Alina Ott berichtet über das Projekt R-Cycle. Wir erfahren, wie digitale Produktpässe entlang der Lieferkette entstehen können und Informationen gezielt zwischen Lieferanten und Kunden geteilt werden. Wir diskutieren Fragen wie Datenhoheit, Nutzen der Weitergabe aber auch Bedenken der Stakeholder und wie diese entlang der gesamten Lieferkette ausgeräumt werden müssen und können.
Wir sprechen auch über Kennzeichnungen auf Kunststoffprodukten und -verpackungen wie Digimarc, QR- und EAN-Codes. Egal ob Holy Grail 2.0 oder nur für interne Kommunikation – Produktpässe für Flexpack werden Realität
Der Tenor der gesamten Diskussion ist, dass R-Cycle nicht nur das Recycling unterstützen kann, sondern in jeder Phase der Produktion einen Mehrwert schaffen soll.
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Folienwissens Spezial, der Innoform-Podcast zum Inno-Talk. Herzlich willkommen zur neuen Episode des Inno-Talk Podcasts. Mein Name ist Karsten Schröder und dies ist eine Initiative für alle, die Flexpack fasziniert und sich durch Gespräche mit namenhaften Branchen-Teilnehmern inspirieren lassen möchten. Los geht’s.
Heute im Innoform-Podcast zum Inno-Talk Alina Ott. Alina, du arbeitest eigentlich bei Reifenhäuser. Wir sprechen aber heute über A-Cycle. Wie hängt das zusammen?
Erklär uns mal ein bisschen die Zusammenhänge. Ja, sehr gerne. Also A-Cycle ist ja ein Rückverfolgungsstandard für Kunststoffverpackungen und ist eben vor drei, vier Jahren aus einer Idee heraus entstanden, eben Kunststoffverpackungen rückverfolgbar zu machen. Es ist natürlich eine Herausforderung für einzelne Unternehmen, Kreislaufwirtschaft alleine zu bewältigen.
Und aus diesem Grund haben sich zu Beginn, als eben diese Idee geboren war, verschiedene Unternehmen zusammengeschlossen, unter anderem eben Reifenhäuser mit dem Ziel eben, Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen und dieses Thema A-Cycle weiterzuentwickeln, digitale Produktpässe zu schaffen. Wir gehen gleich noch tiefer rein in das Thema A-Cycle, Alina. Ich will dich auch gar nicht unterbrechen, aber wir wollen dich natürlich auch persönlich noch ein bisschen besser kennenlernen, bevor wir jetzt zu sehr schon in die Datentechnologie und in Nummernkreise und so was abtauchen. Was hast du denn vor Reifenhäuser überhaupt gemacht, dass dich das befähigt, jetzt so ein spannendes Thema anzugehen?
Bevor ich bei Reifenhäuser war, tatsächlich habe ich Wirtschaftsingenieurwesen studiert, sowohl den Bachelor als auch den Master gemacht und habe mich bereits in meiner Bachelorarbeit sehr intensiv mit diesem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Also ich war schon in der Vergangenheit sehr tief im Bereich Kunststoffindustrie unterwegs und bin natürlich immer wieder auf dieses Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft gestoßen und habe mich schon viel mit dem Thema auseinandergesetzt. Während meiner Masterzeit bin ich eben bei Reifenhäuser eingestiegen, dann in einem Rutsch, sage ich mal, nach dem Master in dieses Projekt A-Cycle, was das Thema Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit angeht. Passt das natürlich super zusammen.
Hochspannend. Wie gesagt, gucken wir gleich noch mal rein. Was machst du denn, wenn du nicht bei Reifenhäuser dich mit A-Cycle beschäftigst? Ich unternehme sehr gerne etwas mit meiner Familie, bin auch gerne mit meinen Freunden unterwegs.
Also ich bin sehr gerne umgeben von Menschen. Genau, und zusammen unternehmen wir dann immer sehr lustige Aktivitäten, vor allem Teamaktivitäten wie Paintball, Laser-Tag, probieren aber immer was Neues gerne aus, wie so ein Bubble Soccer oder so ein Bashroom. Also immer was Neues erleben. Freue mich aber dann auch, wenn ich mal einen entspannten Abend zu Hause verbringen kann.
