PFAS – „Forever Chemicals“ und ihre Bedeutung für Verpackungen

Ein Nachbericht zum Webseminar mit Dr. Tim Schlüter von Innoform Testservice

Am 11. März 2026 fand unser Webseminar PFAS – die sogenannten „Forever Chemicals“ – Was muss ich beachten? statt. Unter der Leitung von Dr. Tim Schlüter erhielten die Teilnehmenden einen klaren und fundierten Einblick in die Bedeutung von PFAS für Lebensmittelkontaktmaterialien.

Was sind PFAS – und warum sind sie überall?

PFAS – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – sind in ihrer Struktur extrem stabil und daher in Umwelt, Wasser, Boden und Lebensmitteln weltweit nachweisbar. Beispiele aus den Medien – Trinkwasser, Bodenfunde, Milchuntersuchungen – zeigten eindrucksvoll die Relevanz des Themas.

Dabei wurde deutlich: Die Zahl der potenziell betroffenen Substanzen geht in die Tausende, abhängig von der jeweiligen Definition und Quelle. Das erschwert Regulierung und Analytik erheblich.

Einsatzgebiete und Herausforderungen

Anhand vieler anschaulicher Beispiele zeigte der Vortrag, wie breit PFAS eingesetzt werden:

  • Feuerlöschschaum (AFFF)
  • Outdoor- und Funktionsmaterialien wie Gore-Tex
  • Antihaftbeschichtungen z. B. in Pfannen
  • Fett- und wasserabweisende Lebensmittelverpackungen
  • Folienherstellung (Polymer Production Aids)

Durch ihre extrem hohe Persistenz reichern sich PFAS in der Umwelt und lebenden Organismen an. Wie Studien zeigten, lassen sich PFAS sogar im Recyclingkreislauf von Papier, in beschichteten Kartonverpackungen oder in fluorierten Kanistern wiederfinden.

Regulatorische Weichenstellung: PPWR & Grenzwerte

Ein Schwerpunkt lag auf der PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation), die ab 12. August 2026 Verpackungen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen und PFAS enthalten, weitgehend verbietet – ohne Übergangsfrist.

Die im Verordnungstext genannten Grenzwerte (25 ppb, 250 ppb, 50 ppm) und deren Interpretationsmöglichkeiten wurden ausführlich erläutert. Besonders wichtig war der Hinweis auf die neue „Commission Notice“, die klarstellt:

  • Unter 50 ppm Gesamtfluor gilt ein Material als konform.
  • Liegt der Wert darüber, muss zwischen organischem und anorganischem Fluor unterschieden werden.
  • Analysen sind komplex, da für viele PFAS keine Standards existieren.

Auch die Herausforderung unterschiedlicher Analysenergebnisse zwischen Laboren wurde diskutiert.

Risikobewertung statt Messpflicht?

Ein zentrales Thema in der Diskussion: Reicht eine Risikobewertung aus – ohne Messung?

Die Antwort laut Tim Schlüter: „Ja, die PPWR lässt dies grundsätzlich zu, sofern Lieferanten bestätigen, dass keine PFAS eingesetzt werden. Ob Kunden und Behörden dies akzeptieren, bleibt jedoch ein Praxisproblem. Viele Unternehmen führen daher dennoch Messungen durch“.

Fazit

Das Webseminar zeigt, wie groß die Unsicherheiten rund um PFAS sind – und wie wichtig fundierte Informationsquellen und Austauschmöglichkeiten für die Branche werden.

Mit diesem Webseminar stärken wir weiter unseren Anspruch, führender Wissenspartner im Bereich flexible Verpackungen zu sein – sowohl über den Testservice in Oldenburg als auch über Innoform Coaching.