Im Rahmen des 10. Expertentreffs Verpackungsdruck – erstmals unter dem neuen Namen InnoPrintPack – stand ein Thema besonders im Fokus: 7C Multikolordruck. Während auf der Bühne viel Begeisterung zu spüren war, zeigten die Gespräche in den Pausen: Ganz so einfach ist die Technologie nicht.
Um genau darüber zu sprechen, hat Karsten Schröder Udo Linke, Branchen-Urgestein und Geschäftsführer der WKA B2P GmbH, in den Podcast eingeladen.
Linke ist seit den 1970er-Jahren im Flexodruck zuhause und hat unter anderem Procter & Gamble bei der Einführung des Flexodrucks begleitet – ein Erfahrungsschatz, der sich durch das gesamte Gespräch zieht.
Was steckt hinter B2P – Brand to Print?
WKA B2P versteht sich als Full-Service-Partner für Marken:
Die Repro- und Druckexperten übernehmen die komplette Verantwortung vom Layout bis zur Druckmaschine – über alle Verfahren hinweg. Das bedeutet: First-Time-Right ist nicht nur ein Versprechen, sondern täglich gelebte Praxis.
Von 4C zu 7C – Chance oder Risiko?
Während 4C plus Sonderfarben seit Jahrzehnten bewährt ist, soll 7C die Farbpalette erweitern und Prozesse vereinheitlichen.
Die Theorie klingt gut: Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz plus Orange, Grün und Violett bilden gemeinsam einen erweiterten Farbraum, der Sonderfarben überflüssig machen soll.
Doch die Praxis ist komplex. Sehr komplex.
Warum 7C so viel schwieriger ist
Udo Linke formuliert es deutlich:
7C ist die “hohe Schule” des Druckens.
Denn:
- Sieben Farbwerke müssen konstant und feinrasterig arbeiten
- Rasterwalzen müssen präzise und langlebig sein
- Farbdichten dürfen nicht schwanken
- Substrate, Klischees und Farbformulierung müssen absolut stabil sein
- Die Farbreihenfolge der Maschine ist fix – keine spontanen Anpassungen möglich
Schon kleinste Abweichungen wirken sich auf das gesamte Druckbild aus. Ein “Pommes noch etwas gelber machen” – wie Linke beispielhaft erklärt – ist im 7C-Druck schlicht unmöglich.
Einfluss der PPWR: Wenn Druckfarbe neue Probleme schafft
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) sorgt für Druck – im wahrsten Sinne.
Die Abkehr von Polyurethan-Bindemitteln und die zunehmende Verwendung neuer Rezepturen verschärfen die Herausforderung:
- neue Farben verhalten sich im Raster anders
- die Flächendeckung ändert sich
- Klischees übertragen Farbe unterschiedlich
- Zuwachs im Lichterbereich wird unberechenbarer
Udo Linke fasst es zusammen:
Die Umstellung wirkt sich positiv auf Repro 4C und 7C-Prozesse aus.
Realität auf der Maschine: Kalibrierung statt Bauchgefühl
Wer 7C wirklich beherrschen will, braucht nicht nur Expertise, sondern Zeit – und Geld.
Denn jede Maschine muss:
- komplett kalibriert werden
- mit allen sieben Farben abgedruckt werden
- per Messung farbmetrisch ausgewertet werden
- per Lookup-Table exakte Farbanteile für jede PMS-Farbe erhalten
Erst dann ist eine zuverlässige Ausgabe möglich.
Das bedeutet: keine Änderungen, keine Experimente, keine „mal eben“.
In der Praxis ein gewaltiger Eingriff in die tägliche Arbeit.
Ist 7C die Zukunft? Wie Branchenakteure profitieren – oder auch nicht
Im Podcast wird deutlich:
Nicht für alle Beteiligten bringt 7C eine echte Verbesserung.
Wem 7C Vorteile bringen kann
- Farbfabriken: weniger Sonderfarben, effizientere Pigmentnutzung
- Maschinenhersteller: klare Standards bedeuten reproduzierbare Technik
- Brands: ökologische Argumente, potenziell weniger Farbwechsel
Wer unter 7C eher leidet
- Repro & Klischeeherstellung: deutlich höherer Aufwand
- Flexodrucker: enorme Komplexität, geringere Flexibilität
- Endkunden mit Feinstdetails: zarte Texte, Verläufe, Weißtöne – alle werden schwieriger
Viele Motive (z. B. Kosmetik, Molkereiprodukte, feine Etiketten) sind für 7C schlicht ungeeignet.
Ein weißer Mozzarella, der schnell ins Grüne kippt, ist nur eines von vielen Beispielen.
Trendradar: Flexodruck, Tiefdruck, Digitaldruck
Udo Linkes Einschätzungen im Überblick:
Flexodruck
- wird weltweit, besonders in Asien, zunehmend attraktiver
- kann feine Typografie heute sehr gut abbilden
- leidet aber derzeit stark unter PPWR-Regulierungen und Umstellung auf PU Farben
Tiefdruck
- verliert Marktanteile
- bleibt jedoch in Premiumsegmenten relevant
Digitaldruck
- war ein Motor für die 7C-Idee
- eignet sich aber nicht für alle Materialien
- Geschwindigkeit und Haftung bleiben restriktive Faktoren
Wird Verpackung unwichtiger?
Ein spannender Gedanke, den Linke einbringt:
Budgets verschieben sich von Verpackung hin zu Social Media.
Die Verpackung muss weiterhin funktionieren, aber nicht mehr „glänzen wie früher“.
Effekte wie Gold oder Hochglanz spielen zunehmend nur noch im Premiumsegment eine Rolle, während im Massenmarkt Haptik und Mattlack an Bedeutung gewinnen.
