Recyclingforschung im Fokus

Achim Grefenstein im Interview

Prof. Achim Grefenstein über De-Inking, Polyamid & chemisches Recycling

Im Gespräch mit Innoform berichtet Prof. Achim Grefenstein (Constantia & IKV Aachen) über aktuelle Herausforderungen und Fortschritte beim Recycling flexibler Verpackungen. Seit über 13 Jahren leitet er die weltweite F&E bei Constanzia und treibt parallel am IKV die Forschung zu innovativen Recyclingverfahren voran.

De-Inking als Schlüsseltechnologie

Grefenstein betont, dass De-Inking unverzichtbar ist, um hochwertige, contact-sensitive Regranulate – insbesondere für Lebensmittelanwendungen – herzustellen. Ohne das Auswaschen der Druckfarben entstehen beim klassischen Recycling zu viele Kontaminanten. Viele Unternehmen verfügen bereits über entsprechende Technologien und EFSA-Anträge.

Herausforderungen bestehen weiterhin bei massegefärbten Produkten und Zwischenlagendruck. Während sich oberflächenbedruckte Folien gut deinken lassen, bleiben Materialien mit eingearbeiteten Farb-Masterbatches oder konterbedruckte Strukturen problematisch. Im IKV-Projekt Loop Cycling werden hierzu aktuell vielversprechende Untersuchungen durchgeführt.

Papier als Sackgasse für Food-Rezyklate

Beim Trendmaterial Papier sieht Grefenstein klare Grenzen: Für contact-sensitive Anwendungen sei Papier nicht sicher recycelbar, da passende Dekontaminationsverfahren fehlen. Anders als bei Kunststoffen könne De-Inking nicht einfach als Add-on integriert werden.

Polyamid im Polyolefin-Rezyklat – tolerierbar, aber heikel

Polyamid bleibt trotz prinzipieller Rezyklierbarkeit eine unerwünschte Kontaminante. Entscheidend sei der Schmelzpunkt: Hochschmelzende PA‑Typen verursachen mehr Probleme als niederschmelzende Varianten wie PA 6.6. Eine gewisse Kontamination sei tolerierbar, aber nicht zielführend für hochwertige Rezyklatqualität.

Chemisches Recycling – aber bitte sauber

Chemisches Recycling werde langfristig eine wichtige Rolle spielen, insbesondere für Food-Grade-Materialien. Zu hohe Anteile von Polyamid oder Polyester vermindern jedoch auch in diesen Prozessen die Effizienz. Barrierewerkstoffe seien daher weiterhin sparsam und gezielt einzusetzen.

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