Balance, Präzision und Verantwortung bei Regularien für Verpackungen

Dr. Andreas Grabitz

Andreas Grabitz diskutiert Nachhaltigkeit und regulatorische Trends in der Verpackungswelt

In dieser Episode unseres Innoform Podcasts begrüßen wir Andreas Grabitz, einen Experten im Bereich der Verpackungsmaterialien und regelmäßigen Referenten bei Innoform Coaching. Seit 2009 ist Andreas bei uns aktiv und hat in dieser Zeit an 78 Veranstaltungen mitgewirkt. Seine Expertise und sein Engagement machen ihn zu einem geschätzten Mitglied unserer Innoform Referenten.

Hauptthemen:

  • Persönliche Einblicke: Andreas spricht über seine Entscheidung, die Rolle des Abteilungsleiters abzugeben und stattdessen eine Position einzunehmen, die ihm eine bessere Work-Life-Balance ermöglicht. Er teilt seine Leidenschaft für den Garten und das Landleben, was ihm hilft, bei der Arbeit ausgeruht und fokussiert zu bleiben.
  • Regulatorische Herausforderungen in der Verpackungsindustrie: Die Diskussion umfasst eine detaillierte Betrachtung der aktuellen regulatorischen Landschaft in Europa, insbesondere die neuen Regelungen für Druckfarben in Deutschland und der Schweiz.
  • Nachhaltigkeit und Verpackung: Andreas und Karsten diskutieren die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie, einschließlich der Herausforderungen und Möglichkeiten beim Einsatz von Rezyklaten.
  • Derzeitiger Fokus auf Japan: Besondere Aufmerksamkeit widmet Andreas der aktuellen Überarbeitung der Kunststoffgesetzgebung in Japan, welche eine Herausforderung für global agierende Unternehmen darstellt. Er betont die Bedeutung der lokalen Präsenz und Expertise zur Navigation durch die komplexen regulatorischen Anforderungen.

Andreas und Karsten reflektieren über die Bedeutung von präziser und zugänglicher Wissensvermittlung in einem technisch anspruchsvollen Feld der Lebensmittelverpackung. Sie betonen, wie wichtig es ist, komplexe Informationen so aufzubereiten, dass sie von einem breiten Publikum verstanden werden können.

Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bleiben Sie dran für weitere spannende Diskussionen in zukünftigen Episoden, in denen wir tiefer in spezifische Aspekte der Verpackungsregulierung und Innovationen eintauchen werden.

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Transkript

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Heute begrüße ich im Innoform-Podcast zum Inno-Talk Andreas Grabitz von Eurofins. Er beschäftigt sich mit Regularien weltweit und auch mit Analytik. Das ist eine Paarung, die besonderen Reiz hat. Wir werden sprechen über den Schadstoff des Monats und über den Einfluss von Analytik auf die Recyclingfähigkeit von Kunststoffen.

Und Sie werden vieles Handwerkszeug für Ihre tägliche Praxis im Umgang mit Lebensmittelverpackung hören. Und zum Schluss sagt Andreas uns noch, welche Verpackung er nicht mehr kauft, weil sie ihm zu bedenklich erscheinen. Freuen Sie sich auf diese kurze Episode mit Andreas Grabitz. Herzlich willkommen, Andreas Grabitz, hier im Innoform-Podcast zum Inno-Talk.

Guten Morgen, Andreas. Schön, dass du da bist, Andreas. Du bist einer unserer Top-Referenten bei Innoform Coaching. Wir sind auch über Geschäftsbeziehungen mit Innoform GmbH, Innoform Testservice und Eurofins verbunden.

Deine erste Veranstaltung bei Coaching war 2009, habe ich mal rausgesucht. Seit 2012 bist du eigentlich regelmäßiger Referent in verschiedenen Veranstaltungen. Es sind insgesamt 78 Veranstaltungen, wo du schon beteiligt warst. Das ist rekordverdächtig und das verbindet uns auch irgendwie.

Und das hat mich motiviert, dich hier mal zum Podcast auch einzuladen. Aber bevor wir so ein bisschen auch in die Thematik, die dich ja bewegt, seit deiner gesamten beruflichen Karriere einsteigen, interessiert uns und vor allen Dingen unsere Zuhörer natürlich. Was macht Eurofins? Oh Gott, das machen wir mal ganz kurz, weil ich glaube, die meisten wissen es.

Eurofins ist ein Prüfinstitut. Wir messen alles von Schwermetallen, Nährwerte, irgendwelche Luftkontaminationen und eben auch Verpackungsmaterialien. Du bist ja auch verantwortlich als Business Unit Manager für den Bereich Verpackungsmaterialien, aber da auch sehr stark im Bereich Regulatorien unterwegs und Prüfmethoden gleichzeitig. Habe ich so ein bisschen auch deiner Vita und dem Chat GPT vor unserem Gespräch hier entlockt.

Wir kennen uns natürlich auch schon seit 2009 persönlich. Was machst du genau in dieser Aufgabe, Business Unit Manager? Das kann ja vieles bedeuten. Ja, und tatsächlich ist das gar nicht mehr aktuell.

Ich muss zugeben, dass ich das, glaube ich, sowohl in meinem Innoform-Profil als auch auf meinem LinkedIn-Profil noch gar nicht aktualisiert habe. Der Business Unit Manager bei Eurofins oder bei Eurofins CPT in Hamburg ist eigentlich so was wie ein Abteilungsleiter, wenn man so will, mit eigener Budgetverantwortung. Diese Aufgabe habe ich aber vor knapp zwei Jahren abgegeben. Wir haben einen Nachfolger eingestellt.

Regulatorische Landschaft verständlich aufarbeiten

Und seitdem trage ich den sehr illustren Titel eines Global Packaging Compliance Managers. Da kann sich natürlich sehr vieles dahinter verbergen. Ganz konkret geht es darum, dass ich vor allem tatsächlich für die Eurofins Gruppe intern. Wir haben 14 Laborstandorte über die ganze Welt verteilt, die sich mit Migration beschäftigen.

Und ich versuche, die regulatorische Landschaft so aufzuarbeiten, dass wir alle es möglichst einfach haben, sie zu verstehen und dass wir die gleiche Antwort geben, wenn wir eine Frage von einem Kunden in Indien, in den USA oder in Japan bekommen. Wie denn die Regulatorien in Malaysia oder in Israel oder in Bolivien wohl so sind. Und das aufzuarbeiten in Leitfäden, in Internetportale, die wir in den letzten zwei Jahren programmiert haben. Das ist so meine Hauptverantwortung eigentlich im Moment.

