Einstieg in die FDA-Regularien in den USA – Basics

Ein Nachbericht zum Webseminar mit Dr. Andreas Grabitz

Am 11. Februar 2026 fand unser Webseminar „Einstieg in die FDA-Regularien in den USA – Basics“ statt – und bot den Teilnehmenden einen kompakten, aber äußerst fundierten Überblick über die regulatorischen Grundlagen für Lebensmittelkontaktmaterialien in den USA. Unter der fachkundigen Leitung von Dr. Andreas Grabitz, erhielten die Teilnehmenden eine praxisnahe Orientierungshilfe im komplexen Gefüge der US‑Regularien.

Warum dieses Thema? – Ein Blick auf die Marktdynamik

Dr. Grabitz zeigte schon zu Beginn, wie viel Bewegung aktuell im Markt ist. Besonders der wachsende Export europäischer Verpackungen und Lebensmittel in die USA – verstärkt durch Handelsketten wie Lidl seit 2017 – macht ein solides Verständnis der FDA-Regularien zunehmend unabdingbar.

Während Europa stark auf Migrationstests fokussiert, arbeitet die FDA mit einem anderen Paradigma: dem Denken in Stofflisten, Einsatzkonzentrationen und toxikologischer Bewertung. Ein System, das weniger aufwändige Labortests erfordert, aber eine saubere Dokumentation und ein gutes Verständnis der Regeln voraussetzt.


Vom „Bleiwüsten“-Kapitel zum klaren System – Die Grundlagen

Das Webseminar führte Schritt für Schritt durch die wichtigsten Säulen der US-Gesetzgebung:

1. Historische Entwicklung

  • 1938: Gründung der FDA
  • 1958: Food Additive Amendment – Einführung verbindlicher Zulassungen
  • 1997: Modernization Act – Umschwenken auf Food Contact Notifications (FCN)

Diese Zeitmarken sind entscheidend, um zu verstehen, welche Regularien heute gelten – und warum manche Kapitel unverändert aus den 90ern stammen.

2. Die fünf Wege zur Konformität

  • GRAS (Generally Recognized As Safe)
  • GRAS for Packaging
  • Prior Sanctioned Substances
  • Zulassung über 21 CFR Kapitel
  • Food Contact Notifications (FCN) als modernes Hauptinstrument

Gerade letzteres nimmt rasant zu – mit inzwischen über 2.400 Einträgen.


Einblicke in die Materialwelten

Papier & Karton (21 CFR 176)

Hier wird schnell deutlich, wie detailliert die Listen der zugelassenen Substanzen sind. Die USA setzen stark auf Extraktivstofftests statt spezifischer Migration – ein pragmatischer Ansatz, der aber genaue Kenntnisse der Limits verlangt. Für Recyclingmaterialien bleibt das Bild dagegen unscharf; Industrieverbände wie die RPTA spielen hier eine besonders wichtige Rolle.

Kunststoffe (21 CFR 177)

Im Unterschied zur EU werden in den USA konkrete Polymertypen zugelassen – nicht nur Monomere.
Teilnehmende erhielten praxisrelevante Beispiele zu:

  • PE- und PP‑Typen
  • Polyester
  • Polyamiden
  • Spezialanwendungen für Sterilisierfolien

Besonders eindrücklich: Die FDA spezifiziert teils eng, welche Materialien für Hochtemperaturanwendungen zulässig sind.

Additive und Klebstoffe (21 CFR 178 & 175)

Stabilisatoren, Antistatika, Farbstoffe und Co. folgen klaren Maximaldosierungen – abhängig vom Polymer.
Bei Klebstoffen steht „GMP light“ im Vordergrund: so wenig Kontakt wie möglich und keine verpflichtenden Endartikeltests.


Food Contact Notifications – das Herzstück moderner Zulassungen

Das FCN‑System wurde erläutert:

  • Bearbeitungszeit durch die FDA: 120 Tage
  • Gültig nur für den Antragsteller
  • Präzise definierte Anwendungen (Lebensmittelkategorien, Temperaturen, Kontaktarten)
  • Sorgfaltspflicht beim Prüfen von Lieferantenzusagen

Dr. Grabitz warnte eindringlich vor „kopierten“ Zulassungen – ein häufiger Fehler vor allem bei internationalen Lieferanten.


Threshold of Regulation – Kleine Stoffmengen, große Wirkung

Das Konzept der 0,5‑ppb‑Regel hilft insbesondere Druckfarben- und Lackherstellern, gering dosierte Komponenten von der Zulassungspflicht auszunehmen. Praxisnah erläuterte der Referent, wann das Konzept funktioniert – und wann nicht.

Praxis-Tipps, die haften bleiben

  • GMP ist Pflicht – aber deutlich weniger detailliert als in der EU.
  • Für Druckfarben lohnt die enge Abstimmung mit Herstellern, die mittlerweile solide FDA‑Statements liefern.
  • Eine Konformitätserklärung ist in den USA nicht vorgeschrieben – ein angenehmer Unterschied zur EU.

Für alle, die tiefer einsteigen möchten, empfehlen wir den 2. Teil  mit den Themen:
👉 PFAS
👉 California Proposition 65
👉 Rezyklate & amtliche Überwachung