Fluoreszierende Tracer stellt Jochen Mößlein vor

Mehr und bessere Kreislaufwirtschaft durch Nachverfolgen ganzer Folien-Rezepturen

Jochen Mößlein von Polysecure erläutert, wie weit seine fluoreszierenden Tracer schon sind. Mit ihnen lassen sich, kurz gesagt, ganze Folienrezepturen nachverfolgen. Für den Folienmarkt empfiehlt sich das Aufbringen des Tracers beim Bedrucken oder Etikettieren. Grundsätzlich können Kunststoffe auch in der Masse dotiert werden. Vorteile sind neben der enormen Genauigkeit beim Detektieren auch die Geschwindigkeit. Ab September steht eine Technikumsanlage zur Verfügung, um praxisgerechte Versuche mit Interessenten durchzuführen. Kontakt: Jochen.Moesslein@polysecure.eu

Würzburg im Juni 2023

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Transkript

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Ich stehe hier mit Jochen Mößlein beim Experten-Treff Barrierefolien. Du bist ein bisschen als Exot hier aufgetreten. Du hast etwas über Traceability oder Tracer in Verpackungsfolien, nicht nur in Verpackungsfolien, Kunststoff und Allgemein, erzählt. Was ist dein Produkt bei PolySecure?

Ja, Produkt heißt Sort for Circle, bzw. ein Produkt Sort for Circle ist die neue Sortiertechnik, bei der man erst vereinzeln würde, dann kombiniert detektieren und dann ablegen in beliebig viele Fraktionen. Also ein ganz neuer Ansatz, ähnlich wie bei der Briefsortierung, aus dem Haufen ersten einzelnen Strom machen und den dann sauber durchmessen. Mit allen Messtechniken, die Sinn machen: NIR-Farbe, Objekterkennung, Tracer-Detektion natürlich, eventuell Watermarks oder eine andere Messtechnik.

Also von daher ist der Ansatz von sich aus schon technologieoffen. Wie funktioniert dann euer besonderes Detektiersystem? Ihr habt hier einen Stoff, den ihr einbringen könnt in eine Kunststoffmatrix oder aufdrucken könnt. Wie funktioniert dann die Erkennung?

Was ist das? Du sprichst über die Tracer, das sind die Tracer, das sind Fluoreszenzmaterialien, ganz spezielle, stabile Fluoreszenzmaterialien, zum Beispiel bei Verpackungen über Druck. Auf der Oberfläche werden angeregt, werden erkannt über ihre spezielle Fluoreszenzfarbe. Das kann man unglaublich schnell erkennen, also durchaus kleiner als zehn Millisekunden.

Kann es sehr sicher erkennen, kann damit auch den ganzen Strom letztlich ausbeuten und sortieren. Das ist ja da, wo man heute einfach noch sehr viel Masse verliert, dass überhaupt nur vielleicht die Hälfte beim Recycler ankommt. In der anschließenden Diskussion kam so ein bisschen auch die Frage auf, wie mache ich es denn jetzt mit den vielen verschiedenen Verpackungsfolien? Du hattest vorgeschlagen, aufdrucken von so einem Tracer zum Beispiel.

Um dem was mitzugeben? Im Prinzip wie so eine Kennung, also wie so ein Fähnchen. Ja, ich kann eine bestimmte Fraktion, die aus einer bestimmten Fraktion an Multilayerfolien, die man gerne und gut zusammen recyceln kann, die könnte man bündeln, könnte sagen, gut, das ist meine Fraktion 13. Und der Tracer würde das widerspiegeln und würde dann auch dafür sorgen, dass all solche Verpackungen auf Endstelle 13 gelegt werden.

Was wäre ein Hauptvorteil neben der Produktidentifizierung im Vergleich zu den heutigen kaskadenförmigen Sortiersystemen? Seid ihr genauer, seid ihr schneller, seid ihr billiger? Was sind die Vorteile? Viel präziser, wenn ich jedes Objekt einzeln mal in die Hand kriege und durchmesse.

Viel präziser auch durch die Tracer. Und nach unseren Rechnungen und so wie jetzt der Stand der Entwicklung ist, spätestens ab sechs Fraktionen, in die ich sortieren will, auch günstiger. Weil ich ja einfach nicht so viele Detektoren brauche, nicht so viele Sortierstufen habe, nur eine habe. Das rechnet sich dann.

