Rezyklate in Verpackungen: Was bei Food und Kosmetik zu beachten ist

Rezyklate in Verpackungen spielen für die Kreislaufwirtschaft eine immer wichtigere Rolle. Doch gerade bei Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen reicht es nicht aus, einfach mehr recycelten Kunststoff einzusetzen. Sicherheit, Materialqualität, Herkunft des Rezyklats und die gesetzlichen Anforderungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Im Innoform-Webseminar „Einsatz von Rezyklaten in Verpackungen – Voraussetzungen für Food und Kosmetik“ erläuterte Dr. Christian Kirchnawy, welche Anforderungen für recycelte Kunststoffe bestehen und wo die größten Herausforderungen bei ihrer sicheren Verwendung liegen.

Welche Vorschriften gelten für Rezyklate in Lebensmittelverpackungen?

Bei Rezyklaten in Lebensmittelverpackungen greifen mehrere europäische Regelwerke ineinander. Im Webseminar wurden insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, die GMP-Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 und die Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011 genannt.

Für recycelte Kunststoffe im Lebensmittelkontakt ist außerdem die Verordnung (EU) 2022/1616 von zentraler Bedeutung. Dabei kann die Recyclingverordnung auch relevant sein, wenn sich der Rezyklatanteil nicht unmittelbar auf der Lebensmittelkontaktseite befindet, sondern beispielsweise hinter einer Barriereschicht liegt.

Die regulatorische Betrachtung beginnt damit bereits beim eingesetzten Material und dessen Herkunft.

Suitable Technology und Novel Technology

Ein wichtiger Punkt beim Einsatz von Rezyklaten in Verpackungen ist die Unterscheidung zwischen Suitable Technologies und Novel Technologies.

Im Webseminar wurden die einzigen bisher in der Verordnung 2022/1616 gelisteten Suitable Technologies erläutert – das mechanische PET-Recycling und bestimmte Closed-Loop-Systeme. Entscheidend für einen Closed Loop ist dabei, dass die Verpackung nicht unkontrolliert beim Endverbraucher verwendet wurde.

Alle andere Recyclinglösungen müssen dagegen als Novel Technology eingereicht werden, wenn das Rezyklat in der EU für den direkten Lebensmittelkontakt zugelassen werden soll. Damit sind besondere Anforderungen an Sicherheitsbewertung und Monitoring verbunden. Input und Output des Recyclingprozesses müssen betrachtet werden, zudem spielen regelmäßig veröffentlichte Monitoring-Berichte eine Rolle.

Für Verpackungshersteller und Anwender ist daher nicht nur die technische Qualität eines Rezyklats relevant. Sie müssen auch wissen, auf welcher regulatorischen Grundlage das Material für die vorgesehene Anwendung eingesetzt wird.

Warum hat PET beim Recycling Vorteile?

PET bringt aus Sicht der Lebensmittelsicherheit einen wichtigen Vorteil mit: Mögliche Kontaminanten bewegen sich vergleichsweise langsam durch das Polymer. Dadurch kann die Migration aus dem Material in das Lebensmittel begrenzt werden.

Bei Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) ergeben sich größere Herausforderungen. Stoffe können schneller durch das Polymer wandern. Gleichzeitig können PE und PP Kontaminanten beispielsweise während ihrer Nutzung oder bei Waschprozessen aufnehmen.

Diese Materialeigenschaften machen die Sicherheitsbewertung von recycelten Polyolefinen besonders anspruchsvoll.

Auch Polystyrol wurde im Webseminar betrachtet. Aus Sicht der Migration kann PS aufgrund seiner langsameren Diffusion interessante Eigenschaften für Recyclinganwendungen besitzen.

Druckfarben und Klebstoffe können zum Problem werden

Besonders interessant für die Praxis sind mögliche Auswirkungen von Druckfarben, Pigmenten und Klebstoffen auf Rezyklate.

Im Webseminar vorgestellte Untersuchungen zeigten, dass bestimmte bedruckte Materialien zunächst unauffällig sein können. Durch die hohen Temperaturen im Recyclingprozess können jedoch zusätzliche Abbauprodukte entstehen. Als mögliche Einflussfaktoren wurden unter anderem bestimmte Druckfarbenbestandteile und Pigmente diskutiert.

Damit rückt die Qualität des Recyclinginputs stärker in den Mittelpunkt.

Mögliche Ansätze sind unter anderem:

  • die Sortierung nach Farben,
  • das Ausschleusen ungeeigneter bedruckter Bestandteile,
  • Delabeling,
  • Deinking und
  • eine gezielte Betrachtung der verwendeten Klebstoffe.

