Inno-Meeting – Live-Podcast

Flexpack’s Zukunft und Recycling

Moderator: Karsten Schröder

Gäste: Ansgar Schonlau, Johann Löning und Benedikt Kauertz

Wettbewerbsfähigkeit von PP-Regeneraten: Ansgar Schonlau eröffnet die Diskussion mit Einblicken in die Herausforderungen und Strategien, um Polypropylen (PP) Regenerate wettbewerbsfähiger zu machen. Die Unterscheidung zwischen Rigid- und Flexible-Anwendungen wird als Schlüssel zur Steigerung der Attraktivität von PP-Recyclaten hervorgehoben.

Technologische und ökonomische Hürden: Die Diskussion beleuchtet die technischen Schwierigkeiten beim Recycling von Polypropylen und anderen Kunststoffen, einschließlich der Probleme, die sich aus der Vielfalt der Materialien und Additive ergeben. Die Wichtigkeit von Innovationen in Sortier- und Recyclingtechnologien wird betont, um eine effiziente Trennung und Wiederverwertung zu ermöglichen.

Markttrends und Verbraucherakzeptanz: Die Rolle der Verbrauchernachfrage nach nachhaltigen Verpackungslösungen und die Notwendigkeit, Bildungsarbeit zu leisten, um die Akzeptanz von recycelten Materialien zu erhöhen, werden diskutiert. Die Experten weisen auf die Bedeutung hin, Transparenz über den gesamten Lebenszyklus von Verpackungen zu schaffen und die Öffentlichkeit über die Vorteile und Herausforderungen des Recyclings aufzuklären.

Zukunftsausblick und Innovationen: Die Gäste teilen ihre Visionen für die Zukunft der flexiblen Verpackungsindustrie, einschließlich der Entwicklung neuer Materialien, die sowohl leistungsfähig als auch vollständig recycelbar sind. Die Diskussion umfasst auch innovative Ansätze für geschlossene Kreislaufsysteme und die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit innerhalb der Branche und mit Regulierungsbehörden.

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Transkript

Ich fange an gerne mit dem Ansgar-Schönlau, wie werden PP-Regenerate wettbewerbsfähig? Wie werden PP-Regenerate wettbewerbsfähig? Was ist deine Prognose? Wie schafft man das? Ja, muss man glaube ich unterscheiden zwischen Rigid-Applikationen und flexiblen Verpackungen. Bei Rigid ist das ja heute schon ein ziemlich einträgliches oder erträgliches Geschäft für die Sortierer und Recycler.

In unserem Bereich, genau was ich heute Morgen schon gesagt habe, gibt es die ersten Sortieranlagen, die jetzt PP aus diesem PO-Flexstrom ziehen und dadurch dann eben eine separate Fraktion bilden. Diese Materialien kann man umwandeln in Rigid-Applikationen und geplant ist, dass sie dann eben genau dieselben Beträge einbringen wie das Rigid heute.

Rigid-PP insgesamt hat ein Problem, weil viele natürlich versuchen jetzt im Zuge von Plastikeinsparungen von Rigid ein bisschen wegzugehen, vielleicht auch stärker in Richtung PP-Flexibles. Von daher sind die Verwender von PP-Rezyklaten heute in einer blöden Situation, die würden eigentlich gerne mehr Rezyklat einsetzen. De facto kriegen sie aber weniger Grundlage aus dem Rigid-Bereich.

Und wenn die Automobilindustrie, die haben ja in Brüssel demnächst auch möglicherweise oder aus Brüssel eine 25%ige Rezyklateinsatzquote zu verkraften, die setzen in der Hauptsache Polypropylen ein. Und ja, ich glaube dann wird es für diejenigen, die als Rezyklat anbieten, eigentlich ein ziemlich anträgliches Geschäft. Wir haben vor 25 Jahren auch mal versucht, Polypropylen über eine Blasfolienmaschine zu quälen. Ich sage es wie es ist. Wir haben es hingekriegt.

Aber es war kein Vergnügen und was daraus kam, war eigentlich nicht zu gebrauchen. Da hat sich natürlich wahnsinnig viel beim Polypropylen auch getan. Wenn wir über Folienapplikationen reden, und das spreche ich glaube ich auch für die Extrudeure, dann ist es ja so, dass die Polypropylene speziell auch für Blasfolie zum Beispiel angepasst werden müssen. Bimodale Modelle, ich will da jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber all das sind ja Dinge, die könnt ihr ja mit Polypropylen-Regenerat gar nicht bringen.

Das heißt, wenn ihr Polypropylen regeneriert, ich sage mal ihr, dann hat man nachher einen Klumpatsch aus allem. Da sind alle Polypropylene drin. Wie realistisch ist das, dass man da wirklich so ein Schwergutsack draus macht? Ihr habt es bewiesen, dass es geht. Aber geht das immer und auch wirklich wirtschaftlich? Wie ist die Einschätzung? Nicht alles, was technologisch geht, macht denn kaufmännisch auch Sinn.

Und das ist glaube ich immer die Frage, die man bei allen Materialien, egal was man jetzt einsetzt, stellen muss. Wir haben auch Versuche gefahren mit Materialien aus geblasenen PPs, also wo eine Verpackung produziert werden sollte, tun wir uns schon relativ schwer damit. Das heißt, ich glaube, das ist ja auch eins der Hauptthemen für unsere Verpackungsindustrie. Wir sind halt eine Industrie, die in der Hauptsache über Blasfolien-Extrusion kommt.

Der jetzt zu sagen, okay, ab morgen macht ihr am besten Cast-PP, das ist schon ein ordentlicher Weg, weiß ich auch. Deswegen glaube ich auch, dass die Veränderung wird genauso sein wie in der Automobilindustrie, die von Benzin irgendwann auf Elektro sollten. Das ist ein Riesending für unsere Industrie, das verstehe ich auch, dass diejenigen, die eben heute anders ausgerichtet sind, ein Problem damit haben.

Recyclingfähigkeit als Pflicht ab 2030

Wenn es aber so kommt, ist meine Devise und ich weiß, dass ich ab 2030 sowieso recyclenfähig sein muss, dann fange ich lieber heute an und versuche den Zeitraum zu strecken, als dass ich irgendwann 2028, 2029 dastehe und dann mache ich es mit einem Gewaltakt. Das wird für Mittelständler schwerer als für einen großen Konzern, glaube ich. Aber wenn dann mal eine Katzenfutterverpackung dann in dem Cayenne zum Armaturenbrett geworden ist, ist es ja auch vielleicht nicht schlecht.

