Marcus Holland über Rezyklatherstellung und -anwendung

Karsten Schröder im Gespräch mit Marcus Holland von Interzero, Oktober 2022

Interzero – diese neue Marke steht für einen der größten Akteure im deutschen Kunststoffrecycling mit einer klaren Mission: #zerowaste

Marcus Holland berichtet in dieser Folge aus dem Alltag eines Rezyklat-Herstellers. Im speziellen sprechen wir über seine tägliche Zusammenarbeit mit Kunststoffverarbeitern, die aktuellen Trends auf dem europäischen Recyclingmarkt und über den Stellenwert von Verpackungen in diesem System.

Marcus Holland gibt uns außerdem einen Einblick in das Rebranding und die Umstrukturierung von ALBA und Interseroh zur neuen Interzero.

Wir tauchen ein in die Verwertung von Leichtverpackungsabfällen, sprechen über den Inhalt des Gelben Sacks, über Mengen und Stoffströme in Deutschland und über den Weg, den die einzelnen Fraktionen gehen.

Zu guter Letzt unterhalten wir uns über eines der größten Buzzwords der Branche: Chemical Recycling. Wie funktioniert Pyrolyse? Wie ist der Status quo? Welche Entwicklungspotenziale und Projekte gibt es? Chemisches vs. Mechanisches Recycling – Konkurrenz oder Partner?

Hören Sie gleich mal rein.

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Links:

Interzero Plastics Recycling – Von der Sortierung bis zur Aufbereitung
Recycling- und Sortierung | Interzero – zero waste solutions

Interzero Plastics Recycling – Breites Portfolio an Recyclingkunststoffen
Regranulate | Interzero – zero waste solutions

Marcus Holland bei LinkedIn
Marcus Holland | LinkedIn

Musik von Marcus‘ Band
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Transkript

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Folienwissen Spezial, der Innoform-Podcast zum Inno-Talk. Heute haben wir aus gegebenem Anlass auch mal wieder eine Innoform-Podcast-Folge zum Inno-Talk zum Thema Recycling. Ich spreche mit Marcus Holland von InterZero oder auch InterZero und warum es diese Wortunterschiede gibt mit Z und mit S in der Mitte und was das mit Alba sortieren und sammeln zu tun hat, erfahren Sie in diesem Podcast. Freuen Sie sich auf eine sehr persönliche Folge mit Marcus Holland.

Herzlich Willkommen, Marcus Holland, Sales Manager InterZero, spreche ich mal Neudeutsch aus oder Deutsch aus von Plastic Recycling. Freue mich, dass du dabei bist. Ja, vielen, vielen Dank, Karsten. Ich freue mich auch sehr, dabei sein zu dürfen.

Ich möchte auch sagen, das ist der erste Podcast, den ich jemals aufnehme, also uns beiden gebührt eine große Ehre. Kurz zu mir: 35 Jahre jung, verheiratet, wohne im wunderschönen Leipzig und bin, genau wie du es gesagt hast, Sales Manager bei der InterZero Plastics Recycling. Ehemals bekannt im einen oder anderen vielleicht auch als Alba Recycling GmbH. Bin relativ frisch noch in der Branche, also habe jetzt, nachdem ich, da werden wir gleich noch draufkommen, einige Jahre was anderes gemacht habe, jetzt im Juni hier begonnen und ja, habe seitdem eine sehr spannende Reise erlebt.

Hochspannende Sache. Erzähl mal, was hast du vor InterZero gemacht und was befähigt dich zu deinem Job? Genau, was befähigt mich? Die Schnittstelle ist nicht riesig, aber sie ist da.

Ich war vorher elf Jahre lang im Engineering tätig und dort immer speziell in der Planung von Chemie- und Kraftwerksanlagen. Hab dort in der letzten Firma, für die ich gearbeitet habe, zuletzt auch die Teamleitung für ein Vertriebsteam gehabt. Wir haben dort für drei Standorte, also Leipzig, Augsburg und Berlin, die ganze Auftragspipeline befüllt und Projekte organisiert. Und ja, habe in dem Zusammenhang, also wir haben viel mit Betreibern und auch mit Anlagenbauern gearbeitet, auch schon einige Projekte im Bereich der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft begleiten dürfen und auch ganz speziell im chemischen Recycling und auch in der Säuvolyse.

Also da waren so die ersten Berührungspunkte und ja, wenn man sich das einfach in den letzten zwei, drei Jahren angesehen hat, ist das ja eigentlich so der Makrotrend, der gerade durch die Wirtschaft geht, was absolut berechtigt ist, weil das sind nun mal die großen Themen, die uns in den nächsten Jahren bewegen werden. Und dann hat das in mir schon so etwas, die Flamme entzündet, zu sagen, okay, es ist was Spannendes, es ist was unstreitbar Gutes, zu sagen, wie kann ich aus Ressourcen, die ich jetzt sonst als Abfall betrachte, wieder neue Ressourcen, neue Rohstoffe machen. Und damit war das Interesse geweckt und ja, ich bringe ja ein bisschen theoretisches Rüstzeug mit, aber habe jetzt, wie gesagt, in den letzten drei, vier Monaten auch eine wahnsinnige Lernkurve hinliegen dürfen. Hochspannend, wir in der Flexpack-Industrie sind ja ein Hauptlieferant sozusagen für Recyclingwerkstoffe.