Das ist ja ein hochspannendes, aber auch ein hochkomplexes Feld. In welcher Region tummelst du dich denn im Moment am meisten? Also was mich im Moment sehr beschäftigt ist Japan. Japan hat 2020 eine komplette Revision ihrer Kunststoffgesetzgebung erlassen, wo sie so ja ein bisschen eine Mischung aus europäischen und US-FDA-Konzepten im Prinzip zusammengemischt hat oder so ein Mischkonzept entwickelt hat.

Und dieses Positiv-Listen-System wird gerade relativ kontinuierlich ergänzt, überarbeitet, soll auch nächstes Jahr eine komplette Revision kommen. Das verunsichert sehr viele Unternehmen, die im globalen Markt aktiv sind. Und da gibt es sehr, sehr viele Fragen. Da bin ich auch extrem dankbar, dass wir eine Filiale in Yokohama, in Japan haben, wo wir dann auch mit den Kollegen vor Ort reden können, die zum Beispiel in der Lage sind, die ganzen Schriften zu lesen.

Das ist ja häufig schon ein ganz großes Problem, dass viele gerade von den Drafts einfach nicht auf Englisch zur Verfügung stehen. Da muss man dann Kollegen vor Ort haben oder man ist einfach verloren, muss man ganz ehrlich sagen. Ja, dann gibt es auch immer wieder so spannende neue Fragestellungen, die dann aber eher so punktuell sind. Also Japan ist tatsächlich im Moment so ein Hot Topic, muss man tatsächlich sagen.

Uns beiden wird ja nachgesagt. Und ich will noch nicht so sehr in die technischen Details jetzt reingehen und in die Regularien, dass wir ganz gute Vorträge machen und immer so souverän rüberkommen. Uns verbindet privat auch ein bisschen, was wir versuchen, Arbeit und Leben zu kombinieren. Darf ich fragen, was machst du privat?

Was motiviert dich außer Eurofins? Was macht dir Spaß? Ja, tatsächlich ist es genau wie du sagst: Work-Life-Balance. Also ich bin absolut kein Workaholic.

Das war unter anderem auch einer der Gründe, warum ich diese Abteilungsleiterstellung aufgegeben habe. Ich glaube, viele – unter anderem auch Teile meiner Familie, meines privaten Umfeldes – betrachten das als einen Karriererückschritt. Die nächste Position wäre dann vielleicht irgendwie eine globale Senior-Rolle oder vielleicht irgendwie die Geschäftsführung in Hamburg gewesen. Und in der Tat bin ich eigentlich einen Schritt zurückgegangen, weil ich einfach auch gemerkt habe, dass ich dort so viele Stunden kloppen muss als Abteilungsleiter.

Von Verwaltung zur Entschleunigung mit Hühnern

Ich hatte zum Schluss 14 Menschen, die direkt an mich berichtet hatten. Also ich habe so viel Administratives machen müssen, dass ich einfach keine Lust mehr drauf hatte. Und das ist jetzt tatsächlich besser. Ich arbeite sehr, sehr viel aus dem Homeoffice, habe hier einen großen Garten auch mit Gemüseanteil dran.

Wir halten Hühner. Also hier tatsächlich, das ist so ein bisschen meine Oase, auf der ich auch wirklich zu Ruhe komme, auf der ich entspannen kann. Und manchmal sitze ich dann so einen Samstag, eine Stunde lang irgendwo auf irgendeinem Kiesweg und rupfe Unkräutchen und komme dabei echt richtig gut runter. Und das habe ich das Gefühl, das ist meine Hypothese, dass man das wirklich auch spürt bei den doch manchmal trocken anmutenden Themen, die du ja bearbeitest und die du in unseren Webseminaren – und das darf ich wirklich lobend hervorhebend – in einer einzigartigen Präzision und trotzdem liebenswürdigen Art rüberbringst.

Und das ist das Schöne, wenn man in diesem Bereich arbeitet, in dem wir beiden arbeiten: komplexes Wissen einfach in der Masse verbreiten. Das treibt uns, glaube ich, beide so ein bisschen an, oder? Ja, definitiv. Also das runterzubrechen, aber doch nicht die nötige Detailtiefe oder Präzision zu verlieren, ist tatsächlich was, was ich extrem spannend finde.

Ja, finde ich auch. Und jetzt lass uns da ruhig mal reingehen. Mal ganz konkret, eine ganz offene Frage: Was ist dein Lieblingsthema in Bezug auf Verpackung eigentlich?

Das ist ein bisschen schwer zu sagen, weil es auch einer gewissen Entwicklung unterliegt, sage ich mal. Also ich habe schon jahrelang – und auch da schlägt immer noch wirklich mein Herz für – dieses Regularienthema. Auch wenn das noch so absurd klingen mag, dass jemand das Durchflöhn von irgendwelchen Gesetzestexten spannend findet. Ja, das ist vielleicht ein bisschen skurril, aber es ist tatsächlich so.

Also dieses Migrationsthema ist nach wie vor eines meiner Lieblings- oder meiner Schwerpunktthemen auch, weil es was mit Verbraucherschutz zu tun hat. Es hat was mit Lebensmittelsicherheit zu tun. Ich habe irgendwie so das Gefühl, das ist ja – man könnte ein bisschen pathetisch sagen – das ist natürlich was Gutes für diese Welt. Aber man könnte auch einfach sagen, vielleicht ein bisschen praxisrelevant oder praxistauglicher.

Ich tue was Sinnvolles, indem ich dafür sorge, dass Verpackungen sicher bleiben. Und ja, das ist es, das treibt mich schon hauptsächlich an. Gezwungenermaßen auch – wir kommen ja glaube ich später noch mal ein bisschen drauf zurück – hat aber auch in den letzten ein, zwei, drei Jahren dieses Thema Nachhaltigkeit immer mehr Raum eingenommen. Das ist so ein bisschen eine zwiespältige Sache für mich, weil eigentlich dieses Thema Nachhaltigkeit so komplex ist, dass ich das neben dem Konformitätsthema eigentlich nicht zufriedenstellend bearbeiten kann.

Also wenn man sich so anguckt, was gehört denn eigentlich alles dazu? So was wie Recyclingfähigkeit, Einsatz von Rezyklaten, diese ganzen Green-Claims-Diskussionen und so. Also das ist so ein vielfältiges Thema, dass man eigentlich das nicht mal alleine, sondern dass man eigentlich drei, vier, fünf Leute bräuchte, um das auch nur einigermaßen befriedigend zu bearbeiten. Aber ja, damit beschäftige ich mich in letzter Zeit immer mehr.