Das ist ja glaube ich, so habe ich es richtig verstanden, der Weg, den ihr auch beschreiten wollt, oder? Ganz genau. Das ist der effizienteste Weg, der sich im Moment anbietet. Es gibt ja diverse Ansätze, auch Rezyklate wieder lebensmittelfähig zu machen. Den wollen wir uns überhaupt nicht verwehren, sondern wir sagen, wir müssen jetzt mal einen Schritt nach dem anderen machen, um überhaupt in die Gänge zu kommen.

Die NGO versuchen weiterhin natürlich ihr Plastikbashing an den Mann zu bringen, damit kriegt man auch neue Mitglieder und deswegen glaube ich, sind wir gut beraten, wenn wir jetzt einfach mal Aktionen machen. Wir haben möglicherweise nicht für alles eine 100%-Lösung, aber lieber mal loslegen und 80–90% hinbekommen haben und die 10% dann lösen, wenn wir die 80% umgesetzt haben. Das ist die Devise. Benedikt, ich will dich mal eben reinholen. Wie ist deine Meinung zum Polypropylen?

Hast du dazu eine pauschale Meinung, die du mit uns teilen kannst? Pauschale Meinungen habe ich natürlich immer viel. Ob ich die mit euch teilen möchte, weiß ich noch nicht so ganz. Ich bin immer so ein bisschen, also auf der einen Seite, ich finde den Ansatz ja prinzipiell gut. Ich finde es erstmal gut, dass man es überhaupt recyclenfähig gestaltet. Ich finde es gut, dass man sich darüber unterhält, welche Märkte habe ich denn tatsächlich für mein PP-Rezyklate am Ende des Tages stehen.

Aber ich finde, wir müssten schon auch irgendwann dieses Thema Kreislauffähigkeit, zumindest in irgendwelchen Bewertungsmodellen, Zertifikatsmodellen oder finanziellen Bemessungsmodellen mit berücksichtigen. Denn ist die Katzenfutterverpackung erstmal im Armatur- und Brett eingebaut, dann ist sie auch für immer da drin. Ich meine, dieser Porsche, der fährt im Maximalfall 250.000 Kilometer, davon vielleicht 100.000 Kilometer auf unseren Straßen, dann nochmal 150.000 Kilometer woanders.

Ob der tatsächlich nochmal ein Recycling erfährt und dass ich das PP da am Ende des Tages raushole und wieder ein Armatur- und Brettträger draus habe, das stelle ich jetzt mal in Zweifel. Und ihr seht es schon, die Materialbindungsdauer ist in so einem Automobilsektor viel höher, als wenn ich das wieder in eine Verpackung bringen könnte. Und in dem Moment ist das ja so ein bisschen wie die Badewanne, die überläuft. Also wenn da die Schüttung genauso hoch ist wie das, was nachkommt, dann komme ich nie zum Überlaufen.

Aber ich muss deshalb gucken, dass ich die Löcher ein bisschen stopfen kann, dass ich dann einfach weniger Material in den ganzen Loop nachschieben muss. Und ich finde, da müssen wir tatsächlich dran arbeiten. Aber mir ist natürlich auch völlig klar, das geht nicht auf Knopfdruck. Wir vergleichen das immer so ein bisschen mit der Ökostromdebatte, als es vor 20 Jahren losging. Da war man froh, dass man ein paar norwegische Wasserkraftzertifikate stilllegen konnte.

Heute ist der Goldstandard, dass ich mir eben entweder eine Eigenstromanlage aufbaue oder mal bei den Elektrizitätswerken schöner und nicht EEG-finanzierten Strom einkaufe. Solche Sachen, das macht man heute, aber das hat sich ja auch aus dem Zertifikatehandel entwickelt. Ich finde, das ist ein guter Ansatz, um dieses Thema zu positionieren, aber wir dürfen dabei nicht stehen bleiben.

Kreislauflösungen statt Einzelmaßnahmen

Sondern wir müssen gucken, dass wir wirklich an Kreislauflösungen kommen und da müssen wir einfach schauen, ist PP das richtige Material und für welche Anwendungen ist PP das richtige Material, um in die Kreislauflösung zu gehen. Schöner, Sie haben eben so gemacht und so gemacht. Jetzt kommentieren Sie gerne, ich will das auch gar nicht immer nur moderieren. Sie können einfach reingehen in das Gespräch und los geht’s. Ich gehe mal hier auch ein bisschen zu Herrn Löhning, weil der hat kein Mikrofon, der nimmt dann meins.

Ich glaube, es ist uns streitig, dass wir einen Weg vor uns haben und wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen. Aber das Ausgangsprodukt muss wieder über Rezyklat erzeugt werden. Schlage ich einfach vor, erzählen Sie das den Papierleutnern an dem Tag, an dem die es gelöst haben, werden wir es auch gelöst haben. Die haben natürlich schon das Problem, dass sie viel indizipative Produkte absteuern, Klopapier, das will ich auch nicht rezyklen. Aber wollen Sie ernsthaft ohne Klopapier leben?

Also es ist ja kein schlechter Ansatz. Ja, aber es ist ja tatsächlich so, wir haben ja zum Beispiel, ich kann die Einweghandtücher unten nicht recyceln, also die es auf den Toiletten gibt, mittlerweile gibt es da auch Recycling-Systeme. Also natürlich, klar, wir müssen auch gucken, was macht die Papierindustrie, aber wir dürfen uns darauf auch nicht ausruhen.

Also ich bin ja völlig dabei und bin auch nicht der Meinung, dass das alles close-loop laufen muss, aber wir müssen einfach so ein bisschen die Recyclingfähigkeit im Blick halten. Also der Papierkreislauf, die Papierkaskade ist maximal siebenstufig, in der Praxis tendenziell dreistufig, aber sie haben wenigstens drei Anwendungszyklen drin. Das haben wir beim PP in dem Moment, wo ich es tatsächlich nicht in ein System reinbringe, wo ich wenig Recycling-Aussichten habe, nicht.

Das ist kein singuläres PP-Problem, wir haben das beim PET viel schlimmer, weil PET könnte ich tatsächlich lebensmittelecht kreislaufmäßig fahren und mehr als die Hälfte des Bläschenkreislaufs verjuckt sich in irgendwelchen Anwendungen, die im Leben niemals auch nur eine Form der Entsorgung finden. Also deshalb kein exklusives PP-Problem, deshalb bitte auch an der Stelle überhaupt nicht so verstehen, sondern einfach, dass wir das in den Kopf reinbekommen.