Udos Empfehlung an Druckereien: Mit Augenmaß investieren
Zum Schluss gibt Udo Linke einen klaren Rat:
- Ja, 7C anbieten – aber nur, wenn es passende Kunden gibt.
- Ein blindes Überstülpen des Systems ist nicht sinnvoll.
- In vielen Fällen reichen 4C + 1–2 Sonderfarben völlig aus.
- Einige europäische Märkte gehen sogar wieder weg von 7C.
Das Fazit des Experten:
7C ist ein wichtiges Werkzeug – aber nicht die Zukunft für alle Anwendungen.
Fazit: 7C bleibt ein heiß diskutiertes Thema
Die Episode zeigt eindrucksvoll, wie viel Know-how hinter modernen Druckprozessen steckt – und warum 7C weder Allheilmittel noch Fehlschlag ist.
Es ist ein Werkzeug, das unter den richtigen Bedingungen glänzt, aber hohe Disziplin und Prozesssicherheit erfordert.
Mit Udo Linke liefert dieser Podcast einen realistischen, praxisnahen und wertvollen Blick auf Chancen und Grenzen dieser Drucktechnologie.
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Transkript
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Herzlich willkommen zur neuen Episode des Innoform Podcasts. Ich bin Karsten Schröder, spreche heute mit Udo Linke über 7C, 4C und alles, was es so um Repro zu besprechen gibt. Viel Spaß! Wir blicken zurück auf den zehnten Expertentreffer Packungsdruck, der ja jetzt neuerdings Inno-PrintPack heißt und der stand unter dem Motto 7C Multicolour Druck.
Und wir wollen dieses Thema nochmal aufgreifen, weil dort wurde es so ein bisschen als Hype dargestellt, alle waren ganz euphorisch, aber in der Pause merkten wir doch, es gibt auch kritische Stimmen und das ist nicht das Allheilmittel. Und da habe ich mir einen Experten geholt, der nicht nur für First-Time-Right steht, sondern der einfach ein Urgestein des insbesondere Flexo-Drucks und der Repro dazu, aber auch natürlich für andere Druckverfahren, ist nämlich Udo Linke von WKA. Herzlich willkommen, Udo Linke, hier im Innoform Podcast. Karsten Schröder, grüß dich, einen schönen guten Mittag.
Ja, wir sind ja um die Mittagszeit im Augenblick. Wir haben das schon mal aufgenommen, da ist es schief gegangen, jetzt machen wir es nochmal neu und ich habe mir ein bisschen anderen Stil jetzt auch vorgenommen. Ich fange vorne bei deiner Firmenbezeichnung an, WKA B2P. Was bedeutet B2P?
Klär uns auf. B2P ist das, was wir im Prinzip tun. Wir haben eine Reihe von Kunden, die im Brand- und Retailerbereich sind und deshalb B2P heißt nichts anderes, als dass wir eine Brand zum Druck bringen und die gesamte Verantwortung in dieser Leistungskette aufnehmen. Das ist nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit, aber wir versuchen eben mal, dieses First-Time-Right auch komplett über unser Kundenportfolio zu leben.
Das heißt also Verantwortung bis zur Druckmaschine, bis zum Cliché. Das Besondere bei uns ist, dass wir eben halt alle Druckverfahren abdienen, dass wir in der Lage sind, in unserem Hauptsegment, also dem Flexo-Druck, auch Druckformen zu liefern. Das gleiche gilt auch für Becherdruck zum Beispiel oder für die Wellpappe, was ja auch Hochdruck ist. Und für die restlichen Verfahren liefern wir eben mal Daten auf, die kompatibel sind und mit denen man dann gleich in die Druckmaschine gehen kann.
Hochspannendes Feld natürlich. Erzähl uns noch ein bisschen so über deinen Werdegang. Du bist ja seit den 70er Jahren dem Druckverfahren Flexo-Druck so ein bisschen verschrieben. Was hast du die ganze Zeit eigentlich so gemacht?
Flexo-Druck war für mich der Start in meiner Karriere. Ich kenne die alten Druckingenieure noch von früher, als sie unterwegs waren. Und wir haben praktisch Flexo-Druck kreiert. Flexo-Druck ist ja, wenn man so will, kommend vom Kartoffeldruck über schwierige Problematiken, die insgesamt da sind.
Und das Ganze aufzubröseln und die Entwicklungen in diesen Zeiten mitzumachen. Dazu gehört ein bisschen Know-how. Dazu gehört die Möglichkeit, aber auch das Glück, an der Nahtstelle des Flexo-Drucks gewesen zu sein, als er sich etabliert hat. Und so haben wir natürlich oder habe ich persönlich auch sehr viele Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht.
Flexodruck bei Procter & Gamble Karriere
Als Procter & Gamble in den Flexo-Druck ging und nur im Tiefdruck und Offset war, da war ich da und habe zum Beispiel für so eine Firma komplett die gesamten Reproduktionen gemacht für Europa. Und Europa geht bei denen bis Mittlerer Osten. Also ich bin mehr oder weniger überall gewesen und habe praktisch etabliert, dass man im Flexo-Druck dieses Produkt rufen kann. Ich habe noch viele Kontakte aus der Zeit.
Kenne ich dich auch, du bist eigentlich wirklich ein bekannter Name in der Branche, hast dich immer auch für neue Technologien interessiert, aber du stellst sie auf den Prüfstand, das habe ich wahrgenommen. Bevor wir jetzt ins Detail gehen, müssen wir natürlich die Begriffe noch ein bisschen erklären. Bekannt ist vielen der Vierfarbdruck, 4C. Was ist 7C und wie hängt das miteinander zusammen, Udo?
