Die Verpackungsbranche arbeitet gleichzeitig an neuen Materialien, besseren Barrieren und leistungsfähigeren Maschinen. Doch die aktuellen Meldungen zeigen auch: Ohne funktionierende Recyclingmärkte und eine saubere Kommunikation reichen technische Innovationen allein nicht aus.
EU prüft stärkere Rolle biobasierter Kunststoffe
Die Europäische Kommission hat eine öffentliche Konsultation zu biobasierten Rohstoffen in Kunststoffverpackungen gestartet. Bis zum 13. Januar 2027 können Unternehmen und Verbände Erfahrungen zur Verfügbarkeit, Umweltleistung und Recyclingfähigkeit einreichen.
Die Ergebnisse könnten in einen neuen Rechtsrahmen unter Artikel 8 der PPWR einfließen – möglicherweise verbunden mit Zielvorgaben oder Anreizen für biobasierte Rohstoffe.
Ich finde es faszinierend, wie das Thema Biokunststoffe immer wieder auf- und abschwappt, aber nie wirklich konsequent verfolgt und umgesetzt wird. So werden diese Materialien kaum aus ihrer Nische herauskommen.
Dabei gibt es durchaus sinnvolle Anwendungen. Das gilt insbesondere für Bereiche, in denen ein Eintrag in die Umwelt kaum vollständig verhindert werden kann und biologisch abbaubare Kunststoffe unter klar definierten Bedingungen einen Vorteil bieten könnten. Wichtig bleibt allerdings die Unterscheidung: Biobasiert bedeutet nicht automatisch biologisch abbaubar – und biologisch abbaubar nicht automatisch umweltverträglich.
Quelle: Europäische Kommission
Recyclingclaims müssen konkreter werden
Coca-Cola, Nestlé und Danone haben sich nach Gesprächen mit der EU-Kommission und europäischen Verbraucherschutzbehörden verpflichtet, ihre Recyclingangaben zu überarbeiten.
Aussagen wie „100 % recycelt“ müssen künftig klar erkennen lassen, wenn Verschluss und Etikett davon ausgenommen sind. Formulierungen wie „Recycle me again“, die einen geschlossenen Kreislauf suggerieren können, sollen ebenfalls angepasst werden.
Auch wenn es hier um Kunststoffflaschen geht, ist die Botschaft für flexible Verpackungen eindeutig: Eine technisch korrekte Einzelaussage reicht nicht aus, wenn der Gesamteindruck der Verpackung etwas anderes vermittelt. Rezyklatanteil, Recyclingfähigkeit und tatsächliches Recycling müssen sprachlich sauber getrennt werden.
Quelle: Europäische Kommission
Europa verliert Recyclingkapazitäten
Nach Angaben des bvse hat die europäische Kunststoffrecyclingbranche innerhalb von drei Jahren rund eine Million Tonnen Kapazität verloren. Als Ursachen werden hohe Energie- und Betriebskosten, unsichere Absatzmärkte sowie der Preiswettbewerb mit Neuware und preisgünstigen Importen genannt.
Gerade Polyolefinfolien gehören laut Plastics Recyclers Europe zu den besonders betroffenen Bereichen.
Das ist ein Warnsignal für die PPWR. Ab 2030 sollen verpflichtende Rezyklatquoten zusätzliche Nachfrage erzeugen. Wenn bis dahin weitere Anlagen schließen, fehlen möglicherweise genau die Kapazitäten, die zur Erfüllung dieser Vorgaben benötigt werden. Recyclingfähigkeit auf dem Papier hilft wenig, wenn kein wirtschaftlich tragfähiger Recyclingmarkt vorhanden ist.
Metallisiertes BOPP soll Aluminiumfolie ersetzen
Innovia Films hat mit Propafilm CHBM ein 18 µm starkes, metallisiertes BOPP vorgestellt. Die Folie ist für PP-basierte Hochbarriereverbunde vorgesehen und soll unter anderem bei Standbodenbeuteln Aluminiumfolie ersetzen.
Der Hersteller nennt eine hohe Sauerstoff- und Wasserdampfbarriere, gute Metallhaftung und thermische Stabilität. Damit adressiert die Entwicklung eine der zentralen Herausforderungen von Mono-PP: hohe Produktschutzanforderungen ohne Aluminiumfolie oder artfremde Polymerlagen zu erfüllen.