Zeiss-Kooperation: Gemeinsames Detektionssystem entwickelt

Du hast zu Anfang schon gesagt, dass ihr kombiniert euer Detektionssystem für euren Tracer mit anderen. Ist das eine fertige Kiste, die man heute schon als Sortierer kaufen kann? Ist das die Vision, dass die Sortierer sich quasi bei euch so eine Kiste kaufen und da können dann alle Sortiersysteme mit angesteuert werden? Jemand, der eine neue Sortieranlage baut oder eine alte renoviert oder zum Beispiel eine neue Kunststoffsortierung einsetzen will, im Prinzip, der kann diese Kiste bei uns kaufen.

Richtig. Es ist eine gemeinsame Entwicklung zusammen mit Zeiss. Ja, das ist das Geschäftsmodell. Und da steckt natürlich auch ganz viel Innovation drin.

Wie du es richtig sagst, das ist eine Kiste, die ist abgeschlossen. Also sie hat praktisch an jedem Ort der Welt die gleichen Lichtbedingungen. Es trinkt kein Umgebungslicht ein und ist von daher auch bei den anderen Messtechniken präziser, hat mehr Potenzial, auch für die Objekterkennung. Du hattest gesagt, dass ihr so von 1000 Objekten 999 erkennt.

Ist das so eine Genauigkeit, die auch im Industriemaßstab anzustreben ist? Also über 99 Prozent? Mit Tracer würde ich sagen kein Problem. Die Tracer-Detektion ist eigentlich der Schlüssel.

Ohne Tracer erreicht man gute Detektionsquoten, aber hat Schwierigkeiten, an die 100 Prozent ranzukommen. Also zum Beispiel die 99 Prozent, wo jetzt EFSA sagt, naja, für Lebensmittelkontaktmaterial, wenn man das wieder in die Verwendung bringen will, sollte man 99 Prozent reine Vorsortierung haben, dass es mit Tracer recht problemlos machbar. Ohne Tracer schwierig. Im Moment haben wir auch hohe Verluste noch beim Sortieren und dann auch beim Recycling nochmal.

Wie viel könntet ihr das verbessern? Habt ihr da Überlegungen angestellt? Wie hoch sind überhaupt die Verluste? Also in Europa 2020 laut Daten von Plastics Europe wird aus dem Verpackungsstrom ungefähr 25 Prozent in recyclingfähiges Compound übergeführt, bei Verpackungen selbst nur 6,5 Prozent eingesetzt.

Wir könnten diese Recycling-Quote, also welcher Anteil macht das wieder einsetzbare Material am gesamten Input aus, durchaus von 25 auf 60 Prozent bringen. Unglaubliche Mengen CO2 dadurch sparen. Ja, also so die Kunststoffindustrie weltweit erzeugt etwa 8 Prozent der CO2-Emissionen aller CO2-Emissionen. Das ist viel.

Und wenn man das mal hier durchrechnet, kalkuliert, könnten wir mit unserem Verfahren durchaus zwei Prozent einsparen. Hört sich für mich nach einem wettbewerbsfähigen System an. Wie sieht der Zeithorizont aus? Wann rechnet ihr mit einer Einführung vielleicht sogar auch schon im Verpackungsmarkt?

Roadmap 2024: Praxisversuche und Markteinführung geplant

Gibt es da schon irgendwie eine Roadmap? Ja, es gibt eine Roadmap. Wir werden Ende September, im Herbst werden wir unsere Demo-Anlage in Freiburg in Betrieb nehmen mit Verpackungen, wo man dann sehr, sehr viel sehen kann, wo man dann auch Testfahrten kann. Aber es ist eigentlich schon das nächste in Planung, nämlich eine industrielle Pilot-Anlage, eine große Sortieranlage, in dem man dann auch tatsächlich Abfall, tun wir jetzt auch schon, aber ein bisschen gewaschen wenigstens, wo man dann richtig Abfall verarbeiten kann.

Das ist in Planung, hoff mal, 2024 anzugehen. Aber man kann dieses Jahr schon Versuche fahren, die sehr nah an der Realität sind. Wunderbar passt zu unserem Konzept, immer die Entwicklung dann zu präsentieren, wenn sie marktreif werden. Und das ist bei euch der Fall.

Vielen Dank für dieses kurze Interview. Danke, herzlichen Dank.

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