Es ist gut, Recycling-Fähigkeit zu haben und es wäre theoretisch auch gut, Rezyklate einzusetzen. Wir müssen einfach dieses Thema Wiederrecycling-Fähigkeit beim Rezyklateinsatz auch tatsächlich noch mit berücksichtigen und es könnte ja natürlich auch eine super Lösung sein, dass es ein Rücknahmesystem für einen gebrauchten Porsche gibt und wenn das Ding 250.000 Kilometer hinter sich hat, dann kauft Porsche den zurück, baut den auseinander und bringt die Dinge so ins Recycling, wie es sein soll.

Das wäre ja tatsächlich auch ein Ansatz, dann könnte man den Porsche auch Cradle to Cradle zertifizieren lassen, aber das ist nicht meine Baustelle. Aber das Rücknahmesystem war das Stichwort, weswegen ich jetzt Herrn Löhning gerne mit reinnehmen will. Herr Löhning wird ja morgen ein Konzept mit Herrn Beinert vorstellen, das Mehrwegsystem für flexible Verpackung oder mit flexiblen Verpackungen. Wir haben eine Hülse, die ist auch aus Polypropylen, Herr Löhning.

Wir haben eine Hülse, die ist auch aus Polypropylen und wir werden auch potenzieller Abnehmer Ihres rPP. Wir führen die Verpackung zu 100 Prozent im eigenen Kreislauf, also nicht im externen Kreislauf, im kontrollierten internen Kreislauf. Wieso traut sich der Löhning das hier zu sagen? Der kennt sich aus mit Rücknahmesystemen. Der hat nämlich Rücknahmeautomaten in den Markt gebracht und diese ganze Befandung immer kritisch beäugt, wie er mir im Vorgespräch im Vertrauen gesagt hat.

Starre Geometrien für optimales Recycling

Und Ihre Idee ist ja folgendes, ich schildere das mal ganz kurz mit meinen Worten. Sie können das besser, aber ich finde es schöner, wenn ich es mache. Also in diesem Sinne, es ist im Prinzip ein starres Gebinde und dieses starre Gebinde, wir müssen jetzt ein bisschen mitdenken, wird umhüllt von einem Sleeve, was dekoriert ist, mit der Druckfarbe von Stefan Busse zum Beispiel. Wir können also ein Sleeve drum machen.

Das muss nicht eine Hülse sein, das kann auch eine Margarineschale sein oder sonst irgendwas, aber es muss ein starres Gebinde sein und dieses starre Gebinde kann auch noch einen Inliner kriegen mit einer Barriere zum Beispiel. Hätten wir zum Beispiel eine funktionelle Barriere, dann können wir nämlich alles an Recycling in die Hülse machen, was wir wollen, wenn wir das gut machen. So und dann ist in dieser Hülse noch was, was die besonders wertvoll macht.

Ja, also damit wir mit der Verpackung wirklich dauerhaft das machen können, was ich gerade so Skizzen nach vorgestellt habe, die Verpackung zusammengestellt und deswegen führen wir in diesen Master oder wir nennen das System Layer einen NFC-Chip integriert.

Der NFC-Chip beinhaltet einfach mal nur eine Seriennummer, sonst nichts, auch aus Datenschutzgründen muss man ganz deutlich sagen und hinter dem NFC-Chip steht eine riesen Datenbank, die ist heute schon live, kann getestet werden und in dieser Datenbank führen wir unglaublich viele Kriterien über diese Verpackung, also einmal über die Zusammensetzung, über die Art der Werkstoffe, die dort verarbeitet wurden, wer der erste Verkehrbringer ist, wie hoch das Fund ist, wo es zuletzt zurückgenommen wurde, wo es aufbereitet wurde mit einem Zeitstempel, wann es aufbereitet wurde, um die entsprechenden Nachweise zu bringen.

Also jede individuelle Verpackung wird hier nachvollziehbar im Kreislauf geführt und ist es auch nachweisbar, wo sie sich jeweils befindet. Ist sie in irgendeinem Wehrhaus, ist sie in einem Aufbereitungscenter oder ist sie schon wieder bei einem neuen Abfüller?

Hochspannendes Thema, wie ich finde, weil wir eine eindeutige Zuordnung der Verpackung haben, das heißt wir wissen, wie alt ist der Joghurt, den ich da jetzt gleich esse, welcher Mitarbeiter hat den vielleicht abgefüllt, wenn man die Daten freigeben würde, aber wie spannend ist das bitte und vor allen Dingen weiß ich, welche Druckfarbe ist auf meinem Sleeve, was ist das für ein Material des Sleeves, wie dick ist das, wie kriege ich das wieder runter, ist das geklebt, geschrumpft oder was auch immer und auch mein Innensleeve, mein Innenlayer, wie ist das aufgebaut und so weiter.

Das heißt, wir haben eigentlich Kreativität der Flexpack-Industrie noch am Start, aber wir können das recyceln, maßgeblich durch die Datenhoheit eigentlich verbessern. Herr Schoenloher, die Frage an Sie, ich komme gleich noch mal darauf zurück. Polypropylen als Sleeve für so eine Margarinepackung, sage ich mal, außen drauf, wäre das auch etwas, was Sie machen würden, um dann nachher vielleicht in dem Systemlayer, heißt das Mittelstück, wieder verwendet zu werden?

Wäre das ein Ding, wo Sie sagen, fahre ich voll drauf ab, mache ich? Grundsätzlich glaube ich, also das Ding, was ich heute morgen von Herrn Reitz gesehen habe, diese Papierverpackung außen, das wäre jetzt für uns kein Weg, so ein Ding zu konstruieren.

NFC-Chips in Verpackungen zur Sortierung

Ich glaube, wenn die Schale aus PP ist und dann ist draußen das Sleeve drum rum und das könnte Sinn machen, dann ja, jetzt mal so ganz ins Blaue gesprochen, ohne das Produkt zu kennen, unterschiedliche Materialfraktionen zu haben, nur damit ein PP dann draußen ist und mit viel Aufwand das drunter zu ziehen, muss man rechnen. Kann ich nicht pauschal sagen, glaube ich. Man könnte ja auch, Benedikt, ein Papiersleeve drum machen, weil man weiß ja, wie man es wieder auseinander kriegt und man weiß ja, dass Papier drauf ist.

Beim Kollegen Thielen läuft dann auf dem Band das in die Papierfraktion, aber da ist ja ein NFC-Chip drauf, da hat er vorher aufgepasst und dann weiß ich, da ist Papier drauf, nehme ich runter. Wäre das so vom Gefühl her etwas, was nachhaltig wäre? Ich glaube, ganz wichtig ist, dass man nochmal betont, dass dieser Systemträger, dass das ja ein Mehrwegprodukt ist, dass der ja nicht einmal benutzt wird, sondern hundertmal im Idealfall.