Technisch klingt das vielversprechend. Ob daraus tatsächlich eine gut recyclingfähige Verpackung entsteht, entscheidet sich jedoch erst im vollständigen Aufbau – einschließlich Siegelfolie, Druckfarben, Klebstoffen und möglichen Beschichtungen. Eine Produktmeldung über die Einzelfolie ist noch keine Bewertung des fertigen Beutels.
Antimikrobielle Folie soll Lebensmittelverluste reduzieren
ProAmpac bringt mit der Shelf-Protect-Serie eine antimikrobielle Technologie direkt in Lebensmittelkontaktfolien ein. Vorgesehen sind Anwendungen für Fleisch, Fisch und Käse sowie der Einsatz in Schrumpfbeuteln und formenden beziehungsweise nicht formenden Folien.
Nach Unternehmensangaben soll die Technologie mikrobielles Wachstum reduzieren und dadurch die Produktqualität länger erhalten. Die tatsächliche Haltbarkeitsverlängerung hängt jedoch vom jeweiligen Lebensmittel, der Ausgangskeimzahl und den Lagerbedingungen ab.
Aktive Verpackungen können einen wichtigen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung leisten. Gleichzeitig müssen Wirkung, Migration, Zulassung und Recyclingfähigkeit gemeinsam betrachtet werden. Eine längere Haltbarkeit kann ökologisch wertvoller sein als eine minimale Materialeinsparung – sie muss aber belastbar nachgewiesen werden.
Mespack beschleunigt die Verarbeitung vorgefertigter Beutel
Mespack hat die neue HKE-SC-Serie für vorgefertigte Beutel vorgestellt. Durch ein elektronisches Vertikalkarussell mit asynchronen Bewegungen sollen Transport, Befüllung und Siegelung unabhängig voneinander optimiert werden.
Nach Unternehmensangaben erreicht die Anlage bis zu 225 Beutel pro Minute. Formatwechsel sollen mithilfe der digitalen Athena-Plattform innerhalb von etwa einer Minute möglich sein.
Die kurzen Wechselzeiten sind mindestens ebenso interessant wie die maximale Geschwindigkeit. Kleinere Losgrößen, mehr Varianten und häufigere Materialtests verlangen zunehmend flexible Maschinenkonzepte. Entscheidend wird sein, ob diese Leistung auch mit steiferen Mono-PP-, dehnbaren Mono-PE- oder papierbasierten Strukturen stabil erreicht wird.
Digitaldruck soll größere Auflagen erreichen
Fujifilm und ePac Flexible Packaging haben eine strategische Zusammenarbeit für die Jet Press FP790 angekündigt. Die wasserbasierte Digitaldruckmaschine soll zunächst in Nordamerika installiert und später innerhalb des internationalen ePac-Netzwerks ausgerollt werden.
Fujifilm nennt eine Auflösung von 1.200 × 1.200 dpi, eine Abdeckung von mehr als 90 % des Pantone-Farbraums und die Verarbeitung recyclingfähiger Materialstrukturen.
Digitaldruck war lange vor allem für kleine Auflagen, Personalisierung und schnelle Markttests interessant. Wenn die Technologie nun wirtschaftlich in größere Auflagen vordringt, könnte sie stärker mit Flexo- und Tiefdruck konkurrieren. Neben Geschwindigkeit und Kosten wird dabei auch entscheidend sein, wie sich wasserbasierte Farbsysteme im Deinking und Recycling verhalten.
Fazit
Diese Woche zeigt besonders deutlich, wie eng Materialentwicklung, Maschinentechnik, Regulierung und Recyclingwirtschaft miteinander verbunden sind.
Neue Barrierefolien, aktive Verpackungen und schnellere Anlagen schaffen technische Möglichkeiten. Gleichzeitig fehlen Recyclingkapazitäten, und selbst vermeintlich einfache Umweltaussagen werden rechtlich anspruchsvoller. Die Zukunft flexibler Verpackungen entscheidet sich deshalb nicht an einer einzelnen Folie oder Maschine, sondern daran, ob Produktschutz, Verarbeitung, Kommunikation und Kreislaufführung als gemeinsames System funktionieren.
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