Marina Dodel im Gespräch mit Karsten Schröder über nachhaltiges Abpacken. Sie kann das, weil sie Projektmanagerin bei Multivac ist und dort nicht nur ihre betriebswirtschaftliche Ausbildung machte, sondern auch ein duales Studium erfolgreich absolviert hat. Ihr Spezialthema ist von Beginn an die Nachhaltigkeit.
Wir sprechen über die großen Trends wie nachhaltiges Abpacken, eCommerce, aber auch Plant-based Food und Biomaterialien. Alle diese Trends brechen über die Flexpackindustrie hinein und fordern auch Multivac heraus.
Neue Füllgüter – wie vegane Fleischersatz-Lebensmittel – neue Materialien aus Biomasse bis hin zu Papierverbunden sind heute Tagesgeschäft im Thermoform-Geschäft für flexible Verpackungen. Dabei hat Multivac einen Schwerpunkt auf Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff gesetzt – der Umwelt zuliebe. Und das ist wörtlich gemeint. Denn Multivac betrachtet die gesamte Lebenszyklusanalyse des verpackten Gutes. Und da ist Kunststoff oft vorne, manchmal aber auch nicht. Um das herauszufinden, braucht sie Detailkenntnisse und praktiziert fachübergreifendes Arbeiten.
Viele Händler streben heute danach, auch online Fuß zu fassen, doch das bedarf oft neuer Verpackungssysteme und angepasster Problemlösungen. So ist bei Versandverpackungen die Bedruckung weniger relevant als Convenience-Eigenschaften und Produktschutz. Dieses und eine Reihe weiterer Themen streifen wir in diesem kurzweiligen Interview.
Marina Dodel wird zu diesem Thema auch beim Inno-Talk: Nachhaltiges Abpacken sprechen.
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Folienwissen Spezial, der Innoform Podcast zum Inno-Talk. Ja, das Thema Plant-based ist ja mehr oder weniger sowohl bei den Materialien. Also viele sprechen dann von Biokunststoffen natürlich. Ein Thema, aber auch was die Lebensmittel betrifft.
Heute begrüße ich im Innoform Podcast Marina Dodel. Sie spricht für und von der Firma Multivac aus dem Allgäu. Wir sprechen über Abpacken unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten. Wir werden sprechen über E-Commerce, über Plant-based Materials sowohl für die Füllgüter als Fleischersatz, aber auch vor allem natürlich Biopolymere.
Welche Auswirkungen hat das auf nachhaltige Verpackung und auf das nachhaltige Abpacken? Welche Rolle kommt da den Markeninhabern und den Inverkehrbringern zu? Und was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich insgesamt für den deutschen Maschinenbau? Freuen Sie sich auf dieses Interview mit Marina Dodel.
Ja, herzlich willkommen Marina Dodel von Multivac. Begrüße Sie recht herzlich beim Innoform Podcast zum Inno-Talk. Sie werden selber auch Referate sowohl beim Inno-Talk als auch bei den ein oder anderen Tagungen halten. Wir kennen uns noch nicht allzu lange.
Der Reinhard Ruhland hat Sie mir vorgestellt als Projektmanagerin bei Multivac. Was genau machen Sie da? Genau. Herzlich willkommen auf meiner Seite.
Also ich bin, wie Sie schon erwähnt haben, Projektmanagerin im Bereich Corporate Innovation Center. Da gehören zu meinen Hauptaufgaben eigentlich die Organisation verschiedenster Projekte rund um die Verpackung. Das können sowohl Innenentwicklungsprojekte, Kundenprojekte oder auch irgendwelche anderen weiteren Projekte aus dem Bereich sein. Dann zum anderen ist eines meiner Schwerpunkte das Thema Nachhaltigkeit.
