Piran ist einer der Co-Founder und CEO´s vom Online Händler KoRo – dem Startup aus Berlin rund um Drogerieprodukte. Wir haben im Rahmen des Inno-Talks mit dem Thema: E-Commerce und flexible (Versand-) Verpackungen – Online alles anders? ausführlich über die Rolle der Verpackungen für den Online-Handel gesprochen.
Erfahren Sie in diesem Live-Mitschnitt, warum Verpackungsentscheidungen schon früh beim Online-Handel auftauchen und wie sich KoRo da positioniert. So hat sich KoRo u.a. für Kunststoffverpackungen da entscheiden, wo es die beste Lösung ist und vermeidet strikt Green-Washing. Erfahren Sie in dieser zweiten Episode mit Piran, welche Rolle Verpackung im Online- und Stationären-Handel aus Sicht von KoRo spielt.
Die erste Episode haben wir hier auch gleich noch einmal verlinkt.
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Transkript
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Folienwissen Spezial, der Innoform-Podcast zum Inno-Talk. Heute hören Sie im Innoform-Podcast zum Inno-Talk eine Premiere, denn wir haben dieses Interview live aufgenommen am 10. Juni bei einem Inno-Talk mit Piran Asci. Der Titel des Inno-Talks hieß E-Commerce und flexible Versandverpackung.
Versand in Klammern. Online – alles anders – haben wir Piran gefragt. Er ist Co-Founder und CEO von Koro, dem Online-Händler aus Berlin. Hören Sie mal rein, was er und seine Truppe über Marketing, über flexible Verpackung und insgesamt über die Welt des Handels und des Onlinehandels denkt.
Ein spannendes Interview. Viel Spaß. Piran, an dich jetzt die Frage: Ihr lebt die Start-up-Kultur und geht ständig neue, unbekannte Wege.
Das haben wir eben deinem Vortrag ja auch entnommen. Was macht das mit so einer jungen Firma wie Koro? Und was macht das mit deinem Team? Ich glaube, das ist so ein zweischneidiges Schwert.
Das ist auf der einen Seite toll, weil die Firma sich immer wieder neu innovieren kann und gegebenenfalls neue Wachstumskanäle findet und damit eine Differenzierung zur Konkurrenz aufbauen kann. Es bedeutet aber auch, dass das Team eben mitziehen muss und entsprechend man sehr gut einschätzen muss, ob das Team die Ressourcen hat, die Bereitschaft hat, auch diesen Weg mitzugehen. Entsprechend – ich bin immer auf der Macher-Seite und sage, wir wollen das und das und das und das machen – muss mich da aber selber so ein bisschen drosseln, dass wir nicht alles gleichzeitig reingeben, sondern Stück für Stück schauen, was wir, was wir da machen. Und um da so ein bisschen analytisch heranzugehen, wir nennen es bei uns tatsächlich Clustertestings.
Also wir überlegen uns, was ist sozusagen das minimale Budget für komplett neue Projekte, um daraus zu erkennen, ob sich daraus ein skalierbarer Wachstumsmarkt ergeben kann. Und so gehen wir quasi an jedes neue Projekt ran, gucken uns an, wie groß ist der Aufwand und wie groß. Ich meine, das kann man ja sagen, wenn da sich was ergibt, wenn man dann sozusagen auch so ein Testing, was damals auch das Influencer Marketing für uns war, sprich YouTuber, ein Warenpaket daraus schenken. Wenn sich daraus ergibt, dass man da skalieren kann, das ist natürlich wahnsinnig gut.
Also da wird oft und da will ich sozusagen alle encourage und solche Projekte, als alle, die im Unternehmeralltag sind, solche Projekte auch wahrzunehmen, dass wenn es solche Testings gibt, ist vielleicht sozusagen der Maximalverlust des Minimalinvestment für dieses Clustertesting. Ein Maximalgewinn ist quasi unbegrenzt. Entsprechend hat man einen super hohen Erwartungswert. Also auch da wieder datenbasiert.