Na ja, 4C ist im Prinzip die Möglichkeit, jedes Bild im Prinzip darzustellen. Und wenn ich die Farbpalette erweitern will, also Sonderfarben, spezielle Farben darzustellen, hat sich im Prinzip etabliert, kommt aus dem Digitaldruck und aus dem Wellpappendruck auch in bestimmten Bereichen digitaler Wellpappendruck die Möglichkeit, das Ganze auch in sieben Farben zu drucken. Das heißt, neben dem Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz als Kontrast oder K kommt noch drei Farben dazu. Und man versucht mit einem Orange, Grün und Violett dann die komplette Farbpalette abzudecken.
Ich kann das mal ganz einfach erklären. Wir alle haben früher in der Schule diesen Wasserfarbenkasten gehabt, sage ich mal, aus dem wir gearbeitet haben. Und hier versucht man jetzt eben halt nicht auf vier Farben, sondern auf sieben Farben alle Farben abzudecken, indem man sie mischen kann untereinander, eben halt übereinander drucken kann, um eine größere Farbpalette insgesamt zu haben. Traditionell kommt es aus dem Digitaldruck, weil wenn man hochausgebaute Digitaldrucker sieht, dann haben die meisten noch Sonderfarben dazu, um eben halt diese Palette abzudecken.
Und dieser 7C-Druck, den wir da ja besprochen haben, das habe ich da in dem Inno-Meeting gelernt, hängt davon ab, dass man sehr konstante Parameter hat, dass man eine konstante Farbe hat, dass man konstanten Bedruckstoff hat, konstante Rasterwalzen, Klischees. Wie würdest du die Komplexität einstufen zwischen 4C und 7C? Und was sind eigentlich die Vor- und Nachteile? Naja, ich würde mal sagen, 4C plus Sonderfarben ist einfacher zu drucken, weil ich einfach eine stärkere Standardisierung habe.
Die Sonderfarben werden angemischt, angemischt geliefert oder ich mische sie selber und dann habe ich über die Auflage die Möglichkeit, diese Sonderfarbe konstant zu drucken und muss mich nur auf 4C konzentrieren. Sobald ich irgendwelche Probleme in 7C habe, wirken die sich auch auf die Skalenfarben bzw. auf die gesamte Darstellung aus. Also 4C plus Sonderfarbe ist einfacher zu drucken.
7C ist die hohe Schule, da müssen alle Parameter passen und alle Parameter müssen auch eingehalten werden, weil da kann man ja nicht mehr eingreifen. Ich kenne unheimlich viele Druckabnahmen, wo auch der Brand-Chef ja noch stand und sagte, das könnten die Pommes noch ein bisschen gelber sein, aber wenn ich die Pommes jetzt ein bisschen gelber mache, würden meine Sonderfarben ja gleich alle mitgehen, weil ich das Gelbe auch in den Sonderfarben verarbeitet habe. Das sind die Dinge, die sich aus der Praxis ergeben und ich merke schon den Rückschritt wieder, dass man sagt, 7C ja, aber die Sonderfarben nur in den, nur die Sonderfarben gemacht auf den 7C und die Skala bleibt bestehen, weil man diese Problemstellung ständig hat. Und ich kenne keine Druckabnahme, die nicht so läuft, dass nicht irgendwo ein bisschen noch was gemacht wird, außer das passt wirklich zu 100 %, was bei uns sehr häufig der Fall ist.
Dafür bin ich sehr froh, sage ich mal. Aber generell ist das so. Und das verspricht ja auch das Verfahren. Keine Änderungen mehr, ein Proof in die Maschine drucken, alles läuft von Anfang an, wie der Proof aussieht.
Verantwortung von Druckmaschine digitalisieren
So sieht auch hinterher das Ergebnis aus. Und das ist nicht besonders praxisgerecht, würde ich mal sagen. Wir müssen uns sicherlich dahin weiterentwickeln. Das war auch so ein bisschen der Tenor bei der Inno-PrintPack.
Die Verlagerung der Verantwortung weg von der Druckmaschine hin quasi in die digitale Welt, wo man quasi schon bei der Anlage des Druckbildes ja alles perfekt first time right anlegen muss und man hat auch gar keine Chance mehr, hinterher einzureifen. Jörg Rohde hat einen spannenden Vortrag gehalten über Rasterwalzen. Lassen Sie uns doch an dem Beispiel mal erläutern, wie schwierig das ist mit der Konstanz. Was für ein Einfluss hat überhaupt eine Rasterwalze auf so einen 7C-Druck?
Und warum müssen die konstant sein? Ich fand den Vortrag, ich war ja bei der Veranstaltung hervorragend. Jörg ist natürlich ein absoluter Praktiker und spricht mir aus der Seele. In 7C müssen wirklich alle sieben Rasterfarbwerke sein.
Überall muss eine relativ fein definierte Rasterwalze eingesetzt werden, weil ich ja auch in diesem Rasterbereich einen relativ feinen Raster drucken muss. Also unter 54er Raster würde ich mal sagen, ist in dem Fall nichts machbar oder wenig machbar. Ich muss ja auch Farbtöne zusammensetzen. Ich habe auch noch die Winkelung, die eine Rolle spielt, die unter Umständen bei 7C auch eine Moiré-Erscheinung geben kann, wenn ich das nicht optimal in der Repro anlege.
In 7C gedruckt ist hochqualitativ im Raster sieben Farben gedruckt und das muss reproduzierbar sein. Ja, jetzt kommt ja die PPWR und macht Druck auf die Druckindustrie. Das ist ein kleines Wortspiel. Und wir müssen jetzt recyclingfähigere Druckfarben einsetzen.
Und da ist ja das große Damoklesschwert die Polyurethan-Druckfarbe. So will ich es wirklich mal dramatisch formulieren. Welchen Einfluss hat denn zum Beispiel der Wechsel einer Druckfarbe auf die Repro für 7C? Ich stelle in der Praxis ja fest, dass die Farbenverbringungen sich bemühen, auch diese BU-Farbe in eine Konsistenz zu bringen oder in eine Lage zu bringen, dass man hier reproduzierbar drucken kann.
