POUCH vs. PET-FLASCHE Teil 5

Pouch vs. PET Bottle 5

PP-Standbeutel vs. PET-Flasche für hochwertige und empfindliche Füllgüter – ein Bericht von Dr. Bernd Knierbein

Stand: Januar 2026 Teil 5 von 5, Teil 4 finden Sie hier:

5. Anwendung, Recyclingaspekte und Fazit 

5.1. Nutzung und Anwendung 

5.1.1. Beutel

Die Beutel als flexible Verpackung erlauben in der Anwendung noch andere Optionen als halbstarre oder starre Flaschen. Bei entsprechendem Beuteldesign ist das Auslaufen des flüssigen Produktes allein durch Schwerkraft und ohne Belüftung mit geringen Restvolumina und ohne große vorherige Kopfräume möglich. 

Eine Fallfestigkeit im Bereich von 1 m ist für den Standbodenbeutel aus Polyolefinen möglich, aber schlechter als bei bisherigen gemischten Verbunden mit oPA und auch schlechter als bei der PET-Flasche. 

5.1.2. Flasche

Ein Auslaufen durch Schwerkraft ist bei entsprechendem Flaschendesign nur mit deutlich größeren Kopfräumen als bei Beuteln möglich.  

Die häufigste Nutzung der PET-Flasche ist die der reinen Flüssigkeitsverpackung, da meist ein typisches Flaschenverhalten vorliegt: 

  • Bier
  • Wein, Säfte
  • Ketchup
  • Saucen

Die Fallfestigkeit liegt deutlich über 1 m, die PET-Flaschen von Coca Cola galten in den 80er Jahren als unkaputtbar. 

Die Flasche besitzt ohne Belüftung ein schlechteres passives Auslaufverhalten als der Beutel. Bei empfindlichen Füllgütern kann die ungefilterte Belüftung zur Verkeimung des Produktes führen. 

Tabelle zu Kapitel 5.1: Nutzung und Anwendung 

5.2. Recycling

5.2.1. Beutel

Das Restvolumen des Beutels ist durch das sich Zusammenlegen der Folien nach Gebrauch minimal. Mit den neuen Entwicklungen sind PP-Materialanteile von > 90 % möglich, womit formal eine Recyclingfähigkeit attestiert wird.  

In der Praxis erfolgt jedoch meist nur Downcycling, da Verbundstrukturen und Bedruckungen die wirtschaftliche Aufbereitung erschweren. 

In Japan, einem Vorreiterland für flexible Verpackungen, ist dagegen das thermische Recycling zulässig /30/. 

Erschwerend kommt hinzu, dass bei sterilisierbaren Verbunden die Bedruckung mit ca. 1 m Druckfarbe als Konterdruck vorliegt. 

5.2.2. Flaschen

Zur Verringerung des Restvolumens müssen die Flaschen gequetscht werden. 

Die mechanische Trennung von Flasche, Verschluss und Sleeve ist wegen der unterschiedlichen Materialdichten leicht möglich. 

Der bedruckte und damit kontaminierte Sleeve kann so leicht separiert werden. 

Tabelle zu Kapitel 5.2: Recyclingaspekte

5.3. Kreisläufe in der Schweiz

Die praktischen Recyclingaspekte werden nachfolgend insbesondere für die Schweiz betrachtet, die aus den folgenden Gründen interessant sind: 

  • Hochpreisiger Markt
  • Innovationsfreudig
  • Zentral in Europa mit verschiedenen Sprachgruppen, d. h. sehr repräsentativ für Europa 

Es gibt in der Schweiz folgende Unterscheidungen beim Rücklauf der Verpackungen:

  • PETRecycling.ch /31/:   

Reine PET-Verpackungen, Start seit 1991 

  • RecyBag.ch /32/:  

Andere Kunststoffverpackungen und Getränkekartons, Start seit 2025 

Die echten PET-Kreisläufe bestehen in der Schweiz im Jahr 2023 mit 84 % Anteil, damit ist dieses Land hier weltweiter Vorreiter. Auf PET-Getränkeflaschen wird ein vorgezogener Recyclingbeitrag (vRB) erhoben, der beim Kaufpreis enthalten ist. 

Der RecyBag ist mit Volumina zwischen 17 l – 110 l käuflich erwerbbar. Der Verbraucher wird so zu sparsamen Umgang mit Verpackungsmaterial „erzogen“. 

5.4. Fazit von PP-Standbodenbeutel und PET-Flasche im Vergleich 

Nach den Analysen beider Verpackungstypen lassen sich die wichtigsten Stärken und Schwächen deutlicher herausstellen. 

Vorteile des Standbodenbeutels: 

  • Gewichtsvorteil: Mit ca. 10 – 12 g für 500 ml ist der Beutel meist leichter als die Flasche und spart Transportressourcen
  • Restentleerung: Sehr gutes Auslaufverhalten ohne Belüftung, minimales Restvolumen 
  • Flexibilität: Auch für stückige Produkte geeignet durch Füllung über die Kopföffnung und Sterilisation 
  • Logistik leerer Packungen ohne Ausgießer: Flach liegend platzsparend transportierbar 

Nachteile des Standbodenbeutels:

  • Komplexe Herstellprozesse mit hohen Anfahr- und Schneideverlusten 
  • Höheres Risiko durch Mikrolekagen in den vielfachen Schweißnähten 
  • Aufwendige Sterilisation im Autoklav mit hohem Energie-, Medien – und Flächenbedarf 
  • Recycling noch nicht vollständig gelöst, meist Downcycling 
  • Im Schweiß- und Füllbereich geringere Leistungen als bei Flaschenherstellungen 

Vorteile der PET-Flasche:

  • Sehr effiziente Herstellung: Wenige Schritte, sehr hohe Ausstoßleistungen durch optimierte Spritzgieß- und Streckblasprozesse 
  • Prozesssicherheit für anspruchsvolle Produkte: Aseptische Abfüllung etabliert, schnelle und zuverlässige Abläufe 
  • Robustheit: Hohe Fallfestigkeit, einfache Logistik, geringes Risiko von Undichtigkeiten
  • Recycling: Langjährig etablierte Systeme mit hohen Rücklaufquoten (z. B. 84 % in der Schweiz) 

Nachteile der PET-Flasche:

  • Höheres Restvolumen nach Gebrauch 
  • Schlechteres passives Ausgießverhalten ohne Belüftung 

Die PET-Flasche ist heute der robustere, besser etablierte Standard mit hoher Effizienz und Kreislauffähigkeit.  

Der Standbeutel ist vorteilhaft, wenn Gewicht, Ausgießkomfort und Restentleerung entscheidend sind.  

Die Zukunft besteht 

  • für flexible Verpackungen in weiter entwickelten Füllanlagen und wirtschaftlichen Recyclinglösungen  
  • und für PET-Flaschen mit weiteren Materialeinsparungen.

Quellen: 

/30/ Glatz: Beutel im Drogeriewarenbereich 

8.Europäische Standbodenbeutel-Konferenz, 6. und 7. November 2024 

/31/ https://petrecycling.ch/ 

/32/ https://recybag.ch