Das hast du ja auch vorhin schon mal ankriegen lassen. Also nicht einfach nur mal eine Anzeige schalten und gucken, was passiert, sondern immer zu versuchen, auch irgendwie eine Testmarke oder so was rauszumachen. Habe ich das richtig verstanden, so in dieser Richtung? So machen wir das.
Stationär vs. Online: Geschäftsmodell-Unterschiede
Was unterscheidet dich denn? Und da hast du bestimmt auch Daten zu. Aus Händlersicht stationären Handel von Onlinehandel überhaupt so prinzipiell? Na ja, also rein strukturell hat man weniger Marge im stationären Handel.
Dann hat man einen Partner, der damit verdienen möchte. Ich bin auch sehr happy, dass wir quasi ziemlich unabhängig vom stationären Handel sind, was uns die Freiheit gibt, unsere Partner quasi auszusuchen und mit denen zu gehen, bei denen wir uns wohlfühlen, bei denen wir gute Konditionen haben. Ja, auf der anderen Seite hat der Handel auch eine enorme Macht, gerade in Deutschland, der ist ja sehr konsolidiert. Und an dem Handel als Nischenmarke vorbei kommt man eigentlich nicht, um wirklich groß zu werden.
Entsprechend versuchen wir da schon auch bald im Handel gelistet zu sein, um unsere Marke nach draußen zu bringen, weiteren Attributionspunkt zu schaffen. Und eventuell, falls der Kunde da nochmal eine Ad sieht bei einem Influencer oder mit Performance-Ad oder einer Out-of-Home-Kampagne, dass dann Koro schon irgendwo mal im Kopf verankert war, weil das eben MDM im Regal steht. Also wir als Flexpack-Industrie, zu der ich mich immer noch zugehörig fühle, obwohl ich da eigentlich ja gar nicht mehr seit 20 Jahren drin arbeite, sondern ja selbstständig da unterwegs bin, aber ich mich begeistert halt immer noch. Wir stellen schon fest, dass der Handel sich sehr stark verändert und sehr stark Richtung Verpackung auch Wissen aufbaut und dementsprechend auch immer mehr Vorgaben macht.
Das Gleiche gilt auch für große Marken. Ist das auch etwas, was ihr als kleinere Marke noch auch vor habt, dass ihr irgendwann mal in die Position kommt und sagt, pass mal auf, wir wollen jetzt eine Versandverpackung haben, die muss die und jene Eigenschaften haben? Oder ist das zu hoch gegriffen noch? Also das kann sein, dass wir irgendwann in diese Region kommen.
Dadurch, dass wir als Underdog so quasi gestartet sind und in unserer Kerntool diese Flexibilität ist, wollen wir uns möglichst lange diese Flexibilität beibehalten, um möglichst breit auf Partnerschaften zu schließen. Wir haben immer noch viele Lieferanten, bei denen die Mindestabnahme sehr, sehr hoch ist, an die wir nicht rankommen. Und wenn wir da nicht flexibel sind oder zu schnell umschwenken und sagen, wir geben jetzt auch vor, wie diese Verpackung sein soll, dann verlieren wir teilweise diese Partner, die teilweise hervorragende Produkte machen zu Top-Qualitäten und Produkt-Sicherheit auch Top. Und da müssen wir einfach gucken, wo wir das machen und wo wir das nicht machen.
Aber da, wo wir es kontrollieren können, wo es sehr flexibel ist, sprich da, wo wir die Rohwaren importieren, zweistufige oder längerstufige Lieferketten haben, da nehmen wir natürlich aktiven Einfluss und gucken, welche Verpackung ist eigentlich am besten für einen Online-Versand geeignet. Da kann ich dir dann außerhalb des Protokolls demnächst einen Tipp geben. Ich werde im vierten Quartal einen Podcast dazu machen, wie auch auf Knopfdruck quasi maßgeschneiderte Verpackungen demnächst mit passender Barriere und allen möglichen Eigenschaften dann bestellt werden können. Aber das ist noch zu früh, ist noch nicht ganz fertig.