Darüber später mehr, wir wollen dich auch ein bisschen persönlich kennenlernen, das ist auch so ein bisschen Markenzeichen von Innoform und dem Innoform Podcast. Was sind deine privaten Interessen? Ein ganz großes Thema, was mich seit Grundschulzeiten schon begleitet, ist das Thema Musik. Ich habe jetzt hier bei mir zu Hause mittlerweile, ich glaube, 14 oder 15 Gitarren in meiner Sammlung, jahrelang in einer Metalband Musik gemacht als Sänger, habe mir letzte Woche eine Bassgitarre gekauft und verbringe wirklich sehr viel Zeit zwischendrin damit, einfach Musik zu machen für mich selbst auch und damit ein bisschen abzuschalten, ein bisschen abzutauchen in eine andere Welt.

Anderes großes Thema ist bei mir Sport. Vor fünf Jahren, also relativ spät mit Blick auf mein Alter, habe ich die Leidenschaft für Volleyball für mich entdeckt. Das lag daran, dass in meinem alten Unternehmen gefühlt ein Einstellungskriterium war, dass alle Volleyballer waren, da waren wirklich sehr viele Ligaspieler dabei und irgendwie kam ich da nicht umweg, das auch mal zu probieren und fand das super. Ein Sport, der mir wirklich langfristig Spaß macht, gerade Beachvolleyball, ist eine Sache, die bei mir ganz klar den Sommer dominiert und mir die Tage versüßt.

Beruflicher Werdegang in Produktion

Und ansonsten, ja, ich bin ja viel auf Dienstreisen, was meinen Job mit sich bringt, sehe ich auch zu, dass ich recht häufig ins Fitnessstudio komme, dort Gewichte bewege und einfach dafür sorge, meinen Ausgleich zu haben und körperlich aktiv zu bleiben. Sehr schön. Ähnlich geht es mir auch. Ich betreibe auch viel Sport und genieße das an der frischen Luft, genau wie du auch.

Jetzt haben wir traditionell bei Innoform auch immer noch ein paar Überraschungsfragen. Ich fange mal gleich mit der Musik an. Schallplatte oder MP3? Bei mir ganz klar MP3.

Buch oder Hörbuch? Leider Hörbuch. Würde gern wieder mehr aufs Buch übergehen, aber es ist dann aufgrund der langen Fahrten das Hörbuch geboten. Gucken wir mal ein bisschen in das Geschäftliche: Papier oder Plastik?

Plastik. Chemisches oder mechanisches Recycling? An erster Stelle mechanisch und dann auf jeden Fall chemisch. Erzähl noch ein bisschen mehr über deine Aufgaben.

Was machst du im täglichen Alltag wirklich bei InterZero? Ja gerne. Was wir tun, ist ja, wir arbeiten mit vielen Verarbeitern und auch teilweise Händlern zusammen und helfen ihnen halt, ihre Rohstoffversorgung sicherzustellen. Das ist jetzt mal im Großen gesagt.

Und das bedeutet zum einen, dass wir eigentlich oder auch ich speziell in meiner Position monatlich, quartalsweise, jährlich Abstimmungsgespräche haben zu künftigen Projekten, zu künftigen Materialbedarf, zu eventuellen Qualitätsthemen, zu strategischen Optimierungsthemen und auch zur Erprobung neuer Anwendungen. Also wir sind ja in den letzten Jahren gerade auch durch unsere F&E-Einrichtung in Slowenien in der Lage gewesen, die Qualität der Rezyklate sehr weit nach vorn zu bringen und dort wirklich so maßgeschneiderte Lösungen auch für technische Anwendungen zu entwickeln und haben natürlich viele Kunden, die neben den bereits laufenden Produkten auch nach Substitutionen in anderen Bereichen suchen und ja, dort für neue Anwendungen Material erproben wollen. Wir haben teilweise eigene Rezepturen entwickeln lassen durch uns und diese ganzen Prozesse zu begleiten, also wirklich von der ersten Idee über die Spezifikation gemeinsam, über die Bemusterung, eventuelles Back and Forth, das noch stattfindet bis zu dem Punkt, dass man dann sagt, okay, wir haben jetzt das Material gefunden, wir wollen jetzt über größere Abnahmemengen sprechen. Ja, den ganzen Prozess begleite ich.

Ich finde das immer hochspannend, wenn Leute so voller Leidenschaft erzählen, was sie wirklich tagtäglich machen. Weil Sales Manager hört sich immer so allgemein an, oder? Ja, absolut. Und gerade das Thema Vertrieb, ich glaube, das ist in Deutschland ja auch ein bisschen verbrannt.

Wenn man hier sagt Vertrieb, gibt es so wie 80 % erst mal in die Nasen rümpfen und an Zeugen Jehovas und Klinken putzen denken. Und das ist halt einfach ganz anders. Also ich habe das in den Vorgesprächen auch, bevor ich jetzt den Vertrag unterschrieben hatte, auch meinen Vorgesetzten ganz klar gefragt, was ist jetzt hier meine tägliche Aufgabe? Was ist das, woran sich auch mein Erfolg oder Misserfolg bemisst, weil es halt doch sehr vielschichtig ist.

Vielfältige Aufgaben im Recycling-Job

Ja, also wenn man sich das mal mit einem Blick auf Realität anguckt, hat der Job so viele Facetten. Und ja, das ist genau, was du sagst. Das ist wirklich auch ein sehr technisches Thema, muss ich sagen. Also daher, jetzt allein in dem ersten Monat, habe ich so viele Inputs bekommen.

Ich bin in der Produktion mitgelaufen, bin mit den Schichten mitgegangen, habe mir die ganze Qualitätssicherung angeguckt, habe dort auch im Labor Versuche mitgemacht, war in unserem F&E-Zentrum in Maribor, habe mir dort diese ganzen Prüfverfahren angesehen. Und das ist ein hochspannendes und sehr komplexes Thema. Ja, und da bewegt sich auch noch viel, gerade auch die Prüfmethoden. Wir selber sind ja auch ein Testservice und da merken wir auch, da gibt es viel Entwicklungspotenzial und es wird auch viel entwickelt.