Dadurch, dass er ja außen gut dekoriert ist, haben wir ja keinen Verschleiß, den sieht er, unser Kunde sieht den ja gar nicht. Das heißt, das Ding kommt ja auch nicht in der normalen Sortieranlage an, sondern es muss ja eigentlich über einen Pfandrücknahmeautomaten verbracht werden, dass es dann sinnvoll bei einem Aufbereiter wieder ankommt. Ich glaube, das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Theoretisch ist es ja auch möglich, das Ding draußen mit Papier zu dekorieren, wenn es den Systemträger entsprechend schützt.

Also ich denke, weil wir ja das Füllgut immer in einem Einwegprodukt haben und damit immer die hygienische Sicherheit haben, ohne der Sache jetzt groß vorweggreifen zu wollen. So habe ich es zumindest verstanden. Ist es schon ein bisschen das Beste aus beiden Welten. Ich habe hygienisch sauberes Material, wo ich eben keine Spülproblematiken mehr habe, habe aber trotzdem 90 Prozent der Verpackung ist der Mehrwegträger.

Und damit ist es theoretisch eigentlich ein Mehrwegsystem, was ich dann eben mit ein paar Einwegkomponenten aufbaue. Ob das jetzt unbedingt digital noch hinterlegt sein muss, das macht es natürlich ein bisschen einfacher für den Anwender am Ende des Tages. Aber ob man das so gut nutzt, das ist nachher die große Frage. Da würde ich gerne darauf eingehen. Herr Löhning, warum ist das so gut, dass die Daten fürs Pfand zum Beispiel in der Datenbank liegen und nicht aufgedruckt werden mit so einem Code?

Ja ganz einfach, weil wir den Wert der Verpackung entkoppeln können vom Rückgabeprozess. Wenn Sie heute eine Verpackung zurückgeben und ins Lager stellen und die Verpackung geklaut wird, können Sie sie erneut zurückgeben. Das ist ein großes Problem. Deswegen wird im deutschen Einwegpfandsystem die Verpackung stets zerstört. Und mit der Zerstörung wird sozusagen erst das Pfand ausgezahlt. Ansonsten wäre, wir nennen das in der Fachsprache, ein Double Redemption möglich.

Das will man natürlich vermeiden, weil ansonsten die Systeme bankrott gehen würden. Wir führen das in der Datenbank und schalten den Pfandwert dort ein und aus und sind also entkoppelt vom physischen Zerstören oder von der physischen Lagerung. Das ist logistisch ein gemeiner Vorteil und ist auch kostenmäßig ein großer Vorteil, weil Sie diesen ganzen Prozess im Leergutautomaten oder überhaupt am Point of Return nicht mehr gebrauchen. Also wir sind keine Papierfreaks. Wir sind keine Papierfreaks.

Wir haben uns im Moment ganz bewusst für den Touchleer, ganz einfach, weil es auch unglaublich viel weniger Materialaufwand benötigt. Also der Dr. Bernhardt wird das morgen im Detail noch mal vorstellen. Wir benötigen ganze zwei Gramm Material für den Touchleer. Das ist nichts. Also Sie wissen selber, wie hoch der Materialaufwand für entsprechende relevante Folien ist. Das ist wahrscheinlich die derzeit leistungsfähigste Verpackung auf dem Markt.

Minimaler Materialeinsatz beim Design

Wir gestalten eine Verpackung in der Wiederaufbereitung zwischen vier und fünf Gramm Materialeinsatz. Nicht mehr. Das ist eine 500-Milliliter-Verpackung. Wenn man da die CO2-Äquivalenzen rechnet, wenn man da den Wasserverbrauch rechnet, ist das eine kleine Sensation, muss ich mal so sagen. Ja, genau so hat es mich auch gepackt und wenn ich diesen NFC-Chip habe und diese eindeutige Zuordnung, dann kann ich natürlich auch andere Daten sammeln. Da gehen wir gleich noch mal drauf ein.

Ich gebe 100 Prozent ab von meinem Skript und das ist immer so bei den Podcasts. Also KI hin oder her, die BI, die Biointelligenz, funktioniert auch noch einigermaßen. Benedikt, du hast uns mal eine Studie vorgelegt, dass Getränkekarton, Multilayer, Multimaterial, ich spreche von dem Tetrapack SEG und was es da alles gibt, ökologisch sinnvoller ist als ein Standbodenbeutel in Einzelfällen.

Dass zum Beispiel ein Glas, das viel gepriesene Glas, gar nicht so gut ist, gar nicht so gut abschneidet, vielleicht noch für Marmelade, wenn man es ziemlich lange im Regal hat, aber eigentlich auch nicht so richtig gut ist.

Erklär uns ein bisschen, wie hängt das eigentlich zusammen, wie kommt man zu solchen Aussagen, dass manchmal so ein scheinbar aufwendiger, ich wiederhole mal, PE, Aluminium, Papier, PE, Getränkekarton, dass der besser abschneidet bei einer LC-Analyse als zum Beispiel ein Standbeutel Polyester PE mit Barrieren.

Ja, das liegt dann am Ende des Tages schon daran, dass das ja 80 Prozent von der Verpackung, also wenn sie jetzt keinen Verschluss hat, wenn wir jetzt wirklich irgendwie an so eine Konservendosen-Äquivalenzverpackung denken, dass die 80 Prozent biobasierter Rohstoff ist, also dass das Papierfaser ist, die erstmal per se keinen großen Umweltfußabdruck mit sich bringt, weil die aus einer hohen integrierten Produktion aus Nordeuropa kommen, die haben einen hohen Eigenstromanteil, die haben ihre nachhaltige Forstwirtschaft.

Das heißt, in der Ökobilanz rechne ich da relativ wenig Emissionen aus und fast keine forcierten Ressourcenverbräuche. Damit steht das, dass das Papier wirklich die komplette Stabilität abhängt. Kann ich den Kunststoff und auch das Aluminium, wenn ich es brauche, wirklich nur dafür einsetzen, dass es meine Funktionsbarrieren einrichtet. Und damit haben wir davon relativ wenig, von diesem eher in der Ökobilanz aufwendigen Material, und damit kommt es gut raus.

Dann kommt eben noch dazu, dass ich, das ist jetzt die Theorie, keine allzu großen wahnsinnig stabilen Umverpackungen drum herum brauche, weil der Flüssigkeitskarton, wie wir ihn nennen, an sich ja auch schon eine gewisse Stabilität mitbringt. Das heißt, ich habe da auch eher eine Sammelverpackung als eine Verpackung, die tatsächlich die Stabilitäten abfängt, die ich zum Beispiel beim Flexpack brauche.

