Im Rahmen des 10. Expertentreffs Verpackungsdruck – erstmals unter dem neuen Namen InnoPrintPack – stand ein Thema besonders im Fokus: 7C Multikolordruck. Während auf der Bühne viel Begeisterung zu spüren war, zeigten die Gespräche in den Pausen: Ganz so einfach ist die Technologie nicht.
Um genau darüber zu sprechen, hat Karsten Schröder Udo Linke, Branchen-Urgestein und Geschäftsführer der WKA B2P GmbH, in den Podcast eingeladen.
Linke ist seit den 1970er-Jahren im Flexodruck zuhause und hat unter anderem Procter & Gamble bei der Einführung des Flexodrucks begleitet – ein Erfahrungsschatz, der sich durch das gesamte Gespräch zieht.
Was steckt hinter B2P – Brand to Print?
WKA B2P versteht sich als Full-Service-Partner für Marken:
Die Repro- und Druckexperten übernehmen die komplette Verantwortung vom Layout bis zur Druckmaschine – über alle Verfahren hinweg. Das bedeutet: First-Time-Right ist nicht nur ein Versprechen, sondern täglich gelebte Praxis.
Von 4C zu 7C – Chance oder Risiko?
Während 4C plus Sonderfarben seit Jahrzehnten bewährt ist, soll 7C die Farbpalette erweitern und Prozesse vereinheitlichen.
Die Theorie klingt gut: Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz plus Orange, Grün und Violett bilden gemeinsam einen erweiterten Farbraum, der Sonderfarben überflüssig machen soll.
Doch die Praxis ist komplex. Sehr komplex.
Warum 7C so viel schwieriger ist
Udo Linke formuliert es deutlich:
7C ist die “hohe Schule” des Druckens.
Denn:
- Sieben Farbwerke müssen konstant und feinrasterig arbeiten
- Rasterwalzen müssen präzise und langlebig sein
- Farbdichten dürfen nicht schwanken
- Substrate, Klischees und Farbformulierung müssen absolut stabil sein
- Die Farbreihenfolge der Maschine ist fix – keine spontanen Anpassungen möglich
Schon kleinste Abweichungen wirken sich auf das gesamte Druckbild aus. Ein “Pommes noch etwas gelber machen” – wie Linke beispielhaft erklärt – ist im 7C-Druck schlicht unmöglich.
Einfluss der PPWR: Wenn Druckfarbe neue Probleme schafft
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) sorgt für Druck – im wahrsten Sinne.
Die Abkehr von Polyurethan-Bindemitteln und die zunehmende Verwendung neuer Rezepturen verschärfen die Herausforderung:
- neue Farben verhalten sich im Raster anders
- die Flächendeckung ändert sich
- Klischees übertragen Farbe unterschiedlich
- Zuwachs im Lichterbereich wird unberechenbarer
Udo Linke fasst es zusammen:
Die Umstellung wirkt sich positiv auf Repro 4C und 7C-Prozesse aus.
Realität auf der Maschine: Kalibrierung statt Bauchgefühl
Wer 7C wirklich beherrschen will, braucht nicht nur Expertise, sondern Zeit – und Geld.
Denn jede Maschine muss:
- komplett kalibriert werden
- mit allen sieben Farben abgedruckt werden
- per Messung farbmetrisch ausgewertet werden
- per Lookup-Table exakte Farbanteile für jede PMS-Farbe erhalten
Erst dann ist eine zuverlässige Ausgabe möglich.
Das bedeutet: keine Änderungen, keine Experimente, keine „mal eben“.
In der Praxis ein gewaltiger Eingriff in die tägliche Arbeit.
Ist 7C die Zukunft? Wie Branchenakteure profitieren – oder auch nicht
Im Podcast wird deutlich:
Nicht für alle Beteiligten bringt 7C eine echte Verbesserung.
Wem 7C Vorteile bringen kann
- Farbfabriken: weniger Sonderfarben, effizientere Pigmentnutzung
- Maschinenhersteller: klare Standards bedeuten reproduzierbare Technik
- Brands: ökologische Argumente, potenziell weniger Farbwechsel
Wer unter 7C eher leidet
- Repro & Klischeeherstellung: deutlich höherer Aufwand
- Flexodrucker: enorme Komplexität, geringere Flexibilität
- Endkunden mit Feinstdetails: zarte Texte, Verläufe, Weißtöne – alle werden schwieriger
Viele Motive (z. B. Kosmetik, Molkereiprodukte, feine Etiketten) sind für 7C schlicht ungeeignet.
Ein weißer Mozzarella, der schnell ins Grüne kippt, ist nur eines von vielen Beispielen.
Trendradar: Flexodruck, Tiefdruck, Digitaldruck
Udo Linkes Einschätzungen im Überblick:
Flexodruck
- wird weltweit, besonders in Asien, zunehmend attraktiver
- kann feine Typografie heute sehr gut abbilden
- leidet aber derzeit stark unter PPWR-Regulierungen und Umstellung auf PU Farben
Tiefdruck
- verliert Marktanteile
- bleibt jedoch in Premiumsegmenten relevant
Digitaldruck
- war ein Motor für die 7C-Idee
- eignet sich aber nicht für alle Materialien
- Geschwindigkeit und Haftung bleiben restriktive Faktoren
Wird Verpackung unwichtiger?
Ein spannender Gedanke, den Linke einbringt:
Budgets verschieben sich von Verpackung hin zu Social Media.
Die Verpackung muss weiterhin funktionieren, aber nicht mehr „glänzen wie früher“.
Effekte wie Gold oder Hochglanz spielen zunehmend nur noch im Premiumsegment eine Rolle, während im Massenmarkt Haptik und Mattlack an Bedeutung gewinnen.
Udos Empfehlung an Druckereien: Mit Augenmaß investieren
Zum Schluss gibt Udo Linke einen klaren Rat:
- Ja, 7C anbieten – aber nur, wenn es passende Kunden gibt.
- Ein blindes Überstülpen des Systems ist nicht sinnvoll.
- In vielen Fällen reichen 4C + 1–2 Sonderfarben völlig aus.
- Einige europäische Märkte gehen sogar wieder weg von 7C.
Das Fazit des Experten:
7C ist ein wichtiges Werkzeug – aber nicht die Zukunft für alle Anwendungen.
Fazit: 7C bleibt ein heiß diskutiertes Thema
Die Episode zeigt eindrucksvoll, wie viel Know-how hinter modernen Druckprozessen steckt – und warum 7C weder Allheilmittel noch Fehlschlag ist.
Es ist ein Werkzeug, das unter den richtigen Bedingungen glänzt, aber hohe Disziplin und Prozesssicherheit erfordert.
Mit Udo Linke liefert dieser Podcast einen realistischen, praxisnahen und wertvollen Blick auf Chancen und Grenzen dieser Drucktechnologie.
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