Aber ich stelle fest, dass da doch noch einiges an Arbeit erfolgen muss. Die neue Justierung der Druckfarbe mit einem anderen Bindemittel hat natürlich Auswirkungen auf die Flächendeckung, auf das Ausdruckverhalten im Raster, mit welchem Klischee zusammen. Es wird schon gefeilt am Markt, welches Klischee denn die beste Übertragung im BU-Bereich hat und so weiter. Wir wissen insgesamt, die Farbe ist etwas schwieriger zu drucken.
Das haben ja auch andere Veranstaltungen schon kundgetan, bei denen ich war im Lichterbereich, wird es sehr viel klebriger, stickiger. Ich muss eben halt auch die Farbe entsprechend aufbereiten, dass ich sie vernünftig drucken kann. Und das ist natürlich für 7C nicht förderlich. Das kann man ganz deutlich so sagen.
Brands to Print Multi-Verfahren Anforderungen
Ihr führt Brands to Print im Namen. Und die Brands wollen natürlich nicht nur in einem Druckverfahren drucken lassen. Denen ist das eigentlich sogar oft egal. Wichtig ist, es soll immer gut aussehen.
Jetzt haben wir sehr stark über Flexodruck gesprochen. Gilt das Gleiche auch für Tiefdruck? Und wie sieht es eigentlich mit Digitaldruck im Vergleich aus? Na ja, warum der Digitaldruck nicht diese 7-Farben-Problematik schon seit 20 Jahren machen, ist ja an und für sich logisch.
Auch da sind in der Vergangenheit Sonderfarben eingesetzt worden, um eben halt eine Konstanz im Druck zu erreichen. Ich habe ja schon zu Anfang gesagt, 4C plus Sonderfarbe ist einfacher zu drucken. Hier ist jetzt die Frage: Akzeptiert die Brand eben halt, wenn ich Abweichungen habe? Akzeptiert die das, wenn ich Schwankungen im Druckprozess habe?
Und ist das vielleicht die neue Situation, in der ich mich befinde, dass die Brands eben halt auch mein Auge zudrücken, um eben halt vermeintlich oder auch speziell zu sparen, energiebewusster bzw. ökologischer zu drucken? Aber das ist, glaube ich, auch ein Trend, den wir erleben werden. So ist die gesamte Gesellschaft ja im Augenblick so.
Es kommt da nicht mehr so drauf an, wenn es dann ökologisch ist und wenn es dann im Prinzip allen hilft und wir umweltbewusster sind. Kannst du einsortieren, ist 7C einfacher im Tiefdruck oder im Flexo-Druck? Oder wie ist es eigentlich beim Offset-Druck? Den haben wir noch gar nicht gewürdigt in diesem Podcast.
7C im Offset-Druck ist ja selten gemacht worden, würde ich mal sagen. Ich kenne es mal, vor zig Jahren habe ich mal so eine Mischform gesehen, wo ein Offset-Drucker versucht hat, alle möglichen Brands auf einem Bogen zu machen. Das war eine interessante Herausforderung. Da hat man mal gesehen, da habe ich mal so einen Farbturm gesehen, Farbtöne gesehen.
Das ist daran gescheitert, dass nicht alle Verpackungen die gleiche Auflage haben. Klar, wenn ich jetzt da verschiedene Sachen zusammen packe auf eine Form, dann will der eine vielleicht nur 3000 Fallschachteln und der andere will 5000. Aber ich habe die anderen auf der Form mit drauf. Das sind dann so Auswüchse, wo ich dann sage, man hat es gelassen einfach, weil es sich damals nicht durchgesetzt hat.
Und mein erster Vortrag über 7C ist von 2008, den ich vor der DFDA gehalten habe. Und das ist schon einige Zeit her. Und es hat sich nicht wirklich etabliert am Markt, weil für dieses Gesamtkonzept, für die Tatsache, dass in 7C arbeiten will, ja auch Aufträge brauche. Ich muss eine Maschine belegen, weil sonst ist die ganze Wirtschaftlichkeit – was nutzt es mir, wenn ich zwei Tage 7C drucke und dann drucke ich wieder konventionell.
Einsparungspotenziale im Schmalbahnbereich Labels
Wo ist dann die Einsparung? Wie viel Einsparung ist denn insgesamt da? Das muss man also, das muss man ja auch sehen von der Seite aus. Also ich halte es immer für eine gute Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.
Es wird Bereiche geben, wo es funktioniert. Im Schmalbahnbereich, im Labelbereich denke ich mal, ist das durchaus machbar, in kleinen Auflagen digital, aber in der flexiblen Verpackung, speziell im Folienmaterial halte ich für schwierig. Nimm uns mal mit in die Praxis. Und dafür stehst du ja, weil du die Brand ja wirklich auf den Bedruckstoff bringen musst.
Wie geht das in der Praxis eigentlich bei 7C im Vergleich zu 4C oder zu anderen Druckverfahren? Gibt es da Unterschiede? Musst du mehr Daten von der Maschine haben? Brauchst du mehr Informationen über die Druckplatten, über Repro?
Was ist der Unterschied? Man kalibriert fast komplett eine Druckmaschine. Das heißt, es muss ein Test-Andruck gemacht werden in sieben Farben, in diesen sieben Farben, die man dann ausgewählt hat, von dem Farbhersteller mit dem Bindemittel. Und dann wird der 7C gedruckt und dann gibt es Programme, auch von verschiedenen Herstellern.