Und wenn ich dann an PE-PE, Multimaterial, Standbodenbeutel denke, der dann vielleicht auch noch bedruckt ist, der hat in sich schon für die gleiche funktionelle Einheit mehr Kunststoff, erheblich mehr Kunststoff als der Standbodenbeutel und dann drumherum, also der Flüssigkeitskarton, und drumherum dann eben auch noch mal eine viel stabilere Umverpackung. Und das macht ihm dann am Ende des Tages schon ein bisschen die Probleme.

Leichtgewicht-Alternativen zu Glaseinweg

Und gegenüber dem Glaseinweg ist das natürlich immer besser, weil das Glaseinweg ist wahnsinnig schwer und wir stecken bei dem Glaseinweg mehr fossile Rohstoffe in die Herstellung und das Recycling als eigentlich am Ende des Tages in diesem Standbodenbeutel oder im Flüssigkeitskarton im Kunststoff gebunden ist. Also das darf man auch nicht vergessen. Und was das Glas, was auch im Mehrwegglas an der Stelle wahnsinnig schlecht macht, das sind die Weißblech-Bajonett-Deckel.

Ich möchte an der Stelle, wenn es der Konservenbereich ist, will ich auch eine relativ große Öffnung, 60er-Öffnung, 80er-Öffnung im Twist-Off-Verschluss. Das ist wahnsinnig viel Weißblech. Wir sehen das zum Beispiel bei so einer schönen Tomatenpassata, da ist der Weißblech-Deckel, hat mehr Gramm im Gewicht als eigentlich eine flexible Verpackung als der Standbodenbeutel und weil es Weißblech ist, hat es nochmal einen ganz anderen Umweltfußabdruck und ist damit über Längen viel schlechter.

Und da kann ich dem Glas am Ende des Tages 400 Umläufe zurechnen. In dem Moment, wo der Deckel Einweg ist, ist das Ding schon verloren. Und ich glaube, das müssen wir uns auch immer bewusst machen. Wo Mehrweg heute seine Probleme hat, das sind die überbordenden Einwegkomponenten, die wir da drauf machen. Also lieber den Verschluss weglassen, zum Beispiel beim Flüssigkeitskarton. Ja genau. Und die Schere nehmen.

Das ist ideal, ja und das müssten wir uns auch vorstellen bei allen Produkten im Flüssigkeitskarton, die wir am Ende des Tages im Kühlschrank stehen haben. Da brauche ich keinen Deckel, weil da habe ich ja über die Kühlsituation eigentlich die Produkthaltbarkeit schon drin. Ob wir jetzt wirklich wieder auf dieses angefranste Milchprodukt zurück wollen, das ist eine andere Frage. Aber du kennst es ja, wir müssen jetzt auf pflanzenbasierten Ernährungen. Ja, da sollte man sowieso weniger Milch trinken.

Aber das habe ich jetzt nicht gesagt. Aber grundsätzlich ist es doch, egal ob wir jetzt über Kunststoff, Glas, Aluminium oder was auch immer reden, ein oder mehr Weg. Ich habe angefangen mit dieser Nachhaltigkeitsdebatte mal, wenn ich so chronologisch drüber nachdenke. Das Bashing hat doch angefangen, als Greenpeace uns gezeigt hat, dass da immer Wale im Südpazifik, Kiel oben schwimmen, mit einer Plastiktüte im Arm. Damit hat es doch losgelegt.

Und dann habe ich mal gelernt, wir in Deutschland oder in Europa versuchen jetzt eine Lösung zu finden, den Green Deal. Und das ist eine Lösung, die versuchen wir auf die ganze Welt zu übertragen. Das heißt, wenn wir jetzt über den Mehrweg zum Beispiel reden, dann finde ich Ihren Ansatz so, wie sich das für mich aus der Ferne anhört, sehr gut. Aber bei all dem, was wir jetzt gerade diskutieren, müssen wir schon darauf achten, dass wir nicht Lösungen für Berlin Mitte suchen, sondern für weltweite Anwendungen.

Und ob das in Afrika genauso funktioniert, wie hier bei uns in Deutschland in einem entwickelten System, das muss man sich bitte auch noch mal fragen. Also das ist für mich ziemlich auch eine theoretische Debatte. Die können wir hier im Besprechungsraum führen. Danach gehen wir wieder auseinander und quatschen morgen wieder. Aber wir wollen noch die Welt retten eigentlich, oder? Vor diesem großen Plastikproblem denke ich. Das denke ich auch. Das war glaube ich ein wichtiger Einwurf nochmal.

Als ich Sie kennenlernte und Sie mir das geschildert haben, mit dieser Hülse und Outer- und Innerlayer und so weiter, habe ich sofort gedacht, Flüssigkeitskarton, der ist jetzt fällig. Ist das ein Wettbewerbsprodukt? Könnte man das nutzen für solche Flüssigkeiten auch? Wäre das etwas, wo das Sinn macht, das System? Wir gucken gleich noch mal auf die Ökobilanz. Man tut sich natürlich schwer, solche Vergleiche anzustellen, dass so David gegen Goliath. Wir sind wirklich der Mini-David im Moment.

Kunststoffsubstitution im Zielmarkt

Aber systemisch ist das sehr eindeutig. Und es ist auch ein Zielmarkt, den wir anstreben, dort echte Substitutionsleistungen herbeizuführen. Unsere Verpackung, die wir mit viel Aufwand entwickelt haben, strebt in Massenmärkte, nicht irgendwie so einzelne Anwendungen, um irgendeine Ökoglaubwürdigkeit herbeizuführen. Und für die Massenanwendungen wird man da eindeutig auf den Getränkeverbundkarton als Wettbewerber stoßen. Das ist so.

Ich glaube, dass das Kunststoff-Bashing auch damit begonnen hat, ist wahrscheinlich hier nicht passend, aber ich sage es trotzdem, mit dem Versagen der dualen Systeme. Es kann nicht angehen, dass wir Tonnen und Übertonnen in irgendwelche Drittländer verbringen, um damit irgendwelche Bilanzen nachzuweisen, damit eine angebliche Wiederverwertung oder ein Recycling der jeweiligen Verpackungen nachgewiesen werden kann.

Und wenn dann solche hässlichen Fernsehbilder kommen, wie wir heute hier auch gesehen haben, dann ist doch klar, dass der Konsument, der ist ja Dreh- und Angelpunkt dieser Sache, dass der Konsument nicht so sehr motiviert ist. Also, wenn wir damit aufhören und wirklich Glaubwürdigkeit gegenüber den Konsumenten erlangen, dann glaube ich auch, dass Kunststoff-Bashing ein Ende haben wird.