Und da gibt es auch demnächst neue Standards. Da steigen wir gleich später noch mal ein bisschen detaillierter ein in die ganze Technik und was das so an Tendenzen und Strömungen gibt. Aber vorher interessiert mich: Es gibt ja ein bisschen Umstrukturierung bei Interzero, Alba. Was genau passiert da?

Man spricht ja auch vom Rebranding, oder? Es gab ein großes Rebranding. Der Hintergrund ist der, dass irgendwie die Entscheidung gefallen war, dass die Bereiche, die die beiden Brüder, der Dr. Erich Schweizer und der Dr.

Axel Schweizer, die diese Vision schon relativ separat voneinander betrieben haben, dass es sinnvoller wäre, die als eigene Entities zu betreiben, weil es dann einfach – man kann agiler auf irgendwelche Anforderungen reagieren, die die aktuellen Zeiten vielleicht mit sich bringen. Deswegen hat man das aufgetrennt in zwei Unternehmen. Das eine bleibt die Alba Group. Das bleibt bei dem Dr.

Erich Schweizer. Das sind eigentlich die ganzen Themen, die wirklich mit der Entsorgung selbst zu tun haben. Also beispielsweise auch die Fahrzeuge mit dem Alba-Print, den man draußen hier und da doch immer mal sieht. Wohlbekannt.

Wohlbekannt. Und dann auch das Thema zum Beispiel Papierrecycling, der Altmetallhandel. So diese ganzen sehr – ich will nicht sagen sehr alten, aber schon sehr lang etablierten Themen. Und das Thema, das Interzero jetzt übernommen hat, das teilt sich in zwei Säulen auf.

Und das ist das eine Thema Kreislauflösung. Und dann das Kunststoffrecycling, wo man gesagt hat, okay, wir nehmen aus dieser Einheit diese fünf Hightech-Sortieranlagen vielleicht Verpackungen mit raus. Also das sind die Anlagen, in denen die gelben Säcke, die jeder von uns – gelber Sack oder gelbe Tonne – entleert, dann landen und auseinander sortiert werden. Und wir machen die ganze Sortierung, machen dann auch das Recycling der Kunststofffraktionen.

Lizenzierung dualer Systeme und Kreisläufe

Und dann gibt es Bereiche wie die Interzero Plus, ist wahrscheinlich relativ bekannt, die die Lizenzierung für das duale System machen. Und dann einen großen Bereich der Interzero Circular Solutions, die beispielsweise große Rücknahmesysteme organisieren oder wirklich für spezielle Anwendungen spezieller Firmen dort Kreislauflösungen entwickeln. Also super spannend. Da gibt es auch ganz viele Untercompanies, die da entstehen.

Und da ist richtig Drive drin, neben diesen haushaltsnahen Sammlungsgeschäften auch ganz viele andere Kreisläufe zu schließen. Mit dem Ziel, dann einfach wirklich Abfälle zu vermeiden und diese ganzen Nachhaltigkeitsprofile zu schärfen. Und auch, das ist halt das Schöne in der Gruppe, die Rohstoffversorgung sicherzustellen. Das ist ja das große Thema, wenn man von Einsatz von Rezyklaten spricht.

Du hast gesagt, ihr kümmert euch schwerpunktmäßig dann ums Kunststoffrecycling auch selber im Haus. Was passiert mit den anderen aussortierten Fraktionen? Ich denke da zum Beispiel an Papier. Ja, gut, Papier selbst.

Also es gibt ja das Papierrecycling und das PPK. Papierrecycling, das hat ja seine ganz anderen Wege, die in der Alba funktionieren. Und PPK kommt dann in die PPK-Aufbereitungsanlagen. Ich muss aber sagen, da bin ich thematisch jetzt nicht so super knietief drin.

Da kann ich dir jetzt gar nicht so viele Details sagen. Ging nur im Prinzip, wie wir es einordnen müssen, weil gerade viel Kunststoffleute auch einfach viel zu wenig über die anderen Recyclingströme wissen. Ich glaube, das ist auch etwas, was wir uns vielleicht auch für einen anderen Podcast oder für eine andere Vortragsreihe mal vornehmen sollten, dass wir da mal ein bisschen mehr reinstechen. Auf jeden Fall.

Um die anderen auch zu verstehen. Jeder kann von der ich sage mal der Beste, der Beste lernt von den Guten. So ist es ja immer. Gucken wir mal ins aktuelle rein.

Wir haben es gibt ja wahnsinnig Dynamik. Das hatten wir schon anklingen lassen. Welche aktuellen Trends siehst du denn im Recyclingmarkt im Moment so in Europa? Wo geht die Reise hin?

Also zum einen gibt es ja wirklich auf der europäischen Gesetzgebungsebene einen riesigen Rücken mit. Also wir haben die EU-Kunststoffstrategie. Wir haben den EU-Green-Deal. Wir haben die Verpackungsrichtlinie.

Rezyklat-Anteile in Verpackungen erhöhen

Und man sieht halt, es geht eigentlich alles dahin, zu sagen, wie können wir Anteile an Rezyklaten in Verpackungen steigern und wie können wir auf der anderen Seite die Recyclingquoten erhöhen? Also das ist ja ein Thema, was dich und jetzt auch speziell dein Netzwerk nun sehr beschäftigt zu sagen. Okay, großes Stichwort Design for Recycling. Was können wir tun, um eine höhere Ausbringungsquote im Recycling gewährleisten zu können?