Für einen funktionierenden Kreislauf muss Verpackungsdesign daher zunehmend auch die spätere Recyclingstufe berücksichtigen.

Sicherheit von Rezyklaten: Ein Screening reicht nicht immer aus

Die Analytik von Rezyklaten ist ein weiteres zentrales Thema. GC-MS-Screenings spielen dabei eine wichtige Rolle, können aber nicht sämtliche relevanten Stoffgruppen gleichermaßen erfassen.

Im Vortrag wurde beispielsweise auf primäre aromatische Amine hingewiesen. Diese können mit einem klassischen GC-Screening nur unzureichend erfasst werden. Je nach Rezyklat und geplanter Verwendung können deshalb ergänzende Untersuchungen sinnvoll sein.

Bei Novel Technologies kommen weitere Fragestellungen hinzu, etwa mögliche genotoxische Substanzen und endokrine Disruptoren sowie der Umgang mit nicht identifizierten Stoffen.

Rezyklate in Kosmetikverpackungen

Bei Rezyklaten in Kosmetikverpackungen sieht die Situation anders aus als im Lebensmittelkontakt. Eine vergleichbar detaillierte europaweite Regelung für recycelte Kunststoffe gibt es hier nicht.

Als Orientierung wurde im Webseminar die freiwillige Industrie-Guideline CosPaTox vorgestellt. Dabei wird unter anderem die tatsächliche Exposition berücksichtigt. Ein Shampoo, das wieder abgewaschen wird, ist beispielsweise anders zu bewerten als ein Leave-on-Produkt wie Sonnencreme.

Der Ansatz ermöglicht damit eine stärker an der tatsächlichen Anwendung orientierte Sicherheitsbewertung.

Gleichzeitig kann die Batch-to-Batch-Betrachtung einen erheblichen Prüfaufwand bedeuten.

Welche Rolle spielt chemisches Recycling?

Auch chemisches Recycling von Kunststoffen wurde im Webseminar diskutiert.

Werden Polymere bis zu Monomeren zurückgeführt und sind diese Monomere in der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 gelistet, kann die regulatorische Bewertung über die Kunststoffverordnung erfolgen. Sind die entstehenden Stoffe dagegen nicht entsprechend gelistet, muss auch ein chemisches Recyclingverfahren als Novel Technology gemäß der Recycling Verordnung 2022/1616 eingereicht werden.

Damit wird deutlich: Chemisches Recycling ist regulatorisch nicht automatisch mit einem einzigen Bewertungsweg verbunden.

PPWR: Sind die Rezyklatziele bis 2030 erreichbar?

Auch die PPWR und die zukünftigen Rezyklatquoten waren Thema des Webseminars.

Christian Kirchnawy äußerte Zweifel daran, dass die für 2030 vorgesehenen Anforderungen flächendeckend erreicht werden können. Als Herausforderung nannte er unter anderem die Dauer der Verfahren rund um Novel Technologies. Gleichzeitig stellte er fest, dass Unternehmen bereits intensiv daran arbeiten, die Anforderungen zu erfüllen.

Damit bleibt eine entscheidende Herausforderung bestehen: Wie lassen sich höhere Rezyklatanteile mit den hohen Anforderungen an die Produktsicherheit verbinden?

Fazit: Sichere Rezyklate beginnen beim Input

Der Einsatz von Rezyklaten in Verpackungen ist weit mehr als eine Frage des prozentualen Recyclinganteils. Entscheidend ist die Betrachtung der gesamten Prozesskette: vom Ausgangsmaterial über Sortierung, Reinigung und Recycling bis zur Analytik und zur späteren Verwendung des Materials.

Eine der zentralen Erkenntnisse aus dem Webseminar lautet deshalb: Die Qualität des Inputs ist entscheidend für die Qualität und Sicherheit des Rezyklats.

Verpackungshersteller, Recycler und Anwender sollten daher genauer fragen:

  • Woher stammt das Recyclingmaterial?
  • Welche Ausgangsmaterialien wurden eingesetzt?
  • Wie wird mit bedruckten Materialien umgegangen?
  • Welche Rolle spielen Druckfarben und Klebstoffe?
  • Wie wurde das Rezyklat analysiert?
  • Passt die Sicherheitsbewertung zur tatsächlichen Anwendung?

Denn für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zählt nicht nur, wie viel Rezyklat eingesetzt wird. Genauso wichtig ist, wie sicher und kontrolliert der Kreislauf gestaltet wird.