Also das ist ganz wichtig, dass die Stakeholder beginnen, dem DSD und seinen Akteuren auf die Finger zu hauen und sagen, wir zahlen das ja, sie zahlen das ja, alle zahlen das, das machen wir nicht mehr mit. Und dann wird das Kunststoff-Bashing ein Ende haben. Da bin ich fest davon überzeugt. Also aus dem gelben Sack geht heute nichts mehr nach Asien, sondern das ist aus dem Gewerbe.

Ich habe eben während wir saßen mich mit Greenpeace und so ein paar anderen auf Twitter noch unterhalten oder gestritten, weil wieder so ein Fernsehbericht war und dann ist nachher der gelbe Sack gezeigt worden und gewundert, wie viel nach Asien geht. Daraufhin hat Axel Zuckleff, der macht ja diese Initiative Mülltrennung weg, darauf hingewirkt beim Deutschlandfunk, glaube ich, dass gezeigt wird, das sind keine gelben Säcke. Es geht nichts aus dem gelben Sack mehr dahin.

Das sind aus Gewerbeabfällen und so irgendwelche Anwendungen. Das muss man auseinanderhalten. Die Madame von Greenpeace hat sofort gesagt, habe ich doch gleich gesagt, das mit dem Plastik ist sowieso alles Mist. Aber wie soll das der Konsument auseinanderhalten? Der Konsument ist auch unser Konsument, ist unser Kunde und wie soll der das auseinanderhalten? Also um da Credibility zu erlangen, muss einfach eine andere Kultur her.

Und da muss die Industrie, da müssen, wie gesagt, die einzelnen Akteure, müssen aufhören, so einen Quatsch zu bezahlen. Egal wie. Weil, wie gesagt, machen so einen Konsumenten im Fernsehen klar, trink eine Cola, die ist nur ein bisschen ungesund. Das funktioniert nicht. Also da müssen wir, glaube ich, ein bisschen konsumiger denken. Das ist meine These. Ja, ist sicherlich nicht unberechtigt.

Ich will noch mal ein bisschen auf die Materialien nochmal wieder zurückkommen, nicht zu sehr in die politische Diskussion, die wir hier, glaube ich, heute nicht lösen können. Sie können übrigens ja zwischendurch auch Fragen ins Slido schreiben, habe ich noch nicht erwähnt. Und Sie können auch Handzeichen geben, wenn Sie gleich auch nochmal einen Einwurf machen wollen hier.

Kunststofferzeugung: Struktur und Transformation

Herr Schrödler, es gibt ja komischerweise, auch gerade bei den Flüssigkeitskartons, habe ich jetzt neue Vokabel gelernt, sehr viel mehr Polyethylen als Polypropylen. Sehen Sie da eine Chance, dass das sowohl da als auch bei den Folien wirklich kippt, nur in Anführungsstrichen, wirklich in Anführungsstrichen gesetzt, weil wir es dann in der Automindustrie gut einsetzen können und wir eine lange Wiederverwendung dann da generieren können mit Polypropylen? Glauben Sie, dass das klappt? Das ist auf jeden Fall ein langer Weg.

Und es ist ja überhaupt nicht verwerflich, dass die Struktur, wie wir sie heute in der Kunststofferzeugung haben, die über Jahrzehnte wunderbar funktioniert hat, das kann man ja niemandem vorwerfen. Die Frage ist, wie weit sich die Konzerne gerade jetzt im arabischen Raum oder in den USA, da wird ja immer mehr Öl gefördert, inwieweit die sich scheren an Berlin-Mitte-Diskussionen über Recyclingfähigkeit. Und das ist die Frage, das wird wahrscheinlich ziemlich lange dauern.

Trotzdem sieht man ja auch in der Automobilindustrie, hätte Daimler oder BMW damals auch nicht geglaubt, dass das Elektroauto kommt. Heute ist es da. Die längste Reise und der erste Schritt, glaube ich. Benedikt, du hast dir eben Notizen gemacht. Ich habe das Gefühl, werde ich nicht los, du wolltest da was zu sagen. Ah nee, ich wollte noch was zu der globalen Situation loswerden. Wir haben halt immer das Problem, es sind ja vor allen Dingen die Abfälle, die eben da vor Ort stattfinden.

Also wir kennen das ja aus dem asiatischen Raum. Das Marine-Litter-Problem ist immer die große Frage, wer ist zuerst, der Müllsammler oder der Monsoon-Ring? Und ich glaube, wenn man solche Konzepte in die globale Situation übertragen möchte, muss man sich tatsächlich über die Verantwortung gerecht werden. Wir haben in Deutschland ja auch lange Jahre, Jahrzehnte unsere wilden Deponien gehabt und im Wald und dies und das und jenes. Und irgendwann erstickten wir in unserem Abfall und haben 1990 die dualen Systeme eingeführt.

Und der Kampf gegen Litter ging damals auch los. Wer erinnert sich noch daran? Das war, auf den Autobahnraststätten saßen in den 90er Jahren aus wie Sau. Da sieht es auch heute noch aus wie Sau. Aber es ist ein bisschen besser geworden.

Und ich glaube, wir müssten uns Gedanken darüber machen, dass wir den Markteintritt in diesen Emerging Countries, also in diesen Schwellenländern, tatsächlich auch mit der Verpflichtung koppeln müssen, dass die Brands, die da reingehen, sich tatsächlich auch aktiv um die Rücknahme bemühen. Dass sie dann nicht sagen, ja das muss aus dem Land kommen, das klappt ja in Europa auch.

Sondern da müssen im Prinzip eine globale Marke, die gerne auch in Indien oder im asiatischen Raum auf den Markt kommen möchte, die muss sich im Prinzip ihrer Verantwortung stellen und da auch Rücknahmesysteme initiieren, die dann auch offen sind für alle. Also dass es da für den Markt bleibt.

Und eigentlich ist es die Aufgabe unserer Konsumentinnen und Konsumenten hier auf dem Heimatmarkt, das auch gut zu beobachten und ihre Euros nicht den Firmen hinterherzutragen, die zwar da gerne die letzten Dollar mitnehmen, aber sich einen Teufel darum scheren, ob das Material am Ende des Tages im Wasser liegt oder nicht. Und das ist eigentlich die Geschichte, die man erzählen muss und nicht die Geschichte von irgendwelchen Kunststoffabfällen, die in Europa gehandelt werden. Ja, genau.

