.
Ich sitze hier mit Nelly Freitag vom Fraunhofer Institut Freising. Du hast eben einen tollen Vortrag gehalten über euer Projekt zum Thema Recycling. Polisecure waren so Stichworte, die gefallen sind, Tracer. Erzähl ein bisschen, was war die Kernaussage, was ist das Ziel des Projektes?
Das Ziel des Projektes ist im Prinzip, dass wir Lebensmittel von Nicht-Lebensmittelverpackungen trennen wollen, und zwar mit Hilfe von Tracern, die in die Verpackung integriert werden können, damit das Rezyklat daraus wieder im Lebensmittelkontakt auch eingesetzt werden darf. Ziel ist ja auch, dass man besser sortiert. Das hatte ich so ein bisschen verstanden. Du hast verschiedene Bilder gezeigt von unterschiedlich sauberen Rezykl aten.
Wie ist denn der Effekt im Moment? Wo ist das Forschungsprojekt im Moment vom Status? Also wir haben eine Sortiereffizienz von knapp 90 Prozent und eine Sortierquote von 97 Prozent, was ziemlich gut ist. Da haben wir eben markiert gegen nicht markiert sortiert.
Tracer-Sortierung in NIR-Systemen integrieren
Der Vorteil an dieser Tracer-Sortierung ist, dass die in die bestehenden NIR-Sortier eingebaut werden kann. Das heißt, man braucht keine kostenintensive Umrüstung irgendwie oder keine neuen Maschinen, sondern das funktioniert in den Maschinen, die existieren. Und die Vielfalt an Tracer-Kodierungen, sage ich mal, die entwickelt wurden mit dem KIT auch zusammen, die eröffnet einfach eine große Möglichkeit an verschiedenen Sortierkriterien, nach denen dann Verpackungen sortiert werden können. Farbe gibt es ja schon, aber eben Zusammensetzung oder Lebensmittel, nicht Lebensmittel, da eröffnet sich eine Weite.
Das kann man alles dem Tracer quasi als Information auch mitgeben oder wie soll das später funktionieren? Genau, also es ist nicht ein Tracer, sondern es ist eine Kombination von Elementen im Prinzip und die können kombiniert werden und dann erhält man quasi verschiedene Spektren. Und je nachdem, also man kann die Spektren dann quasi in der Eigenschaft zuordnen, das muss man der Maschine sagen, aber dann kann quasi nach diesen Spektren eben sortiert werden und dadurch erhält man eine Kodierung, also im Prinzip die Eins und Nullen, die man kombinieren kann. Spannend, wie so ein IR-Spektrometer ja auch quasi nur so einen Peak Wald zeigt und danach kann man dann über eine Datenbank gucken, was ist eigentlich was.
Tolle Idee. Es gibt ja konkurrierende Markierungssysteme, zum Beispiel Holy Grail wurde hier auch in der Fragerunde diskutiert. Ist das etwas, mit dem ihr konkurriert oder seht ihr das als Ergänzung? Wir sehen es eher als Ergänzung, also ich denke, es macht bei den Entwicklungen der Kreislaufwirtschaft wenig Sinn, kompetitiv zu denken, weil am Ende müssen wir alle gemeinsam eine Lösung finden, um wirklich das Ziel der Kreislaufwirtschaft zu erreichen.
Und ich meine, Holy Grail ist ja mehr als Sortierung von Lebensmitteln, von Nicht-Lebensmittel-Verpackungen. Da geht es ja auch viel um Traceability, um was für Informationen kann ich noch da drin irgendwie transportieren. Und dieser Aspekt von, oder dieser einfache Aspekt mit den Tracern Lebensmittel von Nicht-Lebensmittel-Verpackungen zu trennen, ist schon besonders, sage ich mal, und eine spannende Ergänzung auf jeden Fall zu so einem Holy-Grail-Konzept. Das ist überhaupt spannend, wenn man diese zwei Ströme auseinanderhalten könnte, Lebensmittel und Nicht-Lebensmittel.
