Ein Gespräch mit Dagmar Glatz
In unserer neuesten Podcast-Episode hatten wir das Vergnügen, Dagmar Glatz von dm Drogeriemarkt zu begrüßen. Dagmar ist Verpackungsexpertin und teilt ihre wertvollen Einblicke in die Welt des Recyclings und der nachhaltigen Verpackungen bei dm.
Einführung in die Welt der nachhaltigen Verpackungen
Dagmar Glatz begann ihre Karriere in der Kunststofftechnik und hat sich seitdem auf die Entwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen spezialisiert. Bei dm ist sie seit 2018 tätig und arbeitet intensiv an der Weiterentwicklung der dm-Markenverpackungen sowie an Projekten wie dem Forum Rezyklat.
Herausforderungen und Erfolge im Recycling
Ein zentrales Thema unseres Gesprächs war die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Dagmar erläuterte, warum einige Produktverpackungen im Durchschnitt bereits 40 % Rezyklat enthalten, während es bei flexiblen Verpackungen noch Herausforderungen gibt. Besonders die Druckfarbe stellt ein Problem dar, und Dagmar betonte die Bedeutung von Kooperationen und Innovationen in diesem Bereich.
Persönliches Engagement und Motivation
Dagmar Glatz ist nicht nur beruflich, sondern auch privat stark engagiert. Sie erzählte uns von ihrer Motivation, die Welt für zukünftige Generationen zu einem besseren Ort zu machen. Ihre Leidenschaft für Nachhaltigkeit spiegelt sich in ihrer Arbeit und ihrem Engagement in der solidarischen Landwirtschaft wider.
Die Rolle von dm in der Gesellschaft
dm Drogeriemarkt hat sich als Unternehmen fest in der Mitte der Gesellschaft positioniert. Dagmar sprach über die Firmenkultur und das Engagement von dm, insbesondere im Bereich der Demokratie und der Umweltlastenkalkulation. Sie betonte, dass dm stets bestrebt ist, einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft auszuüben.
Zukunftsperspektiven und Innovationen
Zum Abschluss unseres Gesprächs warfen wir einen Blick in die Zukunft. Dagmar Glatz sprach über neue Materialien und Technologien, die das Potenzial haben, die Verpackungsindustrie zu revolutionieren. Besonders interessant fand sie das Thema CO2-Recycling und die Möglichkeit, aus recyceltem CO2 neue Kunststoffe herzustellen.
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Transkript
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Heute freue ich mich auf Dagmar Glatz von dm Drogeriemarkt. Wir sprechen über Recycling-Fähigkeit von den Verpackungen bei dm, insbesondere im Kunststoffbereich. Machen einen kleinen Exkurs zu faserbasierten Kunststoffen, sprechen über das Forum Rezyklat und tangieren natürlich auch COSPATOX und andere Vorgaben für rezyklierte Kunststoffe. Wir reden darüber, warum bei manchen Produkten schon 40 % Rezyklat eingesetzt wird bei dm-Produkten und warum bei flexibler Verpackung das schwierig ist, warum die Druckfarbe ein Problem darstellt und welche Rolle Annette Cady-Corpos bei diesem ganzen Thema spielt.
Freuen Sie sich auf diesen spannenden Podcast mit Dagmar Glatz. Herzlich willkommen Dagmar Glatz im Innoform Podcast. Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, heute bei Ihnen zu sein.
Frau Glatz, Sie arbeiten bei dm. Nicht jeder kennt Sie. Viele kennen Sie von unseren Veranstaltungsteilnehmern schon, aber wir wollen natürlich auch ein bisschen persönlich gucken, was treibt Sie an. Sie sind Verpackungsexpertin bei dm.
Wie kommen Sie dazu? Wie haben Sie damit angefangen? Ich habe irgendwann mal Kunststofftechnik in Leoben studiert. Das ist eine kleine Bergbauuniversität in Österreich.
Kunststoffe waren aus meiner Perspektive immer sehr wertvolle Rohstoffe. Eher so diese technische Perspektive hatte ich da natürlich. Kunststoffe sehen wir ja überall in unserem Leben und brauchen wir auch. Und wir wissen auch, für die Ressourcen- und Energiewende sind Kunststoffe ganz wichtig.
Mir war aber auch immer klar, Kunststoffe im Verpackungsbereich sind ein Problem. Deswegen wollte ich dort eigentlich nicht hinblicken, sondern eben im technischen Bereich mich betätigen. Und zu dm kam ich dann 2018, als ich gesehen habe, dm hat das Forum Rezyklat gegründet. Und da wurde ich dann hellhörig, nachdem ich dann schon ein paar Jahre im Sondermaschinenbau für Kabelextrusion im Automobilbereich und Pharmaziebereich tätig war.
Dann habe ich mir gedacht, hm, im Verpackungsbereich, da tut sich jetzt was. Und da könnte jetzt vielleicht ein Diplomingenieur tatsächlich, ja, was Gutes tun sozusagen. Und habe mich dann bei dm beworben. Und ich würde mal sagen, es war ein gutes Match.
Und seitdem darf ich die dm-Markenverpackungen mit weiterentwickeln, bin in der dm-Gruppe zum Thema ökologische Zukunftsfähigkeit zuständig und darf eben auch am Forum Rezyklat mit ganz vielen engagierten Partnern diverse Themen vorantreiben. Das setzt ja viel persönliches Engagement auch voraus. Sie haben nebenberuflich auch noch ein starkes Engagement und Sie mir eben im Vorgespräch verraten. Was treibt Sie persönlich an?
Nachhaltigkeit für zukünftige Generationen
Erzählen Sie mal ein bisschen. Tja, das ist natürlich die Fragestellung, was machen wir hier auf unserer Erde. Und da sehen wir, wir haben eben ganz viele Probleme. Und wir alle wollen ja ein gutes Leben haben, ein gesundes Leben.
Und das wollen wir natürlich auch für die nächste Generation haben. Und ich bin so aufgewachsen, dass meine Eltern und meine Großeltern mir immer mitgegeben haben, was sie für mich tun, damit ich ein gutes Leben haben kann. Das hat begonnen mit dem Studium. Ich war die Erste bei uns im Haus, die ein Studium abschließen durfte.