Wie können wir über die Erfassung oder auch Sortierung oder auch die Materialqualität an sich dafür sorgen, dass mehr von dem, was wir in Verkehr bringen, wieder als Rohstoff verwendet werden kann? Und das sind große Trends, die tatsächlich auch bei vielen großen Brands zu sehr breitbrustigen Nachhaltigkeits-Commitments auch führen, was auch für uns super toll ist. Aber die Zeiten sind momentan sehr dynamisch. Ja, wir leben 2024.

Das muss man glaube ich niemanden erzählen, dass wir alle schon auf und ab dieses Jahr erlebt haben. Umso schöner zu sehen, dass trotzdem sich große Marken dort weiterhin auf die Fahne schreiben. Nein, wir wollen jetzt hier unsere Recycling-Fähigkeit konsequent erhöhen und wir wollen ganz konsequent Rezyklate auch in unseren Produkten einsetzen. Also das sind auf jeden Fall Trends, die passieren.

Es gibt ja zum Beispiel auch schon so in Ländern wie England, Italien oder Spanien so Themen wie die Kunststoffsteuer, wo man sozusagen ganz klar eine Belohnung erhält, wenn man entweder eine hohe Recycling-Fähigkeit gewährleistet oder wie zum Beispiel in England mindestens 30 Prozent Rezyklate in seinen in Verkehr gebrachten Verpackungen einsetzt und ansonsten halt dort eine Zusatzsteuer zahlen muss und weiterer großer Trend, da kommen wir aber später nochmal drauf, ist natürlich auch das ganze Thema Chemical Recycling. Also der Wind bläst. Wir als Flexpack-Industrie hadern ja mit uns selber und auch mit euch Entsorgern, weil gerade die flexible Verpackung gar nicht so einfach zu recyceln ist und aus einer flexiblen Verpackung wieder eine flexible Verpackung machen. Aus Kunststoff ist ja gerade für Lebensmittel im Moment noch gar nicht zugelassen.

Dennoch, wie schätzt du das ein? Sind das schon nennenswerte Volumina, die überhaupt jetzt bezogen auf Verpackung insgesamt, aber auch auf Flexpack eigentlich im Kreis geführt werden? Was wird da bewegt? Absolut.

Also es ist ja, wenn du jetzt unsere Anlagen angeschaut. Wir haben ja in Eisenhüttenstadt unsere größte Verwertungsanlage mit einer Jahreskapazität von 40.000 Tonnen an Kunststoffen und Einsatzstoff bei uns sind formstabile PP- und HDPE-Abfälle, die also aus den Sortieranlagen rauskommen. Diese Fraktionen, die kommen in beiden Formen bei uns an und werden dann ja bei uns nochmal zerkleinert, gereinigt, entgasst, gefiltert und dann zu Granulat verarbeitet im Extruder. Und das ist so, also ein Großteil dessen, was da ankommt, ist aus der Verpackungsindustrie.

Und man muss auch sagen, der Einsatz von Rezyklaten oder beim Einsatz von Rezyklaten ist der Packaging-Bereich, also natürlich speziell der Non-Food-Packaging-Bereich bislang auch der größte Absatzmarkt. Man liest ja viel auch in der Presse. Shampoo-Flaschen werden dünner, werden aus Regenerat gemacht. Das Grau ist das neue Grün, sagt immer nur die Annette den Koppers.

Finde ich einen ganz schönen Spruch. Ist das wirklich festzustellen, dass auch zum Beispiel eine Marke da vielleicht Zugeständnisse macht an Qualitäten, an Farbgenauigkeit oder kriegt ihr das so gut hin, dass ihr das eigentlich eins zu eins austauschen könnt? Sowohl als auch. Also es gibt schon einige Marken, die das ganz klar für sich auch als Signal nach außen dann wählen und sagen: Nee, wir wollen schon, dass das nachher Rezyklat aussieht.

Heterogene Rohstoffe für Palettenhersteller

Also das können zum Beispiel auch Palettenhersteller sein, die sagen, die wollen eigentlich ein möglichst heterogenes Erscheinungsbild des Materials haben, damit nach außen ganz klar erkennbar ist: Hey, das hier ist Recycling-Kunststoff und keine Neuware. Und es gibt auch große Brands, die wirklich jeder kennt, weil jeder irgendwo ein Köfferchen davon oder so zu Hause stehen hat, die dann ganz klar sagen: Ja, wir sind bereit, Abstriche zu machen, weil wir diese Produktlinie dann auch als Recycling-Ware entsprechend vermarkten wollen. Und ich glaube, dass einfach die, das Sentiment hat sich da halt wahnsinnig gedreht. Also wo es jetzt vielleicht noch so vor drei, vier Jahren eher das Thema war, ich nehme Rezyklate, ich versuche, meine Prozesse dahin umzustellen und versuche das so ein bisschen als Ergänzungsstoff einzusetzen, vielleicht um damals Kosten zu sparen oder um auch mein Nachhaltigkeitsgedanken zu erfüllen, aber mache das so unterm Deckmantel, damit es keiner sieht.

Das ist ja mittlerweile völlig anders. Also die ganze öffentliche Wahrnehmung ist einfach so, dass man sagt, ja, es ist so super, wenn man auch erkennt, dass dieses Produkt auch mal ein anderes Produkt war und im Kreislauf gefördert wurde und dafür jetzt nicht irgendwo der Upstream von Rohöl zum Beispiel stattgefunden hat oder eine komplett neue Synthese von Kunststoffen, sondern das Material wieder recycelt wurde. Und das ist ja genau das, was wir jetzt gerade feststellen. Aber im Flexpack-Bereich oder gerade im Verpackungsbereich, wenn wir so beäugen, ist es, wenn es um die Marke geht, doch noch ein bisschen mit Vorsicht zu genießen.