Das ist ja genau das, was im Moment ein bisschen schwierig ist oder unmöglich sogar. Und wie wollt ihr das genau später machen? Sollte es so sein, dass es wieder eine gelbe Tonne nach wie vor gibt und ihr würdet dann mal die Lebensmittel-Verpackung tracen, oder wie geht das? Es gibt Optionen.
Das Ziel ist schon, dass wir das eben mit der gelben Tonne, dass die aufsortiert werden kann. Aber es eröffnen sich natürlich Optionen, wenn man Lebensmittel von Nicht-Lebensmittel-Verpackungen trennt. Wie wir jetzt zum Beispiel ja in einer der Grafiken gesehen haben, ist der PE-Handteil in den Nicht-Lebensmittel-Verpackungen viel höher. Das eröffnet quasi nicht nur Optionen dafür, was kann ich mit der Lebensmittelverpackung machen?
Kann ich die recyceln? Kann ich die wieder in Lebensmittelkontakt bringen? Sondern das eröffnet auch die Option, eben ein reines oder ein eventuell reineres Polymer aus der Nicht-Lebensmittel-Verpackung zum Beispiel zurückzugewinnen. Und je nachdem, was man dann da noch auftrennt, können sich neue Ströme mit neuen Möglichkeiten eben ergeben.
Ein weiterer Schwerpunkt der Fragerunde war ja auch das Thema De-Inking. Daran arbeitet ihr auch. Wie ist so da deine Einschätzung? Ist das ein Ding, was ihr löst, was ihr mitbearbeitet, oder kommt das eher aus Industrie?
Lab-Scale zu kosteneffizienter Umsetzung
Also unser Projektpartner ist da ja unigent, die da sehr viel Forschung dazu betreiben und ja vielversprechende Lab-Scale-Ergebnisse schon gezeigt haben. Was wir jetzt gesehen haben, war ein wasserbasierter De-Inking-Prozess. Die haben aber noch drei andere Methoden, die noch deutlich bessere Ergebnisse erzielt haben. Sodass es da auch wahrscheinlich ein Zusammenspiel sein wird aus einer Industrie, die zieht, und einer Forschung, die sagt, hey, guck mal, wir haben hier was.
Und am Ende ist es halt eine Frage, was kann wie kosteneffizient auch umgesetzt und abgeskaliert werden. Letzte Frage war dann noch, ist das lebensmittelrechtlich zugelassen, diese verschiedenen Tracer? Da seid ihr, glaube ich, gerade in der Entscheidungsfindung. Also da ist natürlich für Poly-Secure ein großes Thema.
Und das ist so ein bisschen aus dem Projekt eigentlich ausgeklammert, weil das ein Thema für Poly-Secure-Set ist. Das heißt, mehr als das kann ich dazu auch eigentlich gar nicht sagen. Hochspannend wird wahrscheinlich natürlich schon theoretisch so angelegt sein, dass es funktionieren müsste. Man muss es dann ja immer nur beweisen.
Man muss es halt beweisen. Genau, das ist ja das Ziel. Ist denn wirklich das Ziel, dass man dann zum Beispiel getracete Regenerate wirklich wieder in Verbundfolien mit einer funktionalen Barriere, hatte ich gesehen, auf einem Chart einsetzt? Genau, ja, das ist im Prinzip das Ziel.
Also die Tracer sollen in dem Recyclingprozess auch zurückgewonnen werden, sodass das Material dann natürlich nicht markiert ist, weil sonst entsteht einfach eine Vermischung und dann hat man Markierungen drin, die man gar nicht drin haben möchte. Also das heißt, die sollen schon im Recyclingprozess raus. Aber dann ist das Ziel, dass dieses Material so hochwertig aufgereinigt wird, dass ich es wirklich wieder im Lebensmittelkontakt versetzen kann, einsetzen kann. Letzte Frage, wie lange läuft das Projekt noch und was sind noch die nächsten Schritte?
