FlexPack-Ticker KW 43: Mono-PE, aktive Folien und PPWR im Praxistest

Die aktuellen Meldungen zeigen zwei Seiten unserer Branche: Technisch geht es mit Monomaterialien, aktiven Verpackungen und digitalen Lösungen sichtbar voran. Gleichzeitig bleiben Nachfrage, Kosten und Regulierung eine Belastung. Besonders interessant ist, dass sich Nachhaltigkeit immer stärker von einzelnen Materialfragen hin zu Prozessen, Daten und wirtschaftlicher Umsetzbarkeit verschiebt.

Mono-PE-Ausgießbeutel: Bel verbindet Materialwechsel und Gewichtsreduzierung

Bel stellt für Pom’Potes und GoGo squeeZ auf einen Ausgießbeutel mit Mono-PE-Folie und neuem Schnappverschluss um. Nach Unternehmensangaben ist die Kappe 40 Prozent leichter als der bisherige Schraubverschluss. Für die Verarbeitung der PE-Struktur mussten unter anderem Bahnspannung, Abwicklung und Siegelparameter angepasst werden.

Meine Einordnung: Spannend ist für mich nicht nur die Mono-PE-Folie. Das Projekt zeigt sehr schön, dass „recyclingfähig“ nicht einfach durch einen Materialwechsel entsteht. Verschluss, Folie, Beutelherstellung und Abfüllprozess müssen gemeinsam neu gedacht werden. Genau an dieser industriellen Umsetzung entscheidet sich, ob Monomaterial tatsächlich im Markt ankommt.

Quelle: Packaging Europe

ProAmpac integriert aktive Funktion direkt in die Folie

ProAmpac hat mit Shelf Protect eine aktive Lebensmittelkontaktfolie für Fleisch, Wurst, Fisch und Käse vorgestellt. Die gemeinsam mit Copperprotek entwickelte Technologie soll mikrobielles Wachstum reduzieren und damit die Haltbarkeit verlängern. ProAmpac berichtet von positiven Hersteller- und Labortests, betont aber selbst, dass für jedes Produkt eigene Versuche erforderlich sind.

Meine Einordnung: Aktive Verpackungen finde ich grundsätzlich spannend, weil sie Nachhaltigkeit mit Produktschutz verbinden. Wenn weniger Lebensmittel verderben, kann der ökologische Nutzen deutlich größer sein als die reine Materialeinsparung. Trotzdem müssen wir genau hinschauen: Migration, Zulassung, Recyclingfähigkeit und die spätere Verbraucherkommunikation gehören zwingend zur Bewertung.

Quelle: Packaging Europe

Digitale Plattform soll die Rezyklatbeschaffung verlässlicher machen

Das finnische Unternehmen Ambio hat 5,1 Millionen Euro Startkapital für eine digitale Beschaffungsplattform für Kunststoffrezyklate erhalten. Materialien sollen anhand von Mustern, Dokumentationen und Qualitätsprotokollen qualifiziert werden. Eine KI-gestützte Datenbasis soll Materialeigenschaften, Lieferanten, Preise und Ergebnisse aus der Verarbeitung zusammenführen.

Meine Einordnung: Das trifft einen echten Schmerzpunkt. Rezyklate werden häufig erst auf der Produktionsanlage abschließend bewertet – und dann kann es bereits teuer werden. Wenn sich die Eignung eines Materials zuverlässiger vorhersagen lässt, könnte das Versuche, Ausschuss und Reklamationen reduzieren. Entscheidend wird sein, ob genügend belastbare Produktionsdaten zusammenkommen und die Plattform reale Qualitätsschwankungen tatsächlich erkennt.

Quelle: Packaging Europe

Nespresso beendet die papierbasierte Kapsel

Nestlé nimmt die papierbasierte Nespresso-Kapsel wieder aus dem Sortiment. Sie bestand zu 82 Prozent aus Papierfasern und besaß eine dünne kompostierbare Biopolymerbarriere. Als Gründe nennt das Unternehmen Kundenfeedback und den aus seiner Sicht besseren Aromaerhalt der Aluminiumkapsel. In einer ersten Ökobilanz lagen beide Varianten laut Nestlé nahezu gleichauf.

Meine Einordnung: Diese Meldung gefällt mir, weil sie die einfache Erzählung „Papier ist automatisch nachhaltiger“ infrage stellt. Verpackungen müssen zuerst das Produkt schützen und vom Verbraucher akzeptiert werden. Wenn Barriere, Nutzung oder Entsorgung nicht überzeugen, reicht das nachhaltigere Materialimage nicht. Auch gescheiterte oder beendete Projekte liefern deshalb wertvolle Erkenntnisse für die gesamte Branche.

Quelle: Packaging Europe

Sensordaten gegen ungeplante Maschinenstillstände

Waites hat ein Überwachungssystem vorgestellt, das Schwingungen und Temperaturen an Lagern, Rollen und Getrieben kontinuierlich misst. Die Daten sollen genutzt werden, um entstehende Schäden frühzeitig zu erkennen und Wartungsmaßnahmen zu planen. Die genannten Einsparungen und Prognoseleistungen beruhen bislang auf Unternehmensangaben.