Hier beschäftige ich mich hauptsächlich mit nachhaltigen Verpackungskonzepten und bin hier viel sowohl in der internen als auch externen Beratung tätig. Und ein drittes Aufgabengebiet ist hier die Betreuung unserer lokalen Innovationszentren. Aufgrund unserer weltweiten Tätigkeit in rund 140 Ländern bei Multivac haben wir in den letzten Jahren circa 15 lokale Innovationszentren aufgebaut. Und hier bin ich die zentrale Ansprechpartnerin, bin in engem Kontakt mit den Kontaktpersonen vor Ort und organisiere hier verschiedenste Events, versuche auch hier unterschiedliche Projekte zu leiten oder zu koordinieren.
Ja, und mit den Kollegen vor Ort hier verschiedene Themen voranzutreiben. Hochspannend. Das ist ein breiter Strauß von Aufgaben, die Sie da bei einem Maschinenbauunternehmen übernommen haben. Wir haben im Vorgespräch gerade schon erörtert.
Karriereweg zur Verpackungstechnik-Expertin
Wir beide sind keine Vollblutmaschinenbauer. Was befähigt Sie zu dieser Aufgabe? Wie kommen Sie zu Multivac? Was haben Sie vorher gemacht?
Genau, ich bin keine Maschinenbauerin. Ich bin ehrlich gesagt gelernte Industriekauffrau. Habe vor mittlerweile 12 Jahren bei der Firma Multivac meine Tätigkeit bzw. meine Ausbildung als Industriekauffrau begonnen.
Bin dann hier bereits meinem zweiten Ausbildungsjahr in das Innovation Center, das damals noch Anwendungszentrum hieß, gekommen und wurde hier dann auch direkt als Bereichsassistentin übernommen. Und ja, durch diesen Job habe ich dann immer mehr Berührungspunkte zur Verpackungstechnik, zu den Verpackungsmaterialien und unter anderem auch zu Studenten aus den Studiengängen Lebensmittel, Technologie beispielsweise bekommen. Und dadurch stieg dann mein Interesse im Bereich Verpackungstechnik immer weiter an. Weshalb ich mich dann im Jahr 2014 dazu entschlossen habe, die Firma Multivac erst mal zu verlassen, um mein Abitur nachzuholen und dann anschließend wiederum über ein duales Studium bei der Firma Multivac den Studiengang Lebensmittel und Verpackungstechnologie an der Hochschule in Kempten zu belegen.
Genau, und durch diesen Studiengang und durch meine ganzen Praxisphasen bei Multivac dann auch, bin ich immer mehr in das Thema reingerutscht und habe vor allem auch das Thema Nachhaltigkeit dann als eines meiner Schwerpunktthemen bekommen. Und das begleitet mich auch im jetzigen Arbeitsalltag noch. Darauf kommen wir später noch zurück auf das Thema Nachhaltigkeit. Da wollen wir nachher ein bisschen tiefer einsteigen.
Aber uns trennt ungefähr eine Generation an Alter. Und deswegen wollen wir Sie natürlich auch persönlich noch mal ein bisschen besser kennenlernen. Da habe ich immer so ein paar Überraschungsfragen mitgebracht. Und die stelle ich jetzt einfach mal.
Und Sie wählen einfach das fort aus, was besser zu Ihnen passt. Buch oder Hörbuch? Buch. YouTube oder Fernsehen?
Fernsehen. Papier oder Plastik? Plastik. PET oder PP?
PP. Mechanisches oder chemisches Recycling? Aktuell mechanisches. Hund oder Katze?
Persönliche Einblicke und Sympathien kennenlernen
Definitiv Hund. Sehr schön. Wollen wir Sie ein bisschen auch persönlich kennenlernen? Danke, dass Sie den Spaß mitmachen.
Das ist für unsere Hörer auch immer ganz schön, noch mal so ein bisschen die Sache einzuordnen. Das geht ganz gut mit diesen zwei Dingen, die natürlich nie richtig passen, aber wo man sich entscheiden muss. Sehr schön. Danke schön.
