Biokunststoffe mit Verantwortung

Cover FKUR

Wo biologisch abbaubar wirklich Sinn ergibt

Auf der Fachpack 2025 spricht Niklas Voß, stellvertretender Vertriebsleiter bei FKuR Kunststoff GmbH, über den verantwortungsvollen Einsatz biologisch abbaubarer Polymere. Das Unternehmen mit Sitz in Willich zählt zu den Pionieren für biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe. Der Fokus: Anwendungen finden, bei denen der ökologische Mehrwert wirklich relevant ist.

Gezielter Einsatz statt Greenwashing

Voß betont, dass biologisch abbaubare Kunststoffe nicht pauschal die bessere Wahl sind. Entscheidend sei, wo ein Material nach Gebrauch verbleibt. In geschlossenen Stoffkreisläufen, etwa bei Lebensmittelverpackungen oder technischen Produkten, sei Recycling oft sinnvoller.
Anders sieht es dort aus, wo ein Kunststoff unvermeidlich in der Umwelt verbleibt – etwa in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder bei Outdoor-Events. In diesen Fällen bieten abbaubare Materialien einen realen ökologischen Nutzen.

Praxisbeispiele aus Natur und Freizeit

FKuR liefert Biopolymere für Anwendungen, bei denen Materialrückführung nicht möglich ist: Pflanztöpfe, Mulchfolien oder Produkte für temporäre Veranstaltungen. Ein Beispiel ist ein sogenannter Matschlauf, bei dem tausende Teilnehmer kompostierbare Utensilien verwenden, um Müllansammlungen zu vermeiden.
Voß verdeutlicht: „Wenn Kunststoffe in der Natur bleiben, müssen sie vollständig biologisch abbaubar sein – das ist echte Nachhaltigkeit.“

Portfolioerweiterung mit Rezyklaten

Neben Biopolymeren integriert FKuR inzwischen auch Rezyklate in sein Sortiment. So entsteht ein ganzheitlicher Ansatz: biobasiert, abbaubar, recycelt – je nach Anwendung. Dieses Denken in Materialfamilien statt Einzellösungen zeigt, wie stark sich der Markt differenziert.

Fazit

FKuR steht für einen pragmatischen, anwendungsorientierten Einsatz nachhaltiger Materialien. Biologisch abbaubare Kunststoffe sind kein Allheilmittel, aber dort, wo sie am Ende ihres Lebenszyklus in der Natur verbleiben, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Umweltentlastung.

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Transkript

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Fachpack 2025, ich bin bei FKUR auf dem Stand, wir kennen uns schon länger, Niklas Voss ist mein Gesprächspartner. Ihr habt viele Biopolymere im Angebot, nachwachsende Rohstoffe, biologisch abbaubar, wir kennen das alle. Wir haben uns heute rausgepickt, wir wollen mal über biologisch abbaubare Polymere sprechen und da habt ihr eine ganz spezielle Meinung zu. Niklas, erzähl erst ein bisschen über dich, was machst du bei FKUR und warum reden wir heute drüber?

Ja, genau, mein Name ist Niklas Voss und ich bin der stellvertretende Vertriebsleiter von FKUR und ich habe so ein kleines Team, mit dem ich die Biokunststoffe in Europa vertreibe zusammen. Wir sind spezialisiert auf biobasierte, biologisch abbaubare Kunststoffe, haben jetzt auch wieder Rezyklate bei uns im Portfolio aufgenommen für alle möglichen Anwendungen und alle möglichen Prozesse. Wir haben im Vorgespräch schon kurz erörtert, die biologisch abbaubaren Biopolymere, die ja auch Biopolymere genannt werden, genauso wie die, die nachwachsend sind, müssen immer die passenden Anwendungen finden. Sag uns mal ein paar Beispiele.

Unserer Meinung nach sind abbaubare Kunststoffe da wichtig, wenn sie in der Natur verbleiben. Das bedeutet, es macht für uns sozusagen keinen Sinn, fossilbasierte, nicht abbaubare Kunststoffe in Gartenprodukten einzusetzen, im Landschaftsbau einzusetzen, in der Forstwirtschaft einzusetzen, sondern da, wo Kunststoffe in der Natur verbleiben, die sollten definitiv immer 100% biologisch abbaubar sein. Was sind denn solche Events zum Beispiel, wo man sowas einsetzen kann? Du hast erzählt von so einem Matschlauf, wo es viele tausend Zuschauer waren und wo das nachher aussah wie auf einer Müllhalde.

Das meinst du damit, oder? Auch, das ist natürlich auch ein Anwendungsbeispiel. Also wenn man sagt, man hat ein großes Event, ein Festival oder halt so ein Matschlauf und Matmasters, da war ich jetzt am Wochenende, da waren mehrere 10.000 Leute, also ich sage mal so 10.000 bis 20.000 Leute übers ganze Wochenende, die dann auch einzelne Verpackungen da hatten und auf den Boden geschmissen haben. Natürlich ist auch da ein Thema, darüber nachzudenken, ob es vielleicht abbaubare Kunststoffe da auch eine Lösung sind.

Das heißt, es macht glaube ich nicht immer Sinn, über Verpackungen an sich zu diskutieren, sondern die Endanwendungen von Verpackungen sich anzugucken, wo werden die eingesetzt und wie werden die auch da entsorgt. Auf Festivals zum Beispiel gibt es wahrscheinlich auch keine, oder nicht unbedingt eine Müllsortierung, sondern da geht das wahrscheinlich alles direkt in den Restmüll, wird verbrannt. Also von daher muss man natürlich gucken, ob es denn vielleicht auch abbaubare Kunststoffe da einzusetzen, damit wenn die in der Natur verbleiben, dann vielleicht auch biologisch abbauen.