Mehrwegsysteme durch neue Rücknahmelogistik

Man muss das eine tun, das andere vielleicht nicht lassen. Zu dem Pfandsystem würde ich gerne nochmal zurück. Wir haben es ja bisher nicht hingekriegt, für eine Einwegverpackung ein Pfandsystem aufzubauen für flexible Verpackung. Warum gelingt das mit Ihrem System? Ich will da nochmal darauf zurückgehen. Nachhaltigkeit haben wir gestreift, Datenhoheit haben wir gestreift, aber quellen da nicht die Pfandautomaten über beim Lidl und Aldi und so weiter? Ja, das ist eine gute Überlegung.

Also wenn man wirklich in großen Mengen Mehrweg etablieren will, dann braucht es andere Rücknahmesysteme. Also die Rücknahmesysteme, die wir heute haben, sind in der Tat zu komplex. Deswegen, wenn Sie in den Staaten über Pfand sprechen, gehen die Majors, die großen Softgetränkekonzerne, die gehen auf die Barrikaden, weil es in der Tat teure Systeme sind. Im Unterhalt, Automateninfrastruktur, Datenabrechnung etc. etc.

So eine Verpackung wie IQ-Pack braucht im Grunde genommen keinen klassischen Rücknahmeautomaten, wie wir ihn kennen. Wir würden mit einem, ich nenne das mal plastisch, mit einem intelligenten Altlastcontainer zurechtkommen, der vor allen Dingen im Außenraum gehandelt werden kann und der einfach nur eine Rücknahmeklappe hat und den User identifiziert und mit Abwurf des Behälters der Funktionswert transferiert wird.

Der Behälter ist entwertet und kann anschließend im Wiederaufbereitungsprozess dem Abfüller wieder bereitgestellt werden. Das reduziert die Infrastrukturkosten ganz gemein. Man darf nicht vergessen, in Deutschland laufen irgendwie so 40–45.000 Rücknahmeautomaten mit einer gewaltigen Infrastruktur dahinter, mit hohem Energieverbrauch. Wenn man das mal kapitalisiert und sieht, welche alternativen Rücknahmekonzepte man daraus generieren kann, ja, was soll man sagen? Open is the sky. Ja, tausend Möglichkeiten.

Ich würde gerne dem Volke mal wieder das Wort geben. Wer hat eine Frage oder ein Kommentar zu dieser? Das war eine ganz spannende Diskussion, wie gesagt ganz anders gelaufen als ich gedacht habe, aber viel besser. Danke schön erst mal dafür. Wer hat noch Fragen, Kommentare hier? Mann, Friedrich, endlich. Ich möchte jetzt mal zurückgehen von den schweren Teilen wie Bumper oder Armaturenbretter, Dashboards und Ähnlichem. Ich möchte mal wieder zurückkommen zur flexiblen Verpackung.

Wobei natürlich Flüssigkeitskartons auch in gewisser Weise flexibel sind, aber wenn wir also über definitives Recycling reden, dann müssen wir beim Recycling und während des Prozesses und bei der Summation der verschiedenen Polypropylentypen beispielsweise auch die Additive beachten. Und Sie wissen, dass wir in Polypropylen enorme Mengen an Additiven haben, aber auch an anderen olefinischen Werkstoffen. Nehmen wir einfach nur mal PE, die verschiedenen Varianten und PP.

So, wenn also jetzt wirklich ein Recycling vonstatten gehen würde, und zwar eins zu eins, nicht Downcycling, Recycling, das ist ja die hohe Schule, mit der wir uns beschäftigen wollen, dann stelle ich mir das außerordentlich schwer vor, ein Produkt zu herstellen, auch bei perfektem Recycling, das den Ansprüchen im Additivgehalt für die Endverwendung entspricht. Und dazu wird ein ganz erheblicher analytischer Aufwand notwendig werden, wenn überhaupt möglich und machbar. Danke. Genauso sehe ich das.

Schon laut. Die vielen Additive in Polypropylen, sind die mehr als in Polyethylen? Ist mir gar nicht so bekannt, aber vom Prinzip sind da natürlich welche drin. Ernst? Nee, ne? Mehr oder weniger das Gleiche. Ich würde das auch nicht reduzieren auf Polypropylen, Polyethylen, das gilt ja für die PET-Diskussionen, die wir heute Morgen hatten mit den Trays, genauso. Sie beschreiben ja, was ich sage.

Flexible Verpackungen: Forschungsbedarf statt Resignation

Im Moment fehlt mir der Glaube, dass wir es in flexible Verpackungen zurückbringen können, aber deswegen zu sagen, gut, dann lasse ich es einfach, ist ja auch keine Lösung. Deswegen müssen wir jetzt versuchen, Schritt für Schritt voranzugehen. Ich habe gelernt, never say never, vielleicht geht es ja irgendwann mal. Ich weiß aber genau, dass es nicht, wie manche Politiker glauben, an der Faulheit der F-Saal liegt, die einfach die Anfragen nicht schnell umsetzen oder beantworten.

Es liegt daran, dass die Fragen Rückfragen haben, die man nicht beantworten kann, weil da erstmal Forschung für betrieben werden müsste, mit offenem Ausgang. Wenn das so ist, kann ich trotzdem nicht sagen, so what, habe ich nichts mehr zu tun, lass die Wale weiterschwimmen. Da muss ich Lösungen finden und deswegen sagen wir Stück für Stück immer weiter. Vielleicht kommen wir dahin, was Herr Kauatz gesagt hat, mit vertretbarem Aufwand, wunderbar.

Aber ich höre nicht auf zu arbeiten, weil ich sage, wenn ich das Ziel, was ich in 50 Jahren erreichen will, heute nicht schaffe, dann lasse ich es einfach sein. Das ist nicht meine Mentalität. Ah, das war nicht mein Ansatz. Nee, nee, genau, wollte ich gerade sagen, war nicht dein Ansatz. Du bist fertig. Ja, ja, das müssen wir auch noch. Aber ich glaube, wir sind noch bei dem Groben und müssen uns langsam in das Feinere entwickeln. Ich würde gerne das Slido nochmal mit reinnehmen.

Eva, hast du da irgendwas wahrgenommen? Ja, und zwar sind hier drei Fragen gekommen. Das eine ist, was kann die Kunststoffbranche gegen das Kunststoffbashing tun? Man hört extrem selten Gegenargumente, Vorteile bzw. generelle Aufklärung zu diesen Themen. Wer möchte von den dreien? Hat einer eine Vision? Wahrscheinlich alle erfolgreich Mehrwegsysteme einführen und die auch entsprechend mit PR-Arbeit, also von Verbänden zu unterlegen und sagen, wir können auch Mehrweg und wir wollen auch Mehrweg.