Und das Gleiche wünsche ich mir natürlich auch für meine Kinder und für alle weiteren. Und eine gesunde Erde hängt sehr viel mit der Ernährung zusammen. Jetzt komme ich aus Österreich, da haben Lebensmittel dann doch noch vielleicht einen anderen Stellenwert. Und somit war es für mich klar, wenn ich nach Deutschland ziehe, dann möchte ich mich an der Stelle auch gut aufstellen.
Wie jeder habe auch ich gestartet mit dem eigenen kleinen Garten, bin sehr schnell draufgekommen: Das funktioniert nicht, weil ich eben Vollzeit arbeite. Und dann sind wir einer solidarischen Landwirtschaft beigetreten. Und hier bin ich ja Mädchen für alles, sage ich mal.
Das ist das gute Gemüse, kann jeder nachlesen, findet man sofort. Ja, und das ist meine Motivation, letztendlich an einigen Stellen die Kreisläufe auch zu schließen. Und das spürt man auch, dass Sie wirklich mit Leib und Seele dabei sind. Gerade beim letzten Inno-Meeting in Wien waren wir da ja, da haben wir Sie zugeschaltet.
Sie haben trotzdem – Sie eigentlich gar keine Zeit hatten – trotzdem die Gelegenheit wahrgenommen, noch mal einen Vortrag zu halten. Und der war aufrüttelnd, kann ich sagen. Das war einer der wenigen sehr kritischen Vorträge auch zu unserer Industrie, der Kunststoffindustrie. Und das kommt nur dann rüber, wenn man auch wirklich davon überzeugt ist.
Das darf ich Ihnen, glaube ich, sagen. Ja, danke. Also ich möchte es noch gerne ergänzen. Ich denke, wir müssen diese Kritik – ich will nicht sagen, uns gefallen lassen.
Aber der Punkt ist: Es ist ja offensichtlich, dass wir hier an der Stelle etwas zu tun haben. Und es gibt so viele kluge Menschen und so viele kluge Ingenieure. Und die müssen halt einfach zusammenkommen, um die Lösungen zu finden. Und wir dürfen uns da nicht wegducken.
Kunststoffverpackungen statt Ideologien bewerten
Also das ist nicht die Lösung. Sonst haben Kunststoffverpackungen, die eben so wertvoll sind und die wir definitiv brauchen für viele Themen – ja, aber dann haben sie irgendwann keinen Wert mehr für uns, wenn sie die Übermacht in der Natur bekommen. Und das darf einfach nicht passieren.
Und was mich eben auch begeistert hat, Zahlen, Daten, Fakten anstatt Ideologien. Sie sind selber Kunststoff-Fan. Das haben Sie eingangs auch gesagt. Und trotzdem haben Sie das Ganze in Frage gestellt, immer wieder und immer wieder.
Und genauso funktioniert ja auch Wissenschaft, dass wir immer wieder zweifeln und quasi voranirren, habe ich neulich gelesen. Das ist eigentlich ein schöner Begriff, fand ich. Ja, wobei voranirren – ich finde, da muss man ein bisschen aufpassen.
Wir haben jetzt das Jahr 2025. Da sollten wir jetzt nicht mehr zu viel irren. Ich denke, wir wissen eigentlich schon genug, was zu tun ist. Und dort, wo wir es nicht wissen, dort müssen wir gezielt Studien hinrichten, damit wir eben genau erfahren, was jetzt zu tun ist.
Wir dürfen nicht mehr dieses – dieses Mindset ist zwar nicht trial and error, aber dafür haben wir zu wenig Zeit. Und ich glaube, ganz oft wissen wir ja schon, was wir tun müssen. Und nun müssen wir halt die Stärke und den Mut haben, das dann auch umzusetzen. Spannend und positiv aufgefallen ist unseren Zuschauern damals auch, dass sie als Händler immer wieder in die Bütte gehen, wie wir sagen.
Das ist auch ungewöhnlich. Normalerweise sind Händler publikumsscheu. Ihr Gründer Götz Werner war genau das Gegenteil. Er hat schon von Anfang an sich sehr rührend nicht nur um die Mitarbeiter, sondern auch rührend um die Kunden gekümmert, was andere Händler manchmal nicht so tun konnten.
Ist das eine Firmenkultur, würden Sie sagen, das zeichnet dm aus, dass sie voll in der Mitte der Gesellschaft stehen wollen? Oder ist das eher ein Zufallsprodukt, weil Götz Werner so drauf war? Nein, also ich würde sagen, das ist die DNA von dm tatsächlich. Dort, wo wir sehen, wo wir einen Hebel haben, dort stehen wir dann auch an der Stelle.
Jetzt in Deutschland ist gerade das Thema Demokratie. Wie können wir die Gesellschaft dazu bringen, dass jeder am demokratischen Prozess teilnimmt? Auch hier macht der jetzige Geschäftsführer, der Christoph Werner, und unsere Geschäftsführung insgesamt unsere GLK, wie soll ich sagen, eine sehr laute Arbeit auch bei dm. Also wir kriegen alle frei, damit wir uns als Wahlhelfer beteiligen.
Mythen in der Verpackungswelt
Nun kann ich das in Österreich, in Deutschland nicht machen, aber andere Kollegen machen das sehr gerne. Und das wird sehr stark in den Medien publiziert, damit auch andere Unternehmen vielleicht partizipieren und ihre Mitarbeiter auch auffordern zur Wahl zu gehen. Das heißt, sieht man schon bei dm grundsätzlich, dass eben dort, wo wir Themen haben, wo wir denken, dass wir auch die Expertise haben, die Reichweite haben, um die Themen zu bewegen, dass wir versuchen, hier einzusteigen. Ein weiteres Thema war auch unsere Marke Proclimate, mit der wir das Thema Umweltlastenkalkulation treiben, wo wir ganz klar gestartet haben mit der TU Berlin zusammen, es reicht nicht aus, nur auf CO2 zu schauen, sondern wir müssen die weiteren Umweltlasten genauso berücksichtigen.