Das Projekt läuft noch bis November 2024 und als nächstes geht es weiter an die Optimierung der Vorbehandlungsprozesse natürlich. Ein ganz spannendes Thema wird das Closed-Loop-Business-to-Business-Konzept sein. Das heißt, da werden wir dann sehen, was können wir am Recyclingprozess eventuell optimieren, wenn wir ganz genau die Zusammensetzung der Verpackungen und auch ganz genau die Kontamination der Verpackungen kennen, weil wir wissen, welches Produkt drin war und wir eigentlich auch wissen, dass es mit nichts anderem in Berührung war. Das heißt, das wird auch nochmal ein spannendes Thema bezüglich Lebensmittelkonformität, weil das ja ein geschlossener Kreislauf wäre.
Und ganz besonders spannend wird es aber eben auch, wenn wir unsere ganzen Vorbehandlungsverfahren, die wir ja optimieren und entwickeln, dann tatsächlich an Post-Consumer-Abfällen wirklich einsetzen. Also da bin ich auch sehr gespannt drauf. Vielen Dank, Nelly Freitag. Sehr gerne.
Dankeschön. Daniel Holzbach verblüffte das Publikum mit seinen Handmustern, die er mitbrachte aus seiner Produktion von Maropac. Er brachte uns vorperforierte Bio-Frischhaltefolie mit, die er beim 20. Inno-Meeting zeigte und erläuterte, wie schnell solch eine Entwicklung heute möglich ist, wenn man gut vernetzt ist, wenn man ein junges, dynamisches Unternehmen führt und vor allen Dingen, wenn man auch die Vision hat, dass Bioökonomie in Zukunft ein wesentlicher Baustein unserer Flexpack-Industrie sein kann.
Biomaterialien: Kompostierbare Frischhaltefolie entwickeln
Er nutzt Biomaterialien, also nachwachsende Rohstoffe, um Frischhaltefolie zu produzieren, die dann sogar im Heimkompost kompostiert werden kann. Ich spreche mit Daniel Holzbach. Hier beim 20. Inno-Meeting ist es mittlerweile in Osnabrück.
Daniel, du hast einen tollen Vortrag gehalten über etwas ganz Neues für die Flexpack-Industrie. Eigentlich beschäftigst du dich sonst mit dem Schweißen von Beuteln. Hier hast du eine Frischhaltefolie mitgebracht, die auf dem Heimkompost funktioniert. Wie geht das?
Ganz genau. Das ist ein Commodity-Produkt. Es baut sich innerhalb von 180 Tagen, wenn es gut läuft, ab. Bei Temperaturen zwischen 10 und 30 Grad.
Feuchtigkeit, Mikroorganismus, und dann funktioniert es. Rückschlaglos. Irgendwie interessant. Du hast es beim Beispiel genannt.
Besser als eine Orangenschale auf dem Kompost. Die baut sich auch ab, aber dauert länger, oder? Die braucht zwei bis drei Jahre tatsächlich. Wahnsinn.
So bei der Natur. Und manche meinen natürlich, wie kann es sein, dass eine Folie sich dann abbaut, wie eine Orangenschale oder Citrusschale. Ja, ja, genau. Auch an der Umverpackung habt ihr was gemacht.
Was ist da der Gag? Ja, komplett aus Pappe hergestellt, auch komplett recycelt beim Papierstrom. Du siehst auch hier beispielsweise, ist es auch drauf mit der Orangenschale, ist vorperforiert, also auch convenient. Das ist ganz, ganz wichtig.
Es muss händelbar sein für den Endverbraucher, weil es oftmals eine Fußverpackung ist, die Frischhaltefolie. Sie klebt aneinander, ist meistens sehr, sehr dünn, reißt schnell ab. Unsere Folie ist ein bisschen dicker, easy to handle. Also sie kann, wie gesagt, eine Tellergröße vorperforieren, super zu nutzen.
