EPR und Recyclingfähigkeitsbewertung: Warum Verpackungsdesign heute über Kosten entscheidet


Ein Nachbericht zum Webseminar „EPR und Recyclingfähigkeitsbewertung – Proaktiv rechnen statt reaktiv testenvom 9. April 2026

Die Anforderungen an Verpackungen verändern sich rasant. Besonders deutlich wurde dies im Innoform‑Webseminar „EPR und Recyclingfähigkeitsbewertung“, das sich intensiv mit der Frage beschäftigte, wie Recyclingfähigkeit und erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) zunehmend miteinander verknüpft werden – und welche Konsequenzen sich daraus für Verpackungsdesign, Kosten und interne Prozesse ergeben.

Als Referentin führte Vivian Loftin (Managing Director bei Recyda GmbH) durch das Thema. Die zahlreichen Praxisfragen und Diskussionsbeiträge zeigten deutlich: Das Thema bewegt die Branche.

Von Design for Recycling zu Design for EPR

Ein zentrales Fazit des Webseminars: Recyclingfähigkeit ist längst kein rein technisches Kriterium mehr, sondern wirkt sich direkt auf EPR‑Gebühren aus. Während in der Vergangenheit Recyclingfähigkeit und Lizenzierung häufig getrennt betrachtet wurden, greifen diese Aspekte heute zunehmend ineinander. Instrumente wie Ökomodulation sollen gezielt Anreize setzen, recyclingfreundliche Verpackungen einzusetzen – über finanzielle Vorteile ebenso wie über steigende Gebühren für problematische Designs.

Unterschiedliche Systeme in Europa – ein Überblick

Anhand konkreter Länderbeispiele wurde gezeigt, wie unterschiedlich EPR‑Systeme in Europa ausgestaltet sind:

  • Italien und Belgien arbeiten vor allem mit Materialdifferenzierungen und Kategorien, die je nach Designmerkmalen weiter unterteilt werden. Designaspekte wie Carbon Black, Materialanteile oder Labelabdeckung können hier zu erheblichen Kostenunterschieden führen.
  • Frankreich setzt stärker auf ein Bonus‑/Malus‑System, bei dem sich Gebühren je nach Recyclingfähigkeit, Designkriterien und zusätzlichen Aspekten (z. B. Kommunikation oder Refill‑Modelle) erhöhen oder reduzieren können.
  • In den Niederlanden und Spanien kommen wiederum Punkt‑ bzw. Ampelsysteme zum Einsatz, bei denen eine dokumentierte Recyclingfähigkeitsbewertung direkten Einfluss auf die zu zahlenden Gebühren hat.

Die Beispiele machten deutlich: Vergleiche zwischen Ländern sind komplex, da Bewertungssysteme, Grenzwerte und Kostenlogiken stark variieren.

Diskussion aus der Praxis: Verantwortung, Daten und Umsetzbarkeit

Ein wesentlicher Teil des Webseminars entfiel auf den Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmenden. Besonders diskutiert wurden:

  • Verantwortlichkeiten in der Lieferkette: Verpackungshersteller können in der Regel nur ihr Material bewerten – die Gesamtverantwortung liegt beim Inverkehrbringer.
  • Datenverfügbarkeit: Informationen zu Farben, Klebstoffen, Materialanteilen oder Barrieren werden zunehmend relevant, sind aber oft nicht strukturiert verfügbar.
  • Praxis vs. Theorie: Einzelbewertungen für unterschiedliche Druckmotive oder kleine Designvariationen sind regulatorisch gefordert, in der Praxis jedoch kaum flächendeckend etabliert.
  • Monomaterialien vs. Verbunde: Monomaterialien schneiden in vielen Systemen günstiger ab, dennoch bleiben technische Anforderungen und bestehende Produktionslinien wichtige Entscheidungsgrößen.

Ausblick: PPWR bringt Harmonisierung – aber keine Vereinfachung der Kosten

Im Hinblick auf die kommende Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) wurde deutlich:
Die Bewertungskriterien für Recyclingfähigkeit sollen EU‑weit harmonisiert werden, nicht jedoch die Höhe der EPR‑Gebühren. Ab August 2026 muss Recyclingfähigkeit weiterhin erfüllt sein, jedoch nach bisherigem Recht (PPWD / nationale Systeme). Nationale Spielräume bleiben bestehen, insbesondere bei der finanziellen Ausgestaltung der Systeme. Harmonisierte Recyclingfähigkeitskriterien und deren Verknüpfung mit EPR/Ökomodulation greifen erst mit den delegierten Rechtsakten (voraussichtlich ab 2028).

Empfohlen wurde daher ein proaktiver Ansatz: Unternehmen sollten bereits heute beginnen, relevante Verpackungsdaten systematisch zu erfassen und interne Prozesse aufzusetzen – statt auf final veröffentlichte Detailregelungen zu warten.

Fazit

Das Webseminar zeigte eindrücklich, dass Recyclingfähigkeit, EPR‑Kosten und Verpackungsdesign künftig untrennbar miteinander verbunden sind. Wer frühzeitig Transparenz schafft und Designentscheidungen strategisch bewertet, kann nicht nur regulatorische Risiken minimieren, sondern auch finanzielle Vorteile realisieren.

Mit diesem Webseminar stärken wir weiter unseren Anspruch, führender Wissenspartner im Bereich flexible Verpackungen zu sein – sowohl über den Testservice in Oldenburg als auch über Innoform Coaching.