War auch bei uns in der Verpackungswelt, ist es das Thema, denn das geht ganz stark mit den Mythen einher. Jetzt habe ich wieder einen biobasierten Kunststoff auf dem Tisch liegen gehabt, gerade vorher. Der hat einen super CO2-Fußabdruck, aber wir gucken eben nicht nur auf den CO2-Fußabdruck, sondern auf den gesamtökologischen Fußabdruck. Und auch hier gibt es noch viel zu tun, weil wir sehen, die Datenbank ist noch nicht richtig toll, es gibt Interpretationsspielräume.
Das heißt, auch hier müssen wir uns auf wissenschaftlicher Ebene zusammenschließen, um hier gute Angebote für den Markt zu finden. Jetzt haben Sie schon das fachliche Thema schön aufgemacht, gehen wir mal ein bisschen tiefer rein. Fangen wir mal hinten an, was früher hinten war. Wir denken ja heute in Kreisen, da gibt es ja keinen hinten mehr.
Recyclingfähigkeit. Wie bewerten Sie eigentlich heute so den Status der Recyclingfähigkeit der gesamten Recyclingwirtschaft? Wie ist so Ihr Blick darauf? Eine gute Frage und eine schwierige zugleich, denn manchmal denkt man sich, man ist ja schon ganz gut aufgestellt mit seinen Verpackungen und dann plötzlich ändert sich etwas.
Wir machen ja die Bewertung der Recyclingfähigkeit nach dem deutschen Mindeststandard der Zentralen Stelle Verpackungsregister. Da muss ich auch ganz klar sagen, das ist uns ein gutes Regelwerk, das hat uns sehr gut geführt die letzten Jahre. Und es ist auch in Ordnung, dass es hier noch eine Dynamik drinnen gibt, weil die Recyclingwirtschaft letztendlich trotzdem noch ein Kind ist, das sich entwickelt. Und gerade im Kunststoffbereich sehen wir eben, da braucht es wirklich eine niedrigere Flughöhe, als wir vielleicht bei anderen Systemen haben wie bei Glas.
Da gibt es nicht so eine große Varietät drinnen oder so viele unterschiedliche Hebel, die bedeutsam sein können. Aber im Kunststoffbereich definitiv. Deswegen muss man dem Ganzen noch ein bisschen Zeit geben, damit es sich wirklich festigen kann. Aber man sieht ja schon langsam, nimmt die Dynamik ab.
Und ich bin zuversichtlich, dass das jetzt auch in den nächsten zwei Jahren dann auch so sein wird, dass es alles festgezurrt ist, mehr oder weniger. Aber zurück zur Bewertung der Recyclingfähigkeit. Aber genau diese Dynamik führt halt dann dazu, dass wir dann 2023, nachdem die Nitrozellulosebasis aufgenommen wurde in den deutschen Mindeststandard, noch mal eine komplette Neubewertung machen mussten. Und jetzt ist es so, dass wir mit den DM-Eigenmarken ja schon einige Produkte am Markt haben.
Ja, und da steckt halt viel Arbeit drinnen. Und ich würde halt sagen, bei den Tuben, bei den Flaschen sind wir sehr gut aufgestellt. Wir haben kaum noch Blister-Verpackungen. Da sind wir dann auf die einfache Falzschachtel gegangen.
Flexible Verpackungen im Lebensmittelbereich
Aber die flexiblen Verpackungen, die sind für uns das Thema und gerade im Lebensmittelbereich. Bleiben wir ruhig noch mal kurz bei den Flexibles. Dafür stehen wir ja als Innoform auch so ein bisschen, wollen da so ein bisschen moderieren. Wie schätzen Sie das bei Flexpackverpackungen im Vergleich zu den anderen Packstoffen und Packmitteln, die Sie eben schon genannt haben, denn ein?
Tja, hier ist die Thematik einfach komplexer. Warum ist das Leben bei den Flaschen so leicht? Die meisten Flaschen sind belabelt. Das heißt, das Label wird abgewaschen.
Also dort, wo die toxikologisch relevanten Substanzen wären, wie eben Farbstoffe oder Klebstoffe. Die werden beim Recycling abgewaschen, gehen direkt diesmal in die thermische Verwertung. Deswegen braucht sich der Flaschen-in-Verkehr-Bringer an der Stelle nicht diese Gedanken machen, wie eben ein Müsli-Riegelhersteller, der im Endeffekt von der Grammatur nicht weit vom Label entfernt ist. Denken wir jetzt an eine Shampooflasche, die hat vorn und hinten ein Label.
Wenn ich jetzt die Grammatur heranziehe, dann ist es die gleiche Grammatur, die ich bei der Müsli-Riegelverpackung habe. Aber die Müsli-Riegelverpackung kann halt nur in Gänze recycelfähig werden. Und das ist das Thema. Das heißt, der Flaschenhersteller hat es hier gut, sage ich jetzt mal.
Aber der Müsli-Riegelhersteller hat hier echt ein Thema. Das ist auch nicht so einfach aufzulösen. Sie hatten Nitrocellulose vorhin schon angedeutet. Welche Rolle spielt Nitrocellulose in diesem Konzert der flexiblen Verpackung, gerade bei den bedruckten Materialien?
Wir haben ja gelernt, über die Pionierarbeit von AKK muss man immer wieder schätzenswert erwähnen, dass eben Nitrocellulose einen Einfluss haben kann, was meiner Meinung nach ein bisschen schiefgegangen ist. Der Referenzfall für die LDPE-Verpackungen ist ja nach wie vor der Müllbeutel, der in die Industrie geht. Das heißt, der schwarze Müllbeutel. Und dort hätte die Nitrocellulose nicht wirklich einen Einfluss gehabt.
Weil, ob dieser Müllbeutel stinkt oder nicht, ist komplett irrelevant. Das muss man jetzt ganz klar sagen. Nichtsdestotrotz müssen sich die Verpackungen ja auch weiterentwickeln. Aber ich denke, wir müssen jetzt noch mal so einen Schritt zurück machen und gucken.
Also AKK wollte das Thema ja einfach mal auf den Tisch bringen. Und das war ja auch wichtig. Das war nicht gerne in Koppers. Die wollen wir so namentlich gerne mal erwähnen.
