Plastikrecycling in der Schweiz

Plastik-Recycling in der Schweiz

Echter Umweltschutz oder teures Greenwashing?

In der Schweiz landen jährlich rund 790.000 Tonnen Kunststoff im Müll – der Großteil wird schlicht verbrannt. Während ein neues schweizweites Sammelsystem die Quote erhöhen soll, stellt der Kassensturz die Sinnhaftigkeit infrage. Zwischen wirtschaftlichem Druck und ökologischen Zweifeln bleibt die Frage: Lohnt sich das Sammeln für Konsumenten überhaupt?

Nur 3 Prozent werden rezykliert

Obwohl Herr und Frau Schweizer Weltmeister im Trennen von Glas und Papier sind, sieht es beim Plastik düster aus. Aktuell werden lediglich drei Prozent des Haushaltsabfalls tatsächlich recycelt. Der Rest landet in der Kehrichtverbrennung. Das neue Sammelsystem Recypac und gebührenpflichtige Säcke wie der RecyBag sollen dies nun ändern. Doch Kritiker wie der Schweizer Konsumentenschutz und Greenpeace finden deutliche Worte: Sie bezeichnen die aktuellen Bemühungen teilweise als Greenwashing.

Die Krux mit dem Mischplastik

Das Hauptproblem liegt in der Beschaffenheit der Abfälle. Anders als bei der sortenreinen PET-Flasche handelt es sich bei Haushaltsplastik oft um einen Mix aus verschiedenen Kunststoffen und Verbundmaterialien.

  • Aufwendige Trennung: Der Kassensturz Beitrag zeigt, dass der gesammelte Müll oft weite Wege – teils bis nach Österreich – zurücklegt, um in hochmodernen Anlagen sortiert zu werden.
  • Downcycling statt Kreislauf: Aus einem Joghurtbecher wird kein neuer Joghurtbecher. Oft entstehen daraus Produkte wie Zaunpfähle oder Rohre.
  • Hohe Kosten: Während die Verbrennung einer Tonne Plastik rund 250 Franken kostet, schlägt das Recycling mit etwa 750 Franken zu Buche.

Wirtschaft unter Druck: Billig-Plastik aus dem Ausland

Die Recyclingbranche kämpft zudem mit harten wirtschaftlichen Fakten. Billige Neuplastik-Importe machen rezykliertes Granulat (Rezyklat) oft unrentabel. Ohne gesetzliche Quoten, die einen Mindestanteil an Recyclingmaterial in neuen Verpackungen vorschreiben, fehlt der Industrie die nötige Abnahmesicherheit.

Lichtblick: Design for Recycling

Ein zentraler Hebel für die Zukunft ist das Verpackungsdesign. Unternehmen wie die Bachmann Group zeigen im Beitrag, wie Verpackungen bereits bei der Entwicklung so konzipiert werden können, dass sie leicht trennbar und damit recycling-fit sind. Dies erfordert jedoch ein Umdenken in der gesamten Lieferkette.

Fazit: Sammeln ja, aber Vermeidung geht vor

Trotz der berechtigten Kritik an Effizienz und Kosten kommt der Beitrag zu einem differenzierten Schluss: Recycling ist ein wichtiger Baustein, aber keine Wunderwaffe. Für den ökologischen Fußabdruck bleibt die Vermeidung von Einwegplastik und das Setzen auf Mehrwegsysteme die effektivste Strategie. Dennoch: Wer sammelt, leistet einen Beitrag zur Entwicklung einer Infrastruktur, die langfristig für eine echte Kreislaufwirtschaft unerlässlich ist.


Wichtige Fakten auf einen Blick

  • Plastikverbrauch ind der Schweiz (127 kg pro Kopf/Jahr): Dieser Wert umfasst den gesamten Kunststoffverbrauch in der Schweiz. Er verdeutlicht die enorme Menge an Material, die jährlich in Umlauf gebracht wird und am Ende entsorgt werden muss.
  • Recyclingquote im Haushalt (ca. 3 %): Trotz privater Sammelbemühungen ist die tatsächliche stoffliche Verwertungsquote bei gemischten Haushaltsabfällen verschwindend gering. Über 80 % des Plastikmülls werden nach wie vor thermisch verwertet (verbrannt).
  • Kostenfaktor (3x teurer als Verbrennung): Die finanzielle Hürde ist hoch. Während die Verbrennung einer Tonne Plastik ca. 250 CHF kostet, fallen für Logistik, Sortierung und Aufbereitung im Recycling ca. 750 CHF an. Dieser Preisunterschied macht Rezyklate gegenüber Primärrohstoffen oft unattraktiv.
  • Forderung nach Einsatzquoten: Um den Kreislauf zu schließen, fordern Experten gesetzliche Vorgaben für den Mindestanteil an Rezyklat in Neuprodukten. Nur so kann eine stabile Nachfrage generiert werden, die unabhängig von den schwankenden Preisen für billiges Neuplastik (Virgin Plastic) aus dem Ausland ist.

Und hier geht es zum Video:

https://www.srf.ch/play/tv/kassensturz/video/plastiksammeln-sinnvoll-oder-alibi-uebung?urn=urn:srf:video:4bf8a64d-72c2-4d0e-9ee8-53d33a95c82a