Wir wollen über ein paar aktuelle Trends sprechen, nicht nur bei Multivac, sondern natürlich in der gesamten Flexpack oder Verpackungsindustrie insgesamt, kann man sogar sagen. Sie als Multivac haben natürlich einen besonderen Fokus auch auf flexible und Kunststoffverpackung, Trayverpackung, alles diese Dinge. Aber das Thema E-Commerce ist ja auch für Multivac etwas, was jetzt quasi über Sie rüber hinweg rollt. In einer enormen Geschwindigkeit werden da Anforderungen formuliert.
Wie stellt sich das zurzeit bei Multivac dar? Ja, genau, das Thema E-Commerce wird immer bedeutender auch für die Firma Multivac. Es ist einfach so, der Thema oder das Thema Digitalisierung nimmt immer mehr zu. Und natürlich auch Corona hat dazu seinen Teil beigetragen, dass mehr Leute zu Hause bleiben mussten, ihre auch Lebensmittel online bestellen mussten.
Und da natürlich der Bereich Food bei Multivac eines der größten Hauptbereiche ist, fällt auch hier das Thema E-Commerce bei uns immer mehr an. Hier sind die Anforderungen teilweise komplett anders. Wir müssen nicht mehr am Point of Sale überzeugen mit der Verpackung. Es kommt eher auf die Kühlkette an.
Auch hier das Thema Gewichtreduktion, was natürlich beim Online-Handel Gewicht immer auch Geld bedeutet. Das heißt, wir müssen viel auf möglichst leichte und einfache Verpackungskonzepte umsteigen, sehr flexible Maschinenkonzepte. Ja, und das ist ein sehr neues, sehr spannendes Thema bei uns. Sie sagten schon, Sie sind stark im Lebensmittelbereich.
Zieht sich das auch in den E-Commerce hinein oder haben Sie dort auch mit Non-Food-Produkten zu tun? Also der E-Commerce-Bereich, muss man sagen, ist noch einer der geringeren oder kleineren Anteile bei Multivac und wird aktuell immer größer und hier aber hauptsächlich auch im Lebensmittel-, im Food-Bereich. Also auch hier spielt sich das wieder ab, dass der Non-Food-Bereich eher der kleinere Anteil aktuell noch ist. Also wenn einer eine Batterie bei Ihnen verpacken will für die Taschenlampe, dann könnte er das theoretisch auch mit einer Multivac-Maschine tun, aber ist nicht unbedingt Kernkompetenz.
Besser wäre vielleicht die geschnittene Banane oder der frische Salat oder so etwas in der Richtung. Genau, richtig. Also Batterien sind jetzt nicht unser Kern-Business. Können wir aber jederzeit auch gerne machen.
E-Commerce Trend bei Lebensmittelverpackungen
Aber das Hauptbusiness auch im E-Commerce-Bereich bleibt auf den Lebensmitteln, genau. Ist denn da ein Trend zu erkennen, dass sich die Verpackungen doch deutlich unterscheiden zwischen stationärem Handel und E-Commerce? Oder sind das eigentlich nur leichte Modifikationen, die Sie im Moment entwickeln? Das kommt ehrlich gesagt ganz drauf an, welchen Vertriebsweg die Firmen oder die Unternehmen wählen.
Also sind das jetzt Einzelhändler, wie zum Beispiel auch Rewe oder unsere gängigen Einzelhändler, die jetzt neuerdings auch in den E-Commerce-Bereich einsteigen und eins zu eins die gleiche Packung nehmen, die sie auch ab Point-of-Sale verkaufen. Oder sind das Unternehmen, die direkt aus der Produktion verkaufen. Dann unterscheiden sich die Packungen definitiv von der Verpackung, die Sie im Einzelhandel vorfinden, weil einfach nicht mehr dieser Point-of-Sale entscheidend ist. Sprich nicht zu viel Druckfarbe.