Folien-Vorperforierung: Material und Zähigkeit
Spannend, spannend die Idee, die Folie vorzuperforieren. Ist das etwas, wo ihr alleine seid, oder gibt es das schon mehrfach? Also es gibt es ganz wenige Leute. Ganz wenige, habe ich noch nie gesehen in Wirklichkeit.
Ist auch schwierig, weil so eine Folie ist ja auch sehr zäh, zieht sich lange. Deswegen muss sie ein bisschen dicker sein, damit sie sich auch sauber abreißt. Auf was für einer Basis ist diese Folie? Kannst du das verraten?
Leider nicht, nein, ich kann aus nachwachsenden Rohstoffen, aber nicht zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Wir arbeiten da gerade dran, dass wir die zu 100 Prozent biobasiert hinbekommen. Wenn ich die jetzt auf meinen Kompost mache und die danach dann an meine Gurken, den Kompost, passiert da was, sind Rückstände zu erwarten, ist absolut clean. Keine toxische Auswirkung auf die Umwelt, das ist auch das Wichtigste.
Guilty-free, irgendwo steht auf jeden Fall drauf, das ist wurmfreundlich und mikroorganismenfreundlich, es passiert tatsächlich gar nichts. Dann habt ihr hier noch ein eigenes Label, das hattest du im Vortrag erwähnt. Erzähl ein bisschen die Hintergründe. Wir wollten einfach etwas komplett Eigenes kreieren.
The Real Eco Fresh kommt so ein bisschen von damals Donald Trump, The Real Donald Trump. Nicht, dass wir Donald Trump unterwitzen, aber wir haben einfach gedacht, es muss einfach ein Real, ein wirkliches neues Produkt sein. Deswegen haben wir The Real Eco genannt und darunter vertreiben wir verschiedene Artikel. Ist ja hochspannend.
Und du hattest auch noch andere Produkte erwähnt, wo ihr gerade dran seid, die nichts unbedingt mit Verpacken zu tun haben. Ganz genau. Wir sehen gerade zum Beispiel dran bei einem Kaffeebecher, in der Tat, den wir aus Sonnenblumenkernen herstellen lassen möchten. Das wird dann verpresst miteinander, dann könnte man sogar im Boden einbohren und wird sich abbauen.
Wir wollen aber das im Mehrwegsystem laufen lassen, sprich in die Spülmaschine zum Reinigen. 500 Umläufe würde das schaffen. Und dann kann man es theoretisch wieder rekanulieren, daraus einen neuen Becher machen. Das ist unser Ziel, ein Rücknahmesystem aufzubauen für diese Kaffeebecher.
Und Handschuhe hattest du im Bild. Da gab es ein bisschen Debatte auch, wenn da jetzt eine Diesel dran wäre, könnte man ja nicht mehr kompostieren. Das ist wieder dieses Ja-aber-Denken von Deutschland. Wir denken, warum nicht?
Handschuhe aus nachhaltigen Materialien kompostierbar
Und wie siehst du das mit den Handschuhen? Was ist da der Vorteil aus diesem Material? Die Handschuhe sind fast komplett aus Stärke hergestellt. Das wird wieder aus einem komplett nachwachsenden Material.
Wenn man jetzt zum Beispiel Catering-Abfälle hat, dann kann man sie mit kompostieren. Hat man jetzt Benzin an den Handschuhen dran, müssen wir sie tatsächlich in den Restmüll geben. Wenn ich glaube, keiner möchte irgendwie Benzin oder Mineralöl-Rückstände in der Natur haben. Deswegen müsste man einen anderen Weg gehen.
Es kommt also immer drauf an, wofür man diese Handschuhe nutzt. Aber ich gebe dir ein gutes Beispiel: Hundekotbeutel. Du kannst den Handschuh als Hundekot-Handschuh nutzen.
Das heißt, du nimmst es auf, wirfst es in den Kompost und kannst es im Endeffekt dann alles miteinander kompostieren. Und es zersetzt sich. Riecht ein bisschen strenger, aber es funktioniert. Mache ich nicht an meine Gurken.
