FlexPack-Ticker KW 39: Monomaterial, Green Claims und neue Werkstoffstrategien

Bayer bringt einen Mono-PP-Blister auf den Markt, neue EU-Regeln verschärfen die Anforderungen an Umweltaussagen und internationale Markenartikler arbeiten gemeinsam an flexiblen Papierverpackungen. Das sind die wichtigsten FlexPack-News der Woche.

Bayer bringt Mono-PP-Blister für Talcid nach Deutschland

Bayer stellt die Blisterverpackung von Talcid in Deutschland auf eine Monomaterialstruktur aus Polypropylen um. Der neue Blister ersetzt eine Mehrmateriallösung und wurde von RecyClass mit „Design for Recycling Class A“ bewertet. Bayer nennt einen Anteil recycelbarer Kunststoffe von 98,86 Prozent. Bis 2027 soll die Verpackung in elf weiteren europäischen Märkten eingeführt werden.

Meine Einordnung: Das ist eine richtig gute Entwicklung. Mono-PP-Blister wurden über viele Jahre theoretisch angeboten – jetzt sehen wir, wie sie tatsächlich in die praktische Anwendung kommen. Besonders bemerkenswert ist, dass PVC-haltige Blister, die lange als Stand der Technik galten, ersetzt werden können. Das ist ein starkes Signal an die gesamte Verpackungsindustrie. Auch die Pharmaindustrie bewegt sich, obwohl sie regulatorisch noch nicht in allen Bereichen dazu gezwungen ist. Offen bleibt allerdings, ob die kleinen Blister in der Praxis zuverlässig gesammelt und sortiert werden.

Quelle: Bayer


Neue EU-Regeln für Umweltaussagen

Ab dem 27. September 2026 gelten neue Vorgaben der EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“. Pauschale Aussagen wie „umweltfreundlich“, „grün“, „klimafreundlich“ oder „biobasiert“ sind nur noch unter klar definierten Voraussetzungen zulässig.

Auch Nachhaltigkeitssiegel müssen auf einem geeigneten Zertifizierungssystem beruhen oder von einer öffentlichen Stelle eingeführt worden sein. Die Regeln gelten ebenfalls für bereits produzierte Verpackungen und vorhandene Warenbestände.

Meine Einordnung: Diese Vorgaben sind notwendig und längst überfällig. Verpackungen sollten nicht pauschal als „nachhaltig“ bezeichnet werden, wenn sich die konkrete Verbesserung nicht belegen lässt. Um Nachhaltigkeitsleistungen nachvollziehbar und möglichst rechtskonform zu kommunizieren, werden unabhängig geprüfte Siegel sowie klar belegte Aussagen noch wichtiger. Verpackungsentwicklung, Nachhaltigkeitsmanagement und Marketing müssen dabei künftig deutlich enger zusammenarbeiten.

Quelle: Europäische Kommission


UFlex baut Aseptik-Kapazitäten in Ägypten aus

UFlex investiert 126 Millionen US-Dollar in eine neue Asepto-Produktionsstätte in Ain Sokhna. Das Werk soll bis Ende 2026 die kommerzielle Produktion aufnehmen und jährlich bis zu zwölf Milliarden aseptische Getränkekartons herstellen.

Zusammen mit dem indischen Standort steigt die installierte Gesamtkapazität auf 24 Milliarden Packungen pro Jahr. Von Ägypten aus sollen unter anderem Europa, Afrika und die Golfstaaten beliefert werden.

Einordnung: Die Investition ist mehr als eine reine Kapazitätserweiterung. Ägypten wird durch die Nähe zum Suezkanal und zu mehreren Absatzregionen als Exportplattform aufgebaut. Für europäische Anbieter kann das zusätzlichen Wettbewerb, aber auch neue Beschaffungs- und Kooperationsmöglichkeiten bedeuten.

Quelle: The Economic Times


Amcor und Dow kooperieren bei CO₂-reduziertem PE

Amcor und Dow wollen gemeinsam Verpackungslösungen mit einem geringeren bilanziellen CO₂-Fußabdruck entwickeln und skalieren. Dow bringt CO₂-reduziertes Polyethylen und Methoden zur Berechnung des Carbon Footprints ein, Amcor die Verpackungsentwicklung und Verarbeitung.

Das Material soll als Drop-in-Lösung eingesetzt werden können, ohne Verpackungen oder Anlagen grundlegend verändern zu müssen. Die Zuordnung der bilanziellen Vorteile soll über den „Carbon Footprint Ledger“ von Dow erfolgen.

