Wie Coppenrath & Wiese Qualität, Kosten und Nachhaltigkeit vereint
Podcast-Gespräch mit Stephan Richter, Qualitätssicherung Verpackung bei Coppenrath & Wiese
Der Einsatz von ECG bzw. 7C-Multicolor wird in der Verpackungsbranche seit Jahren intensiv diskutiert – oft theoretisch, manchmal kontrovers. In dieser Podcast-Episode des Innoform Podcasts sprechen wir mit Stephan Richter von Coppenrath & Wiese über einen bemerkenswerten Praxisfall:
Wie ein Markenartikler mit enormen Volumina den Umstieg auf standardisierten 7C-Flexodruck erfolgreich umgesetzt hat – und warum sich dieser Schritt technisch, wirtschaftlich und qualitativ ausgezahlt hat.
Vom Repro-Pionier zur Qualitätssicherung bei Coppenrath & Wiese
Stephan Richter ist seit mehreren Jahrzehnten in der Druck- und Verpackungsbranche tätig. Nach Stationen in der konventionellen und digitalen Reproduktion – unter anderem bei Bischof + Klein – startete er vor einigen Jahren bei Coppenrath & Wiese zunächst als Verpackungsentwickler.
Der Auslöser für einen grundlegenden Strategiewechsel war eine massive Reklamation im Flexodruck von Brötchenbeuteln. Das Ergebnis:
Coppenrath & Wiese baute eine eigene, hochprofessionelle Qualitätskontrolle für Folienverpackungen auf – inklusive Farbmesstechnik, Repro-Abgleich, Remote-Proofing und klar definierter Standards.
Ausgangslage: Millionen Verpackungen, minimale Toleranzen
Coppenrath & Wiese produziert täglich rund 4,3 Millionen Brötchen, die in BOPP-Folienbeuteln verpackt werden. Bei diesen Mengen entscheidet jedes Zehntelcent – sowohl bei Material-, als auch bei Rüst- und Prozesskosten. Gleichzeitig müssen die Verpackungen:
- im Regal absolut einheitlich aussehen
- audit- und allergenrelevant korrekt gestaltet sein
- across multiple Druckereien identisch reproduzierbar bleiben
Genau hier stieß der klassische Sonderfarbansatz an seine Grenzen.
Der Schritt zu ECG / 7C-Multicolor
Die Entscheidung fiel auf Extended Color Gamut (ECG) bzw. 7C-Flexodruck. Ziel war es:
- die Anzahl der eingesetzten Farben zu reduzieren
- von 10-Farben-Layouts auf maximal 7–8 Farben zu kommen
- Rüstzeiten, Plattenanzahl und Farbvielfalt drastisch zu senken
- gleichzeitig die visuelle Markenstabilität zu verbessern
Heute werden viele Anwendungen sogar mit nur sechs oder sieben Farben realisiert – ergänzt durch Sonderfarben nur dort, wo es technisch oder visuell notwendig ist (z. B. Neon-Orange im Logo).
Standardisierung als Schlüssel zum Erfolg
Ein zentraler Erfolgsfaktor: konsequente Standardisierung.
Coppenrath & Wiese arbeitet mit einer Zentralrepro, die:
- jeden Drucker einzeln qualifiziert
- pro Druckerei einen individuellen Fingerprint erstellt
- feste Vorgaben für Raster, Farbreihenfolge und Proofing definiert
Die Druckereien werden nicht „eingeschnürt“, sondern auf Augenhöhe eingebunden. Abweichungen sind erlaubt – wenn sie abgestimmt werden. Überraschungen hingegen nicht.
Ein klar formuliertes Print Agreement regelt unter anderem:
- Bemusterung und Freigaben
- akzeptierte Farbabweichungen (z. B. ΔE ≤ 2,5)
- Abgleich Druckbild ↔ PDF
- Weißopazität der OPP-Folien
Weniger Reklamationen, messbare Einsparungen
Die Ergebnisse sind beeindruckend:
- Seit drei Jahren keine einzige Folienreklamation aufgrund des Druckbilds
- deutlich kürzere Andruckzeiten
- weniger Makulatur
- weniger Druckplatten
- geringere Farb- und Reinigungsaufwände
Allein im Flexobereich konnte Coppenrath & Wiese laut eigener Aussage rund 177.000 Euro pro Jahr im Reproduktions- und Vorstufenprozess einsparen.
Nachhaltigkeit als positiver Nebeneffekt
Der Umstieg auf 7C wurde primär aus Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsgründen getrieben – wirkt sich aber klar positiv auf die Nachhaltigkeit aus:
- geringerer Farbverbrauch (u. a. durch weniger Waschvorgänge)
- weniger Druckplatten
- geringere Ausschussquoten
- bessere Prozessstabilität
Auch neue Polyurethan-Druckfarben, die im Kontext Recyclingfähigkeit diskutiert werden, ließen sich problemlos in den bestehenden 7C-Workflow integrieren – ohne sichtbare Qualitätseinbußen.
Empfehlung an Markenartikler und Druckereien
Stephan Richters Fazit ist eindeutig:
Wer heute große Produktportfolios, viele Sonderfarben und mehrere Druckpartner managt, sollte sich ernsthaft mit ECG/7C beschäftigen.
Der Weg ist kein Selbstläufer. Er erfordert:
- Know-how
- Disziplin
- Investitionen in Standardisierung und Kommunikation
Doch der Nutzen überwiegt deutlich – insbesondere bei hohen Volumina und internationalen Markenauftritten.
Sein Appell an die Druckindustrie:
Machen Sie sich frühzeitig fit für zC. Wenn der Kunde bereit ist und Sie nicht – zieht er weiter.
Zum Podcast
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