Farbsysteme beim Recycling richtig nutzen
Jetzt ist halt die Frage, war das aber jetzt das Richtige, das in dieser Form zu implementieren? Mittlerweile habe ich jetzt schon mitbekommen, dass Polyurethan-Farben besser abwaschbar wären als Nitrocellulose-Farben. Finde ich sehr interessant, dass wir uns dieser Fragestellung nochmal widmen. Dann haben wir natürlich immer das Thema Zwischenlage und Druck, gerade im Lebensmittelverpackungsbereich, wo wir dann auch noch mal hinschauen müssen.
Aber das ist dann schon wieder egal, welches Farbsystem ich nehme. Das Thema habe ich immer mal lösen müssen. Wir sind ja heute auch so ein bisschen eingeschränkt durch die Entsorgungsindustrie, so wie sie im Moment aufgestellt ist. Die können eben gewisse Dinge und gewisse Dinge eben auch nicht.
Und wir müssen halt ja im Moment schauen, wie kommen wir damit klar? Bringt mich auf den nächsten Punkt. Sie sind ja im doppelten Dilemma. Sie wollen natürlich auch Rezyklate und müssen es ja auch laut PPWR wieder einsetzen.
Das ist bei Folien natürlich besonders schwierig. Wie funktioniert das denn bei anderen Produkten? Vielleicht bei Flaschen, wo es vielleicht ein bisschen einfacher ist, oder Tuben hatten Sie genannt. Wie ist heute die Beschaffung von Rezyklaten?
Wie funktioniert das? Ist das problemlos heute machbar? Gucken Sie in den Katalog und sagen, bestelle ich Typ XY oder wie läuft das? Also, in der Tat hat sich das Bild von 2019 bis heute sehr gewandelt.
2019 hat es noch geheißen, es gibt kaum Rezyklate in hoher Qualität am Markt. Und wenn, dann sind sie viel zu teuer. Und ich würde mal sagen, gerade so in den letzten zwei Jahren sind wir dort hingekommen, dass manch ein Recycler es verstanden hat, welche Rezyklatqualität wir brauchen für kosmetische Produkte. Und dementsprechend seine Anlagen weiterentwickelt hat.
Mit einer Desodorierung, mit nochmal ein Waschprozess, was auch immer. Definitiv ist es so, dass wir jetzt zum zweiten Jahr in Folge, oder bald zum dritten Jahr in Folge, eine Rezyklateinsatzquote bei den Kunststoffverpackungen der dm-Eigenmarken von über 40 Prozent halten können. Das heißt, wir sind sehr stabil unterwegs und es ist doch eine Masse. Was die aktuellen Zahlen von, ja, 24 habe ich noch nicht vorliegen.
Die kriege ich jetzt hoffentlich in den nächsten Wochen. Aber die 40 Prozent haben wir auf jeden Fall. Das zeigt, es ist möglich, es ist bei immer mehr und mehr Produkten möglich. Und es gibt mehr und mehr Recycler, die eben eine gute Qualität liefern können.
Rezyklat in Lebensmittelverpackungen einsetzen
Nur eben bei Lebensmittelverpackungen haben wir das Thema, dass wir noch kein Rezyklat einsetzen können. Genau, das machen wir heute vielleicht, wenn wir noch Zeit haben, ganz zum Schluss nochmal auf. Aber im Moment ist es noch nicht vorrangig. Wie gehen Sie überhaupt um mit der Unbedenklichkeit von Rezyklaten in Ihren Produkten?
Sie packen ja auch Produkte ab, die mit Körperkontakt ausgesetzt sind, Seifen, Cremes, was auch immer. Da setzen Sie ja Rezyklate ein. Wie gehen Sie damit um? Das ist ja auch so ein bisschen Grauzone, oder?
Nun gut, wir als dm sind ja Händler. Auch bei den dm-Eigenmarkenprodukten haben wir noch mal Herstellpartner, die quasi in der Lieferkette davor sitzen. Das sind ca. 400 Herstellpartner, die wir bei dm für die Marken insgesamt haben.
Und die müssen halt dorthin kommen, dass sie einen Standard entwickeln für Qualitätssicherung der Rezyklate. An der Stelle waren wir mit dabei, Cospadox zu gründen. Das ist ja ein Projekt, das aus dem Forum Rezyklat entstanden ist, weil wir eben gesehen haben, wir brauchen toxikologische Guidelines, um die Rezyklatqualität greifbarer zu machen. Wir von dm können ja gar nicht sagen, du musst Rezyklat einsetzen, sondern der Inverkehrbringer selbst muss nach europäischem Kosmetikrecht an der Stelle ein sicheres Packmittel bringen.
Das heißt, das einzige, was wir tun können, wir können Rezyklateinsatz fördern, indem wir auch wissen, versuchen zu generieren und dann auch freimütig zu teilen. Und das ist uns offenbar gelungen, Cospadox wurde abgeschlossen. Da gibt es jetzt auch noch mal ein Folgeprojekt, was in ein Qualitätsmanagementsystem gehen soll. Und die Rezyklatquote zeigt auch, dass wir unsere Herstellpartner an der Stelle offenbar ganz gut mitnehmen konnten auf den Weg.
Und mittlerweile sind die auch schon sehr sicher in dem, was sie tun. Also das ist wirklich schon geübt. Logisch, die machen das jetzt schon ein paar Jahre. COSPADOX ist ja ein Regelwerk im Prinzip, was angelehnt ist auch an das Lebensmittelrecht für Verpackung, für Bedarfsgegenstände, sagt ja der Fachmann.
Sie haben aber ein paar Entschärfungen vorgenommen. Dennoch wenden Sie es schon an, es ist ja kein Gesetz, wenn ich das richtig verstehe. Also nach europäischem Kosmetikrecht ist der Abfüller für sichere Packmittel, für sichere Produkte zuständig. Und das war es dann an der Stelle auch.
Genau, da nehmen Sie COSPADOX als europäischen Standard jetzt her. Und das Ding haben wir uns angeguckt natürlich bei Innoform. Wir sind begeistert, was da drin steht. Es ist wirklich fundiert, gut gemacht und anwendbar vor allem.
Verbraucheraufklärung zu Recycling-Guidelines
Das ist etwas, was der Praktiker auch nutzen kann. Und solche Guidelines sind sicherlich nie fertig. Aber das ist erstmal schon eine gute Vorlage, nach der man sich natürlich vorgehen kann. In der öffentlichen Debatte, Frau Glatz, hören wir immer wieder das Thema Mülltrennung ist schlecht.