Ich glaube, das ist ein hoher Weg für hohe Credibility. Mehrweg da, wo es passt, muss sich immer einschränken. Das muss ja wachsen. Das ist ja klar, weil ich schon wieder Kopfschütteln bei Herrn Schönloh zurecht. Nicht überall passt das. Aber das muss schrittweise kommen. Das ist eben auch das. Benedikt. Ach, um Gottes Willen, was soll ich dazu sagen? Ich bin ja zum Glück keine Kunststoffindustrie hier an der Stelle. Ich ernähre mich ja nur von euch. Nennt man das schon Schmarotzertum?

Genau, ein parasitäres Verhalten ist es. Ich würde einfach sagen, man kann sicherlich mit Transparenz, kann man dagegen arbeiten. Aber du wirst es an der Stelle, kriegst du ja die Meinung so nicht umgedreht. Also es ist, wer in der Ecke steht, der kann argumentieren, so viel wie er möchte. Der kann nur darauf warten, dass der Schweinehirt irgendwann die Sau durch ein anderes Dorf treibt. Das ist am Ende des Tages so.

Und mit Transparenz kann man sich so ein bisschen zeigen, kann man so ein bisschen seine Schutzschilde aufbauen und sagen, wir sehen das Problem, wir gehen das an, wir möchten da auch hin. Ja, und deshalb ist mir das ja auch so wichtig, wenn wir irgendwelche Strategien formulieren, dass es nicht heißt, wir möchten das alles nicht, sondern dass man eben sagt, hey, wir hätten gern Lenkungsinstrumente, das uns fordert, das uns fördert, aber das uns fair behandelt.

Und das gilt jetzt nicht nur für die Kunststoffindustrie, das gilt am Ende des Tages für die gesamte Verpackungsindustrie. Denn das, was heute den Kunststoffen widerfährt, ist wahrscheinlich spätestens in zehn Jahren Gesamtverpackungs-Bashing. Wahrscheinlich. Kleine Stimmungsbild, Herr Schönloh, von Ihnen. Sehen Sie das denn als Problem an, dass wir den Konsumenten mehr aufklären müssen, was für Material er kauft?

Learning-by-Doing in der Verpackungsinnovation

Ist das auch etwas, wo Sie darauf abzielen oder sagen Sie, dem muss das eigentlich egal sein, wir müssen das so gut machen, dass er es eigentlich gar nicht merkt? Ich glaube, das ist langfristig der Weg. Unser Thema an sich ist so komplex. Als ich in das Recycling eingestiegen bin, 2017, 18, habe ich in Berlin das erste Mal die Recycler kennengelernt und diese ganzen Dinge, und da war ich schon 20 Jahre in der Verpackung.

Da habe ich gedacht, ich wüsste was, aber wie wenig ich weiß, habe ich in jedem der Gespräche dann gelernt. Das ist so komplex, da kann sich kein Verbraucher, da kann sich noch nicht mal ein Politiker reinversetzen. Wir hatten in der letzten Woche großen Besuch von den Umwelt-NGOs, BUND, Deutsche Umwelthilfe, NABU, was ich nicht mehr vergessen habe, waren alle da, Umweltbundesamt, WWF. WWF war da, genau. Und das fand ich schon mal ein super Erfolg, dass die zu so einem Plastikmenschen kommen und hören sich das an.

Das war eine wirklich gute Diskussion, deswegen sind die nicht immer gleich mit allem einverstanden, was man sagt, aber das ist eine vernünftige Diskussion. Es gibt aber dann immer wieder NGOs, will ich jetzt nicht sagen, wenig dafür halte, aber die brauchen einfach Mitglieder. Und dann ist es wunderbar, auf Plastik zu schimpfen, und dann zieht sich das erstmal wieder durch. Was ich für uns sage, ich behaupte, wir haben jetzt einen Beitrag gefunden, um den Stoffstrom zu schließen.

Das ist bei weitem nicht der einzige, aber es ist mindestens mal einer. Und von daher lasse ich mir auch nicht mehr erzählen, dass Plastikbashing korrekt ist. Nee, für uns haben wir ein paar Lösungen gefunden, und deswegen muss das einfach auch mal runtergefahren werden. Und wie Sie gerade gesagt haben, Herr Kauertz, immer weglaufen, immer sich entschuldigen für irgendwas, da kommt man sowieso nicht weg. Nein, manchmal muss man auch die Nebenwirkung anerkennen und daran arbeiten.

Und das sind wir, glaube ich, gerade auf einem guten Weg. Eva, einen gib uns noch. Wenn die ganzen PP-Regenerate kaskadiert in der Autoindustrie landen, wie können Sie selbst die PCR-Quoten in Ihren Verpackungen sicherstellen und hochhalten? Sehr gute Frage. Herr Schöne, haben Sie da eine Antwort? Nee, darauf hat keiner eine Antwort. Das ist genau das Thema. Deswegen wird es so spannend, wenn wir eine Rezyklateinsatzquote bekommen.

Aus Brüssel und demnächst sollen wir, egal auf was jetzt mit diesen Credits, Zertifikate handeln, wie ich das heute Morgen vorgestellt habe, machen, oder über chemisches Recycling. Irgendwann wird eine Kunststoffverpackung aus PP neben der S-Klasse von Mercedes stehen, und die bewerben sich beide um ein Rezyklat. Und ob so ein Mercedes für 100.000 oder für 200.000 verkaufen, das glaube ich egal. Wir werden das Problem haben, und das ist ein riesen Thema.

Von daher umso mehr wäre es notwendig, mehr Menge zu schaffen. Das ist genau der Grund, warum wir weg müssen von dem Mischverbot. Das ist ja genau das Problem, das heute bei PET stattfindet. Dass die Textilbranche einfach deutlich mehr pro Kilogramm bezahlen kann. Weil wenn man sich vorstellt, irgendwie so ein Schulranzen für die Kinder, die Erstklässler, der ist aus 10, 15 Flaschen hergestellt, und da wird ein Paket für 300 Euro verkauft.

Also ich kann nicht 10 PET-Flaschen für 300 Euro verkaufen, das geht einfach nicht. Und das Problem kommt, und deshalb braucht es ein Steuerungsinstrument. Und das wird ja auch kommen. Im Moment ist es ja nur so, dass das Virgin Material billiger ist. Das muss man einfach korrigieren wahrscheinlich. Ich würde sagen, wir machen den Sack zu. Das war ein toller Podcast. Herzlichen Dank für diese ehrliche und spontane Bereitschaft hier einzuspringen. Ich glaube, das war auch für das Auditorium ein ganz anderes Format.

Praxis-Dialoge besser als Vorträge

Besser mal als ein Vortrag vielleicht.

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