Das Optische ist nicht mehr das Hauptkriterium, sondern es kommt auf andere Anforderungen an. Genau. Dem Theoretiker, zu dem ich mich zählen will, drängt es sich ja förmlich auf, dass die E-Commerce-Verpackung eine ganz andere sein sollte, aber noch nicht ist. Das heißt, da tut sich aber jetzt in der nahen Zukunft, in dem ich Ihnen recht gebe, eine ganze Menge.
Hat das auch Auswirkungen auf die Materialwahl oder nur auf die Gestaltung der Verpackung? Ich denke sowohl als auch, wobei man bei den Verpackungsmaterialien meiner Meinung nach sehr gut auf bereits bestehende, die sehr gute Lösungen zurückgreifen kann, gerade im Bereich flexible Materialien. Mono-PP, Mono-PE sind da super. Materialien, die wiederum auch nachhaltig und recycelbar sind.
Und da denke ich, können wir auf viele bestehende Materialien zurückgreifen und hier im E-Commerce-Bereich super anwenden. Ein neuer Trend, der sich ja auch abzeichnet, wenn wir mal beim Material bleiben, sind ja die pflanzlich basierten Rohstoffgewinnungsverfahren, die sich mehr und mehr etablieren. Arbeiten Sie auch mit diesen sogenannten Plant-Based-Materialien? Und welche Lösung gibt es da vielleicht schon?
Ja, das Thema Plant-Based ist ja mehr oder weniger sowohl bei den Materialien, also viele sprechen dann von Biokunstoffen natürlich, ein Thema, aber auch, was die Lebensmittel betrifft. Und es sind beide Richtungen, das ist ein sehr großer Trend, den auch wir bei Multivac sehr stark verfolgen, sprich einerseits die Verwendung von Biokunstoffen als Verpackungsmaterial, aber auch, wie verpacke ich Plant-Based-Lebensmittel, sprich vegane Alternativen oder ähnliches. Und das sind beide Richtungen, natürlich Themen, die uns auch sehr stark betreffen. Ist es so, dass diese Plant-Based-Lebensmittel, also sprich die vegane vegetarische Ernährung im Moment, ihr Tun dominiert oder hält sich das tatsächlich die Waage im Vergleich zu den Materialien?
Ich würde sagen, es hält sich mehr oder weniger die Waage. Das Thema Biokunstoffe ist seit Jahren schon ein Thema und das Thema Plant-Based-Lebensmittel kommt momentan sehr, sehr stark und mit einem starken Anstieg. Das ist, denke ich, der Unterschied. Spannend ist ja, dass es überhaupt diese starke Bewegung gibt.
Sie sind ja auch stark natürlich im Fleischbereich, Wurstwaren, Käse. Das sind die Maschinen, oder das sind die Bereiche, wo Multivac die Maschinen liefert. Diese Stellung wollen Sie sicherlich behalten. Wie passt das in das Konzept Biopolymere?
Flexible Materialverarbeitung und Siegelparameter
Denn da sind ja doch oft andere Siegelparameter, andere Thermoformparameter nötig. Funktioniert das mit Ihren Standardmaschinen schon oder müssen Sie da alles starke Anpassungen vornehmen? Wie sieht das in der Praxis aus? Also in der Praxis funktioniert das, ehrlich gesagt, relativ gut.
Wir verarbeiten da schon sehr viele verschiedene Materialien, haben auch verschiedene Entwicklungsprojekte mit Folien oder Materialherstellern. Da würde ich sagen, die lassen sich sehr, sehr gut auf unsere Maschinen, auf unsere bereits bestehenden Maschinen. Hier unterscheiden sich eher dann die Temperaturbereiche oder ich muss meine die Maschinenparameter anpassen. Aber ich brauche jetzt keine generell neue Maschine dafür.