Sehr schön. Die Hörer hören das vielleicht nicht, weil meine Stimme noch so jung ist. Aber uns trennt ja ungefähr eine Generation. Und deswegen lasst mich noch ein paar Blitzfragen stellen.
Schnelle Fragen zur Persönlichkeit
Das ist ja auch in der Podcast-Szene so ein bisschen üblich. Buch oder Hörbuch? Buch. Universe oder Metaverse?
Universe. Spontan oder geplant? Spontan. Android oder iPhone?
Android. Sehr schön. So haben wir dich ein bisschen einklassiert, schon in Schubladen gesteckt. Das macht unser Gillen ja ganz gerne.
Jetzt kommen wir mal ein bisschen zum Thema. Macht richtig Spaß. R-Cycle. Hört sich jetzt erst mal ein bisschen unspektakulär an.
Das R von R-Cycle kommt wahrscheinlich von Recycling, denke ich mal. Ich weiß gar nicht. Erklär mal ein bisschen. Was ist eigentlich genau damit gemeint?
Genau. Ja, sehr gerne. Mit R-Cycle habe ich die Möglichkeit, digitale Produktpässe für Kunststoffverpackung zu ermöglichen. Eben mit dem Ziel, Kreislaufwirtschaft zu schaffen.
Kann aber auch weitere Applikationen entlang des Lebenszyklus einer Verpackung ermöglichen. Also im Prinzip ist es so, dass wir mit dem R-Cycle oder mit dem digitalen Produkt ein digitales Tool zur Verfügung stellen, wo ich eben Datenmanagement für Kunststoffverpackung betreiben kann. Das heißt, ich habe die Möglichkeit, für Kunststoffverpackung Informationen zu speichern auf einer neutralen Plattform und mit anderen relevanten Stakeholdern diese Information auszutauschen. Das kann zum Beispiel interessant sein für das Thema Kreislaufwirtschaft.
Also wenn ich zum Beispiel im Bereich der Sortierung bin und ich möchte wissen, was das für Verpackungen sind, die auf meinem Sortierband landen, kann ich mir zum Beispiel die Informationen über die Verpackung abrufen. Ich habe aber auch die Möglichkeit zu sagen, OK, ich möchte zum Beispiel meine Produktion optimieren und mit dem Produkt, was ich jetzt hier von meinem Lieferanten bekomme, möchte ich die Information digital zur Verfügung gestellt bekommen, so dass meine Anlage ganz genau weiß oder der Maschinenbediener ganz genau weiß, wie er seine Anlage einzustellen hat. Also man sieht hier so ein bisschen, dass diese Themen wie Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen, aber auch dieses Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Nun kennen wir in der Flexpack-Industrie die Reifenhäuser-Gruppe natürlich als Maschinenbauunternehmen, die Folien, Extrusionsanlagen zum Beispiel herstellen.
Digitale Produktpässe für Flexpack-Verpackungen
Blasfolie, Gießfolie ist das, was ich selber persönlich auch schon mal bedienen durfte von euch damals in meinen jungen Jahren, ist aber nicht getrieben nur über die Hersteller. Dieses Projekt arecycled oder das Unternehmen, sondern ihr bewegt euch entlang der gesamten Lieferkette. Wer macht da mit? Erzähl mal.
Richtig, genau, genau. Es ist so, dass jeder, der ein Interesse hat, dieses Thema digitale Produktpass für seine Verpackung anzuwenden, mitmachen kann. Also es bezieht sich wirklich, wie du schon gesagt hast, auf den kompletten Lebenszyklus einer Verpackung von den Rohstoffproduzenten bis zu den Folienproduzenten bis zum Weiterverarbeiter. Aber auch Sortierer und Recycler können dabei mitmachen.