Webseminare zu Rezyklaten und Bioabbaubarkeit

Also wir haben ja auch Webseminare zum Thema Einsatz von Rezyklaten, bioabbaubare Verpackungsmaterialien und so. Das nimmt einen immer größeren Raum ein. Genau, so ist es auch bei uns. Und wir versuchen das auch wirklich von mehreren Seiten zu beleuchten und fokussieren uns dabei auf deine Beiträge tatsächlich auch wieder auf die Regularien.

Und da möchte ich gerne auch eigentlich noch so ein bisschen dran bleiben. Unsere Zuhörerschaft ist ja hauptsächlich aus den Verpackungsherstellenden, Gewerbe, aber auch zunehmend immer mehr Verpackungsanwender, die jetzt in eine bedrohliche kommen. Mensch, wir möchten gerne was verändern, aber wir müssen alle Regularien einhalten. Was sind denn im Moment so für europäische Anbieter erst einmal so die Regularien, die im Moment so top diskutiert werden?

Wo geht im Moment so ein bisschen die Post ab? Wo sollte man sich drum kümmern, wenn man im Moment so in Europa unterwegs ist? Wir kennen ja alle die Kunststoff-Direktive, aber wir sind auch gar nicht nur auf Kunststoff fokussiert, wobei das, glaube ich, der am besten geregelste Bereich nach wie vor ist, oder? Ja, auf jeden Fall.

Also wenn wir jetzt mal rein, was das Thema Lebensmittelsicherheit betrifft. Also klammern wir mal dieses Green Claims und Kompostierbarkeit aus. Das ist ja ein bisschen eine andere Baustelle. Ist es tatsächlich so, Kunststoffe ist EU-weit harmonisiert geregelt?

Gott sei Dank auch wirklich weitestgehend konsistent. Es gibt nur eine einzige mir bekannte Ausnahme, dass das Bisphenol-A-Verbot in Frankreich. Da hat Frankreich eine auch nicht nur, aber auch für Kunststoff geltende nationale Verordnung erlassen, die, wenn man es genau nimmt, eigentlich im Widerspruch zum EU-Recht steht. Ist aber tatsächlich die einzige.

Was ein bisschen verwirrend ist oder sein kann, ist, dass die Kunststoffverordnung ja nur Monomere und Additive regelt. Und es aber ja auch noch andere Inhaltsstoffe in Kunststoffverpackungen gibt, wie Katalysatoren, wie Lösemittel, Polymerisationshilfsstoffe etc. Und die sind nicht geregelt auf der europäischen Ebene. Und das hat zur Folge, dass es dann nationale Einzelgänge gibt, wie zum Beispiel die niederländische Warenwettverordnung.

In Deutschland haben wir BfR-Empfehlungen, die solche Stoffe regeln. Also da gibt es dann einzelne nationale Regelwerke, die dann eben doch so ein bisschen Flickenteppich auch im Kunststoffbereich machen. Ist aber tatsächlich nicht so das ganz große Thema. Ist auch, glaube ich, problematisch nicht so hoch einzustufen.

Passiert relativ wenig Unheil. Das kann man, glaube ich, in unserer Prüftechnik auch dazu beitragen. Genau, weil das einfach ja Inhaltsstoffe sind, die von den Mengen her, von den Einsatzmengen her extrem niedrig sind. Passiert da oft eigentlich nicht wirklich was.

Druckfarben und Swiss Ordnance Standards

Wenn wir dann in den Kunststoffverpackungen weiter gucken, dann haben wir natürlich das ganz große Thema Druckfarben. Das ist und bleibt auf der europäischen Ebene ein blinder Fleck. Die Schweizer Druckfarbenverordnung ist ja jetzt aktuell zum Anfang Januar überarbeitet worden, ist nach wie vor der Benchmark global. Würde ich definitiv sagen.

Also alle großen Markenartikel, alle führenden Druckfarbenhersteller in der EU halten sich eigentlich an die Swiss Ordnance. Die Deutschen haben ja 2000 und jetzt müsste ich lügen, 20 – war das, glaube ich, 21 – haben sie ja eine deutsche Druckfarbenverordnung erlassen mit einer Übergangsfrist von fünf Jahren. Die wird also 2026 in Kraft treten. Wir sind alle ratlos im Moment, wie das da weitergehen soll, weil die Positivliste hat am Anfang etwa knappe 540 Substanzen waren drin in der Positivliste.

Die Liste A aus der Swiss Ordnance, also die Liste der Substanzen, die positiv bewertet worden sind, hat über 1000 Einträge. Also das ist gerade mal die Hälfte von dem, was in Deutschland im Moment geregelt wurde. Und die Aussage des Verbraucherschutzministeriums in Deutschland damals war, dass diese lange Übergangsfrist von fünf Jahren dazu genutzt werden soll, möglichst viele weitere Substanzen in die Positivliste einzubringen. Da passiert aber im Moment gar nichts.

Also wir haben weniger als zehn Substanzen, ich weiß nicht genau sechs, sieben, acht, die da im Moment, die jetzt diesen Zulassungsprozess durchlaufen haben. Wenn wir so weitermachen, dann kommen wir auf 15 oder 20 vielleicht bis 2026, aber bei weitem nicht auf irgendwas, was praxisrelevant ist. Also was da hinter den Kulissen, vielleicht hast du da den einen oder anderen Podcast-Teilnehmer, der da vielleicht mehr Insiderwissen hat. Aber ich verstehe im Moment nicht, was da so weiter passiert.

Also ich habe mir das gerade auch mal eben zwischendurch notiert, dass ich da noch mal weiterforsche. Aber ich habe auch ein bisschen das Gefühl, dass wir gerade eine Parallelentwicklung sehen durch diese Nachhaltigkeitsdebatte, die wir gleich auch noch ein bisschen vertiefen wollen. Druckfarben haben ja einen großen Einfluss auf die mechanische Recycling-Fähigkeit von Folien, von Verpackungen, von Kunststoffen, auch von Papier. Und diese Druckfarben werden gerade im großen Stile optimiert, um das Recycling zu verbessern, zu erleichtern, um vielleicht auch erst mal die optischen Eigenschaften signifikant zu verbessern.

Folien leiden unter Stippen, wenn viele Druckfarben drin sind, insbesondere wenn das zweikomponentige Systeme sind. Aber auch dieses Vergrauen des Regenerats. Man kann nicht mehr gute transparente Verpackung teilweise herstellen und man kriegt Druckprobleme dann wiederum auf diesen pickeligen Folien. Und bei Papier ist das De-Inking schon seit jeher ein Riesenthema und immer eigentlich noch nicht zufriedenstellend gelöst.

Man kriegt keine hochqualitativen Papiere. So einfach heute mehrhin, gerade nicht für den Direktkontakt mit Lebensmitteln, mit stark bedruckten Ausgangsmaterialien. Ist das vielleicht auch etwas, was dazu führt, dass man da im Moment so ein bisschen auf der Warteschleife ist, in Orientierungsphase? Wir sehen das ja auch im Energiemarkt ähnlich.