Was sind denn die größten Stoffströme, wenn du jetzt sagst, habe eben schon rausgehört, Einsatzmaterial kommt sehr viel aus der Verpackung. Und wo geht es dann hin? Kannst du das quantifizieren? Wie viel ist das?

Und wie viel geht dann nachher auch wieder in die Verpackung rein? Ist das 100 Prozent kommt rein und 30 Prozent geht wieder rein in die Verpackung? Oder wie würdest du das ungefähr einschätzen? Also ohne Gewähr auf absolute Genauigkeit.

Aber es gibt das Materialaufkommen an Leichtverpackungsabfällen. Also jetzt umgangssprachlich das, was in den gelben Säcken ankommt. Es hat ein Volumen von so circa 2,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Die gehen dann in diverse Sortieranlagen.

Also zum Beispiel wir, wir betreiben fünf Sortieranlagen mit einer Gesamtkapazität von 810.000 Tonnen. Das heißt also eigentlich ein Drittel aller gelben Säcke kommen irgendwo in unsere InterZero-Anlagen auseinander sortiert. Jetzt muss man natürlich sagen, das ist ja recht bunt zusammengesetzt. Also in diesen 2,6 Millionen Tonnen hast du circa 50 Prozent Anteile, die du wirklich stofflich verwerten kannst.

Also es ist nicht nur Kunststoffe, sondern allgemein. Das ist auch so was wie Weißblech etc. Dann hast du 25 Prozent, die unter die sogenannten Mischkunststoffe fallen. Das sind also Fraktionen, die du aktuell mechanisch noch schwer verwerten kannst.

Die Stand jetzt viel in die thermische Verwertung gehen, die aber jetzt natürlich das große Ziel fürs Kandakey Recycling sind. Also um auch mal so ein Gefühl dafür zu bekommen, was das eigentlich für Größenordnungen sind an Abfällen, die man damit aus dem Kreislauf wieder rausholen kann. Und die letzten 25 Prozent sind dann sogenannte Sortierreste. Das sind ja wirklich irgendwo Fehlwürfe etc.

Ausbringungsquoten beim Kunststoff-Recycling

oder stark verschmutzte Geschichten, die man einfach nicht mehr aufbereiten kann. Wenn du jetzt mal in den Anteil von Polyolefinen gehst, hast du zum Beispiel beim Polypropylen in diesen 2,6 Millionen Tonnen circa 10, mancherorts 12 Prozent Anteile, beim HDPE 2 Prozent. Das heißt, du siehst, es ist schon insgesamt natürlich wesentlich weniger, was da erst mal so als Grundstoff im Markt ist und was dann bei den Verwertern ankommt. Da muss man ja sagen, in der Verwertung selbst, also wir bekommen jetzt die Ballen, wird natürlich auch noch was wie Sand, wie Lebensmittelreste etc.

abgetrennt. Also du hast natürlich auch Ausbringungsquoten, von denen du ganz klar reden musst. Aber was jetzt den Rezyklatstrom an sich angeht, also innerhalb der Rezyklate, die produziert werden, ich habe jetzt gestern eine Zahl gelesen, sind es mehr als 30 Prozent, die in der Verpackungsindustrie landen. Das ist schon mal eine nennenswerte Zahl.

Und ich kann ja wirklich auch aus unserem Labor berichten, dass viele Untersuchungen stattfinden, wie man noch mehr reinkriegt, auch in Folien, erst mal zwar für Nonfood, aber das sind halt riesige Mengen in der Verpackung. Deswegen ist es durchaus sinnvoll, sich damit zu beschäftigen. Und sehr kurze Umläufe. Das muss man auch sagen.

Das ist ja auch ein Thema, wenn ich jetzt so zum Beispiel Automobilanwendung gehe oder so, oder auch Bau. Ich meine, wenn ich jetzt für einen Bau was produziere, das landet wahrscheinlich in der Erde oder in irgendeiner Wand. Und da bleibt es halt erst mal 50, 60, 100 Jahre drin. Beim Auto ja ähnlich.

Das habe ich dann vielleicht nach der Nutzung 10, 20 Jahre später wieder. Genau. Wo man gar nicht so richtig weiß, wie dann zu der Zeit die ganze Infrastruktur für die Verwertung aussehen wird. Und Verpackung, das ist halt, das ist extrem kurzumläufig, hat ein riesiges Volumen und ist damit ein wirklich inkrementaler Bestandteil für das ganze Recycling-Thema.

Sehe ich genauso. Wir haben jetzt schon ein paar Mal diese Wörter „mechanisches“ und „chemisches Recycling“ in den Raum geworfen. Jetzt wollen wir es natürlich auch aufklären. Was verstehen wir darunter?

Mechanisches Recycling können wir glaube ich drüber hinweggehen, dürfte klar sein. Ich denke auch. Man zerkleinert, versucht das Ganze dann natürlich vorher zu trennen nach Fraktionen, also PE, PP, Polyester und so weiter und macht daraus Regenerat. Das versteht man.

Das kennt man aus Sendungen mit der Maus und aus Funk und Fernsehen. Aber das chemische Recycling, das erscheint mir ein bisschen komplizierter und da kennt auch gerade unsere Industrie noch nicht so richtig die Details. Erklär mal groß, was versteht man darunter? Was ist das eigentlich?

Chemisches Recycling: Schadstoffabbau möglich

Ohne jetzt wissenschaftlich zu werden, also es gibt ja verschiedene Formen natürlich des chemischen Recyclings. Aber so die Hauptform, über die ja eigentlich immer gesprochen wird, ist die Pyrolyse. Bedeutet, dass du unter einem relativ hohen Druck und Temperaturen von 400 bis 500 Grad unter Sauerstoffausschluss das Material thermisch zersetzt. Das heißt, aus den Polymeren werden dann wieder Monomere.