Das ist schon mal sehr erleichternd, weil viele wollen ja gerne Richtung alternative Materialien. Ein alternatives Material ist immer wieder Papier, wird oft genannt. Arbeiten Sie auch mit papierbasierten Folien? Rein Papier wird es wahrscheinlich nicht gehen auf Ihren Anlagen, könnte ich mir vorstellen, aber doch vielleicht Verbundmaterialien?
Wo ist da der Moment der Status? Wir arbeiten sehr viel mit fasergestützten Papiermaterialien sowohl im Tiefziehbereich als auch für die Traceless, sprich für die Schalenmaschinen. Diesen Trend gibt es auch schon seit mehreren Jahren und der wird auch immer verstärkt, weil einfach auch für den Braucher das Material Papier einfach sehr natürlich und sehr nachhaltig von der Optik und Haptik erscheint. Von dem her ist das definitiv ein starker Trend, mit dem wir uns sehr, sehr stark beschäftigen.
Und hier wird es auch in naher Zukunft oder in Zukunft weitere Entwicklungen geben. Bleiben Sie dann immer noch bei Ihrer Strategie versiegeln, oder geht es da auch schon Richtung Verkleben? Gibt es auch schon solche Ideen? Können Sie da aus dem Nähkästchen plaudern, oder ist das jetzt zu indiskret?
Also bei uns wird – ich denke, da spreche ich für die Firma Multivac – wird der Großteil beim Versiegeln bleiben. Genau, weil es einfach auch von der Effizienz her und von der Sterilität letztlich auch das sicherste Verfahren wahrscheinlich ist. Genau. Machen wir den Bogen mal ein bisschen größer.
Gucken wir nochmal auf das Thema Nachhaltigkeit in Bezug auf Verpackung. Wo sehen Sie da eigentlich so die großen Themen im Moment im Bereich Nachhaltigkeit? Welche Probleme müssen gelöst werden? Wo sind die Knackpunkte, damit wir wirklich nachhaltiger werden?
Und was ist das eigentlich aus Sicht eines Maschinenbauunternehmens? Also für mich gehören zum Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich mit Sicherheit die drei R’s, wie wir sie immer nennen: das Thema Renew, sprich erneuerbare Materialien, wie auch Biokunstoffe oder faserbasierte Materialien. Dann das Thema Reduzierung – Reduzierung von Kunststoffmaterialien oder von Verpackungsmaterialien allgemein – und das Thema Recycling natürlich. Und auch nach diesen drei R’s haben wir bei Multivac unsere Nachhaltigkeitsstrategie aufgebaut und verschiedenste Verpackungskonzepte entwickelt.
Nachhaltige Hebel im Materialbereich
Und gerade im Materialbereich sind das meiner Meinung nach die drei Hebel, mit denen man definitiv am meisten bewirken kann und auch muss. Allerdings auch aus meiner persönlichen Sicht und auch aus Sicht von Multivac darf man auch das Thema Lebensmittelverschwendung nicht vergessen. Denn wenn man bedenkt, dass beispielsweise ein circa 300-Gramm-Stück Rindfleisch etwa 200-mal mehr CO2 produziert als die Verpackung selbst, sollte uns, denke ich, allen bewusst sein, dass wir dringend Lebensmittelabfälle vermeiden müssen, um unsere Umwelt zu schonen. Und das sind so die Hauptthemen, mit denen ich mich auch persönlich sehr stark beschäftige und auch in meinem Job.
Und genau, ich denke, da gibt es noch sehr viel zu tun, weil es auch noch mit Sicherheit zahlreiche Probleme hier gibt. Wir als Verpackungsindustrie, zu dem wir uns beide zählen, denken ja immer sehr stark im Detail und versuchen dann LCA-Analysen beispielsweise von Papier verbunden mit Kunststoff verbunden zu vergleichen und sind da dann in der zweiten Nachkommastelle unterwegs. Ich habe gerade gestern einen Podcast aufgenommen mit einem Einzelhändler oder einem Vertreter der Branche. Und die sagen, der Umstieg von Papier oder von Kunststoff-Tragetasche auf Papier-Tragetasche, den haben wir gar nicht gemerkt.