Und dann wird das ausgemessen. Dann wird also praktisch definiert, welche Farben ich insgesamt drucken kann. Man muss sich das so vorstellen, dass praktisch jede PMS-Farbe dann hinterher eine Definition bekommt, wie viel Yellow, wie viel Cyan, wie viel Magenta, wie viel Schwarz, wie viel Orange, wie viel Grün und Violett muss ich denn drucken, damit ich diese Farbe aus dem PMS-Fächer oder aus der Sonderfarbe erreiche. Und das messe ich aus und dann habe ich ein Lookup-Table.
Dann sehe ich im Prinzip, wenn man das mal visualisiert, welche Farben ich dafür nötig habe. Solche Dinge kann man zeigen. Aber das ist dann eine ganz feste Vereinbarung. Hier ist nichts mehr flexibel.
Ach ja, noch was: Farbreihenfolge in der Maschine, die muss dann bleiben. Da kann ich nicht irgendwelche Veränderungen vornehmen. Also, alle Dinge sind eingefroren, wenn ich so will.
Ich mache mir einen Standard, ich kalibriere das und dann mit all den zusätzlichen Bedingungen, die eben halt Flexodruck hat. Das heißt Substrat, das heißt Rasterwalze, das heißt Farbe, unterschiedliches Klischee. Auch Klischees drucken unterschiedlich.
Klischee-Auswahl und Motivreproduzierbarkeitskriterien
Welches Klischee eignet sich etwas besser, etwas schlechter im Prinzip und dann kommt vielleicht noch die Reproduzierbarkeit dazu, die auch natürlich von Druckerei zu Druckerei auch ein bisschen sehr unterschiedlich ist. Also, es ist schon eine Herausforderung. Man muss die Marke mitnehmen. Das ist einwandfrei.
Die Brand muss wissen, hier sind Vorteile da. Ich habe angenommen mal, ich kenne einen Fall, ich habe 40, 50 Motive, im Prinzip auch Kleinauflagen. Da macht es dann vielleicht Sinn. Da wird eine Woche nur für den Kunden gedruckt.
Aber wer hat schon diese Auflagen, sage ich mal. Das ist immer die große Frage im Flexodruck, wo die Auflagen kleiner werden. Aber bei kleineren Auflagen ist es ja vielleicht unter Umständen interessant, wenn ich dann eben halt eine Maschine drei, vier Tage laufen lassen kann mit verschiedenen Motiven. Da könnte man durchaus eine Einsparung entsprechend generieren.
Aber die Brand, die das akzeptiert, die gehört dazu. Ich höre so ein bisschen raus, die ganze Prozesssicherheit, die Konstanz ist wahnsinnig wichtig. Und Jörg Rohde hat erklärt, wie schnell doch auch eine Rasterwalze außerhalb der Toleranz rausläuft, eine klassische, wenn sie so ein bisschen ein paar 100.000 Laufmeter hinter sich hat. Das Gleiche gilt ja auch für Klischees beispielsweise.
Viskosität der Farbe. Das habe ich jetzt alles so ein bisschen besser verstanden. Bleiben wir mal ganz kurz beim nächsten Bauteil: Klischee.
Es gibt ja im Moment auch bei der Inno-PrintPack einen Vortrag über wasserauswaschbare Klischees, wo also das Wasser im Zyklus bleibt. Diese Klischees wurden dann auch über die Oberflächenspannung als besonders vorteilhaft dargestellt. Aber wenn ich jetzt deine Ausführungen von eben berücksichtige, ist das ja genau das, was wir nicht machen dürfen bei 7C-Druck. Das heißt, wir müssen ja wieder eine neue Kennlinie drucken bzw.
einen neuen Versuch machen mit diesen neuen Klischees. Oder habe ich das falsch verstanden? Naja, andere Klischees, andere Kalibrierung. Das ist immer so.
Das ist so. Das geht dann, das geht dann kribbelbett. Und wenn man den Flexodruck fragt, wo geht die Reise denn hin? Dann gibt ja keiner eine Antwort, sage ich mal.
Marktentwicklung verschiedener Klischee-Technologien
Haben wir, haben wir demnächst lösemittelauswaschbare Klischees in fünf Jahren? Haben wir thermische Klischees? Haben wir wasserauswaschbar? Da äußert sich keiner und keiner will da auch die Vorreiterrolle spielen.
Wir haben also noch eine deutliche Splittung des Marktes insgesamt, sage ich mal. Eine generelle Sichtweise ist da im Augenblick nicht zu erwarten. Die ist vielleicht zu erwarten in den neuen Märkten wie im asiatischen Bereich, wo man Lösemittel von vornherein gleich, wenn man vorher Tiefdruck gemacht hat, vielleicht gar nicht mehr verwenden möchte und den ökologischen Gedanken einer Wasserfarbe und Wasserfarbenproduktion schon in das Kalkül mitnimmt. Aber das sind im Augenblick nicht die etablierten Märkte, wie wir sie in Europa finden.
Viele hatten sich das Thema 7C gewünscht, aber ich höre bei dir auch immer so ein bisschen raus, es ist nicht ganz so einfach. Für wen bringt es denn Vorteile? Kannst du das vielleicht ein bisschen besser einsortieren? Na gut, die Vorteile einer Farbfabrik kann ich nicht umreißen, weil ich keine Farbfabrik habe, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass man, sage ich mal, wenn man sieben Farben Pigmente zur Verfügung stellen muss, in bestimmten Bereichen einfach wirtschaftlich erarbeiten kann.
Das könnte man sich ja schon vorstellen. Das Gleiche gilt im Prinzip auch für Maschinenhersteller, die sich darauf dann einlassen und die dann im Prinzip immer die gleiche reproduzierbare Rasterwalze liefern. Also es ist schon insgesamt von der Fertigung her eine Rationalisierung zu erwarten, wenn man diesen Weg gehen will. Das kann man nicht anders sagen.