Das brauche ich mir einfach nicht zu. Aber ich werde einen Versuch machen auf meinem Kompost und ich schicke dir ein Foto, wenn etwas übrig bleibt. Dann gibt es Schimpfe. Sehr gerne.
Danke schön für dieses Interview und dieses schöne Muster und den Beitrag. Danke dir. Ich spreche jetzt mit Markus Bärheide hier beim 20. Inno-Meeting.
Magnus, du hast einen tollen Vortrag gehalten über Farben, die nach Cradle to Cradle zertifiziert sind. Was genau versteht ihr unter Cradle to Cradle? Was ist das eigentlich für ein Konzept? Cradle to Cradle ist grundsätzlich eigentlich eine sehr, sehr gute Kopie für die von Menschen gemachten technischen ökologischen Prozessen.
Und das ist eigentlich ein sehr, sehr guter Konzept. Und ich glaube, es ist ein sehr, sehr guter Konzept. Ich glaube, es ist ein sehr, sehr guter Konzept. Ich glaube, es ist ein sehr, sehr guter Konzept.
Natur als Vorbild für ökologische Prozesse
Und ich glaube, es ist ein sehr, sehr guter Konzept. Wir machen technischen ökologischen Prozesse anhand der Mutter Natur. Mutter Natur baut ja Sachen selber, also Bergo produziert sie, so würden wir das nennen. Geht dann einmal durch den Verwendungsprozess.
Nehmen wir jetzt einen Baum, der die Kirschblüte hat. Die Kirsche, die Kirsche fällt ab. Es wächst ein neuer Baum daraus. Die zerfallende Frucht düngt das Ganze dann noch.
Schönen neuen Kirschbaum im Garten. Ähnlich funktioniert das dann am Ende auch für den von Menschen gemachten ökologischen oder technischen Prozess. Einmal zum Beispiel ein T-Shirt herstellen, wird getragen, nachher auch. Wird ein Baumwollfeld möglicherweise von gedüngt.
Neue Baumwolle kommt in die Fertigung. Et voilà, neues, schickes T-Shirt. Genau. Technisch funktioniert das nicht ganz so, deswegen beschreibt ihr auch immer noch einen technischen Kreislauf.
Ihr habt jetzt ein Gold-Zertifikat für eure Druckfarbe, die du vorgestellt hast. Was bedeutet das Gold? Gold bedeutet in diesem Fall, dass die Stoffe, die in unseren Druckfarben verwendet wurden, in diesem Fall reden wir da von den Zen-Code-Produkten, die lösemittelbasiert sind. Die haben eine Gold-Zertifizierung bekommen, dass die für den technischen Kreislauf, entweder bei der Produktion, bei der Verwendung oder auch nach dem Recycling und der Wiederverwendung, keine negativen Einflüsse auf uns Menschen, dich und mich, oder auch unsere Mutnatur, also die Umwelt, nehmen.
Und dementsprechend, egal wie sie da verwendet werden, weiter verwendet, rückgewonnen, einfach niemanden schädigen. Und Gold ist dann die zweithöchste Stufe unterhalb des Platins, die dann besagt, ja, das ist ein super Produkt, das funktioniert mit allen Inhaltsstoffen, die mit mehr als 0,01 Prozent vorhanden sind, in diesem Kreislauf optimal. Oh, das ist ja hochkomplex. Also im Prinzip, mit einfacher Sprache, es ist ungiftig gemacht sozusagen.
Es ist ungiftig, genau. Es tut nicht dir weh, es tut nicht der Umwelt weh. Wird auch die Recycling-Fähigkeit für so ein Zertifikat schon bewertet oder erst mal nur die stoffliche Zusammensetzung? Erst mal nur die stoffliche Zusammensetzung.