Im Gegenteil, das war für uns eine riesen Marketing-Aktion. Das war eigentlich toll. Uns ist das Material eigentlich egal, weil uns geht es darum, Produkte gut zu verpacken und gut an den Mann zu bringen. Ist das etwas, was Multivac auch spürt?
Oder gehen Sie da doch den Weg und sagen, nein, bei uns interessiert die letzte Nachkommastelle bei der Material-Effizienz oder Maschinen-Effizienz. Wo geht da die Reise hin? Also bei uns ist es ja generell so: wie unsere Kunden sind ja quasi dann wiederum die Kunden vom Einzelhandel. Und unseren Kunden ist letztendlich auch natürlich immer der Preis auch eine mitentscheidende Rolle, weil das auch mit das entscheidende Kriterium ist, wo sie dann beim Einzelhandel landen müssen.
Dann das zweite Thema wird auch immer weiterhin sein, dass das Produkt von der Optik her am Point of Sale den Verbraucher überzeugen muss. Sprich, es kommt nicht auf die zweite Nachkommastelle einer LCA-Analyse an, sondern da spielen sehr, sehr viele andere Faktoren auch mit ein, die wir mit unseren Kunden diskutieren müssen. Und unsere Aufgabe ist es hier mehr oder weniger Vorschläge zu bringen, was auch aus technischer Sicht oder aus Sicht der Haltbarkeit möglich wäre. Die Entscheidung obliegt da natürlich letztendlich bei unseren Kunden.
Und hier sind die Herangehensweisen und auch die Anforderungen tatsächlich sehr unterschiedlich, sei es länderspezifisch, sei es produktspezifisch oder auch die Preisklassen unterscheiden sich teilweise sehr stark. Und von dem her ist das bei uns eher eine beratende Rolle, die wir gerne geben können. Aber die Entscheidung trifft letztendlich dann unser Kunde selber. Das impliziert ja auch, dass die Markeninhaber oder die Leute, die das Produkt nachher in den Verkehr bringen, die bei ihnen ja die Maschine oder eigentlich das verpackte Gut bestellen – am liebsten eine große Verantwortung tragen, das richtige Material, den richtigen Prozess auszuwählen, sei es Richtung E-Commerce, sei es plant based, sei es Nachhaltigkeitsüberlegung.
Wie genau funktioniert dann die Unterstützung ihrerseits? Machen Sie dann alternative Materialversuche? Zeigen Sie denen verschiedene Produktverpackungen oder wie geht das im Alltag bei Ihnen? Genau.
Also die Kunden kommen oft zu uns. Es gibt auch unterschiedliche Herangehensweisen hier wiederum. Manche Kunden haben schon sehr direkte Vorstellungen, haben auch schon Unternehmensziele und Visionen, die sehr stark in eine Richtung gehen, beispielsweise ein Kunde sagt, der Fokus liegt bei uns zu 100 Prozent auf dem Thema Recycling. Dann können wir einfach gezielt in Beratungsgesprächen verschiedenste Konzepte vorstellen, die auf unseren Anlagen technisch umsetzbar sind und im Nachgang recyclbar sind.
Kundenberatung bei Produktentwicklungsprojekten
Dann gibt es aber natürlich auch Kunden, die kommen zu uns und sagen, wir haben noch gar keine Vorstellungen, wir wollen uns komplett neu aufstellen. Liebe Firma Multivac, helft uns hierbei. Dann können wir natürlich aus dem Vollen schöpfen und alles präsentieren, was möglich wäre, wiederum, und dann in Diskussionen mit dem Kunden eine Richtung dann quasi favorisieren, die man dann technisch umsetzen kann, im Endeffekt. Nun sind Sie schon ein paar Jahre dabei.