Ich glaube, es sind im Moment alle Märkte, die so ein bisschen umgewälzt werden. Und der Druckbereich gehört, glaube ich, im Moment massiv dazu. Nur Stichwort NC-Farbe weg, hin zu Polyurethan-Druckfarbe. Ein Riesenwechsel für die Drucker.

NC-Farben und regulatorische Zusammenhänge

Ja, genau. Also das mit der NC-Farbe hat tatsächlich ja damit zu tun, dass es mittlerweile einige Hinweise darauf gibt, dass die nitrozellulose-basierten Druckfarben während des Recycling-Prozesses irgendwelche Abbauschritte erfahren, die zu genetischen Veränderungen führen können. Das wird ja über diese AMES-Tests ermittelt, diese genetischen Gen-Schäden, genotoxischen Eigenschaften. Und da gibt es Hinweise darauf, dass das durch die nitrozellulose-basierten Druckfarben passiert.

Ich sehe das aber ehrlich gesagt nicht in Zusammenhang damit. Also sowohl die Schweizer Druckfarbenverordnung als auch die deutsche Druckfarbenverordnung zielen ja ausschließlich auf die Lebensmittelsicherheit ab. Grenzwerte für den Übergang, Aufnahme, ein Kilogramm pro Tag sein ganzes Leben lang. Und das muss dann sicher sein.

Das hat, diese ganze Debatte hat tatsächlich, also diese regulatorische Debatte, hat überhaupt nichts mit irgendeinem Nachhaltigkeitsaspekt zu tun. Wenn man vielleicht mal davon absieht, dass Verbraucherschutz letztendlich ja auch nachhaltig ist. Aber also diese Recycling-Fähigkeit, Einsatz von Rezyklaten, De-Inking, whatever, das hat alles nichts mit dem Lebensmittelrecht zu tun. Das wird jetzt tatsächlich im Rahmen der Novellierung der 1935/2004 der EU-Rahmenverordnung wird das erstmals diskutiert, ob tatsächlich in diese Gesetzgebung Anforderungen auch an die Nachhaltigkeit von Verpackungsmaterialien reinkommen sollen.

Das ist aber noch ein Stück des Weges, bis wir da überhaupt erst mal einen ersten Entwurf sehen. Also das wird von der EU-Kommission, wird das gerade im Moment intensiv diskutiert, das in diese Regularien mit einzubauen. Im Moment findet das aber nicht statt. Also das, was du angesprochen hast in Bezug auf Recycling.

Ja, das spielt eine Rolle, dass man natürlich versucht, die Verpackung so zu gestalten, dass die Rezyklate, die daraus gewonnen werden, wieder möglichst hochwertig sind. Andererseits muss man auch ehrlich sagen, ich glaube, wir kommen auch irgendwann auf das Thema Rezyklate noch mal separat. Die Anforderungen, die im Moment gerade an die Verwendung von Rezyklaten im Lebensmittelkontakt gestellt werden, sind so hoch, dass ich in absehbarer Zeit eh nicht damit rechne, dass wir außer PET irgendein Material im Lebensmittelbereich werden verwenden können. Sicherlich meinst du dann auch die PET-Flasche hauptsächlich.

Wenn ich an PET-Folien wiederum denke, sehe ich da ja gerade eine große Substitution durch OPP-Folien bei dünnen PET-Folien. Und bei den PET-Schalen weiß man noch nicht so richtig, wo die Reise hingeht. Aber da zeichnet sich auch so ein kleiner Trend Richtung Polypropylen ab. Also man will so ein bisschen die Polyolefine-Welt, oder?

Man will so ein bisschen in die Polyolefine-Welt, ja. Wobei ich es ehrlich gesagt im Bereich der Folien und der Schalen gar nicht so richtig verstehe, warum das so ist. Also so eine schöne PET-Schale für den Backofenbereich hat ganz hervorragende Eigenschaften. Wenn man sie nicht schwarz einfärbt, werden sie sogar auch ganz passabel erkannt durch die Infrarotdetektoren in der Sortieranlage.

Also diese schwarze Einfärben ist natürlich ein Problem, aber der ganze Rest verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Im Bereich der Folien ist es ein bisschen was anderes, weil zumindest nach meinem Kenntnisstand wird wenig mit reinen PET-Folien gearbeitet, sondern es sind immer Laminate. Und die Laminate sind natürlich nicht einfach zu rezyklieren. Also da kann ich es ein bisschen nachvollziehen, dass man da vor allem auf OPP wechselt.

Kunststoffverordnung und 16 Amendments Updates

Also habe ich so ein bisschen rausgehört, Baustelle für Packmittelhersteller aus Kunststoff ist sicherlich das Thema Drucken, Druckfarbe. Im Moment, was Regularien in Europa angeht, das hast du eben sehr schön erläutert. Gibt es da noch einen anderen Punkt, den du vielleicht erwähnen möchtest, wo die Packmittelhersteller im Moment aufpassen müssen, wo sie vielleicht einen Augenmerk drauf legen sollten, wo früher vielleicht nicht so der Dampf auf dem Kessel war, oder ist es eigentlich nur immer wieder diese regelmäßigen, turnusmäßigen Aktualisierungen, die es ja alle paar Jahre, kann man fast sagen, ja doch gibt im Kunststoffbereich? Ja, alle paar Jahre ist eigentlich ein bisschen übertrieben.

Wir haben jetzt gerade 16 Amendments und die Kunststoffverordnung ist 2011 erlassen worden. Also vor 13 Jahren. Wir haben so um und bei eine pro Jahr, sogar ein kleines bisschen mehr. Genau, jein.

Also klar, die Aufgaben, die Verantwortung, ich war ja jetzt neulich erst mit Johannes Bergmeier beim Wechselwirkungsseminar in Osnabrück, wo wir mit 15 Qualitätsmanagern im weitesten Sinne das wieder diskutiert haben, dass die Aufgaben eigentlich immer komplexer und immer vielfältiger werden, mit denen so ein Qualitätsmanager oder technischer Leiter oder wer auch immer die Verantwortung in den entsprechenden Unternehmen hat, werden immer komplexer. Und man hat irgendwie das Gefühl, es nimmt gar kein Ende. Also wenn man sich jetzt die Diskussion um PFAS anguckt, also eine sehr, sehr chemisch-technische Diskussion, die da auftritt, wo man dann einerseits irgendwie PFAS als eins betrachtet oder es mit einem Wort eine Substanzgruppe bezeichnet, die viele, viele Tausend Substanzen umfasst, die im Kunststoff und im Papierbereich und bei den Containern ganz unterschiedliche Anwendungen haben, ganz unterschiedliche Chemie dahinter, völlig unterschiedliche Verwendungszwecke. Warum werden sie im Bereich der Kunststofffolie oder im Bereich der Papiere eigentlich eingesetzt?