Die Konsumenten müssen mehr aufgeklärt werden. Wir sehen Fernsehspots wieder und Radio-Spots habe ich gerade auf der Fahrt wieder gehört. Welcher Rolle ordnen Sie der Mülltrennung, der besseren Mülltrennung durch den Konsumenten in diesem Fall überhaupt zu? Eine sehr geringe.
Und zwar für mich ist ganz klar, dass wir als Verpackungsbringer einen guten Job machen müssen. Wir müssen eine Verpackung produzieren, die selbstsprechend ist durch Optik, durch Haptik. Das heißt, dass der Konsument mal ganz klar weiß, ist das jetzt ein Kunststoff? Ist es eine faserbasierte Verpackung?
Und jede Verpackung, die dem nicht entspricht, die darf gerne gekennzeichnet werden mit Piktogrammen, was auch immer. Damit der Konsument dann sieht, okay, Achtung, hier muss ich aufpassen. Hier, das ist eine Ausnahme zu meinem gelernten Verhalten. Grundsätzlich sehen wir das ganz klar.
Man sieht den Dreikomponentenbecher, den Joghurtbecher, den kennt jeder. Dort gibt es sogar eine haptische Irritation durch die Abreißlasche, durch die Perforation drauf. Es gibt eine textliche Kennzeichnung und es funktioniert nicht. Obwohl sehr viele ökologisch versierte Menschen diesen Bio-Joghurt dann ja auch konsumieren.
Und wenn man sich die Ergebnisse in Österreich und Deutschland anschaut, ist das über die Jahre nach wie vor ernüchternd. Das heißt, aus meiner Perspektive müssen wir mal grundsätzlich den richtigen Job machen. Und dann hat es natürlich auch was mit den Müllsammelsystemen zu tun. Jetzt haben wir Januar, Mitte Januar.
Wenn ich bei uns beim Glaskontainer schaue, dann liegt die doppelte Menge neben dem Glaskontainer, weil einfach zu wenig Container hier sind. Und das in Zeiten von KI und Co. Also ich denke auch hier könnten wir besser werden. Auch wieder datenbasiert und ist auch genau mein Eindruck.
Sie haben bei der Pouch-Konferenz gesprochen über Nachfüllbeutel. Ich will das Thema nochmal aufmachen. Nachfüllbeutel ist unser beider Steckenpferd. Eigentlich eine tolle Idee.
Handseife und nachhaltige Verpackungen
20, 25 Jahre super gelaufen schon in vielen Bereichen. Dann ist es ein bisschen in der Versenkung verschwunden. Jetzt gerade wieder so eine Renaissance. Wie stehen Sie denn zu den Nachfüllbeuteln?
Bleiben wir mal beim Beispiel. Zum Beispiel Handseife. Also ich finde die absolut interessant. Das Thema ist halt hier, wir kriegen aktuell kaum Rezyklat rein.
Es ist halt keine Flasche, keine Tube. Dementsprechend muss man sich dann auch die Frage nach der Recyclingfähigkeit stellen oder den Anforderungen aus der PPWR. Und das ist wichtig für die Zukunftsperspektive an der Stelle. Letzten Endes helfen sie uns jedoch eben Kunststoff einzusparen.
Und wir sehen auch, dass wirklich viele Kunden in gewissen Produktsegmenten gerne hingreifen. Typisches Beispiel die Handseife. Dort gibt es mittlerweile einen guten, stabilen Markt. In allen Ländern auch tatsächlich.
Also wir sind ja nicht nur in Deutschland unterwegs als dem Drogeriemarkt, sondern in weiteren europäischen Ländern. Und da sehen wir, das ist sehr etabliert. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion nach Ihrem Vortrag im Saal. Es wäre eine Verschlimmbesserung, statt einer Flasche einen Beutel zu nehmen aus Multimaterial mit NC-Druckfarbe, schlecht oder gar nicht zu recyceln, ohne Rezyklatanteil.
Wie schätzen Sie das denn als Händler eigentlich ein? Sie haben das ja auch so ein bisschen anklingen lassen eben. Ja, also das ist echt die Frage. Das ist die Frage von Cradle to Cradle.
Nach diesem Prinzip kann ich ja theoretisch so viel Material einsetzen, wie ich möchte, solange es im Kreislauf geführt wird. Ich glaube, diese Spagat-Materialreduktion und Cradle-to-Cradle-Design, den muss man gut abwägen. Und wenn es halt keine Perspektive für eine gute Kreislaufführung von diesen Beuteln gibt, dann ist der Weg, glaube ich, klar. Auch wenn das nicht jeder hören möchte.
Auch wenn es nicht jeder hören will. Auch für die Flexpack-Industrie ist es eine Herausforderung. Das kann man glaube ich sagen. Noch ein großes Fass.
Mehrwegsysteme und Nachfüllstationen testen
Mehrwegsystem. Auch da experimentiert die dm. Wie stehen Sie dazu? Mehrwegsysteme tatsächlich nicht.
Wir haben Abfüllsysteme. Also wir haben Nachfüllstationen im Wasch- und Putzreinigungsbereich, im Kosmetikbereich getestet und ganz aktuell für Lebensmittel. Wir begleiten das immer mit einer ökobilanziellen Analyse. Und wir haben bei PPWR ganz klar gesehen, dass die Rezyklatflasche, die halt wirklich dünnwandig ist und recyclingfähig ist, durch ein Abfüllsystem, das aus vielen metallischen elektronischen Komponenten besteht, kaum schlagbar ist.
Das muss man ganz klar sagen. Bei Lebensmittelverpackungen, wo wir eine dünne Folie eigentlich haben, denk mir jetzt an eine Müsli- oder eine Kaffeeverpackung, ist es natürlich jetzt aus ökobilanzieller Sicht auch schwierig. So eine Lebensmittelverpackung aus einer Flexpackfolie, die hat ja kaum Umweltlasten, während die Abfüllstation, ja, die hat Umweltlasten und die sind eben nicht klein. Nichtsdestotrotz sehen wir dann auch das Thema Lebensmittelverschwendung, unterschiedliche Bedürfnisse in Haushalten usw.