Du kannst dann über verschiedene Aufbereitungs- und Reinigungsstufen noch sämtliche Schadstoffe etc. rausnehmen und hast im Ergebnis in der Regel dann ein sogenanntes Pyrolyseöl, was du dann beispielsweise in die Naphtha-Cracker bei der Neukunststoffproduktion wieder mit reinwerfen kannst. Hört sich ja erst mal als ideales Verfahren an. Wieder die Lego-Steine in einer quasi zurückversetzen, in Bausteine, wie man noch als Kind ja weiß.

Wir hören immer wieder, ist es sehr energieintensiv im Vergleich zum mechanischen Recycling? Würdest du dem zustimmen? Und woher kommt das denn? Also Zustimmung stand jetzt.

Ja, man muss sagen, es ist gar nicht so einfach, da richtig gute belastbare Zahlen zu finden, weil es auch noch kaum große industrielle Anlagen gibt, die das wirklich betreiben. Also wo man das jetzt mal gegen das schon doch jetzt über Jahrzehnte sehr etablierte mechanische Recycling mal gegenhalten könnte. Aber es gibt halt Faktoren. Das eine ist ja Temperatur.

Wenn ich eine große Materialvolumen auf 400 bis 500 Grad heizen muss, das ist sehr energieintensiv. Wenn ich viel Druck erzeuge, das ist energieintensiv. Dann muss man auch sagen, ist es natürlich auch wichtig für eine planbare Produktqualität, dass der Eingangstrom ein bisschen homogenisiert wird. Das heißt, wenn ich jetzt zum Beispiel die Mischkunststoffe aus den Sortieranlagen nehme, die könnte ich jetzt nicht einfach so wie sie anfallen nehmen und in Pyrolyse-Reaktor reinwerfen, sondern die müssen ja auch noch entsprechend vorsortiert und aufbereitet werden.

Das kostet natürlich auch Energie. Und im Ergebnis steht ja erst mal auch jetzt in Anführungsstrichen nur das Monomer. Das heißt jetzt anders als beim mechanischen, wo bei uns aus einem Extruder fallen direkt die Granulate raus und können im Big Bag versandt und dann die Spritzgießmaschinen reingeworfen werden. Das ist beim chemischen also bei der Pyrolyse natürlich anders.

Die müssen dann erst mal wieder in die Polymerisation rein. Und ich glaube, das sind so Faktoren, die natürlich dieses Argument füttern mit der Energieintensivität. Ich denke aber auch, das ist halt immer eine Frage von Entwicklungskurven. Also wenn man jetzt anfängt und es gibt jetzt ja nun in Deutschland viele große Projekte, auch gerade von vielen Chemiefirmen, die jetzt sagen, die wollen dort in dieses Geschehen mit rein und wollen dort natürlich auch ihren Beitrag leisten für eine Kreislaufwirtschaft und für das ganze Thema CO2-Neutralität.

Ich denke, da wird viel passieren in den nächsten Jahren. Da wird viel Entwicklungsarbeit passieren. Gerade was diese Vorsortierung angeht, gibt es auch ein großes Projekt, das wir mit der OMV zusammen machen, wo wir unser Know-how in der ganzen Sortierung mit einbringen und diese Vorkonditionierung dann dort bewerkstelligen. Und ja, also es ist stand jetzt energieintensiv und wahrscheinlich auch wesentlich energieintensiver im Vergleich zum mechanischen.

Chemisches Recycling noch in Anfangsphase

Aber es steht auch noch wesentlich weiter am Anfang seiner Reise, als es das Mechanische tut. Absolut. Wir überlegen uns ja auch immer, warum wir eigentlich das chemische Recycling auch noch brauchen, wenn wir das Mechanische jetzt schon immer weiterentwickeln. Aber ich selber bin ja auch Werkstoffingenieur und ich weiß ja, dass es zum Beispiel allein beim Polyethylen sicherlich mindestens 150 verschiedene Sorten gibt, die ja extrem hoch entwickelt sind.

Und wenn ich jetzt überlege, diese 150 verschiedene Polyethylen und dann vielleicht noch mit Verunreinigungen werden dann zu Rezyklat. Daraus werde ich ja nie wieder eine Siebenschicht-Coexfolie hochtransparent mit Hochbarriere hinkriegen. Und deswegen meine ich doch, ist vielleicht auch ein Argument für chemisches Recycling. Was denkst du, warum ist aus eurer Sicht das chemische Recycling besonders interessant?

Na, wir hatten es ja vorhin gesagt. Wenn du jetzt schaust wirklich von diesen 2,6 Millionen Tonnen Leichtverpackungsmüll in Deutschland jährlich. 25 Prozent davon sind Mischkunststoffe, die aktuell mechanisch nicht verwertet werden können und demnach in der thermischen Verwertung landen. Das sind halt schon große Mengen.

Und wenn man die in den Stoffstrom wieder reinführen kann, dass die auf der Monomer-Ebene wieder als Rohstoff verwendet werden können, ist das natürlich ein riesiges Volumen, was man sich schafft und ein riesiger Kreislauf, den man geschlossen bekommt. Weil das ist ja auch das Thema. Ich finde das im Recycling ganz interessant, dass dieses ganze Upcycling, Downcycling, Links- und Rechtscycling, wie auch immer. Am Ende muss man auch sagen, auch wenn ich nicht immer Upcycling kann, selbst in einem Downcycling, und das ist auch ein Begriff, der sehr dehnbar ist, substituiere ich Neuware.