Ja, sozusagen vom Winde verweht. Hier sind auch biologisch abbaubare Kunststoffe auf dem Tisch. Da gibt es ja eine Norm, die war sehr umstritten und ist glaube ich bis heute. Es gibt ja auch immer diesen Streit zwischen heimkompostierbar und industriell kompostierbar.

Wovon reden wir heute? Das sind Materialien, die bodenabbaubar sind. Das heißt, wir haben uns hier auf bodenabbaubare Materialien spezialisiert für die Forstwirtschaft, also Baumenschutz zum Beispiel. Das sind einzelne Produkte davon, die bodenabbaubar sind, die einen bestimmten Lebenszyklus halten müssen, also um den Baum zu schützen.

Und dann, wenn einzelne Fragmente davon runterfallen, damit diese Fragmente dann auch wirklich 100 % biologisch abbaubar sind. Das heißt, den Baum schützen über einen gewissen Zeitraum und wenn Fragmente runterfallen, dass diese dann auch wirklich abbaubar sind. Das ist halt das Wichtige. Oder als Beispiel auch dieses Bindegarn hier, wo man halt, weiß ich nicht, Produkte hat, die man zusammenbindet und dann später abschneidet.

Industrielle Kompostierung von Bioplastik-Materialien

Oder vielleicht auch die Pflanzen sofort direkt mit in die industrielle Kompostierung geben. Bietet sich sowas natürlich auch anders an. Man sagt, man hat keine Trennung mehr von Kunststoff und Pflanzen, sondern kann das komplett in die industrielle Kompostierung geben und das baut dann halt da zusammen ab. Werden die speziell ausgerüstet, diese Kunststoffe, die an Erdabbau sind, im Vergleich zu den industriekompostierbaren?

Oder bringt das Material das automatisch mit sich? Das sind verschiedene Materialien, die das automatisch mitbringen. Das heißt, unsere Bioflexi sind PLA-Blends, das wir nutzen, PLA und andere Polyester, um bestimmte Eigenschaften einzustellen und halt auch die Abbaugeschwindigkeit, wenn man es mal so nennen will, einzustellen, damit man die Kompostierbarkeit hinbekommt oder halt die Bodenabbaubarkeit zum Beispiel. Wir hatten auch darüber gesprochen, man könnte ja auch einen Pflanztopf aus bioabbaubarem Material machen.

Da habt ihr nicht so gute Erfahrungen damit gemacht, oder? Doch, wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, aber wir haben einen langen Weg gehen müssen, sagen wir es mal so. Und wir haben halt da auch Materialien eingesetzt, die halt zu schnell abgebaut haben und dann halt zum Beispiel auch, wo es eine Pilzbildung zum Beispiel gab, und das darf natürlich auch nicht sein. Das heißt, da ist man immer noch in der Findungsphase sozusagen, Materialien zu finden, die wirklich die richtigen Eigenschaften haben und halt auch die richtige Abbaugeschwindigkeit haben.

Ah, das hatte ich falsch verstanden. Und ihr stellt das dann quasi ein, über eure Master-Badges, oder wie muss ich mir das vorstellen? Genau, über die einzelnen Formulierungen. Das heißt, wir haben bestimmte Bioflex-Typen und wir entwickeln dann sozusagen mit dem Kunden zusammen neue Materialien und stellen über diese Materialien sozusagen auch die Abbaugeschwindigkeit ein.

Kann man natürlich auch über die Dicke der Töpfe zum Beispiel selber machen. Aber wir können das auch über das Material ein bisschen steuern. Home-kompostierbare Biopolymer, gibt es die bei euch auch? Und was ist das eigentlich?

Gibt es bei uns auch. Heimkompostierbar bedeutet eigentlich nur, dass das Material in einer bestimmten Zeit biologisch abbaubar ist. Das heißt, bestimmte Temperaturen, bestimmte Zeit, das sind definierte Faktoren. Derzeit muss das Material abgebaut sein und dann kriegt es diese Norm.

Das gehört natürlich auch noch ein bisschen mehr dazu. Das heißt, da werden noch Tests gemacht, ob da Hartstoffe drin sind, ob da Pflanzenwachstum gestört wird oder sonst irgendwas. Aber in erster Linie geht es darum, ein Produkt in einer bestimmten Zeit, in bestimmten Temperaturen abbaubar zu machen. Das nennt man ja auch den biologischen Kreislauf beim Cradle-to-Cradle-Prinzip im Prinzip.

Und da geht es ja auch immer um Materialgesundheit. Das heißt, ihr achtet bei solchen Produkten auch immer darauf, dass da keine Giftstoffe als Additive zugeführt werden. Oder wie macht man das? Ja, genau.

Nachhaltige Rohstoffe ohne Schadstoffbelastung

Ja, natürlich die Rohstoffe, die wir benutzen, müssen so sein, dass sie keinen Pflanzenwachstum schädigen oder keine Giftstoffe enthalten. Das wäre natürlich auch kontraproduktiv, wenn man das irgendwo in der Natur hinterlässt und da Giftstoffe sozusagen freigesetzt werden. Das heißt, da muss man, das wird auch getestet und da achten wir natürlich auch drauf. Und ansonsten geht es halt da wirklich um die Abbaubarkeit, um die Abbaugeschwindigkeit, genau.

Niklas Voss von FKOR, Dankeschön.