Flexible Verpackungen 2026: Vom regulatorischen Druck zur Innovations-Rallye


Lange wurde in der Verpackungsbranche über Nachhaltigkeit debattiert – mal als Vision, mal als Marketing-Trend. Doch wer Anfang 2026 durch die Werkshallen europäischer Verarbeiter geht, spürt: Die Zeit des Taktierens ist vorbei. Wir befinden uns mitten in einer der spannendsten Transformationsphasen unserer Industriegeschichte.

Der 12. August 2026: Ein Datum als Katalysator

Mit dem nahenden Stichtag der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) im August 2026 hat sich die Stimmung grundlegend gewandelt. Was früher als „Ermüdung“ durch immer neue Vorschriften missverstanden wurde, hat sich in zielgerichteten Pragmatismus verwandelt. Nachhaltigkeit ist nicht mehr das „Extra-Feature“ für Premium-Marken, sondern das neue Betriebssystem der Branche.

Warum wir Grund zum Optimismus haben

Trotz der Herausforderungen – wie dem PFAS-Verbot und strengen Quoten für den Leerraum – überwiegt die Macher-Mentalität. Warum? Weil die technischen Barrieren für die Kreislaufwirtschaft fallen. Wir sehen heute Lösungen, die vor drei Jahren noch als „nischenhaft“ galten:

  • Mono-Materialien ersetzen komplexe Multilayer, ohne die Haltbarkeit der Produkte zu gefährden.
  • Digitale Produktpässe machen die Wertschöpfungskette endlich transparent.
  • Hochwertige Rezyklate (PCR) finden ihren Weg zurück in funktionale Strukturen.

Best Practice aus Deutschland: Der Kreislauf-Pionier aus Mainz

Dass die Kreislaufwirtschaft keine Theorie bleibt, beweist ein aktuelles Leuchtturmprojekt aus Deutschland. Das Mainzer Familienunternehmen Werner & Mertz (Frosch) hat gemeinsam mit dem Verpackungsspezialisten Mondi den Standbodenbeutel revolutioniert.

Der Durchbruch 2025/2026:

Nachdem bereits ein vollständig recyclingfähiger Mono-PE-Beutel etabliert wurde, ist den Partnern nun der nächste Meilenstein gelungen: Der Beutel enthält erstmals 27 % Post-Consumer-Rezyklat (PCR) direkt aus dem „Gelben Sack“. (Quelle)

Meilensteine der Werner & Mertz Rezyklat-Initiative

Video-Auszüge: Die Rezyklat-Initiative im Überblick

  • Pionierarbeit: Seit 2012 Entwicklung von Kreisläufen für PET, PE und PP aus dem Gelben Sack.
  • Meilensteine: Von ersten Flaschen mit 20 % PCR (2014) über 100 % HDPE-Flaschen (2016) bis hin zu PP-Verschlüssen.
  • Skalierung: Rekord von einer Milliarde 100 % PCR-Flaschen im Jahr 2025.
  • Fokus Beutel: Entwicklung patentierter Standbodenbeutel aus Monomaterial (Mondi) für maximale Recyclingfähigkeit.

Fazit: Die Zukunft ist flexibel – und kreislauffähig

Die kommenden zwei bis drei Jahre werden herausfordernd, bieten Flexpack-Unternehmen, die jetzt investieren, aber eine beispiellose Chance. Kreislauffähigkeit ist für viele Flexpack-Produzenten jedoch bereits heute Routine. Standardisierte Produkte mit deutlich verbesserter Recyclingfähigkeit sind für fast alle Produkte erhältlich.

Doch warum stockt noch der Absatz? Wo liegen die Hürden, die zu einem disruptiven Mono-Material-Shift führen? Sind es die Qualifizierungsprozesse, der Kostendruck oder die Sorgen um die Marken-Kommunikation mit oder ohne Green?

Der europäische Gesetzgeber kennt nur noch eine Richtung: die Kreislaufwirtschaft – und das vor alle, für Plastikverpackungen.

Mehr zum Thema Kreislaufwirtschaft und Flexpack finden Sie auch in unseren Weiterbildungsangeboten.

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