Ein Nachbericht zum Webseminar „Zertifizierung zur Rückverfolgbarkeit von Post‑Consumer‑Rezyklaten – ein Überblick“ mit Andreas Holt today – tomorrow – together
Am 17. März 2026 fand unser Webseminar „Zertifizierung zur Rückverfolgbarkeit von Post Consumer Rezyklaten“ statt – und bot erneut einen tiefen Einblick in eines der dynamischsten Themen der Kunststoff‑ und Verpackungsbranche. Mit dem Fachvortrag von Andreas Holt erhielten die Teilnehmenden eine praxisnahe, klare und zugleich realistische Einordnung der aktuellen Herausforderungen rund um Rezyklateinsatz, Rückverfolgbarkeit und regulatorische Rahmenbedingungen.
Ein hochdynamisches Feld – wohin entwickelt sich die Zertifizierung?
Schon zu Beginn machte Andreas Holt deutlich, wie schnelllebig das Umfeld geworden ist: Normen, politische Vorgaben und Branchenstandards verändern sich kontinuierlich. Besonders die Wechselwirkung zwischen der PPWR, nationalen Anforderungen und den Rezyklas‑Standards sorgt für hohe Komplexität. Viele Standards befinden sich mitten im Übergang – etwa vom früheren EUCertPlast zu den heutigen RecyClass‑Prozessen, inklusive neuer verpflichtender Module.
Für Unternehmen bedeutet das:
Ohne ein belastbares, transparentes System zur Rückverfolgbarkeit geht künftig nichts mehr.
Rückverfolgbarkeit: Vom Abfall bis zum Endprodukt
Ein Schwerpunkt des Seminars lag auf dem Verständnis der gesamten Wertschöpfungskette:
vom Origin of Waste, über Sortierung und Recyclingprozess, bis hin zum Einsatz des Rezyklats im Endprodukt. Dabei erklärte der Referent detailliert:
- welche Akteure welche Verantwortung tragen,
- wie Massebilanzen korrekt geführt werden,
- was neue Module wie Food‑Contact, CSR oder Pellet Loss Prevention bedeuten,
- und welche Nachweise Auditoren künftig einfordern.
Eine klare Botschaft:
Die Anforderungen steigen – sowohl technisch als auch dokumentarisch.
Schwerpunkt Food Contact: Der Engpass der Branche
Besonders lebhaft diskutiert wurde das Thema Rezyklate in Lebensmittelkontaktmaterialien.
Andreas Holt erläuterte anschaulich, warum es aktuell praktisch nur mechanisch recyceltes PET gibt, das die regulatorischen Anforderungen erfüllt. Für Kunststoffe wie PE oder PP fehlen weiterhin geeignete, zugelassene Recyclingtechnologien.
Gleichzeitig verlangt die PPWR bereits ab 2030 verbindliche Rezyklatanteile – ein Widerspruch, der die gesamte Industrie vor große Herausforderungen stellt.
Recyclingfähigkeit & Design for Recycling: Neuer Fokus
Darüber hinaus wurde der überarbeitete Rezyklas‑Recyclingfähigkeitsstandard vorgestellt. Statt sechs Klassen werden künftig drei Kategorien vergeben – von „recyclingfähig“ bis „nicht recyclingfähig“. Bewertet werden u. a.:
- Materialzusammensetzung
- Sortierbarkeit
- Design for Recycling
- Möglichkeit der Entleerung
- reale Marktfähigkeit eines Recyclingstroms
Auch hier wurde deutlich: Nur Produkte, die tatsächlich gesammelt, sortiert und verarbeitet werden können, gelten als recyclingfähig.
Komplexe Fragestellungen rund um Food‑Kontakt‑Szenarien, chemisches Recycling sowie Anforderungen an moderne Sortierinfrastrukturen verdeutlichte:
- Viele regulatorische Vorgaben sind weiterhin nicht vollständig schlüssig.
- Zentrale technische Lösungen – insbesondere im PE/PP‑Recycling – fehlen noch.
- Die Branche steht vor einem erheblichen Transformationsdruck.
Trotz dieser Unsicherheiten gab Andreas Holt eine klare Orientierung: Transparenz, sorgfältige Dokumentation und konsequente Qualitätskontrolle gewinnen heute mehr denn je an Bedeutung.
Fazit
Das Webseminar zeigte klar:
Rückverfolgbarkeit von Post‑Consumer‑Rezyklaten ist kein Randthema mehr, sondern ein zentrales Element zukünftiger Produkt- und Unternehmensstrategien.
Mit diesem Webseminar stärken wir weiter unseren Anspruch, führender Wissenspartner im Bereich flexible Verpackungen zu sein – sowohl über den Testservice in Oldenburg als auch über Innoform Coaching.
