Wie bewertet man die Recyclingfähigkeit von Verpackungen? – Überblick & Update

Recyclingfähigkeit bewerten

Ein Nachbericht zum Webseminar mit Jonathan Scheck von Interzero Circular Solutions Germany GmbH

Am 5. März 2026 fand erneut eines unserer beliebten Innoform-Webseminare statt. Unter dem Titel „Wie bewertet man die Recyclingfähigkeit von Verpackungen?“ führte Jonathan Scheck (Team Lead Packaging Consulting) , fachkundig durch die komplexe Welt rund um Sortierung, gesetzliche Rahmenbedingungen und praktische Herausforderungen im Verpackungsrecycling.


Einführung & Orientierung: Was bedeutet „recyclingfähig“ eigentlich?

Zu Beginn spannte Jonathan Scheck den Bogen über verschiedene Definitionen von Recyclingfähigkeit – von der Ellen MacArthur Foundation bis zu BIFA und Stimmen aus dem Handel. Ergebnis:
Trotz unterschiedlicher Perspektiven ist der gemeinsame Nenner klar – Recyclingfähigkeit muss nicht nur theoretisch möglich sein, sondern auch in der Praxis im industriellen Maßstab funktionieren.

Aktuelle Herausforderungen – und wo es heute klemmt

Während PET-Flaschen ein etabliertes Erfolgsmodell darstellen, wurde deutlich, wie schwierig es bei vielen anderen Verpackungsarten ist:

1. Polyolefine im Lebensmittelkontakt

  • Mechanisches Recycling ist möglich – aber rechtlich kaum zugelassen, weil die Herkunft der Materialien nicht eindeutig genug rückverfolgbar ist.
  • Europa fordert 95 % Lebensmittelherkunft, was real aktuell nur bei PET und PS umgesetzt wird.

2. Infrastrukturlücken bei PET-Schalen

  • Theoretisch gut recyclingfähig, praktisch mangelt es an ausreichenden Aufbereitungskapazitäten in Europa.
  • Länder wie Frankreich und die Niederlande sind weiter – dennoch bleibt der gesamt-europäische Anteil gering.

3. PLA & Wachspapier

  • PLA wird kaum recycelt, weil die Volumina zu gering sind und die Infrastruktur fehlt.
  • Wachspapiere können die Zerfaserung hemmen – in der Regel nicht recyclingfähig, trotz einzelner gegenteiliger Herstellermeinungen.

Interaktive Einordnung verschiedener Verpackungen

Anhand verschiedener realer Verpackungen wurde interaktiv diskutiert, welche Kriterien ihre Recyclingfähigkeit beeinflussen – darunter:

  • Schwarze Verpackungen: oft schlecht sortierbar wegen rußbasierter Pigmente.
  • Blister + Kartonrückseiten: problematisch aufgrund materialheterogener Verbunde.
  • Monofolien aus PP: grundsätzlich gut recyclingfähig – wenn Barrieren niedrig gehalten werden.
  • Full-Sleeve-Flaschen: sortierbar, sofern sleeves lichtdurchlässig genug sind.

Diese Diskussionen verdeutlichten, wie praxisnah und anspruchsvoll die Bewertung tatsächlich ist.


Regulatorische Entwicklungen: Die PPWR kommt

Spannend wurde es bei der Einordnung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR):

Zwei zentrale Bewertungsstufen ab 2030 bzw. 2035

  1. Recyclingfähigkeit nach Design (ab 2030)
    – Fokus auf Materialkombinationen, Farbstoffe, Barrieren etc.
  2. Recycled at Scale (ab 2035)
    – Es reicht nicht mehr, dass Verpackungen theoretisch recyclingfähig sind – es muss real existierende Infrastruktur vorhanden sein.

Der deutsche Mindeststandard dient bereits heute als Orientierung, da viele Kriterien physikalisch-technisch europaweit vergleichbar sind.


Bewertungsmethoden im Vergleich

Interzero arbeitet mit einer Methodik, die strenger ist als das, was die PPWR voraussichtlich fordern wird. Gründe dafür:

  • Kooperation u. a. mit BIFA
  • Orientierung an RecyClass-Standards
  • Einbezug realer Sortier- und Verwertungsprozesse aus der Praxis.

Für die Industrie bedeutet das:
Jetzt beginnen lohnt sich – 2028 (Veröffentlichung delegierter Rechtsakte) wäre spät.


Intensive Diskussionsrunde

Viele Teilnehmer brachten eigene Herausforderungen aus der Praxis ein, darunter:

  • Rezyklateinsatz im Lebensmittelkontakt
  • Additive und mögliche Kumulationseffekte
  • Bewertung von Big Bags (B2B-Verpackungen)
  • nationale Unterschiedlichkeiten bei Sortierinfrastruktur

Die Diskussion zeigte: Die Branche steht vor erheblichen Herausforderungen – aber auch vor spannenden Chancen.


Fazit: Ein Thema zwischen Technik, Politik und Praxis

Das Webinar bot einen tiefen und zugleich praxisorientierten Einblick in die Realität der Recyclingfähigkeit:

Recyclingfähigkeit ist komplexer als je zuvor – aber auch verpflichtender.

PPWR gibt eine klare Richtung vor – aber viele Details folgen erst 2028.

Nur wer frühzeitig handelt, wird ab 2030 nicht unter Druck geraten.

Mit diesem Webseminar stärken wir weiter unseren Anspruch, führender Wissenspartner im Bereich flexible Verpackungen zu sein – sowohl über den Testservice in Oldenburg als auch über Innoform Coaching.