Meine Einordnung: Predictive Maintenance ist für Verpackungsanlagen nicht neu, gewinnt aber durch neue Materialien an Bedeutung. Dünnere Folien und engere Siegelfenster verzeihen weniger Prozessschwankungen. Sensorik kann deshalb nicht nur Ausfälle verhindern, sondern auch helfen, neue Materialstrukturen stabiler zu verarbeiten. Der Nutzen hängt allerdings davon ab, ob aus den Daten konkrete und rechtzeitige Maßnahmen entstehen.

Quelle: Packaging Insights

International Paper prüft Verkauf des europäischen Verpackungsgeschäfts

International Paper führt Gespräche über einen möglichen Verkauf seiner EMEA-Verpackungssparte. Parallel wird weiterhin die bereits angekündigte Abspaltung vorbereitet. Zum europäischen Geschäft gehören auch Aktivitäten von DS Smith, die International Paper erst im vergangenen Jahr übernommen hatte. Eine Entscheidung über Verkauf oder Abspaltung ist noch nicht gefallen.

Meine Einordnung: Auch wenn der Schwerpunkt hier nicht ausschließlich auf flexiblen Verpackungen liegt, ist die Meldung für den Markt relevant. Große Transaktionen verändern Lieferketten, Investitionsentscheidungen und die Verhandlungsmacht gegenüber Kunden. Sie zeigen außerdem, wie hoch der Rendite- und Konsolidierungsdruck in der europäischen Verpackungsindustrie inzwischen ist.

Quelle: Reuters

PPWR lässt die Nachfrage nach EPR-Beratung steigen

Der Compliance-Dienstleister Lappa meldet vom zweiten zum dritten Quartal 2026 einen Anstieg seiner Verpackungs-EPR-Aufträge um 166 Prozent. Als Treiber nennt das Unternehmen behördliche Anforderungen, Kontrollen durch Online-Marktplätze und zusätzliche Nachweise in Lieferketten. Bei 46 Prozent der beratenen Unternehmen sei die tatsächliche Gebührenpflicht niedriger gewesen als zunächst erwartet oder vollständig entfallen.

Meine Einordnung: Die Zahlen stammen von einem einzelnen Anbieter und sind keine europaweite Marktstatistik. Trotzdem zeigen sie, wie schnell EPR von einem Nachhaltigkeitsthema zu einer operativen Aufgabe wird. Wer in mehreren europäischen Ländern verkauft, muss Verantwortlichkeiten, Mengen und nationale Registrierungen sauber klären. Gleichzeitig lohnt sich eine genaue Prüfung, bevor pauschal Kosten oder Pflichten angenommen werden.

Quelle: Packaging Insights

EU-Kommission konkretisiert EPR-Erleichterungen für Kleinproduzenten

Die EU-Kommission hat Leitlinien für Unternehmen veröffentlicht, die weniger als zehn Tonnen Verpackungen pro Kalenderjahr in Verkehr bringen. Mitgliedstaaten und Rücknahmesysteme sollen unverhältnismäßige Belastungen vermeiden. Möglich sind beispielsweise reduzierte Verwaltungsgebühren, Pauschalbeiträge, vereinfachte Verfahren und geringere Dokumentationspflichten. Die nationalen Registrierungspflichten bleiben grundsätzlich bestehen.

Meine Einordnung: Die Richtung ist richtig. Kleine Hersteller dürfen nicht mit denselben administrativen Strukturen belastet werden wie internationale Konzerne. Gleichzeitig braucht es eine europaweit einheitliche Umsetzung. Wenn jedes Land eigene Erleichterungen, Portale und Nachweise definiert, bleibt das Grundproblem bestehen – auch wenn einzelne Gebühren reduziert werden.

Quelle: Packaging Europe

IPV meldet erneut rückläufige Umsätze

Nach Schätzung des Industrieverbandes Papier- und Folienverpackung sank der Umsatz der deutschen Hersteller flexibler Verpackungen 2025 um 0,7 Prozent auf rund 2,045 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 blieben die Absatzmengen auf niedrigem Niveau. Als Belastungen nennt der Verband schwache Nachfrage, hohe Material-, Energie- und Personalkosten sowie zunehmende regulatorische Anforderungen.

Meine Einordnung: Ein Minus von 0,7 Prozent wirkt zunächst überschaubar. In Verbindung mit niedrigen Mengen, hohen Kosten und fehlender Trendwende ist es aber ein deutliches Warnsignal. Die Branche soll gleichzeitig in neue Materialien, Anlagen, Daten und PPWR-Konformität investieren. Dafür braucht sie verlässliche Regeln und vor allem ein wirtschaftliches Umfeld, in dem sich diese Investitionen auch rechnen können.

Quelle: EUWID Verpackung

Fazit

Diese Woche macht besonders deutlich, dass nachhaltige Verpackung nicht an einer einzelnen Materialentscheidung hängt. Mono-PE muss industriell verarbeitet werden können. Aktive Folien müssen Produktschutz, Zulassung und Recycling zusammenbringen. Rezyklate benötigen verlässliche Daten, und PPWR-Vorgaben müssen auch wirtschaftlich umsetzbar bleiben.

Technisch bewegt sich viel. Gleichzeitig wächst der Druck auf Unternehmen, schneller zu investieren, sauberer zu dokumentieren und neue Lösungen unter schwierigen Marktbedingungen einzuführen. Die erfolgreichen Konzepte werden deshalb diejenigen sein, die nicht nur im Labor oder auf dem Datenblatt überzeugen, sondern auf der Anlage, im Markt und im jeweiligen Entsorgungssystem funktionieren.

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