Und auch die Recyclingfähigkeit. Und das bewegt uns dazu zusammen natürlich auch mit den Anforderungen aus der PPWR, dass wir hier testen und auch gucken, ja, geht der Verbraucher mit? Gibt es Unterschiede in den Ländern? Gibt es bestimmte Produktsegmente, wo der Verbraucher hier ansprechen würde?
Das ist durchaus interessant, jedoch auch sehr ressourcenintensiv. Das kann man schon sagen. Genau. Ich hatte das mit mehr, wie ich bei Ihnen tatsächlich auch gemeint.
Wie funktioniert das? Erklären Sie noch mal kurz unseren Zuhörern. Sie haben eine Abfüllstation und er bringt seinen eigenen Behälter mit oder kauft einen bei Ihnen oder kann wählen. Wie geht das?
Er kann wählen. Also wir haben das auch bei der dm Bio, also Lebensmittelabfüllstation, haben wir diese Option mitgegeben, dass der Konsument sein eigenes Behältnis mitbringen kann und abfüllen kann. Noch ein Fass, was ich aufmachen möchte: Neue Materialientechnologien.
Fangen wir mit den Materialien an. Sehen Sie am Horizont irgendwelche neuen Materialien oder Umschichtung – Beispiel Kunststoff zu Faser basiert – wo wir Durchbrüche erzielen können? Vielleicht erst mal nur kleine Durchbrüche, aber wo wir zumindest eine Verbesserung hinkriegen. Wir erinnern uns an dieses große Fass, was damals Frosta aufgemacht hat.
Papierbeutel statt Kunststoffgefrierbeutel
Wir gehen weg vom Kunststoffgefrierbeutel hin zum Papierbeutel. Ein Aufschrei in der Branche. Heute ist es normal bei Frosta. Wie sehen Sie das?
Also faserbasierte Verpackungen sind natürlich interessant, wenn sie gewisse Regeln einhalten. Also wenn der Kunststoffanteil kleiner als fünf Prozent ist, dann ist ja eigentlich auch noch Papier. Aber diese ganzen hybriden Verpackungsformen – da muss man echt aufpassen, dass man hier keine Mythen nachläuft hinsichtlich ihrer Kreislauffähigkeit. Die haben ja meistens kaum Recyclingmaterialanteile, sondern sind aus reinen Frischfasern gemacht und sind auch in der Kreislaufführung noch nicht in ganz Europa geschlossen, sage ich jetzt mal.
Was ich super interessant finde, ist das Thema CO₂-Recycling. Wir haben beide Flaschen im Einsatz, die aus recyceltem CO₂ hergestellt sind. Die ersten Flaschen waren aus dem Kunststoff PET. Da wäre mein Traum eigentlich, dass wir zukünftig flexible PE- und PP-Verpackungen herstellen könnten.
Also aus dem CO2 kann man sehr leicht Ethanol recyceln. Und aus Ethanol kennen wir alle. Aus Zuckerrohr kriege ich auch Ethanol. Und daraus wird dann eben der biologisch generierte Kunststoff PE/PP hergestellt.
Und das könnte ich aus dem CO2-recycelten CO2 eben auch machen. Das finde ich eine smarte Lösung, weil dann dürfen wir auch weiter thermisch verwerten. Ich sage es jetzt ganz provokativ, aber ich finde auch, das müssen wir mal überlegen: Wo die ökologische Grenze des Recyclings ist.
Oder ob es nicht dann doch irgendwo eine thermische Verwertung geben darf, wenn wir das CO2 im Kreislauf führen können. Und das ist eben die Schwierigkeit. Da sind wir beim Thema Technologie. Sie hatten es schon angesprochen.
Also aus dem CO2 den Kohlenstoff rausholen letztendlich und daraus neue Polymere generieren. Alter Hut, in Anführungsstrichen. Vor 20 Jahren hat BASF da Großreklame schon mitgemacht und dann ist es wieder in der Versenkung verschwunden. Glauben Sie wirklich, da kommt jetzt wieder was? Es geht wieder in die Richtung?
Na ja, wir haben sie umgesetzt mit BASF-CHEM. Das ist ein US-amerikanischer Lizenzgeber. Und wie gesagt, wir haben ja recycelten CO2 schon in den PET-Flaschen drinnen. Wir kriegen es auch mehr und mehr in den Produkten.
Primärmaterialien und PET-Recycling optimieren
Denn wir haben ja auch in den Produkten noch Rohstoffe, die Primärmaterialien wie die Palmpflanze zum Beispiel benötigen. Also ganz viele Tenside, also Wasch- und Putzreinigungsmittel. Aber auch Kosmetikprodukte sind auf Basis von der Palmpflanze, was jetzt auch keine schöne Ressource ist, kennen wir alle. Also auch hier gibt es Alternativrohstoffe zu finden.
Und auch hier sehen wir eben Bewegungen, die möglich sind. Und wie gesagt, wenn wir PET herstellen können, ist eigentlich nur eine Frage des Reaktors. Die Technologie ist hier, aber wir brauchen einen europäischen Reaktor, wo wir eben dann das CO2-recyclierte Material, also dieses Ethanol, umwandeln könnten in BOPP. Und den haben wir aktuell in Europa nicht.
Soweit ich weiß, gibt es da nur einen. Und das ist der von BASF-Chem in Südamerika. Ich denke auch, BASF-Chem ist damals nicht mehr in das Upscaling reingegangen.
Aber vielleicht kommt das noch. Die Technologie, das Wissen ist eigentlich da. Jetzt fehlt eigentlich nur der Wille und das finanzielle Business-Modell ist natürlich auch immer noch wichtig. Apropos Business-Modell.
Forum Rezyklat hatten Sie vorhin oben schon angesprochen. Was genau ist das? Ja, das Forum Rezyklat war ursprünglich mal ein Projekt, wo wir ganz freimütig dem Markt gesagt haben, na ja, da ist so viel Kunststoff in der Umwelt. Guck doch mal, dass das lieber wieder als Rezyklat in die Verpackungen zurückgeht.
Wir sehen, unsere Kunden machen sich Sorgen um diesen Kunststoff in der Umwelt, um Mikroplastik und Co. Das war so das Jahr 2018. Und daraufhin haben wir dieses Projekt gegründet. Und eben große Partner wie Henkel, Beiersdorf, P&G eingeladen.