Wenn es dann weitergeht in die Herstellungsanalyse, dann geht es vor allem um die Wiederverwendung. Da wird auch die Recycling-Fähigkeit betrachtet. Grundsätzlich, wenn aber erst was schon unschädlich ist für uns oder die Natur funktioniert, das natürlich im Recycling oder auch die Inkling dann gerne bei Druckfarbe, wenn das wieder vom Material trennt, viel, viel besser und sicherer, als das jetzt bei uns zertifizierten Farben der Fall wäre, wo einfach alles drin sein könnte, was der Hersteller nicht unabhängig hat zertifizieren lassen. Wo wird diese Druckfarbe eingesetzt schon?
Druckfarben in Lebensmittelverpackungen einsetzen
Druckfarbe wird schon eingesetzt, da haben wir meinen Vortrag mitgebracht bei dem Frosch-Produkt. Da hatte ich einmal die Freigabe, das einmal zu zeigen. Das geht hier um Nachfüll-Pouch, vor allem für Haushaltsgebrauch, so heißt Glasreiniger. Waschmittelprodukte sind da drin.
Das ist ein ganz offizielles Beispiel. Inoffiziell aus dem Paper- und Boardbereich werden wir vielleicht bei Sixpack-Kartons für Bier von namhaften Markenartiklern oder auch im Offset-Bereich auch wieder möglicherweise, wie wir die Gabonamen nennen, aber dann für den Bogen-Offset-Bereich, im Newspaper-Bereich dann auch, wo das auch eingesetzt wird. Letzte Frage, druckt ihr mit Lösemittel- oder mit Wasser basiert, oder wie funktioniert das? Ich vertrete jetzt den Bereich Flexible Packaging.
Wir drucken da alles mit Lösemittelbereich. Alles, was diesen Pouch, den ich am Anfang erwähnt habe, betrifft, wird bei Monby gedruckt. Die nutzen da unsere Zen-Code-Lösemittelfarbe mit dem Cradle-to-Cradle-Gold-Zertifikat durch dieses besagte Cradle-to-Cradle-Gold-Packaging, das entzertifiziert ist, wiederum her. Ah, das ganze Packaging ist entzertifiziert?
Ja, genau. Unsere Farbe ist dann total partaq bei, aber Monby, zusammen mit Wärmer und Merz, hat dann auch mal das ganze Produkt entzertifizieren lassen. Wenn die Farbe da drin natürlich nicht zertifiziert wäre oder diesen Gold-Status auch enthielte, wäre das nicht möglich. Aber es gibt, habe ich den Worten entnommen, auch wasserbasierte Systeme.
Es gibt auch wasserbasierte Systeme ganz genau. Was wir momentan dann anbieten mit Bronze, aber auch besser dann mit Silberzertifizierung. Hochspannend. Danke für diesen kurzen Einblick.
War toll, dich hier zu haben. Danke für die Einladung. Ich habe mich auch sehr gefreut. Digitalisierung ist die Passion von Manfred Bauer von Bobst.
Die Cloud gehört zur Flexpack-Maschine dazu, sagte er im Interview und während seines Vortrages. Und wir sprechen darüber, warum er die Microsoft Azure Cloud nutzt, um seine Maschinendaten erst einmal überhaupt aufzunehmen. Und die erste Frage, die Bobst stellt, wenn eine Maschine aufgebaut werden soll: Wie ist die IP-Adresse, also wie binde ich die Maschine in die Intra- und Internetinfrastruktur des Unternehmens ein? Er sagt, eine Maschine ohne Cloud-Anbindung wird es nicht mehr geben.
Hören Sie rein in dieses etwas provokante, aber aufschlussreiche Interview mit Manfred Bauer von Bobst. Ich spreche hier mit Herrn Bauer von Bobst, und Sie sind kein Maschinenbauer im klassischen Sinne, sprechen aber für einen Maschinenbauer, und zwar über die Cloud. Herr Bauer, was war die Kernaussage Ihres Vortrags? Im Prinzip wird die Cloud in Zukunft Bestandteil von jeder Maschinenlösung.