Sie haben sicherlich schon die eine oder andere Produktentwicklung begleitet. Gibt es da vielleicht eine Lieblingsproduktentwicklung, die Sie vielleicht mal nennen wollen, die vielleicht durch diese Nachhaltigkeitsdebatte auch jetzt auf den Markt gekommen sind, die vielleicht gerade im Entstehen sind oder bald kommen? Also ganz explizit einzelne Projekte kann ich Ihnen ehrlich gesagt gar nicht nennen. Es sind auch – ehrlich gesagt – im Bereich Nachhaltigkeit noch sehr viel in Entwicklung und noch gar nicht veröffentlicht, weil das ein unglaublich langer Prozess einfach ist, der teilweise über mehrere Jahre geht.
Und das Problem hierbei ist einfach auch, dass es keine einfache Entscheidung zunächst natürlich für unsere Kunden ist. Was ist denn nun die richtige Entscheidung oder das richtige Konzept? Und dann die ganze Produktion und alles umzustellen, dauert natürlich auch – sprich ein richtiges favorisiertes Projekt habe ich ehrlich gesagt nicht. Ich finde im Allgemeinen alles spannend, das ich dann letztendlich selber im Supermarkt vorzufinden sehe in den Regalen und weiß, das haben wir gemeinsam mit den Kunden gemacht.
Wenn wir jetzt noch eine Abschlussfrage zum Thema Nachhaltigkeit hätten – wenn Sie jetzt einordnen müssten, wie weit sind Sie auf dem Weg zu einer wirklich nachhaltigen Betrachtung von Verpackungskonzepten, nenne ich es mal – weil Sie haben ja eigentlich immer das gesamte Konzept im Blick. Sie machen ja quasi die fertige Verpackung, anders als die anderen, die ich so bei mir im Podcast normalerweise begrüßen darf, die sich mehr um das Material kümmern oder vielleicht um die Maschinen, um das Material herzustellen. Sind Sie am Ende der Flexpack-Produktionskette oder – ich sage mal – wenn man im Kreis laufen denkt, die Kette, die es dann zum Recycling übergibt, sozusagen in den Handel. Wo sind da die Haupt – wie soll ich es alles drücken? Wo sind da die Haupt – wo ist das Hauptaugenmerk und wo sind schon die größten Erfolge zu verzeichnen?
Auf welcher Skala sind da von 1 bis 10? Wie weit sind wir fortgeschritten? Wenn wir sagen, wir wollen hundertprozentig nachhaltig werden, sind wir jetzt bei 1 oder sind wir bei 10? Und wenn ja, warum?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, bei uns ist gerade das Spannende, da wir eben weltweit tätig sind, unterscheiden sich natürlich auch die Gesetzgebungen, die Regelungen, auch die Anforderungen der Kunden wirklich von Land zu Land. Das ist einerseits das Spannende daran, andererseits aber natürlich auch eine Riesenherausforderung, weil es eben nicht diese eine Aussage gibt. Wir sind jetzt auf einer 8 auf der Skala.
Das ist natürlich in Deutschland, sind wir meiner Meinung nach schon relativ gut aufgestellt. Da würde ich tatsächlich eine 7 bis 8 vielleicht schon geben, weil wir auch im Thema Recycling, wir haben eine Infrastruktur, wir haben Recyclinganlagen und so weiter. Wenn wir aber den Rest von Europa oder den Rest der Welt betrachten, sind wir da definitiv noch nicht annähernd bei einer 5, würde ich sagen. Also da gibt es noch unglaublich viel aufzuholen, unglaublich viel Aufklärungsarbeit.
Infrastrukturen müssen zunächst mal gebildet werden. Und da gibt es wirklich noch sehr, sehr viel zu tun. Wie begegnen Sie denn als Person, aber auch als Multivac, diesen Shitstorms, die immer wieder auf die Folien, Verpackungsindustrie einprasseln. Plastik ist böse, wir verpesten die Meere.