Damals haben einige gemeint so, was will der dm jetzt von uns? Das habe ich jetzt erst vor kurzem erfahren, dass die damals sehr irritiert waren. Als wir bei einem Jahrespartnertag gesagt haben, ey, wir möchten uns mit euch gemeinsam an der Stelle engagieren. Aber mittlerweile ist das Forum Rezyklat eine riesengroße Plattform geworden von über 70 Unternehmen, die wirklich in vier Fachpaketen sehr spezifisch Themen bearbeiten wie Digitalisierung von Verpackungen.
Also da schauen wir uns an, welche Verpackungsattribute benötigen wir auch in der tieferen Lieferkette, damit wir dann eben diese Attribute für die Recyclingfähigkeitsbewertung zur Verfügung stellen können. Oder wenn es darum geht, Rezyklatrückverfolgbarkeiten aufzuzeigen, braucht es da auch irgendwelche Attribute zur Rezyklatberechnung. Wir sind gefordert, eine technische Dokumentation laut PPWR mitzugeben. Was bedeutet das?
Zukunftsfähige Verpackungssysteme entwickeln
Also auch so diese neuen Fragestellungen bewerten wir gerade und gucken, ob unsere Systeme dafür ausgelegt sind. Und jeden, den das mehr interessiert, der kann auf die Forum Rezyklat-Homepage gucken. Da haben wir unter Veröffentlichungen ganz neu eine Attributsliste veröffentlicht, die wirklich für jeden in der Kette interessant sein könnte. Und dann gibt es eben noch mal drei weitere Fachpakete zur Kommunikation, zur Technologie und Recyclingfähigkeit, wo wirklich auch nicht nur Kunststoffe beleuchtet werden, sondern wir haben auch ganz viel im Glasbereich gemacht, immer im faserbasierten Bereich.
Also so, dass wir uns wirklich zukunftsfähig aufstellen. Auch da nach wie vor Netzwerken ist Trumpf, Materialmix, das richtige Material finden für die richtige Anwendung. Das zieht sich so ein bisschen durch, habe ich so ein bisschen aus unserem Gespräch auch rausgenommen. Flexpack-Industrie noch einmal, eine Einschätzung.
Die ganze Flexpack-Industrie ist in Aufruhr. Ich arbeite seit über 30 Jahren selber in der Flexpack-Industrie. Es ging immer steilweg hoch, sogar mengenmäßig, also gewichtsmäßig, aber vor allem flächenmäßig. Wir haben also wahnsinnig hohe Stückzahlsteigerungen in den letzten 30 Jahren gehabt für flexible Verpackung, weil es eine Minimalverpackung ist, weil es als Optimalverpackung oft erscheint.
Wir haben aber die Probleme eben oben schon angesprochen. Verbundmaterialien, Zwischenschichtdruck, Druckfarben kontaminieren das Rezyklat. Wir haben Probleme mit dem Sammeln, weil die Verpackungen klein sind, wenn wir Müsliriegel angucken. Macht die Flexpack-Industrie ihre Hausaufgaben, wenn sie auch auf die PPWR schauen?
Wird das was? Ich denke, da könnte ruhig noch mehr kommen. Also gerade wenn ich mir eben auch die Projekte von AKK angeschaut habe, wir waren da die Protagonisten, da haben einige gefehlt. Ich finde es aber sehr interessant und auch erwähnenswert, dass die Druckfarbenhersteller an der Stelle sehr aktiv sind, die Kleberhersteller sehr aktiv sind.
Ich denke, insgesamt das Thema Verbunde, das kann gelöst werden. Zumindest sehen wir das bei uns und wir haben ja doch ein sehr breites Produkt-Spektrum. Nach wie vor, heute haben wir es auch wieder gehabt. Eine Sachet-Verpackung für irgendwelche Gesichtsmasken wurde umgestellt auf PP-Mono.
Jetzt haben die Kunden reklamiert, dass das Wasser zu stark rausgegangen ist. Die Diffusionsvorgänge waren zu stark. Jetzt müssen wir vielleicht wieder einen Schritt zurück machen. Das kann durchaus noch passieren, aber hier wird es Lösungen geben.
Da bin ich zuversichtlich. Aber wir müssen einfach das große Thema gut beleuchten. Was bedeuten die Farben? Wie kriegen wir sie weg?
Thermische Verwertung und CO2-Bilanz
Oder müssen wir am Ende sagen, wir gehen in eine thermische Verwertung und da muss eine CO2-Kopplung geben. Punkt. Und diese Aufgabe muss gemacht werden. Und gleichzeitig braucht man die Verpackungshersteller, die Industrie.
Ich sehe da viele tätig. Wir brauchen aber auch politische Weichenstellungen, die uns unterstützen, die Entwicklung fördern. Und da ist der größte Hemmschuh, den wir alle haben, der Rezyklatpreis. Und solange wir keine Trendumkehr haben, eine langfristig gesicherte, dass Virgin Material teurer ist als Rezyklat, werden wir die Kreislaufführung von Kunststoffen nicht schaffen.
Weil es gibt halt nach wie vor nur punktuell Unternehmen wie dm und viele weitere, aber halt noch nicht in dieser großen Masse, die sagen, wir sind auch bereit, den höheren Preis zu bezahlen. Dass wirklich viele Recycler auch tätig werden und ihre Technologien weiterentwickeln. Weil ich habe gesagt, es gibt schon einige, die gute Rezyklate liefern. Aber wenn man es prozentuell anschaut, ist da sicher noch einiges machbar.
Auf jeden Fall. Da haben wir einen Handlungsbedarf, da sehe ich auch. Und da ist es wieder das Netzwerk. Es müssen alle dran mitarbeiten.
Die Verbunde müssen einfacher werden und die Rezyklierprozesse müssen optimiert und verbessert werden. Und das Sammeln natürlich auch. Bringt mich noch zu einer weiteren Frage. Es gibt ja in den Medien zumindest einen spürbaren Druck des Verbrauchers, auch nachhaltigere Verpackungen haben zu wollen.
Stellen Sie das auch an Ihrer Datenbasis fest? Wie schätzen Sie das ein? Bedingt. Das muss ich ganz klar sagen.