Komme ich noch mal auf dich zurück. Ein bisschen tiefer reingegangen in die Sache Kundenfeedback. Und du hast gesagt, ihr macht Testmärkte und so etwas. Welche Rolle spielt denn Kundenfeedback jetzt speziell im Online-Handel für dich?
Ich glaube, es ist schon wichtig, also definitiv mal seine Kunden zu fragen, was die haben wollen, was die gut finden, was sie nicht gut finden, auch welche Inhalte sie auf Social Media konsumieren. Das haben wir nämlich letztens gefragt und haben uns auch ganz erstaunt, was die Ergebnisse waren. Wir fanden beispielsweise, um da noch mal kurz drauf einzugehen, Rezepte, Content immer sehr, sehr langweilig, weil das jeder macht. Aber das war auch Nummer eins, was die Kunden eigentlich von uns erwarten, von unserem Social-Media-Account erwarten.
Kundenwünsche vs. Innovation balancieren
Entsprechend war dann die Frage, was machen wir denn? Wollen wir edgy sein? Wollen wir das machen, was uns gefällt? Oder wollen wir uns am Kunden orientieren?
Und ich finde, es ist auch hier ein zweischneidiges Schwert, weil wenn man sich nur am Kunden orientiert, kommt oft Innovation zu kurz. Denken wir ans iPhone, wäre niemals entstanden, wenn man nur den Kunden gefragt hätte, was hättest du am Handy verbessert. Aber es ist auch schon wichtig, dass man teilweise zumindest dieses Kundenfeedback anhört und dann qualitativ intern auswertet und eben diese Abwägung schafft. Also die Abwägung zwischen bedienen wir jetzt den Kundenneed, den wir haben, oder gehen wir den innovativen Schritt und versuchen, was rauszubringen, was der Kunde noch gar nicht kennt.
Und das kann ich nur gut abwägen, wenn ich diese Informationen habe, sprich im Endeffekt Kundenfeedback ist super wichtig, aber sollte nicht alleiniger Treiber sein für What’s next, sondern in ein qualitatives Feedback oder in eine qualitative Auswertung intern quasi führen. Das Gleiche haben wir auch festgestellt hier mit dem Inno-Talk. Alle haben gesagt, macht das bloß nicht, das wird nie was. Wer soll denn am Freitag Nachmittag zuhören?
Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben unsere Teilnehmerzahl bei Innoform Coaching verfünffacht durch dieses Online-Format und wir sind ganz begeistert. Wir könnten noch ein bisschen profitabler werden, aber das kennst du auch. Der Anfang ist schwer, aber das Format funktioniert und das ist für uns wichtig.
Und von daher komme ich jetzt gleich mal zur nächsten Frage. Ihr folgt nicht dem Trend der Papierverpackung. Auch da seid ihr wieder etwas anders und zwar auch nicht um jeden Preis. Sondern warum macht ihr das nicht?
Alle wollen doch Papier, oder? Eigentlich ganz einfach. Barriere und Versandfähigkeit sind einfach nicht gut genug aktuell. Das kann man ganz einfach da wieder datenbasiert.
Tatsächlich seid ihr unterwegs und guckt euch an, wie viel geht kaputt oder wie geht das? Genau richtig. Wir gucken einfach, was geht da kaputt? Was kommt da halt an und was kommt vielleicht nicht halt an?
Im Endeffekt, wie gesagt, wenn wir diese Priorisierung bei uns haben und ganz oben die Produktsicherheit steht, dann wollen wir die nicht quasi trade-off gegen, ich sage mal, nachhaltigere Verpackungen. Und oft ist es ja auch so, dass Papier gar nicht nachhaltiger ist oder dass das Thema quasi diskutabel ist, ob es wirklich nachhaltiger ist. Was Nachhaltigkeit überhaupt in diesem Zusammenhang bedeutet. Entsprechend, gerade bei Großverpackungen, die dann auch lange liegen, brauchst du diese Barrierefolien einfach.
