Hilmar Heithorst definiert Nachhaltigkeit vor allem sozial

Hilmar Heithorst von Expense Reduction Analysts im Interview mit Karsten Schröder beim Expertentreff Barrierefolien am 22. und 23. Juni 2023 in Würzburg.
Nachhaltigkeit geht uns alle an. Ökonomisches, ökologisches und soziales Gleichgewicht ist Nachhaltigkeit. Nicht nur die Verbesserung der Kreislaufwirtschaft, sondern gerade der Umgang mit Mensch und Natur muss stärker berücksichtigt werden. Und genau hier hat Flexpack seine Stärke, denn die Schutzfunktion ist per se sozial und meist auch sehr ökonomisch. Nun gilt es, die Nebenwirkungen von Flexpack zu begrenzen – daran arbeiten wir alle, so Hilmar Heithorst.

Würzburg im Juni 2023

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Transkript

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Spreche hier mit Hilmar Heithorst. Er hat einen tollen Vortrag gehalten hier beim Expertentreff. Barrierefolien. Du hast aber gar nicht über Barrierefolien so richtig gesprochen.

Was war dein Hauptthema? Das Hauptthema ist der Überblick zum Thema Nachhaltigkeit. Wie setze ich so was auf? Wie formuliere ich überhaupt mal so eine Art Roadmap, also so ein Weg?

Wie kann ein Unternehmen nachhaltig anfangen zu wirtschaften? Welche Aspekte müssen berücksichtigt werden? Und ob das dann eine Barrierefolie ist oder eine Einkaufstüte oder ein Surfboard ist letztlich nicht so relevant? Also wir haben erstmal den Begriff Nachhaltigkeit geklärt.

Du hast ja sehr stark auch betont, dass der soziale Aspekt eine wichtige Rolle spielt bei der ganzen Debatte um Nachhaltigkeit. Wir als Folienleute diskutieren eigentlich Nachhaltigkeit immer nur als Synonym für Kreislaufwirtschaft. Fehlt da was in unserer Debatte? Müssten wir mehr über andere Dinge sprechen?

Naja, jeder ist natürlich bemüht erst mal das zu diskutieren, was für ihn am leichtesten zugänglich ist. Und wenn wir über Nachhaltigkeit reden, ist gerade für die Kunststoffler natürlich immer Recycling und wie kann ich weniger? Dünner, keine Ahnung, fester ist das einfachste, ist das zugänglichste. Aber Nachhaltigkeit ist eben, wie ich es im Vortrag dargestellt habe, ein Drei-Säulen-Modell, ist ein ganzer Blumenstrauß an unterschiedlichen Aspekten.

Und ja, das ist dann zum Teil auch sehr schwierig zugänglich. Oder wie du selber dann nach dem Vortrag gesagt hast, boah das ist aber staubtrocken. Genau und was ist da genau das Angebot, was du machen kannst? Wenn jetzt jemand, und wir müssen ja in den größeren Unternehmen demnächst Nachhaltigkeitsberichte machen, wenn jemand anfangen will, wie kannst du ihm helfen?

Was kannst du da tun? Ja zunächst einmal sind ja nicht nur die Großen. Die Großen müssen es gesetzlich machen, die werden sich aber natürlich entlang ihrer Lieferkette bis zum kleinsten Schraubenlieferanten, Tütenlieferanten vorarbeiten und auch von dem Nachhaltigkeitsberichte erwarten. Und was wir eben anbieten, ist einfach eine Hilfestellung zu sagen, hey wir setzen uns mit deinen Leuten an den Tisch.

Vielleicht hast du sogar schon im Unternehmen einen, der sich um das Thema Nachhaltigkeit kümmern soll und wir erarbeiten zusammen ein Konzept, einen Strategieplan. Wie gehst du vor? Wie gehst du am besten vor in deinem Unternehmen? Wer ist für was verantwortlich?