In der Klischeeherstellung und in der Reproduktion sieht es vielleicht ein bisschen anders aus. Ich habe ja schon auch mal in solchen Foren erklärt, ich muss vielleicht auf manche Dinge verzichten. Wenn ich einen Dunkelblau als Textfarbe habe, dann müsste ich das Dunkelblau, das müsste ich ja aus mehreren Farben zusammendrucken. Also ich erinnere mich an Procter-&-Gamble-Zeiten, kleine dunkelblaue Schriften auf einer Pamper-Verpackung.
Wie soll ich die drucken? Die muss ich übereinander drucken auf zwei Farben. Dann spielt der Passer wieder eine Rolle, dann spielt das Verfahren eine Rolle, dann spielt die Folie eine Rolle, ob sie sich verstreckt innerhalb des Druckprozesses, ob sie dehnbar ist, ob der Passer überhaupt zu halten ist. Das sind dann die Fragen, die von der Seite aus wiederkommen.
Und Farben zusammendrucken heißt ja auch Strich auf Raster. Und dann gibt es eben das Sägezahneffekt, im Prinzip wenn der Raster zu grob ist an der Seite aus. Und kleinste Abweichungen, gerade bei zarten Tönen. Deshalb glaube ich auch, dass manche Produkte dafür nicht so geeignet sind.
Alles, was im Bereich von Kosmetik ist, alles, was im Bereich von Hygiene ist, sage ich mal, wo zarte Töne gefragt werden oder Flaschenetiketten, sage ich mal. Wir arbeiten auch für die Mineralwässer, wo zarte Verläufe drin sind. Wie soll ich denn zarten Verlauf machen aus Cyan und Yellow, wenn der Vollton richtig kräftig sein soll. Also Zuwachs spielt eine Rolle im Lichterbereich.
Prozesskontrolle bei Motivauswahl verschärft
Also manche Motive, wie sie jetzt aufgebaut sind, schließen sich aus, sage ich mal, weil sie einfach in dieser Thematik vielleicht noch schwieriger zu reproduzieren sind und komplexer sind, sage ich mal. Oder ich kenne es aus dem Molkereibereich, wenn jemand einen Mozzarella darstellen will, der sehr, sehr weiß werden soll. Ja, der kippt natürlich in drei Farben schnell mal ins grünliche oder kippt mal schnell ins rötliche. Und deshalb hat man ihn in der Vergangenheit vielleicht mit einem separaten Grau gedruckt, sage ich mal, mit einem warmen Grau, damit er schön weiß aussieht.
Und jetzt ist die Prozesskontrolle sehr viel stärker ausgeprägt in dem Bereich. Ich muss sehr viel stärker da reingehen. Aber ich sage mal, wenn es die Brand möchte und das Risiko mit eingeht, mehr Kontrolle, schwieriger zu drucken im Prinzip. Und dann ist die Frage, was bringt mir das am Schluss?
Heißt das vielleicht auch, nicht so schnell drucken im Prinzip, weil ich vorsichtiger sein muss? Vielleicht kann ich sonst, ich höre immer diese Aussagen, 500 Meter macht die Maschine usw. Kann ich dann noch 500 Meter, wenn ich sensible Motive habe, wo ich drauf eingehen muss?
Fragezeichen, Ausrufezeichen. Also ist es wirklich Hightech? Jetzt haben wir schon ganz gut die Lieferkette besprochen, aber die Brand. Warum sollte eine Brand sich stark machen für 7C?
Welche Gründe gibt es da eigentlich? Es gibt einmal den ökologischen Gedanken, der da weiter reingetragen wird. Und wie es im Leben immer ist, der Preis. Irgendeiner spart.
Wer spart denn dann? Spart der Drucker? Der Drucker spart. Der Drucker braucht weniger Farbe.
Der Drucker ist derjenige, der in der Wertschöpfungskette vielleicht am meisten spart an der Stelle. Also muss der wieder was abgeben. Ich weiß nicht, ob diese Gleichung funktioniert, sage ich mal. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum viele Drucker sich da gar nicht drum reißen, in sieben Farben was zu machen, außer vielleicht der Marketing-Effekt und die Möglichkeit, da vielleicht einen neuen Kunden auf der Weise zu bedienen.
Weil es muss ja letztlich unterm Strich irgendwo eingespart werden. Vielleicht ist es nur die reine Ökologie, dass man sagt, ich fasse alles mehr zusammen. Verpackung ist nicht mehr so wichtig. Auch das ist vielleicht eine wichtige Message.
Qualitätsstandards in der modernen Praxis
Es ist alles nicht mehr so wichtig wie früher. Ich bin ja dieser alte Hase. Ich habe auch für Zigaretten in der Vergangenheit gearbeitet. Also Delta-E-Werte.
Es musste hundertprozentig sein. Die Zeiten sind vorbei im Prinzip. Man drückt mal eher ein Auge zu, wenn es dann läuft. Es wird aufwendiger in der Vorbereitung.
Es muss reproduzierbarer sein. Ja, und der Flexdruck ist eben halt nicht immer derjenige gewesen, der durch Reproduzierbarkeit immer geglänzt hat in der Vergangenheit, sondern eben halt durch die Flexibilität des Verfahrens auf unterschiedliche Bedruckstoffe arbeiten zu können im Prinzip. Aber natürlich mit ständig wechselnden Werkzeugen, wie Rasterwalze, Farbe, Material, Klischee und so weiter. Wir sind ja ein großer Baukasten.
Wenn ich einen großen Baukasten habe, kann ich viel richtig machen, aber ich kann auch viel verkehrt machen. Du hattest es gerade schon anklingen lassen. Verpackung ist vielleicht nicht mehr so wichtig, bzw. die Bedruckung der Verpackung ist vielleicht nicht mehr so wichtig.