Der Druck war vor drei Jahren höher. Ich glaube aber auch, dass wir in einer Sonderposition sind. Weil der Verbraucher bei der dm, der weiß oder sieht schon, dass wir einiges für Nachhaltigkeit tun und gerade im Verpackungsbereich schon lange auch tun. Und deswegen kommt der gerade nicht mit Kritik so stark auf uns zu.
Natürlich kriegen wir auch Anfragen, ob wir die Abfüllstationen nicht stärker ausbauen und ob Glas nicht besser wäre als Kunststoff. Aber das sind wirklich eher vereinzelte Anfragen. Und bei den Abverkäufen sieht man halt ganz klar letztendlich, wie der Konsument handelt. Der kauft auch nicht die Balea-Flasche, nur weil da jetzt 100 Prozent Rezyklat drin ist, sondern der kauft die Balea-Flasche, weil da ein schöner Schmetterling drauf ist und weil es gut duftet.
Nachhaltigkeitsversprechen für Drogerieprodukte
Und deswegen, wir müssen unseren Job gut machen, gerade im Drogeriemarktbereich, weil wir sehr viele Produkte in den Markt bringen, die man jetzt nicht unbedingt braucht für ein gutes Leben. Die machen das Leben schöner. Keine Frage. Aber der Konsument, der muss uns vertrauen können und wir müssen unseren Job auch machen.
Und das ist unser Ansatz. Das ist ja auch unser Versprechen. Und ich denke auch, wir dürfen den Konsumenten gar nicht überfordern, sondern der braucht, ja, der soll konsumieren, ohne an der Stelle viel darüber nachzudenken, ob das Verpackungsmaterial jetzt nachhaltig ist. Das ist unser Job, dass wir gute Produkte auf den Markt bringen.
Wir sehen ja schon, wie wir unterschiedliche Meinungen immer wieder hier auch in unseren Podcasts hören von Experten. Man ist sich einfach nicht in jeder Sache einig, weil eben auch noch Daten fehlen, wie Sie es anfangs gesagt haben. Bringt mich zur vorletzten Frage. Digitale Tools hatten Sie auch erwähnt.
KI, das Stichwort aller Stichworte, überall ist KI drin. Übrigens auch in unserem Podcast hier, der wird mit KI geschnitten nachher oder grob vorgeschnitten. Welche digitalen Tools wollen Sie bei dm vielleicht einsetzen, um auch die Verpackung oder auch Ihre Produkte nachhaltiger zu machen? Ich weiß, dass dm auch digital sehr weit vorne mit dabei ist.
Abgesehen davon, dass dann Regale vom Roboter gescannt werden, was noch aufgefüllt werden muss und sowas habe ich gelesen. Gibt es das auch für Verpackung? Bei Verpackungen sind wir an der Stelle noch einen Schritt weiter hinten, weil wir uns eben erst mit der Standardisierung der Verpackungsattribute vollumfänglich gerade beschäftigen. Sobald wir diese dann haben und dann auch in die einzelnen EAP-Systeme die Daten eingepflegt sind, denke ich, wird KI eine Rolle spielen, nämlich bei der Schnittstellenregenerierung.
Das heißt, von einem EAP-System zum nächsten. Es gibt unterschiedliche EAP-Systeme, bitte, und so soll es auch bleiben. Aber die Daten müssen ja dann weiter transferiert werden und da denke ich, wird uns KI helfen. Ansonsten sehen wir es gerade noch nicht.
Wir versuchen ein bisschen was bei der Rezyklat-Rückverfolgung zu machen, weil Sie müssen sich vorstellen, wir haben zweimal pro Woche mindestens eine sogenannte Ökotest-Ziehung. Das sind Verbraucherschutzportale in Deutschland. Das heißt, da wird irgendeine Flasche aus dem dm-Markt genommen und wir müssen dann aufzeigen, wo die Rezyklat-Quelle war und das natürlich chargengenau. Und aktuell gibt es halt diesen automatischen Datenfluss noch nicht.
Das heißt, wir kriegen dann zehn PDFs auf den Tisch geknallt, die von jedem Herstellerpartner natürlich unterschiedlich ausschauen und über den Nummerkreis muss das dann rückverfolgt werden. Das ist aktuell eine manuelle Arbeit, da würden uns KI sehr stark wünschen. Genau, also das sind aber so kleine Aufgaben, sag ich mal. Es ist vielleicht auch wirklich noch früh, weil wir ja noch, ich sag mal, die Daten erst mal erheben müssen.
Recyclingstandards der Zukunft umsetzen
Da sind wir ja mit Volldampf dabei. Wenn wir jetzt mal fünf Jahre in die Zukunft gucken, Frau Glatz, als letzter Punkt. Was wünschen Sie sich eigentlich von der Verpackungsindustrie, vielleicht speziell sogar von den Flexpakern? Und wie stellen Sie sich in fünf Jahren Ihre verpackten Güter im Regal vor?
Huh, das ist jetzt eine Challenge, ich werde es versuchen. Also zum einen muss wirklich alles konform des Recyclingstandards sein. Das haben wir aber dann eh schon 2030, wo das ja dann auch ganz klar gefordert ist. Und wir müssen Klarheit haben, wie wir eben mit flexiblen Verpackungen umgehen.
Wo sind die Grenzen der Technologie bei den unterschiedlichen Recyclingverfahren? Na egal, ob es jetzt mechanisch, physikalisch oder chemisch und inklusive der thermischen Verwertung. Das muss gemeinsam gekoppelt werden, um die beste ökologische Lösung zu haben. Und dann sollte man mit dem Schulterschluss genau dieser Systematik auch nachgehen.
Danach kann nichts mehr kommen. Ein wunderbarer Podcast. Vielen Dank, Frau Glatz, für dieses tolle Gespräch. Hat mich auch sehr gefreut.
Vielen Dank. Bis bald. Und das war es schon wieder für heute. Ich hoffe, es war etwas Interessantes für Sie dabei.
Und wenn auch Sie einmal Teil dieser Initiative für mehr Flexpack-Wissen werden möchten, melden Sie sich gerne bei mir unter ks@innoform.eu und nicht vergessen, diesen Podcast zu abonnieren, wo immer Sie Podcasts hören. Tschüss, bis zum nächsten Mal. Ihr Karsten Schröder.