Aber alles wird über einen Kamm geschoren. Und das müssen irgendwie, müssen Qualitätsmanager damit umgehen. Also die müssen das ja auch irgendwie alles kapieren. Also da kommt dann wieder unsere Verantwortung, dass wir als, ich sag jetzt mal, Sachverständige, als die Wissenden, das Wissen so runterbrechen müssen, dass es auch jemand, der keine Chemie studiert hat, dann auch verstehen muss.

Und das in Verbindung mit allem, was wir schon diskutiert haben, Nachhaltigkeit, Recycling-Fähigkeit. Und dann ist ja gerade bei den Mittelständlern, haben die Qualitätsmanager dann ja oft auch noch Energie und Umwelt und was weiß ich was noch alles mit auf der Verantwortungsliste. Also ich möchte mit vielen, vielen unserer Kunden nicht tauschen. So sehe ich das auch.

PFAS, lass uns doch eben erläutern, das sind ja die sogenannten Ewigkeitschemikalien. Was ist das genau? Vielleicht kannst du noch 2, 3 Sätze dazu sagen, für die Leute, die es nicht so kennen. Ja, das sind Chemikalien, die, sag ich jetzt mal, sehr technisch ausgedrückt ein Kohlenstoffatom haben, das komplett fluoriert ist.

Also eine CF3, CF2-Gruppe enthält. Das sind fluorierte Chemikalien, die im Bereich der Papierverpackung sehr viel als Oberflächenbeschichtung eingesetzt werden, um Papiere fett-, wasser- und feuchtigkeitsresistent zu machen. Die im Bereich der Textilien, also sowohl Outdoor-Kleidungsstücke, aber auch sowas wie Wohntextilien, Teppichböden, Sofabezüge verwendet werden, um staubschmutz- und fettabweisende Wirkungen zu erzielen. Und dann gibt es, wie ich gerade schon gesagt habe, auch ganz andere Anwendungen, die aber unter die gleiche Substanzgruppe fallen.

Das sind dann fluorierte Polymere, sowas wie Teflon, die zum Beispiel im Bereich der Druckfarben eingesetzt werden, um den Druckfarben eine gute Platzfestigkeit zu verleihen. Dafür wird das gerne verwendet. Oder es gibt dann so Vinylidenfluorid-basierte Polymere, die dann im Bereich der Polyolefine verwendet werden. Dort werden sie als Polymerisationshilfsmittel verwendet, um die Verarbeitungseigenschaften im Extruder zu verbessern, damit sie smarter durch den Extruder durchgehen.

HDPE-Fluorierung für Barriere-Eigenschaften

Und last but not least gibt es dann HDPE-Verpackungen, wie zum Beispiel Containerflaschen, diese 5-Liter-Kanister, die man so kennt, diese weißen, die haben extrem schlechte Barriere-Eigenschaften. Das weiß in der Form deutlich besser als ich. Also das ist, was Sauerstoff- oder Wasserdampfbarriere, Aromabarriere betrifft, ist das eigentlich ein offenes Fenster. Da wandern innerhalb von wenigen Stunden viele Substanzen so durch.

Und um diese Barriere-Eigenschaften zu verbessern, kann man diese Container fluorieren. Wird einfach elementares Fluorgas in die Mitte reingegeben. Und dabei entstehen auch PFAS. Und das Problem der PFAS ist, dass die nicht wieder verschwinden?

Genau. Das sind, wie sie auch in der breiten Öffentlichkeit oder angefangen hat damit, das Bundesamt für Risikobewertung, dass sie sie als Ewigkeitschemikalien bezeichnet haben. Also die Polymere, ich weiß gar nicht, ob da überhaupt ein messbarer Abbau beobachtet wird. Bei den kleineren Molekülen, so was wie PFOA oder PFOS, das hat vielleicht der eine oder andere schon mal gehört, schätzt man im Moment, das ist schwer, so was zu messen.

Aber man schätzt im Moment, dass die Halbwertszeit in der Umwelt bei etwa 400 bis 500 Jahren liegt. Also dann ist die Hälfte davon erst abgebaut worden. Also irre. Ja, das ist auch der Hauptgrund eigentlich, weshalb die EU im Moment diese Substanzen regulieren möchte.

Also es gibt schon auch Hinweise darauf, dass die toxikologisch nicht so ganz ohne sind. Aber die Toxikologie steht dabei eigentlich nicht im Vordergrund. Jetzt haben wir eine schöne Vorbereitung eigentlich schon gemacht, ungewollt oder doch gewollt. Auf das Thema Recycling würde ich gerne noch mal zurückkommen.

All diese Risiken, die wir schon bei frisch produzierten Materialien, wo man weiß, was man reingetan hat, wo man weiß, wie man sie verarbeitet hat, besprochen haben. Wenn man jetzt über das Thema Rezyklate nachdenkt, PP ist so ein Megatrend im Folienbereich, für den unsere Hörerschaft ja hauptsächlich sich informieren möchte. Wie siehst du da die Entwicklung der nächsten vielleicht fünf Jahre hinsichtlich Rezyklate, du hast es eben schon im Nebensatz angedeutet, für Lebensmittelverpackungen, Direktkontakt, siehst du das eigentlich kritisch, oder? Ja, das sehe ich tatsächlich kritisch.

Das hat damit zu tun, das hat zwei Gründe. Das eine sind die Eigenschaften von Polyolefinen, PE und PP. Ein bisschen überspitzt könnte man sagen, so ein Polyolefin ist wie ein Schwamm gegenüber allen möglichen Arten von Chemikalien. Also Bestandteile aus Druckfarben, Bestandteile aus Klebstoffen, aber auch zum Beispiel Bestandteile aus dem Füllgut.

So einer der bekanntesten Problemstoffe, sag ich mal, wenn wir über Rezyklate reden, da reden wir ja oft auch über Kosmetikverpackungen, ist Limonän. Limonän ist so ein angenehm riechender Duftstoff, der so ein bisschen an Zitrusfrüchte erinnert. Und dieses Limonän findet man eigentlich in allen Rezyklaten, weil das supergut in diese HDPE-Shampooflaschen reinmigriert. Das wird aufgesaugt wie ein Schwamm.

Substanzverhalten in verschiedenen Kunststofftypen

Und wenn die da einmal drin sind, dann bekommt man die zumindest nicht vollständig wieder raus. Das ist das große Problem. Das ist ja auch der riesige Unterschied zu PET. PET ist nicht ganz wie Glas, aber was diese Schwammwirkung betrifft, ist PET ganz nah am Glas dran.