Und das ist enorm wichtig, wenn wir über dieses Thema Kreislaufwirtschaft sprechen. Man braucht alle an Bord, um das Thema zu ermöglichen. Momentan ist es tatsächlich so, wir haben auch neben diesem Thema digitalen Produktpass eine Community, wo wir mittlerweile fast 30 Unternehmen sind, die den digitalen Produktpass anwenden und nutzen wollen oder eben ihre Maschinen so weit ausstatten möchten, dass eben digitale Produktpässe geschaffen werden können. Also das sind wirklich verschiedenste Unternehmen von der Produktion bis hinten zum Sortierer und Recycler.
Also es ist eine lange Liste. Wir haben zum Beispiel A-Burg Brückner mit an Bord, aber auch Unternehmen wie zum Beispiel ein Steinart oder ein IREMA. Also wirklich, um eben alle Teilnehmer entlang des Lebenszyklus mit dabei zu haben. Also das A von Recycling, von A-Cycle sollte man gar nicht überbewerten.
Es geht nicht nur um Recycling, sondern auch tatsächlich darum, die Prozesskette enger aneinander zu rücken. Verstehe ich das richtig? Richtig, ganz genau. Und das ist enorm wichtig, weil, wenn man sich jetzt zum Beispiel vorstellt, dass man Informationen zu einem Produkt oder zu einer Verpackung schreiben möchte, passiert das Ganze nicht in einem Schritt, genauso wie wenig wie die Verpackung in einem Schritt produziert wird.
In der Regel wird zuerst ein Rohstoff produziert, dann wird eine Folie produziert, die wird bedruckt, laminiert und erst im Anschluss daran wird die Verpackung fertiggestellt. Das heißt, ich als Verpackungsproduzent kann ja nicht ganz genau sagen, woraus diese Verpackung besteht, weil ich eben verschiedene Lieferanten habe und die wiederum weitere Lieferanten. Also das ist eine Kette, die wir hier vorlegen haben und dementsprechend müssen auch die Daten so behandelt werden. Das heißt, dass die Informationen sozusagen über mehrere Prozessschritte auf der Plattform gespeichert werden und unser System aggregiert alle Informationen zusammen, sodass ich am Ende eine komplette Übersicht von der Verpackung habe.
Also jetzt mal kurz als Beispiel gesprochen, damit man es ein bisschen verbindlicher kann. Wenn ich jetzt zum Beispiel im Bereich der Folienproduktion bin, weiß ich natürlich ganz genau, welche Polymere jetzt hier an dieser Stelle zusammengekommen sind und auch zu welchen Anteilen, wie viel Prozent PE-HD habe ich eingesetzt, wie viel Prozent PE-LD. Wenn ich jetzt natürlich einen Schritt weitergehe und diese Folie kommt nachher zu demjenigen an, der die Folie bedruckt, weiß ich zum Beispiel als Weiterverarbeiter, welche Bedruckfarben ich eingesetzt habe und das gebe ich dem System und damit füttere ich das System im Prinzip wieder und so aggregieren sich die Daten über die verschiedenen Prozessketten und am Ende der Verpackung, wenn ich dann die Verpackung befülle, weiß ich auch, womit, mit welchen Inhalten sie gefüllt ist. Habe ich da Lebensmittel verpackt oder irgendwelche gefährlichen Inhaltsstoffe?
Und so kommen die Daten immer weiter zusammen und genauso funktioniert das System, sodass ich im Prinzip verschiedene Stakeholder entlang des Lebenszyklus einer Verpackung miteinander verbinden kann und die verschiedenen Informationen in einer Plattform aggregiert werden und eben zur Verfügung gestellt werden können für die relevanten Stakeholder, je nachdem, wer eben diese Informationen im Anschluss benötigt. Hochspannend. Solche Daten-Weitergaben sind ja gefragt, aber natürlich wecken auch Widerstand. Ich kann mir vorstellen, dass viele Leute natürlich ihre Rezepturen nicht gerne preisgeben wollen.