Nachhaltige Verpackung für Nussprodukte
Wenn wir Kilo Nüsse verkaufen, die sind ja fettig und so weiter. Das ist nicht ganz einfach. Und entsprechend priorisieren wir und bergen ab und gehen nicht jeden Trend mit. Das ist schwierig, weil wir echt auch viele Kundenanfragen bekommen und auch ab und zu Kritik, warum wir dann in Plastikverpackungen verkaufen.
Aber da haben wir uns es als Aufgabe gemacht, das transparent zu kommunizieren, transparent aufzuklären. Entsprechend warst du ja auch der erste Gast bei uns im Podcast. Ist immer noch der beste, bei uns der meistgehörte Podcast, der erste Podcast zum Thema Verpackungen. Und wir haben danach auch viel Feedback von den Kunden bekommen.
Der gesagt hat, das wusste ich alles gar nicht. Toll, dass mal eine Marke da aufklärt. Und das finde ich aber wichtig. Auch das, was du mit deiner Arbeit machst, dass du mit dem Panel quasi aufklärst, Transparenz schaffst.
Und ich glaube, vieles, was da quasi ein Expertenwissen ist in dieser Flexpack-Industrie, ist noch gar nicht da draußen. Das kennen die Leute, die Branche. Wir wollen auch ein bisschen Wissen, ein bisschen dieses Wissen hinbringen zum Handel. Und deswegen machen wir ja auch diesen Inno-Talk hier heute zusammen.
Dennoch, ihr seid sehr fokussiert auch auf Fairtrade. Ich habe nun mal so ein bisschen geschnüffelt auf eurer Website. Deswegen habe ich übrigens auch so ein gelbes Hemd an. Das ist so ein bisschen Corporate Design.
Wollte ich mal so ein bisschen mich einschleiben bei euch. Habe ich viel gesehen, diesen Farbton. Und dann haben wir gedacht, Mensch, warum geht ihr da nicht doch mehr in Richtung nachhaltige Verpackung? Weil ihr seid ja bei den Produkten sehr weit schon, auch in der Kommunikation, was man so wahrnimmt, auch unterschwellig durch die Bildsprache und so weiter.
Aber auch in Text und Wort sagt ihr, ja Mensch, hier Fairtrade und so weiter. Das ist so ein Schlagwort, was mir immer wieder einfällt. Geht man da nicht schnell auch in Richtung Greenwashing? Und wie geht ihr damit um?
Genau, wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Marken, die anfangen, da zu stark offensiv zu kommunizieren in die Richtung Nachhaltigkeit, dass sie eben irgendwann eins auf den Deckel kriegen. Und zwar weil der Begriff Nachhaltigkeit nicht hinreichend definiert ist. Entsprechend wollen wir das gar nicht, dass wir uns zu sehr mit dieser Nachhaltigkeitsschiene selbst schmücken, sondern den Kunden entscheiden lassen, ob er uns als nachhaltig wahrnimmt oder nicht. Entsprechend manchmal kommt das also, wir werden massiv als nachhaltig wahrgenommen.
Transparente Kommunikation und Kundenaufklärung
Deswegen kommt das bei Karsten auch so an. Wir versuchen wirklich aktiv in den Content- und Marketing Teams dieses Wort Nachhaltigkeit zu eliminieren oder zumindest kritisch zu betrachten und kritisch auch zu kommunizieren und selbst als Markensäule zu stecken. Transparenz. Das ist wichtig.
Wir wollen aufklären. Wir wollen offen sein. Wir wollen sagen, wie es ist. Und wir wollen auch unsere Entscheidungen rund ums Produkt, ums Marketing, um die Company Koro offen erläutern.
Bis zu einem gewissen Grad. Also wir haben jetzt auch nicht irgendwie Markttransparenz oder Gehaltstransparenz bei uns intern. Aber wir sind schon, würde ich sagen, deutlich transparenter und offener als vielleicht vergleichbare Marken. Und das wird dann automatisch als nachhaltig wahrgenommen.