Und Polyethylen, Polypropylen sind auf der ganz anderen Seite. Also die Substanzen gehen in so eine PET-Flasche, in so eine PET-Wand einfach nicht rein. Und wenn sie da einmal drin sind, gehen sie auch ganz, ganz, ganz schwer wieder raus. Also das sind so zwei Effekte, dass die weder schnell aufgenommen werden, noch schnell abgegeben werden.

Deswegen funktioniert PET so gut. Und das ist das Problem bei den Polyolefinen. Dass wenn sie sie dann einmal aufgenommen haben, dass die da sehr, sehr gerne drin bleiben und man sie immer nur so bedingt gut wieder rausbekommt. Das ist der eine Grund.

Genau. Das ist der eine Grund. Der andere Grund ist, dass die EU, wenn wir mal so ein bisschen den Blick auf die andere Seite des Atlantiks werfen, in den USA gibt es ja Polyolefin-Verfahren, die zugelassen sind. Und was die EU nämlich tut im Gegensatz zu den USA, ist, dass wir hier in der EU zwei Standard-Annahmen haben, die im Prinzip eigentlich den Einsatz im Moment unmöglich machen.

Das eine ist, dass alle Arten von Lebensmitteln, die wir verpacken, konsumieren wir ein Kilogramm pro Tag Zeit unseres Lebens. Egal ob das Senf oder Tabasco oder Mayonnaise oder whatever ist. Also alles ein Kilogramm jeden Tag Zeit unseres Lebens. Und das andere, der andere, ich will nicht sagen Denkfehler, aber die andere Barriere, warum wir diese Probleme haben, ist, dass wenn wir ein Polyethylen oder ein Polypropylen bewerten, dass wir dann annehmen, dass dieses Lebensmittel zu 100 % in dieses Polyethylen oder Polypropylen verpackt wird.

Die Amerikaner machen das anders. Die sagen, ein bestimmtes Lebensmittel, ich sage jetzt mal Erfrischungsgetränke, Erfrischungsgetränke werden zu, diese Zahl ist jetzt nicht valide, einfach mal so random, wie man so schön sagt heutzutage. Die Erfrischungsgetränke werden zu 60 % in PET-Flaschen verpackt und zu 30 % in Glasflaschen und zu 10 % in PE und PP. Also wie gesagt, die Zahlen stimmen so nicht, ich habe die nicht im Kopf.

Aber es gibt dort einen Gewichtungsfaktor, dass bestimmte Gruppen von Lebensmitteln, bestimmte Arten von Lebensmitteln, vor allem in PP, vor allem in PET oder in Glas verpackt werden. Wenn wir bei diesem zufälligen Beispiel gerade bleiben würden, Erfrischungsgetränke 10 % in Polyolefinen, erlaubt das, dass alle Migration oder alle Kontamination ein Faktor 10 höher sein darf, weil wir nur ein Zehntel der Lebensmittel darin abpacken. Und der zweite Faktor, den die Amerikaner in ihrem System mit berücksichtigen, ist ein Consumption-Faktor. Sie sagen einfach, bestimmte Lebensmittel werden nicht ein Kilogramm pro Tag konsumiert, sondern man isst eben 7 Gramm Senf pro Tag statt einem Kilogramm.

Und das erlaubt dann eben, wenn man das beides miteinander kombiniert, erlaubt es, dass bestimmte Verfahren, die immer noch eine sehr hohe Reinigungseffizienz aufweisen müssen, die spezielle Sammelsysteme haben müssen. Also bei den Amerikanern heißt es tatsächlich, ist eine Grundvoraussetzung, dass ein Rezyklat, das wieder für Lebensmittelverpackungen eingesetzt wird, muss ausschließlich – es gibt auch nicht mal die 5-Prozent-Begrenzung wie in Europa – muss ausschließlich aus Food-Contact-Kunststoffen bestehen. Also da sind sie schon auch relativ stringent. Also es ist nicht so, dass das luschiger ist in den USA.

Matrix-Projekt und Polyolefin-Verpackungen

Aber diese anderen, diese grundsätzlich verschiedenen Grundannahmen, die erlauben das eben, dass es auch Polyolefin-Verfahren in den USA gibt. Ist es nicht sogar so, dass man eigentlich gar kein Lebensmittel ein Kilogramm pro Tag aufnehmen sollte, außer Wasser? Ja, tatsächlich ist das so. Und wenn man mal guckt, es gibt ja tatsächlich auch in Europa, gibt es diese Daten.

Das eine große Projekt, was ja auch von der EU mit viel, viel Geld gesponsert worden ist, war ja damals das Matrix-Projekt. Das ist leider in der Praxis nie so richtig zum Leben gekommen. Und ich befürchte auch, mittlerweile sind die Daten so veraltet, dass das auch nicht mehr passieren wird. Aber es gibt zum Beispiel ja in Deutschland vom Max-Rubner-Institut diese Nationale Verzehrsstudie, wo man mal gucken kann, von welchen Lebensmitteln Obst und Gemüse unzubereitet oder gekocht und gegart oder Fleisch und Wurstprodukte.

Wie viel verzehrt man denn eigentlich so pro Tag? Und tatsächlich sind es ausschließlich die nicht alkoholischen Getränke, wo der Verzehr ein Kilogramm pro Tag erreicht oder überschreitet. Alles andere liegt bei signifikant sogar unter 500 Gramm. Ja, genau, das wäre auch meine Einschätzung.

So, wir dürfen nicht mit einem Eurofins-Experten sprechen, ohne über Analytik zu sprechen. Was gibt es da Neues? Die Analytik schreitet ja auch voran, das wissen wir beide. Es werden die Nachweisgrenzen nach unten geschraubt.

Teilweise findet es Einzug auch in Regularien. Siehst du da im Moment am Horizont was? Ich habe hier so ein Beispiel, PFAS war mal so ein Fall. Da hat sich einer draufgesetzt und hat das bis zum Erbrechen analysiert und hat festgestellt, Mensch, das ist ja überall drin und das muss raus.

Und so eine Prüfung oder so als Schadstoff des Monats bezeichnen wir beiden das manchmal scherzhaft. Das ist dann so ein Ding, was so hochkocht. Ein einzelner Rohstoff, der vielleicht plötzlich kritisch eingestuft wird und da stürzen sich dann alle drauf. Gibt es da gerade wieder sowas?