Ja, das ist ja einfach das Ding. Das heißt, ich spare Emissionen. Wenn du dir das anguckst, zum Beispiel beim PP-Rezyklat hast du pro Tonne, die du herstellst, CO₂-Ersparnis von über 1000 Kilogramm gegenüber Neuwareproduktion. Und hast doch einen riesigen energetischen Benefit, obwohl du jetzt noch diese ganze Sortierinfrastruktur davor betreiben musst und den ganzen Transport danach.

Daher würde ich einfach sagen, auch wenn ich vielleicht nicht immer in dieses Cradle-to-Cradle-Thema einstimmen kann, sagen kann, ja, jede Siebenschichtfolie wird auch wieder eine Siebenschichtfolie, kann ich damit vielleicht aber ein anderes Produkt substituieren und den Einsatz von Primärrohstoffen dort runterfahren. Genau, und da hoffen wir natürlich auch in der Verpackungsindustrie drauf. Also, ich glaube, gerade für Lebensmittelverpackung ist das chemische Recycling sicherlich ein Verfahren der Wahl, wenn es um hochreine, weit entwickelte Rohstoffe geht. Wie schätzt du denn die Zukunft grundsätzlich des chemischen Recyclings ein?

Ich las neulich einen lustigen Post auf LinkedIn. Ja, hätten wir man schon das chemische Recycling, dann wären wir jetzt nicht so abhängig vom Gas. Ist das wirklich so ein Slogan, den man sich einprägen sollte? Passt das überhaupt?

Also das Gas als Quelle für z.B. Polyethylene ist ja wichtig oder auch Öl. Ganz egal, woher wir die Kohlenstoff-Atömchen ja nun holen, um daraus Plastik zu machen, wäre ja eine alternative Rohstoffquelle. Jetzt haben wir diese Gaskrise in Deutschland.

Energiewende und fossile Rohstoffe reduzieren

Wir wissen, dass BASF Produktion runterfährt und und und. Also hätten die jetzt ihren chemischen Recycling-Prozess 1990 weiterentwickelt und nicht abgebaut, was ja damals passiert ist, hätten sie jetzt vielleicht eine alternative Rohstoffquelle. Energiesparen, sagtest du, ist zusätzlich. Das ist das zweite Problem, das wir in der heutigen Zeit haben.

Wir haben zu wenig Energie und wir wollen die fossilen Rohstoffe nicht mehr so ausbeuten, damit wir weniger CO2 emittieren. All das macht ja das chemische Recycling. Wäre das eine alternative Rohstoffquelle oder würdest du nicht so weit gehen und sagen, na ja, die Mengen, bis wir die haben, sind wir 30 Jahre älter. Also doch alternative Rohstoffquelle 100%ig und auch strategisch wichtig.

Wenn du jetzt mal den Trend zur Elektromobilität nimmst, das wird ja auch langfristig dazu führen, dass einfach Cracker-Kapazitäten runtergefahren werden, weil einfach der Bedarf nach Rohöl und nach den ganzen Distillaten, die daraus entstehen, nicht mehr so groß sein wird. Was ja wiederum zur Folge haben wird, dass auch das Angebot an Rohbenzin, also Naphtha, was du dann als Grundstoff für die Kunststoffproduktion brauchst, natürlich auch runtergehen wird. Also allein dafür ist es schon wichtig, sich alternative Rohstoffquellen anzugucken, ob das in der jetzigen Situation den Riesenunterschied gemacht hat. Ich habe neulich mal eine Grafik gesehen, aber ich kriege die Zahlen nicht mehr zusammen, wie viel Prozent der Rohölförderung eigentlich im Kunststoff landet.

Aber ich glaube, das war sogar unter 10%. Ja, deutlich unter 10%. Ich habe da auch was von unter 5% sogar im Kopf. Verpackung ist deutlich unter 1% sogar, obwohl es ein großer Kunststoffabnehmer ist.

Trotzdem ist es so wenig. Es ist wirklich brutal. Können auch 2% sein. Wir wollen uns nicht darüber streiten, aber es ist im Vergleich zu dem, was wir sonst so an Rohöl und Gas und so weiter verballern, wirklich wenig.

Aus meinem Gefühl heraus wäre es jetzt nicht in der aktuellen Situation das Zünglein an der Waage gewesen. Ja, was will man sich drüber ärgern? Ja, aktuell läuft jetzt viel, weil es gibt viele große Firmen, die sich da sehr committen. Was für mich dann sehr spannend sein wird, ist tatsächlich, wer sich welche Stoffströme sichern kann.

Aber wenn ich da große Anlagen habe und brauche da halt, was weiß ich, 5.000, 600.000 Jahrestonnen Inputstrom, muss man jetzt sagen, jetzt geradezu der ganze Leichtverpackungssektor, Leichtverpackungsmüll, das ist halt ein recht innenlastiger Markt. Also nur, weil ich jetzt die doppelte Anlagenkapazität stehen habe, fällt ja nicht im Umkehrschluss doppelter Müll an, der mir dann doppelte Inputmengen sichert. Also das wird spannend in den nächsten Jahren, wie das passiert. Und man sieht aber auch, dass es da wirklich sehr große Player gibt, die sich da jetzt schon über langfristige Liefervereinbarungen dann ihre Mengen auch sichern.

Und ja, ich finde das gut, dass das jetzt so stattfindet, dass das jetzt so gepusht wird und alles findet seine Zeiten. Also Elektromobilität war auch vor 20 Jahren wahrscheinlich in Serienreife. Und es hat aber jetzt wahrscheinlich ein paar andere Impulse noch gebraucht, dass man sagt, ja, jetzt ist die Zeit, das Ganze wirklich mit Hochdruck voranzubringen. Genau so sieht es aus.