Und das ist, glaube ich, auch eine ganz wichtige Sache. Oft ist dem Kunden gar nicht wichtig, ob das jetzt eine Papierverpackung oder eine Plastikverpackung ist. Den Kunden ist einfach wichtig, warum macht eine Marke etwas, gerade wenn ich als Love Brand wahrgenommen werde. Und ich meine, der Kunde kann auch Nüsse im Handel kaufen, in der Eigenmarke, im Retail.
Der muss nicht bei Koro unbedingt bestellen. Aber wenn er die aktive Entscheidung fällt, bei Koro zu bestellen, dann wollen die Kunden auch ein gewisses Statement zu bestimmten Entscheidungen, warum die Marke sich wie positioniert. Und teilweise kaufen sie damit ja auch die Positionierung der Marke. Das ist einfach wichtig, dass man das dabei mitdenkt.
Jetzt noch mal eine Verpackungsfrage hier, dass wir das ein bisschen den Kreis auch rund kriegen. Ihr kauft in Großgebinden, das hast du auch im Vortrag erläutert, packt dann in kleineren Konsumverpackungen, sage ich mal, ab, wie auch immer das dann gehandelt wird, ob stationär oder online. Macht ihr das selber oder wie funktioniert das? Also wir haben ein Netzwerk an Abfüllbetrieben, mit denen wir zusammenarbeiten.
Wir haben keine eigene Abfüllung. Wir haben eine kleine eigene Produktion, mit der wir Nussmuse produzieren. Aber die Abfüllbetriebe, die haben gestartet mit Behindertenwerkstätten, weil die eben sehr kleine Stückzahlen auch abfüllen können und man da eben keine automatisierte Abfüllanlage braucht. Inzwischen sind wir teilweise auch bei den professionalisierten Anbietern, die quasi inline Dolly füllen, seitlich quasi schließen und dann quasi die Produkte abfüllen.
Und wir haben dann eine relativ hohe Redundanz, weil wir in Corona-Zeiten gesehen haben, dass viele dieser Lieferketten auch wegbrechen können und entsprechend sehr wichtig für uns sind. Deswegen haben wir aktuell ein Netzwerk aus über zehn Abfüllern, mit dem wir aktiv auch zusammenarbeiten und schauen, dass wir wirklich die Kapazitäten nicht nur auf einem bündeln, sondern auch verschiedene verteilen, dass, wenn es da Engpässe gibt, wir relativ schnell switchen können und da Redundanzen haben. Ja, ich glaube, auch in anderen Industrien wird die heilige Kuh Single Sourcing langsam geschlachtet. Auch bei Verpackungen, das merken wir auch.
Packaging Hopping und Private Label
Es gibt ja dieses Packaging Hopping, nennen das ja viele. Das sind also viele, die immer mal gerne wechseln von einem zum anderen. Einmal das Verpackungsmaterial, das Verpackungssystem, aber auch den Lieferanten. Und so ähnlich macht ihr es anscheinend ja auch.
Halt ich auch für absolut sinnvoll. Ist das denn in Planung, dass ihr da selber mehr so in Richtung Private Label auch unterwegs seid? Musse macht ihr schon selber, sagtest du. Sind da auch andere Produkte denkbar oder eher nicht?
Eher weniger. Wir wollen uns wirklich fokussieren auf die Produkte, die wir also, wo wir glauben, dass zum Beispiel da mal spezifisch drauf einzugehen. Die Musse und auch nicht alle Musse, nur spezifische Musse, die machen wir nur deshalb selber, weil wir gesehen haben, dass wir entweder die Qualität, die wir brauchen, nicht kriegen oder unser Lieferant keine Kapazitäten mehr hat. Und das sind auch wirklich nur zwei oder drei Musse, die wir dort selber machen und Varianten dieser Dattel-Haselnuss-Creme.