Was gibt es da analytisch, analytikfront? Oh, da gibt es tatsächlich sogar einige Baustellen, wenn man ehrlich ist. Also MOAH/MOSH ist tatsächlich im Moment auch wieder ein etwas heißeres Eisen, was wiederum mit nationalen Einzelgängen zu tun hat. Nämlich die Franzosen haben ein Gesetz erlassen, dass die die Verwendung von mineralölhaltigen Druckfarben grundsätzlich verbietet.

Also gar nicht bezogen auf die Lebensmittel, den Lebensmittelbereich, sondern das ist ein Gesetz, das aus dem Umweltministerium stammt. Die möchten also quasi perspektivisch MOAH und MOSH aus dem Recyclingstrom ausschleusen, indem sie mineralölhaltige Druckfarben in sämtlichen Druckfarben verbieten. Und da haben wir im Moment gerade eine Übergangsfrist noch bis Ende diesen Jahres ist der MOAH-Gehalt auf ein Prozent limitiert. Das ist überschaubar.

MOA-Grenzwert ab 2025 auf 1 ppm

Da braucht man auch keine hochkomplexe Analytik. Aber ab dem 1.1.2025 wird der Grenzwert für MOSH auf ein ppm runtergedrückt werden und damit, also ppm, für die nicht so vertrauten Zuhörer, ist Milligramm pro Kilogramm. Also ein Milligramm pro Kilogramm MOSH wird der Grenzwert sein. Und das bekommt man mit den momentanen Standardanalytiken nicht hin.

Keine Chance. Und da hat sich jetzt gerade eine neue Technik etabliert, die so, ich sag mal, auf dem Sprung aus dem reinen Forschungs- und Entwicklungsstadium in die Routine-Analytik ist. Das ist die zweidimensional gekoppelte GC×GC-Analytik, womit man jetzt in der Lage ist, die MOAHs, also die aromatischen Kohlenwasserstoffe in einer Druckfarbe nach der Anzahl der Kohlenstoffringe zu trennen. Das ist nämlich noch die nächste Herausforderung in Frankreich, dass die Franzosen unterscheiden zwischen aromatischen Substanzen mit einem, zwei, drei und mehr aromatischen Ringen, weil es nämlich toxikologisch mittlerweile ziemlich eindeutig ist, dass die kleinen Aromaten, also mit ein und zwei Ringen, weniger toxikologisch relevant sind als die mit drei und mehr.

Deswegen gilt dieser Grenzwert von einem ppm nur für drei und mehr. Dazu muss man aber in der Lage sein, die MOAH nach ein, zwei und drei und mehr Ringen zu trennen. Und dazu braucht man diese GC×GC-Kopplung. Das ist im Moment so eine Methode, die, wie gesagt, auf dem Sprung von der Entwicklung in die Routine ist.

Was tatsächlich auch eine sehr spannende Entwicklung ist, das wird noch ein bisschen dauern. Da sind wir tatsächlich im Moment noch in der Entwicklungsphase, in der Forschungsphase. Das ist von der ILSI, der International Life Science Institute, schon 2016 hat es einen Leitfaden gegeben für die Beurteilung und Bewertung von NIAS aus Verpackungsmaterialien. Was sind NIAS?

Ah, Entschuldigung. NIAS – Non Intentionally Added Substances. Das sind Chemikalien, die niemand absichtlich in ein Verpackungsmaterial hinzugegeben hat, die aber trotzdem da sind, weil sie zum Beispiel Verunreinigungen aus der Herstellung sind, weil es Kontaminationen sind. Man schleppt sich irgendwo eine Kontamination im Herstellungsprozess ein.

Oder wenn du an Additive denkst, so Stabilisatoren, Antioxidantien, die fangen Licht, die fangen Wärmestress, die fangen Druck im Extruder ab, werden selber dabei abgebaut und schützen somit das Verpackungsmaterial, vor allem im Polyolefin-Bereich. Gibt es eigentlich praktisch keine Kunststoffe, die keine Stabilisatoren haben, weil das Polyolefin selber nicht stabil, nicht inert genug ist. Und diese NIAS, das ist eine große Herausforderung für die Verpackungshersteller. Diese NIAS einerseits zu messen und andererseits auch zu bewerten.

Und einer der ganz großen Lücken, wenn man ehrlich ist, seit wir NIAS messen, ist, dass wir mit einer Bestimmungsgrenze von 10 Mikrogramm pro Kilogramm messen – diese sogenannten 10-PPB-Screenings –, dass wir aber wissen, dass die krebserregenden Substanzen, die auch in einem Verpackungsmaterial drin sein können, gerade bei Rezyklaten, dass die da eine Bestimmungsgrenze von 10 PPB einfach gar nicht ausreicht, weil die schon in Konzentrationen, die viel, viel niedriger sind, auch ein Sicherheitsrisiko für den Verbraucher darstellen können. Und dieser Gap zwischen den toxikologisch relevanten Mengen und diesen 10-PPB-Screenings, der ist einfach nicht gelöst. Man weiß nicht, wie man damit umgehen soll.

Und da gibt es schon seit ein paar Jahren, vor allem vorangetrieben durch das FI in Wien, das österreichische Forschungsinstitut, und auch der Fachhochschule in Wien, zusammen mit auch großen Markenartikeln wie Nestlé oder Danone, gibt es Bestrebungen, sogenannte Bioassays zu benutzen. Also Testsysteme, in denen Zellkulturen einer Migration ausgesetzt werden, und man dann beobachtet, was passiert eigentlich.

AIMS-Test und Hormonwirksamkeitsprüfung

Also zeigt die Testkultur einen Effekt. Und das hat man sehr, sehr erfolgreich vor einigen Jahren für die Hormonwirksam-Substanzen gemacht. Diese sogenannten Endokrin-Disruptoren, da funktioniert das ganz, ganz hervorragend. Und das versucht man jetzt auch seit ein paar Jahren mit sogenannten AIMS-Tests für die krebserregenden Eigenschaften abzudecken.

Und da würde ich sagen, dieser AIMS-Test, das ist was ich meine, mein Blick in die Glaskugel sagt mir, in fünf Jahren sind wir da, dass dieser AIMS-Test auch tatsächlich in der Routine verwendet wird. Da sind wir aber im Moment in der Entwicklung. Also zu sehen, ist eine Migrationslösung, macht das, was aus einer Verpackung rauskommt, kann das Krebs auslösen? Kann das meine Gene irgendwie verändern?

Das wird genau darum geht es. Das kann man mit klassischen analytischen Methoden, kann man das eigentlich nicht messen. Mit so einem biologischen Testsystem könnte man, das wäre eigentlich prädestiniert dafür, das zu tun. Aber um da die entsprechende Empfindlichkeit zu erreichen, dafür wird noch Forschungsarbeit notwendig sein.

