Interview mit Jörg Rohde: Das Herz der Druckmaschine – Warum Rasterwalzen mehr Aufmerksamkeit verdienen

Auf dem 10. Expertentreff Verpackungsdruck (INNO-PrintPack 2025) hielt Jörg Rohde ein flammendes Plädoyer für eine Komponente, die im Druckprozess oft als selbstverständlich hingenommen wird, aber entscheidend für die Qualität ist: die Rasterwalze.

Oft wird gesagt, die Rasterwalze sei das „Herz der Druckmaschine“. Und wie bei einem echten Herzen merkt man oft erst, dass etwas nicht stimmt, wenn es nicht mehr richtig funktioniert.

Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch mit Jörg Rohde über Wartung, Physik und die Zukunft der Rasterwalze.

Mikrometer-Präzision: Warum Wartung entscheidend ist

Wir sprechen hier über hochtechnologische Prozesse mit extrem kleinen Zellformen. Um eine Vorstellung der Dimensionen zu bekommen:

  • Auf der Fläche eines Daumennagels befinden sich bis zu 160.000 Zellen.
  • Die Zelltiefen liegen oft bei nur 10 Mikrometern.
  • Das bedeutet: Bereits ein Mikrometer Abnutzung entspricht 10 % Verschleiß.

Angesichts dieser Dimensionen wird klar, warum eine tägliche automatische Reinigung und regelmäßige Tiefenreinigungen inklusive Dokumentation unerlässlich sind, um den Zustand des Werkzeugs exakt zu kennen.

Physikalische Grenzen: Das „Reagenzglas-Phänomen“

Eine häufige Frage aus der Praxis lautet: Wenn der Verschleiß so kritisch ist, warum graviert man die Zellen nicht einfach tiefer? Jörg Rohde erklärt dies mit einem anschaulichen Vergleich aus der Physik: dem Reagenzglas.

Bei hohen Lineaturen (z. B. 400 L/cm) kann die Öffnung der Zelle nicht verändert werden. Würde man die Zelle unverhältnismäßig tief machen, entleert sie sich nicht mehr richtig – ähnlich wie ein Reagenzglas, bei dem der Luftdruck das Ausfließen der Flüssigkeit behindert.

Reparatur und Standardisierung

Ist eine Rasterwalze beschädigt (z. B. durch einen Schlag), lässt sich diese „Macke“ nicht direkt ausbessern wie ein Sprung im Geschirr. Die Lösung ist hier das Abtragen der Keramikschicht und eine komplette Neubeschichtung mit neuer Gravur.

In Bezug auf die Standardisierung sieht Rohde einen Wandel:

  • Frühere Standards wie die 340er-Walze werden zunehmend von 400er oder 460er Lineaturen abgelöst.
  • Dennoch bleibt das Schöpfvolumen variabel (ca. 2 bis 5 Kubik), da es individuell auf Farbsysteme und Substrate angepasst werden muss.

Das Fazit: Weniger ist manchmal mehr, und ein tiefes Verständnis für die Dimensionen und die Pflege der Rasterwalze ist der Schlüssel für konstante Druckqualität.

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