Die Dattel-Haselnuss-Creme ist nämlich unser Topseller. Und unser Lieferant, das polnische Lieferant, ist irgendwann nicht mehr hinterhergekommen. Da haben wir uns damit beschäftigt, wie macht man diese Creme? Und das ist kein einfaches Verfahren.
Das ist ein ganz hochkomplexes Produkt, weil der Wasseranteil höher ist als bei klassischen Fettcremes. Entsprechend funktioniert das nicht mit Kugelmühlen. Da habe ich mich dann irgendwie ein dreiviertel Jahr damit beschäftigt, wie man eigentlich Nüsse vermusst. Und bin da sehr, sehr stark quasi in die Fleischindustrie geraten, weil die ganzen Maschinen dafür, die kommen aus der Fleischindustrie.
Und ja, und in diesem Vertical wollen wir quasi wirklich eine Domain-Expertise aufbauen und da auch effizient produzieren können. Aber darüber hinaus war es das. Also ich glaube, das ist eines der Kernprodukte, die Dattel-Haselnuss-Creme und die Varianten und ein, zwei Nuss-Mousse, die wir in der eigenen Produktion in Nürnberg machen werden. Aber Stand jetzt ist, wir wollen uns nicht weiter vertiefen in der Produktion mit anderen Produkten, die wir anbieten.
Genau, jetzt noch mal eine ganz andere Frage. Mehrwegverpackung. Es gibt ja von der Verpackungshierarchie, also was diese Entsorgung angeht. Man soll ja möglichst re-use, ist ja immer so ein Schlagwort.
Denkst du, dass es im Online-Handel jemals Mehrwegverpackung im nennenswerten Maße geben wird? Tatsächlich verkaufen wir über Gorillas im Raum Berlin so Joghurt, also unsere Produkte in Joghurt-Pfandgläsern, die man so von, ich will jetzt keine Markennamen nennen, aber diese typischen Joghurts, die man so im Kühlregal kriegt, in Glas, da sind dann unsere Produkte auch abgefüllt. Das machen wir auch. Ich glaube, es kann größer werden.
Kundenbereitschaft für Rückgabesysteme
Ich kann es wenig einschätzen, weil in dem Punkt muss, glaube ich, auch die Bereitschaft der Kunden da sein, in diesem ganzen System mitzumachen. Das heißt, es ist ein zusätzlicher Aufwand, diese Gläser dann zurückzubringen oder zurückzugeben oder was auch immer man damit macht, da eine Struktur zu schaffen. Und das ist quasi ein Plattformmodell.
Das heißt, es müssen genügend viele da mitmachen, dass sich das Ganze auch irgendwie rechnet. Plus die Versandfähigkeit vom Glas ist natürlich deutlich, deutlich schlechter als von flexiblen Verpackungen. Entsprechend bin ich nicht ganz sicher, ob sich das online durchsetzt. Wenn ich höre, die Gorillas schnallen sich das dann auch auf den Rücken.
Die müssen es ja hin und her fahren. Es muss gereinigt werden. Da geht auch mal was kaputt. Und die kriegen natürlich nicht so viel mit, wenn sie die schweren Gläser wissen.
Das ist ein Produkt von Coro Fresh, nehme ich an. Nicht offiziell von Coro Fresh. Coro Fresh ist bei uns eine frische Box, mit der wir quasi Obst und Gemüse verschicken. Aber ja, genau, das ist speziell für die Kooperation mit Gorillas geschaffen worden.
Und das verkaufen wir auch nicht online, sondern nur quasi über die Gorillas Märkte in Berlin. Weil, wie gesagt, das online Versenden vom Glas ist ja immer so ein Thema. Und auch bei uns immer noch ein hoher Punkt, was die Reklamationsquote angeht. Was wünschst du dir von der Verpackungsbranche so als Appell?