Da ist übrigens auch ganz nebenbei, um die Kurve vielleicht zuvor zu den NC-basierten Druckfarben wieder zu kriegen. Das ist nämlich genau auch eine der, ich sag mal, der Nebeneffekte oder der Erkenntnisse, die aus dieser Forschung quasi gewonnen worden sind, dass man gesehen hat, Polyolefine, es gibt Polyolefine, die gehäuft diese krebserregenden Eigenschaften aufweisen im Ames-Test, die also einen Positivbefund zeigen. Und als man dann sich die Rohstoffe angeguckt hat, als man weitere analytische Methoden verwendet hat, dann hat sich irgendwann rauskristallisiert, da gibt es einen Zusammenhang zwischen NC-basierten Druckfarben und diesen positiven Ergebnissen im Ames-Test. Also das war im Prinzip, ist das genau dahergekommen.

Also da passiert auch ganz viel spannende Forschung im Moment. Also einerseits ist da Wien so eine Hochburg und dann natürlich auch München mit dem Fraunhofer-Institut in Freising. Die machen da ganz, ganz spannende Forschung im Moment. Aber das ist eher so was vielleicht in fünf, vielleicht dauert es auch noch zehn Jahre, wo aber sicherlich was passieren wird.

Aber wir sehen auch da schon eine Nachfrage hinsichtlich des Wissensdurstes. Im Moment mehr so bei der Polymer-Herstellerseite haben wir doch immer wieder Anfragen auch für Webseminare. Da machen wir übrigens demnächst auch was mit dem OFI. Nur das kleine Spoiler hier nochmal in der Mitte.

Und das zeigt jetzt eigentlich sehr schön, Andreas, wie auch die Analytik Kreislauffähigkeit unterstützen kann und muss. Auch die MOAH-Diskussion. Das MOAH kommt ja durch die Kreislaufwirtschaft der Papierindustrie zu uns in die Lebensmittel. Das ist eine Nebenwirkung, die wir beherrschen müssen.

Und so ähnliche Nebenwirkungen erwarten ja die Experten auch für alle anderen Recycling-Prozesse. Auch beim PET gibt es solche Nebeneffekte, die man unter Kontrolle bringen muss, das Aufreinigen der Flakes und so weiter. Also da tut sich eine ganze Menge. Abschließende Frage, Andreas.

Persönlicher Verpackungsumgang und Nachhaltigkeit

Wir haben einen tollen Podcast, glaube ich, produziert hier. Gibt es eine Verpackung, wo du sagst, die hat ein so großes Risiko, die kaufe ich nicht? Ja, das gibt es tatsächlich. Also das ist ja die Frage, die wahrscheinlich viele von uns immer wieder gestellt bekommen.

Du kennst dich ja so gut mit Verpackungen aus. Wie beeinflusst dich das eigentlich privat? Und was ich nicht ganz abgestellt habe, weil das ist dann doch ein bisschen schwierig, aber Pizza to go ist tatsächlich so was, wo ich das versuche, ich zu vermeiden. Ganz schaffe ich das nicht, aber ich versuche das sehr zu reduzieren.

Also so was wie Pizza zum Mitnehmen im Karton nach Hause nehmen. Da hat man dann teilweise ist der Boden fettdurchtränkt. Aber auf jeden Fall hat man oben Käse drauf. Gerade was ich sehr liebe, ist Pizza Gorgonzola.

Da schwimmt richtig das Fett drauf. Und dann hat man, hat man da einen Recycling-Karton mit Moshmua, mit Talaten, mit Fotoinitiator-Resten bis Phenol A, whatever. Also das ist da alles drin. Und das geht auch über.

Das migriert wirklich. Und ich bin immer wieder verblüfft, warum die Untersuchungsämter sich da nicht mal drauf stürzen. Und so einen Recycling-Karton von was ich Domino oder Joey’s Pizza Service oder wem auch immer – sich da nicht einfach mal eine Pizza organisieren und die Pizza mal extrahieren und mal gucken, was man denn da so für einen Chemikalien-Cocktail findet. Es wäre wahrscheinlich frappierend, aber na ja.

Und das zweite, was ich tatsächlich eigentlich nicht mehr kaufe, nicht nur aus kulinarischen, sondern auch aus migrationstechnischen Gründen ist Pesto in Gläsern. Also da hat man diese Weichmacher-Thematik, die Schraubdeckel oben, da sind Dichtungsmassen drin, die gut. Es gibt relativ moderne Systeme, die jetzt auf geschäumten Polyolefinen bestehen. Das sind diese, die man häufig auch sieht, diese blauen Deckel.

Das ist – ich weiß gar nicht, ob das Blau eigentlich eine Färbung ist oder ob das aus der Dichtungsmasse selber eigentlich resultiert. Das weiß ich jetzt gar nicht so genau. Das sind diese Blue Caps, das ist ja ein Patent von Pano. Die haben die Weichmacher nicht mehr drin, aber die sind eben im Preis doch eine ordentliche Nummer teurer als die üblichen PVC-Materialien.

Und da hat man 30, 35 Prozent Weichmacher drin und die migrieren fröhlich in fettige Lebensmittel hinein. Also wenn man da Schokocreme oder Marmelade oder Honig drin hat, ist das alles unproblematisch. Aber wenn da ein fettiges Füllgut wie Pesto drin ist, dann migrieren die wirklich in richtig großen Mengen. Und das konsumiere ich tatsächlich auch eigentlich nicht mehr.

Deckelgewicht und Ökobilanz-Auswirkungen

Ja, das passt. Und vielleicht als Schlusswort noch mal als kleine Anekdote aus dem letzten Inno-Meeting zu Benedict Coward Statement: Kauft keine Einweg-Weite-Halsgläser. Das Glas ist klasse, aber der Deckel ist nicht so gut für die Umwelt.

Der Deckel macht die Ökobilanz kaputt, macht es nicht nachhaltig und eben auch noch lebensmittelrechtlich bedenklich. Also Glas kann gut sein, muss aber auch gut gemacht werden. Und so gilt es für alle Packmittel, glaube ich, Andreas. Danke für diesen tollen Podcast.

Es war richtig schön, dir zuzuhören. Danke für die Insights, die du uns geteilt hast. Und ich freue mich schon wieder auf die nächsten Veranstaltungen mit dir. Danke dir.

Einen guten Tag dir. Tschüss, Karsten. Und das war es schon wieder für heute. Ich hoffe, es war etwas Interessantes für Sie dabei.

Und wenn auch Sie einmal Teil dieser Initiative für mehr Flexpack wissen werden möchten, melden Sie sich gerne bei mir unter ks@innoform.eu und nicht vergessen, diesen Podcast zu abonnieren, wo immer Sie Podcasts hören. Tschüss, bis zum nächsten Mal. Ihr Karsten Schröder.

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