Lösemittelverfahren für Verbundfolien-Trennung

Welche Rolle kann wohl das Lösemittelverfahren spielen? Hast du da auch eine Meinung zu? Weil es ist ja so ein bisschen Zwitter. Es ist eigentlich ja ein mechanisches Verfahren sozusagen.

Es geht ja darum, Verbundfolien aus verschiedenen Materialien, PAP zum Beispiel, mit Lösemittel erst mal voneinander zu trennen und dann auch die spektamechanischen Recycling oder aufgebohrten, je nachdem, wie man aus welcher Sicht man es betrachtet, dann wieder die Einzelrohstoffe zu gewinnen. Ist das auch etwas, womit ihr euch beschäftigt? Brauchst du da was zu für die Zukunft? Ja, absolut.

Es ist gerade für diese PAP-Verbundfolien auch wieder ein schöner Ansatz, den Kreislauf zu schließen. Und wir haben jetzt zum Beispiel jetzt hier, ich habe ja gesagt, ich komme aus Leipzig. Weit von hier weg ist Merseburg, wo es ja einen relativ bekannten Player in dem Bereich gibt. Die APK AG kennt man wahrscheinlich ganz gut.

Mit denen hatte ich jetzt in meiner vorherigen sehr, sehr fähige Kollegen, die in der Technik das Ganze voranbringen. Es ist auf jeden Fall ein Weg, auch lösemittelbasiert, hat wie jede Technologie natürlich seine Herausforderung, mit dem man noch irgendwo kämpfen muss. Also beispielsweise auch dann das Thema Lösemittelabtrennung. Das ist halt eine Sache, da wird es weitergehen.

Aber es ist ein Verfahren, wo man zum Beispiel für Kosmetikanwendung wiederum Rohstoffe bereitstellen kann und möglicherweise künftig dann auch für Foodanwendung, weil ich da wirklich lösemittelbasiert sehr viel von den ganzen Schadstoffen wegtrennen kann. Also ja, ich sehe da absolut Potenzial, ohne mich da zu sehr verfahrenstechnisch im Detail auszukennen und ist in dem ganzen Recycling-Universum, was da gerade entsteht, auf jeden Fall auch ein wichtiger Baustein. Gibt es eine Art Appell an unsere Branche oder an alle Kunststoffverarbeiter aus deiner oder vielleicht sogar aus Firmen-Sicht, den du gerne noch loswerden willst, hier so als eine Art kleine Zusammenfassung? Was muss passieren, damit wir wirklich an eine Circular Economy, wie wir es ja heute überall lesen, kommen?

Was wäre da so dein Wunsch, wenn du einen frei hättest, an die vielleicht auch etwas tradierte Kunststoffindustrie, die sich noch nicht so stark mit Design for Recycling beschäftigt? Ich denke, das Stichwort ist Kollaboration. Also das ist eine Sache. Ich meine, der Einsatz von Recyclaten bringt gewisse Herausforderungen mit sich.

Ich habe, was natürlich Spezifikation und Qualitätsbandbreiten angeht, etwas mehr als bei einem Neukunststoff, den ich halt wirklich in der Synthese komplett auf Punkt designen kann. Und ich habe natürlich auch Herausforderungen, wie vielleicht eine andere Geruchsentwicklung bei der Verarbeitung etc. Und es ist halt für mich immer sehr schön, wenn ich jetzt mit Firmen in Zusammenarbeit jetzt nicht sagen „Ja, geht mal hin und löst das jetzt mal. Und wir wollen es dann erst haben, wenn man nichts mehr merkt davon.“

Sondern wenn Firmen sagen, wir sind Verarbeiter, wir bewegen selbst große Volumina, wir haben dort auch große Mengenziele, wir committen und wir halten auch unsere Liefervereinbarungen gegenseitig ein und versuchen jetzt nicht irgendwie kurzfristig über Spot-Geschäfte jetzt uns schnell gesund zu stoßen. Wenn die auch sagen, wir haben strategische Projekte, die wir verfolgen mit den Rohstoffherstellern gemeinsam. Weil es ist einfach, die haben Verarbeitungs-Knowhow, die haben vielleicht auch, was das Ganze in Verkehr bringen, die ganze rechtliche Geschichte angeht, ein ganz anderes Backup als wir. Und das kann ich nur als Appell rausgeben.

Motivation für gemeinsame Recycling-Zukunft

Der Sache offen zu begegnen und mit uns gemeinsam zu arbeiten. Also wir sind absolut motiviert, auch immer weiterzugehen. Wir haben unglaubliche Arbeit geleistet, um aus dem wahrscheinlich vor fünf, sechs Jahren noch so als böses Stiefkind betrachteten Rezyklat jetzt mittlerweile ein Einsatzstoff zu schaffen, der Neuware in vielen Belangen schon echt nahe kommt. Und das soll halt so weitergehen.

Danach kann nichts mehr kommen mit Blick auf die Uhr. Dankeschön, Marcus, für dieses tolle Gespräch. Dein erster Podcast, einer echter Erfolg. Toller Ton übrigens, wenn ich das sagen darf.

Ja, vielen Dank. Hat Spaß gemacht, die Insights von Inter Zero mal direkt aus erster Hand zu bekommen. Dankeschön. Ich danke dir, Karsten, vielen Dank für die Einladung.

Hat mir auch mega Spaß gemacht und war ja vielleicht nicht das letzte Mal. Das war ja wieder der Innoform Podcast zum Inno-Talk. Wenn auch Sie einmal Teil dieser Initiative für mehr Flexpack Wissen werden sollen, melden Sie sich bei mir ks@innoform.eu. Tschüss, Ihr Karsten Schröder.

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