Mitarbeiterbewusstsein als Nachhaltigkeitsfaktor

Wer liefert Daten? Nachhaltigkeit ist ein Bewusstsein für alle Mitarbeiter. Da müssen alle dran mitarbeiten. Das kann nicht nur der Geschäftsführer sagen, ich werde jetzt nachhaltig und der Rest seiner Truppe sagt, ja danke und wie?

Das funktioniert nicht. Nachhaltigkeit wird auch gesetzlich geregelt, hast du eben schon erwähnt. Das ist ein europäisches Gesetz, wenn ich das richtig verstanden habe, was wir im Moment diskutieren. Ist da noch mehr im Schwange?

Was kommt da auf uns zu? Das ist genau das Problem. Nachhaltigkeit ist heute primär von der gesetzlichen Regelung ein europäisches Thema. Das wird uns und das müssen wir ausbalancieren, noch lernen auszubalancieren.

Das wird uns im globalen Kontext schnell auf die Füße fallen, wenn wir es nicht nach außen tragen oder wenn wir, das ist sehr unpopulär, nicht auch eine Art von Handelsbarriere aufbauen und sagen, hey, wir wollen eben bei uns nur nachhaltige Produkte haben. Um das noch auszubalancieren, ich glaube nämlich nicht, dass Amerikaner, Südamerikaner und Asiaten in den nächsten Jahren eine ähnliche Gesetzgebung auf den Weg bringen werden, wie wir es in Europa getan haben. Die erklären uns mit Verlaub zum Teil auch für verrückt. Aber wir machen es trotzdem.

Was motiviert uns denn? Das Bewusstsein, dass es nicht anders geht, dass der Rohstoffverbrauch, Stichwort dieser Global Earth Day, wie viel unserer Weltenressourcen verbrauchen wir jedes Jahr, nämlich ein Mehrfaches, und es geht eigentlich nicht anders. Wir müssen in Sachen Energiekonsum, in Sachen Rohstoffverbrauch, müssen wir eben runter, müssen unser Leben umstellen. Das ist hart, das wird auch Einsparungen erfordern, also bei jedem anderen ein wenig Luxusverzicht, das alles zu kommunizieren, gleichzeitig aber auch Schwellenländern zu sagen, ihr dürft euch nicht ganz so schnell oder bitteschön nur nachhaltig entwickeln.

Da haben wir auch sehr viele soziale Spannungen. Wir Europäer versuchen, Afrikanern zu erklären, bitteschön entwickelt euch nachhaltig, also bremst euren Luxus und die gucken uns natürlich an und sagen, Leute, so habt ihr 100 Jahre lang gelebt. Das ist ein Spagat, den aufzulösen, hat glaube ich keiner Patentrezept. Muss einfach Stück für Stück wahrscheinlich passieren.

Wir beiden haben gestern auf der Mainbrücke schon diskutiert, haben gesagt, Mensch, eigentlich ist weniger. Ich selber habe es erlebt, bin aus 200 Quadratmeter Wohnfläche auf 100 Quadratmeter umgezogen und ich war glücklich, als mein vier Meter breiter Kleiderschrank leer war und das alles ins Auto verpackt war und der Rest eben entsorgt. Bei dir ist es ein anderes Hobby. Was machst du, wenn du nicht gerade Nachhaltigkeitskonzepte entwickelst? Dann gehe ich häufig.

Ich habe ja das Glück eines Standorts in München. Wir gehen sehr viel in die Berge. Ja, also auch letztes Wochenende wieder, da ist dann wieder was am Dachstein und nächstes Wochenende machen wir wieder Bergtouren. Ja, es ist tatsächlich in den letzten Jahren weniger geworden in Sachen Fliegen, in Sachen private PKW-Nutzung.

Nachhaltige Lebensweisen im Alltag

Man kann auch öffentlich mit öffentlichen Mitteln in die Berge fahren. Die Berge. Und das macht einen nicht unglücklich, wie man die ansieht. Hoffe ich.

Danke für dieses kurze Interview. War schön.

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