Maschinenlösung durch Digitalisierung und Cloud
Wir reden nicht mehr davon, eine Maschine zu verkaufen, sondern eine Lösung. Und die Lösung besteht aus Maschine und Cloud. Hier beim 20. Inno-Meeting in Osnabrück sprechen wir ja über einerseits Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Digitalisierung und Cloud, das verbinde ich. Aber was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun? Nachhaltigkeit hat sehr viel mit Daten zu tun. Wir brauchen Daten über die verwendeten Materialien.
Wir brauchen Daten über die Produktion. Wir brauchen Daten, wie es produziert wurde. Und all diese Daten stellen wir im Prinzip in Zukunft über digitale Lösungen zur Verfügung. Und diese digitalen Lösungen wiederum laufen in der Cloud.
Und so entstehen Maschinenlösungen, die im Prinzip Daten automatisiert bereitstellen. Sie haben sich für die Cloud entschieden, um die Daten überhaupt zu sammeln. Die Maschinen schreiben die Daten mit, um sie später auswertbar zu machen. An dem Schritt sind Sie, wenn ich es richtig verstanden habe.
Warum haben Sie sich für eine Cloud-Lösung entschieden? Warum waren Sie im eigenen Rechenzentrum? Im Prinzip kann man es ganz einfach sagen: Wir haben Zehntausende Maschinen draußen.
Wir haben Hunderte von Kunden pro Land. Wir sind in weit über 60 Ländern der Erde tätig. Und Sie können sich vorstellen, früher hat man jede einzelne Maschine vor Ort integriert. Man musste riesen Aufwand betreiben, um überhaupt an die Daten der Maschine heranzukommen.
Heute haben wir das standardisiert. Es wird mit der Maschine ausgeliefert. Eine Standardlösung, eine Standard-Connectivity. Und darauf aufbauend ist die Cloud eigentlich die einzige logische Erklärung.
Weil man kann direkt mit den Mechanismen, die in der Cloud zur Verfügung stehen, Daten von der Maschine sammeln und dann auch aufbereitet zur Verfügung stellen. Das geht nur zentral über ein Cloud-System. Das kann man nicht an jedem Ort separat machen. Auch das könnte man fast als nachhaltigstes System betrachten, habe ich verstanden.
IP-Adresse statt Schraube: Digitale Maschinenanbindung
Sie haben gesagt, bevor Sie eine Maschine überhaupt aufstellen, ist eine Frage: Welche? Welche IP-Adresse wollen Sie in Ihrem Netz für die Maschine vergeben? Ich war völlig geflasht von dieser ersten Frage. Früher war es: Wo muss das Loch hin?
Für die erste Schraube zu fest dübeln. Heute fragt man: Welche IP-Adresse haben wir? Sie verkaufen grundsätzlich jetzt mit dieser Cloud-Datenspeicherlösung. Welche Plattform nutzen Sie denn da genau?
Unsere Lösung basiert auf Microsoft Azure, genauso wie MS Teams, genauso wie Microsoft Outlook. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir hier einen sehr hohen Grad an Cybersecurity haben. Das nennt man heute eine dynamische Cybersecurity. Das heißt, man hat nicht mehr statische, feste Schutzmechanismen, sondern sich ständig den Bedrohungen anpassende Schutzmechanismen.
Und Microsoft ist damit eigentlich führend im Markt. Und wie gesagt, unsere Office-Umgebungen und die unserer Kunden basieren auch darauf. Und so war es natürlich nur ein logischer Schritt zu sagen, wenn schon eine Maschinenlösung, dann auch gleich in einer ähnlichen Umgebung sozusagen. Wir alle kennen die Microsoft Office 365-Umgebung.
Wir selber haben gerade dahin gewechselt. Und wenn man ein Programm bedienen kann, kann man das andere im Prinzip auch bedienen. Ist das auch etwas, was Sie nutzen? Das ist definitiv unser Ziel.
Das ist eine einfache Bedienumgebung für diese Daten. Es ist ja nicht nur so, dass die Daten von der Maschine bereitgestellt werden, sondern die Nutzer sollen ja auch aktiv damit arbeiten, Analysen machen, Auswertungen durchführen. Und das geht am besten auf Basis von so einer modernen Microsoft-Oberfläche, die man im Prinzip selbst bedienen kann. Und somit entsteht eigentlich Schritt für Schritt ein Self-Service für die Kunden.