Woran liegt das? Hat das mit den neuen Medien zu tun, mit sozialen Medien? Gehen Budgets woanders hin? Warum sollte Verpackung auf einmal nicht mehr so hochwertig bedruckt werden?
Naja, die Verpackung verkauft, das wird auch immer so bleiben. Ich denke mal, wir sind Menschen, die visualisieren. Es gibt ja diese brüchigen Aussagen: Innerhalb von fünf Sekunden vor dem Regal entscheide ich mich, ob ich etwas haben möchte oder nicht haben möchte, ob ich das gut finde, je nachdem, welche Einstellung ich habe. Aber ich sehe immer mehr und habe auch Einblick da, dass die Budgets viel stärker in Social Media gehen und dass die Verpackung zwar ihren Anspruch genügen muss, natürlich an das Produkt, Haltbarkeit, Schutz usw., aber das Aussehen der Verpackung oder das Geld doch mehr in andere Bereiche fließt.
Gerade in der Zeit, gerade Social Media wird mehr Geld ausgegeben und das wird eben halt am Budget der Verpackung gekürzt. Die muss nicht mehr so… Ich weiß nicht, ob du diese Erscheinung mitgemacht hast. Es gab mal eine Zeit lang, da habe ich gedacht, das ist doch eine unwahrscheinlich schöne, geile Verpackung.
Es gab mal diese Formpack, wo man einen Standbodenbeutel hatte, der auch eine Form noch hatte. Wir haben auch mal so was kreiert, wir haben mal so was gemacht. Das konnte eine Katze sein oder es konnte ein Schuh sein oder irgendetwas. Die Verpackung ist nicht mehr diejenige, die das bedient, die diese Formsprache weiter transportiert oder das Produkt weiter transportiert, sage ich mal.
Ökologische Premium-Verpackungen Markttrends Zukunft
Die Zeiten sind einwandfrei vorbei. Ich denke mal, das ist auch die Message der Zukunft. Ökologisch ja, gut aussehend ja, aber nicht mehr überrissen, nicht mehr ganz besonders. Oder vielleicht – es wird immer Segmente geben, die ganz besonders sind.
Ich denke mal im Parfumbereich, in Flakons, diese ganzen hochwertigen Produkte in hochwertigen Verpackungen. Und es gibt das Massenprodukt in der Mitte, wo wir uns in vielen Bereichen bewegen. Das ist ja in vielen Industrien so. Da ist es eher rückläufig, da wird es eher schwierig, so was darzustellen.
Jetzt ist es ja so: wir wollen auch ein bisschen in die Zukunft schauen. Wie entwickelt sich das weiter? Budgets sind ein bisschen kleiner, Verpackungen sollen trotzdem gut aussehen. Wie sieht es eigentlich aus mit Gold, Silber, Mattlack?
Bleibt das? Merkt ihr schon, dass sich da was verändert? Oder erwartest du da auch eher eine Abnahme mit diesen Special Effects, nenne ich mal? Ja, Gold hat man ja relativ wenig.
Das wird ja schon gar nicht mehr Gold gedruckt. Oder ist auch schwierig zu drucken in bestimmten Bereichen. Das geht ja in diese First-Class-Verpackungen insgesamt rein. Ist nicht so ganz mein Beritt von der Seite aus, kann ich nicht so viel zu sagen.
Aber Mattlack spielt natürlich eine Rolle. Man will wieder über die Haptik irgendetwas erzeugen. Man will nicht mehr Folie sein. Man will etwas sein zwischen Folie und Papier in irgendeiner Form.
Man will etwas erreichen, dass ein Produkt auch über so etwas gekauft wird. Das ist mit Sicherheit ein Trend, der also ganz deutlich ist. Und es gibt einen Trend mit Sicherheit, etwa Sterben vom Tiefdruck her aufgrund von Kosten und anderen Dingen, die andere Leute sehr viel besser wissen. Also Substituieren von Tiefdruck ist aber auch ein Trend, der von Asien kommt.
Asien ist ja ein Markt, der sehr stark im Tiefdruck arbeitet. Und jetzt erkennen die den Flexodruck auch durch die feineren Möglichkeiten von Texten, Möglichkeiten etwas darzustellen. Diese ganze Derografie in dem Textbereich im asiatischen Raum ist ja sehr fein. Und Flexo abbilden und man entdeckt den Flexo, auch aus ökologischen Gründen vielleicht auch vom Drucken her und so weiter.
Flexodruck pusht europäische Maschinenherstellung
Und diese Märkte pushen vielleicht den Flexodruck weltweit, europäisch vielleicht auch. Vielleicht sind wir nur noch der Anhängsel aus dem ganzen Bereich der Verpackung, sag ich mal, in Europa und hängen uns dann hinterher an Entwicklungen aus dem asiatischen Raum. Also ganz klar ein Trend hin zum Flexodruck. Vom Tiefdruck kann man sicherlich festhalten im asiatischen Bereich, weltweit gesehen sicherlich auch.
Und wir sehen ja auch bei den europäischen Druckmaschinen-Herstellern, dass sie natürlich mehr Flexodruckmaschinen bauen und verkaufen als Tiefdruckmaschinen. Das ist ja heute, glaube ich, schon bei denen, die ich zumindest ganz gut kenne, der Fall. Welche Rolle spielt der Digitaldruck in Sachen 7C überhaupt? War das ein Motor dafür?
Ist das vielleicht sogar ein ausschlaggebender Impuls gewesen, der auch nochmal diese eigentlich schon seit Jahren bekannte Technologie nochmal nach vorne gebracht hat? Oder wie schätzt du das ein? Absolut, absolut. Es gab ja sehr viel.