Einordnung: Der Drop-in-Ansatz kann die industrielle Umstellung vereinfachen. Erklärungsbedürftig bleibt jedoch die Mass-Balance-Bilanzierung: Der alternative Rohstoff befindet sich nicht zwangsläufig physisch in der konkreten Verpackung. Entscheidend sind deshalb transparente Systemgrenzen und nachvollziehbare Angaben zur tatsächlichen Emissionsminderung.

Quelle: Amcor


Große Marken gründen PaperFlex-Konsortium

Colgate-Palmolive, Mars, Nestlé, PepsiCo, Procter & Gamble und Unilever wollen gemeinsam papierbasierte Alternativen zu kleinen flexiblen Kunststoffverpackungen entwickeln.

Geplant sind Versuche mit neuen Barrieren und Beschichtungen sowie Untersuchungen zu Produktschutz, Haltbarkeit und Verarbeitung. Die Verpackungen sollen perspektivisch recyclingfähig sein und sich bei einem unbeabsichtigten Eintrag in die Umwelt biologisch abbauen können.

Einordnung: Die prominente Besetzung macht PaperFlex zu einem ernst zu nehmenden Entwicklungssignal. Sie beweist aber noch nicht, dass Papier flexible Kunststoffverpackungen in großem Maßstab ersetzen kann. Besonders anspruchsvoll wird es, Barriere und Maschinengängigkeit zu erreichen, ohne die Verwertung im Papierstrom zu behindern.

Quelle: Ellen MacArthur Foundation


Capri Sun testet seinen bislang größten Beutel

Capri Sun testet in den USA einen „Big Pouch“, der ungefähr die dreifache Getränkemenge des klassischen Beutels enthält. Das Format ist fast neun Zoll hoch und etwa doppelt so breit wie die bekannte Portionsverpackung.

Der Beutel wird zunächst im Rahmen einer begrenzten Verkaufsaktion angeboten. Die Reaktionen der Verbraucher sollen mitentscheiden, ob daraus ein dauerhaftes Produkt wird.

Einordnung: Mit dem größeren Volumen verändern sich Handhabung, Stabilität, Restentleerung und vermutlich auch der Verschluss. Aus einer typischen Portionsverpackung wird ein Format für mehrere Konsummomente. Der Test zeigt damit, dass sich eine etablierte Verpackungsform nicht einfach vergrößern lässt, ohne ihr Nutzungskonzept zu verändern.

Quelle: Kraft Heinz


Avantium und Klöckner Pentaplast prüfen PEF-Verpackungen

Avantium und Klöckner Pentaplast haben eine Vereinbarung über zukünftige Produktionskapazitäten für das biobasierte Polymer PEF geschlossen. Untersucht wird der Einsatz in thermogeformten Lebensmittelverpackungen sowie in flexiblen Deckelfolien und Flowpacks mit hohen Barriereanforderungen.

Noch handelt es sich nicht um eine breite Markteinführung, sondern um die Vorbereitung einer möglichen Kommerzialisierung.

Einordnung: Die Barriereeigenschaften machen PEF technisch interessant. Für einen Markterfolg reichen gute Materialeigenschaften aber nicht aus. Entscheidend werden Verfügbarkeit, Kosten, Verarbeitbarkeit und die Einordnung in die europäische Recyclinginfrastruktur sein. Noch ist offen, ob PEF in bestehenden Stoffströmen mitgeführt werden kann oder langfristig einen eigenen Kreislauf benötigt.

Quelle: Avantium

Fazit

Die Meldungen dieser Woche zeigen zwei parallele Entwicklungen: Einerseits werden bestehende Verpackungssysteme durch Monomaterialien, neue Rohstoffkonzepte und präzisere CO₂-Bilanzen weiterentwickelt. Andererseits wächst der regulatorische Druck, die daraus entstehenden Umweltvorteile klarer und belastbarer zu kommunizieren.

Ob Mono-PP-Blister, papierbasierte Flexibles oder PEF-Barrieren: Entscheidend ist nicht allein, ob eine Struktur technisch funktioniert. Sie muss sich auch wirtschaftlich skalieren lassen und in den jeweiligen Sammel-, Sortier- und Recyclingsystemen bestehen.

Mit den neuen Regeln für Umweltaussagen gewinnt zusätzlich die Frage an Bedeutung, wie technische Verbesserungen gegenüber Kunden und Verbrauchern beschrieben werden. Aus allgemeinen Nachhaltigkeitsversprechen müssen konkrete, überprüfbare Aussagen werden.

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