Ohne dass wir jetzt groß lange Tage schulen müssen, erklären müssen. Sondern das kann jeder für sich selbst entdecken, wie man das heute mit Office eigentlich tut. Wir selber haben ja hier auch eine interaktive hybride Tagung und haben viele Fragen auch reingekriegt aus der Cloud tatsächlich. Slido heißt das Tool, was wir nutzen.
Und wir haben selber auch schon mal versucht, nach China zu streamen. Das ist uns nicht gelungen. Haben Sie ähnliche Erfahrungen? Ja, klar.
Cloud-Systeme: China und internationale Datensicherheit
Also Daten nach China, da muss man ganz klar sagen, das sind zwei getrennte Welten. Es gibt die chinesische Welt und es gibt die europäische, amerikanische Welt oder die westliche Welt, kann man ja auch sagen, mit ein paar Länder-Ausnahmen. Es gibt verschiedene Länder, die bestimmte Regeln haben. Aber bei China ist es so, alle Daten sind separat in China und werden auch nicht hier rüber transferiert.
Das ist ganz klar. Wir haben dort eigene Cloud-Systeme in sich abgeschlossen, die auch mit den chinesischen Behörden abgestimmt sind und die auch durch die Zensur gehen. Sodass wir also hier überhaupt keine Verbindung haben. Keine Verbindung haben.
Die Systeme sind komplett voneinander getrennt. Wenn Sie sowieso die Maschine an, die Cloud anbinden, machen Sie auch Fernwartung? Ja, definitiv. Also eines der Highlights ist einfach Bob’s Connect.
Wir sagen, Fernwartung ist eigentlich ein Prerequisite. Das ist von vornherein immer mit dabei. Weil klar, wenn eine Frage zu den Daten auftritt, man muss ja dann in die Maschine schauen können, um es zu reparieren, um vielleicht Zählerstände zurückzusetzen etc. Also Fernwartung ist immer Bestandteil des Ganzen.
Eine Frage war bei diesem Thema, was Sie ausgeführt haben beim Freitag, ob Sie dagegen anrennen mit Ihrer Technologie, auch mit der Fernwartung, aber auch mit der Cloud-Lösung. Wie gehen Sie damit um und wie entwickelt sich das? Also das entwickelt sich momentan Schritt für Schritt. Wir sehen, dass immer mehr größere Akzeptanz von Datenlösungen da ist.
Aber es gibt natürlich auch Kundensituationen, in denen wirklich alte MES-Systeme, ERP-Systeme noch im Einsatz sind, die gar nicht diese Möglichkeiten haben, Daten zu sharen oder auch Daten von anderen Quellen reinzunehmen. So das wird sich schrittweise entwickeln. Wir sehen sehr große Bereitschaft im Markt auf diese Informationen zuzugreifen. Es sind letztendlich wichtige Informationen zum Optimieren der Fertigung, aber auch eben die Transparenz alleine zu wissen, mit welchem, mit welcher Performance ist mein Job gelaufen, mit welcher Performance hatte Schicht gearbeitet.
Das ist so viel wert, dass man sagt, okay, das möchte ich gerne haben. Toller Beitrag beim Inno-Meeting hier. Vielen Dank für dieses inspirierende Interview. Danke schön.
Vielen Dank und schöne Grüße nach Meerbusch. Danke schön. Und das war es schon wieder für heute. Ich hoffe, es war etwas Interessantes für Sie dabei.
Flexpack-Initiative: Mehr Wissen für Community
Und wenn auch Sie einmal Teil dieser Initiative für mehr Flexpack-Wissen werden möchten, melden Sie sich gerne bei mir unter ks at innoform.eu und nicht vergessen, diesen Podcast zu abonnieren, wo immer Sie Podcasts hören. Tschüss, bis zum nächsten Mal. Ihr Karsten Schröder.

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