Als letzte Frage von meiner Seite: Was würdest du als Appell an uns Flexpacker denn richten aus Sicht eines Online- und vielleicht auch stationären Händlers? Also, ich glaube, interessant wäre eben ein aktiver Zugang auf die großen Hersteller, denn die großen Hersteller sind die Abnehmer der Verpackungsindustrie oder der Folienhersteller und aus der Industrie, dass das ganze Thema vorangetrieben wird. Entsprechend in Wahrscheinlichkeiten stärker denken.
Und zu gucken, wo landet was? Und dann entsprechend vielleicht auf die Hersteller zugehen und zu gucken, was kann man da eigentlich machen? Und generell vielleicht, aber Karsten, ich meine, wenn das einer macht, dann du. Es ist das ganze Thema Aufklärung.
Ich glaube, da gibt es wahnsinnig viel Wissen, was in dieser Nische quasi drin ist. Extrem schwierig da reinzukommen und vielleicht wenig Digitalisierung in dieser Branche. Aber ich will der Branche auch nicht zu viel quasi Kritik äußern, sondern ich glaube, da kann man noch, da ist sehr, sehr viel Potenzial, weil das Interesse aktuell in der Gesellschaft, da mehr zu lernen, extrem hoch ist. Und deswegen glaube ich auch, dass so ein Podcast einfach wahnsinnig stark, wahnsinnig starken Anklang findet und dass man auch gucken kann, wie man sowas vielleicht an die breite Masse quasi adressiert.
Podcast-Erfolg und Brancheninteresse
Bei uns haben wir jedenfalls gesehen, aus den zwei Terminen, die wir hatten für den Koro-Podcast, dass das Interesse wahnsinnig groß war und das Feedback phänomenal. Ich glaube, die Leute sind interessiert. Ich glaube, da kann man einfach viel machen. Und egal, was man macht, das trifft aktuell auf Anklang.
Freut mich sehr, Piran. Du hast mich übrigens auch motiviert. Gebe ich gerne auch mal ein Kompliment zurück. Ich werde in zwei Wochen auch wieder in einem anderen Format, einem Videoformat, bei einem großen Fleischwurstverarbeiter sprechen.
Der interessiert sich nämlich auch für Verpackungen. Der kriegt auch immer Haue, obwohl seine Wurst super ist und die Verpackung auch. Und trotzdem kriegt er immer Schläge. Und da wollen wir mal ein bisschen aufklären.
Das ist also auch für mich so ein bisschen, ich will nicht sagen Hobby, aber doch eine Passion geworden, auch für diese Flexpack-Verpackung, die ja nun mal die Minimalverpackung ist, zu werben. Aber da, wo sie hingehört, manchmal ist eben auch das Mehrwegglas mit Kunststoffdichtung im Deckel übrigens die bessere Lösung. Und oft ist aber die Dichtung im Deckel schwerer als der ganze Beutel. Und da muss man sich immer wieder überlegen, bin ich da wirklich richtig unterwegs mit den Gorillas?
Oder ist das wirklich eigentlich manchmal doch wieder ein bisschen Greenwashing? Ganz, ganz lieben Dank, lieber Piran. Es hat so einen Spaß gemacht, mit dir diese Sendung zu machen. Wir waren alle auf dem letzten Drücker.
Deswegen hatten wir auch den einen oder anderen kleinen Hänger. Also ich persönlich. Du hast das toll gelöst. Melde dich, wenn du wieder ein Podcast aufnehmen willst.
Ich bin gerne bereit, beantworte alle Fragen, weil ich es nicht beantworten kann. Danke an dieser Stelle. Karsten, danke für die Einladung. Vielleicht etwas Interessantes für Sie dabei.
Teilen Sie gerne diese Episode mit Freunden und allen, die sich für Flexpack und Verpackung insgesamt einsetzen und oder interessieren. Mein Name ist Karsten Schröder. Und wenn auch Sie einmal Teil dieser Initiative „Mehr Flexpackwissen für jedermann“ werden wollen, schicken Sie mir eine kurze E-Mail an ks@innoform.eu. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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