Kunststoffverpackungen und Meeresumweltschutz
Wir als Experten wissen, dass unsere leichten Verpackungen oben schwimmen im Meer und deswegen immer verteufelt werden. Aber das, was böse ist, liegt eigentlich auf dem Grund. Und das sind gar nicht die Verpackungen, die würden wir gar nicht nehmen, diese Materialien für Verpackungen, die dann absinken. Wie gehen Sie mit diesen Sachen um?
Also bei uns ist es tatsächlich oft so, dass die Kunden, die zu uns kommen, denen ist auch bewusst, dass Kunststoff kein schlechtes Material ist und wir nicht die Vermüller dieser Welt sind. Das kommt eher dann von außen. Man hört es privat. Man wird privat angesprochen.
Oi, du arbeitest bei einer Firma, die Kunststoffverpackungen herstellt. Und da muss man sich eher privat, meiner Meinung nach, recht verdecken. Und uns hat, ehrlich gesagt, auch die Corona-Pandemie da ein bisschen geholfen, weil viele Menschen wiederum festgestellt haben, wie wichtig Hygiene, wie wichtig Haltbarkeit, Produktschutz und dieses ganze Drumherum ist. Und seitdem ist auch das Thema Kunststoff-Bashing bei uns gar nicht mehr ganz so ganz so aktuell.
Ist das, was, glaube ich, die gesamte Branche auch so ein bisschen wahrnimmt. Schön, dass Sie das auch so einschätzen. Das ist auch meine Wahrnehmung. Wenn Sie jetzt einen Wunsch an die Markeninhaber, die ja doch so eine große Verantwortung eigentlich tragen bezüglich der Verpackung, Gestaltung, Material und auch Darbietung, E-Commerce oder stationärer Handel, wenn Sie an diese Markeninhaber, an diese In-Verkehr-Bringer einen Wunsch äußern dürfen.
Was wäre das? Mein Wunsch wäre, dass es einheitliche Regelungen gibt, dass sich vielleicht auch einzelne Unternehmen, Verbände zusammenschließen und gemeinsam an diesen Projekten arbeiten. Dass es vielleicht auch gerade bei den Kunststoffverpackungen nicht mehr nur auf das Optische ankommt und sondern stattdessen lieber auf eine ehrliche Weise, weil meiner Meinung nach wird auch sehr viel Greenwashing betrieben, dass das nach außen hin für den Verbraucher nachhaltig aussieht, aber im Endeffekt gar nicht nachhaltig ist. Und vielleicht muss man Defizite beim Verpackungsdesign, bei der Optik in Kauf nehmen, damit diese Verpackungen dann aber besser recycelbar sind.
Und wenn ich das aber ehrlich dem Konsumenten überbringe, ist das für mich — da ist mehr geholfen als kaputt gemacht. Das wäre eine große Bitte an alle In-Verkehr-Bringer, auch an den Einzelhandel, dass man da einfach ehrlich ist zu den Verbrauchern und einfach weiterhin viel Aufklärungsarbeit macht. Ein tolles Schlusswort. Danach kann nichts mehr kommen.
Ganz herzlichen Dank für diese tolle Ausführung in diesem kleinen Podcast. Frau Dodel, erleben Sie Marina Dodel auch live beim Inno-Talk am 21. Januar 2022 um 13:30 geht es los. Top Thema, nachhaltiges Abpacken.
Registrierungen sind möglich unter www.inno-talk.de mit oder ohne Bindestrich. Sie kommen immer richtig an. Registrieren Sie sich gerne kostenlos. Wenn auch Sie einmal Teil dieses Podcasts rund um das Thema Flexpack wissen werden wollen, mailen Sie mir einfach kurz Ihre inhaltliche Idee an ks@innoform.eu. In diesem Sinne bis zum Inno-Talk.
Podcast-Abschluss und Verabschiedung
Ihr Karsten Schröder.

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