Es gab ja sehr viele Versuche auch in dem Bereich, den Digitaldruck noch weiter zu pushen. Der Digitaldruck hat eben halt die Schwierigkeiten, dass er vielleicht nicht auf allen Materialien drucken kann. Da habe ich eine feste Farbe. Die muss ja durch die Düse, sag ich mal, und dann muss die auf den Substrat.
Und geht die auf jedes Substrat? Das ist ja die große Frage. Und wie schnell ist das im Prinzip? Da sind dann die Einschränkungen.
Jedes Verfahren hat seine Einschränkung, der Digitaldruck mit Sicherheit, von der Schnelligkeit, obwohl das auch schneller wird aufgrund der Technologie und auf der unterschiedlichen Art und Weise. Welche Substrate kann ich denn drucken im Prinzip? Wo hält die Farbe dann auf dem Substrat? Muss ich nach einem, ich kenne das zum Beispiel auch, muss ich nach einem Digitaldruck später im Flexodruck noch lackieren hinterher oben drüber, damit die im Digitaldruck die Farbe hält und solche Dinge hat man alles schon erlebt.
Also alles findet seine Wirklichkeit, seine Möglichkeit. Also der Bereich wird noch größer. Es wird einzelne Entwicklungsschritte geben. Es wird einzelne Dinge auch in 7C geben.
Es wird Kunden geben, die sagen, jawohl, 7C finde ich super für mein Produkt. Und es wird Leute geben, die sagen, 7C funktioniert da nicht. Ich hoffe nicht, dass der Flexodruck, und das ist so ein bisschen meine Befürchtung, durch diese ganze 7C-Diskussion eher leidet, als nach vorne gebracht wird, weil als Verfahren, so wie er ist, ist er komplex. Und diese Komplexität heißt mehr Aufwand und heißt mehr schauen, dass so etwas funktioniert.
Polyurethan-Verdruck schwieriger als Alternativen
Und ich könnte mir so manche Brand vorstellen, ich habe das schon mal in dem einen oder anderen Fall erlebt, wo es um Etiketten ging, dann geht man eben halt in den Offset, wenn diese Darstellung von Verpackungen eben halt im Flexodruck nicht mehr so möglich ist und solche Dinge, die da sind. Weil es gibt ja Einschränkungen. Und diese Einschränkung kommt im Augenblick ganz besonders stark über die Verordnung mit den PU-Farben bzw. mit dem Bindemittel.
PU ist einfach schwieriger zu verdrucken. Es geht in dem einen anderen Fall, der eine ist da weiter, der andere hat da noch eine Strecke zu gehen von der Seite aus. Aber es tut natürlich dem Ganzen nicht wohl, wenn immer wieder irgendwelche neuen Probleme in Anführung. Herausforderungen heißt es ja, man gibt ja keine Probleme.
Es gibt ja nur Lösungen und Herausforderungen, wenn man diese Herausforderungen eben halt dann nicht so schnell lösen kann. Und der Preis ist heiß. Das erleben wir natürlich auch, vielleicht das noch zum Schluss. Also wir haben im Augenblick sehr viel Ausschreibungen im europäischen Markt, sag ich mal.
Angestammte Lieferanten werden infrage gestellt vom Preis her, vom Material und vom Drucken her. Also das haben wir natürlich auch. Und das ist im Flexodruck bzw. im Verpackungsdruck gerade ganz besonders ausgeprägt.
Was würdest du einem Inhaber einer Druckerei raten, der mehrere Druckmaschinen, Flexo und Tiefdruck hat? Sollte er sich intensiver mit 7C beschäftigen oder lieber mehr auf 4C gehen? Oder was wären so deine pauschalen Ratschläge im europäischen Umfeld? Er sollte sich Kunden besorgen für 7C, sollte das anbieten im Prinzip, sollte darauf hinweisen, dass das Vorteile hat.
Vielleicht gibt es da auch einen Wettbewerb in dem Bereich, was man so merkt. Aber mir fehlt so ein bisschen diese Perspektive in diesem 7C, weil ich merke, dass Leute schon anfangen und die europäischen Märkte, wenn man mal in andere Bereiche reinhört, die gehen schon weg von 7C. 7C ist schon wieder 4C plus zwei Sonderfarben, ist das neue 7C. Im Prinzip irgendwo, ja, das wird schon wieder diskutiert, ob es nicht doch alles nur vierfarbig hochqualifiziert ausreicht.
Wenn 7C mit Schwankungen ausreicht, warum denn nicht gleich vierfarbig im Prinzip? Und dann kommt noch zweimal Weiß und liegt dazu. Und vielleicht noch eine Sonderfarbe, die ganz besonders wichtig ist. Und dann ist das Thema durch, sage ich mal.
Also ich halte dieses Überstülpen eines komplexen Prozesses in 7C im Flexodruck in manchen Bereichen auch für kontraproduktiv. Danach kann nichts mehr kommen. Ganz lieben Dank, Udo Linke. Ich danke dir fürs Gespräch, lieber Karsten.
Englischsprachige Podcast-Serie startet neuer Feed
Ich hoffe, es war wieder etwas Neues und Interessantes für Sie dabei. Empfehlen Sie uns gerne weiter. Wenn auch Sie einmal Teil dieser Initiative für mehr Flexpackwissen werden wollen, melden Sie sich gerne bei mir ks at innoform.eu. Und ein Hinweis in eigener Sache.
Wir starten eine neue englischsprachige Podcastreihe unter einem anderen Feed. Der heißt anstatt des Innoform-Podcasts einfach nur Innoform-Podcast und wird von Julian Thielen, meinem neuen Geschäftsführerkollegen, moderiert. Die erste Episode ist online. Vielleicht hören Sie mal rein, ist hier verlinkt.
Bis dann, tschüss.