Know-how-Schutz bei Rezepturen
Ich erinnere mich selber, vor über 20 Jahren habe ich auch Flexpack hergestellt und wir hatten über 3000 Rezepturen damals und das war schon die konsolidierte Fassung und davon haben wir keine einzige weitergegeben, weil wir natürlich Angst hatten, dass dann nachher beim Retailer, der am Ende der Kette sitzt, das Ganze nach Hause sich aggregiert, wie du so schön sagst. Wie geht ihr mit diesen Widerständen um und ist das überhaupt ein Widerstand oder ergibt er sich gar nicht in der Praxis? Ich sag mal, der Widerstand war zu Beginn da, als wir die ersten Gespräche geführt haben, um dieses Thema den Unternehmen näherzubringen, ist natürlich auch eine berechtigte Frage, die damit einhergeht. Was passiert eigentlich mit meinen Daten?
Das ist Know-how der Unternehmen, die man natürlich nicht einfach weitergeben möchte. Also wir haben zwei Wege, wie wir mit den Daten umgehen. Es ist einerseits so, dass wir mit dem Ars-Alke-System keine Rezepturen speichern. Das ist auch nicht unsere Intention, sondern wir wollen nur wissen, welche Polymere eingesetzt wurden und zu welchen Anteilen.
Wir müssen nicht wissen, aus wie vielen Schichten eine Folie besteht, weil letzten Endes spielt das für die Sortierung und für das Recycling nachher keine Rolle. Ich muss nur wissen, aus welchen Anteilen an Polymeren die Verpackung besteht, um sie zu den richtigen Fraktionen zuordnen zu können. Das heißt, dass wir nicht hingehen und Rezepturen speichern. Wir müssen nicht wissen, von welchem Rohstoffhersteller die Rohstoffe kommen, sondern wir müssen es nur so grob wie möglich wissen, damit der Sortierer am Ende damit auch arbeiten kann.
Das ist so die eine Seite, also keine Rezepturen, wirklich nur sehr grob beschrieben. Und auf der anderen Seite haben wir natürlich ein Lese- und Rechte-System. Das bedeutet, dass derjenige, das Unternehmen, das dann zum Beispiel das Produkt produziert, dann auch die Daten speichert zu dem Produkt und in ein System hinterlegt. Er hat bzw.
genauso wie alle anderen haben ein Rechte-System. Das heißt, ich habe Zugangsdaten, mit dem ich mich an der Plattform anmelden kann, habe aber auch – ich nenne es mal die Macht – darüber zu entscheiden, wer meine Daten sehen kann und welche Daten eingesehen werden können. Das heißt, ich entscheide selbst, welche meiner Kunden möchte ich und welche Informationen mitgeben, teilen und und und. Das heißt, ich bin immer noch Herr der Daten, sozusagen.
Hochspannend und ich glaube, das kann auch der Schlüssel zum Erfolg ja werden, wenn man selber seine Daten eben verwalten kann und auch beherrschen darf weiterhin und eben auch da die Rechte vergeben kann. Nun ist es ja so, wir haben bei der Recherche und auch im Vorgespräch haben wir schon kurz darüber gesprochen. Ihr orientiert euch auch so ein bisschen an den bekannten Standards. Wir hatten über Barcode, QR-Code, wie er früher hieß, gesprochen.
Wie orientiert ihr euch daran und mit wem arbeitet ihr da zusammen? Das ist eine sehr gute und sehr wichtige Frage. Wir arbeiten hier an dieser Stelle mit der GS1 zusammen. Die GS1 ist eine Global Standard Organisation und die kümmert sich um weltweite Standards.
Du hast es gerade schon angesprochen. Einer der wichtigsten Standards ist der Barcode, den man von den Supermarktprodukten kennt. Diese Nummer, die nachher auch über oder beziehungsweise der Barcode, der nachher auch über die Kasse gezogen wird, um eben den Preis ins System zu bringen. Und diesen Standard, also diesen Nummernstandard verwenden wir tatsächlich für die Kunststoffprodukte und Kunststoffverpackung, um sie identifizierbar zu machen.
GS1-Standard für globale Produktidentifikation
Das heißt, diese Verpackung und die Produkte sind weltweit eindeutig. Sie sind kein zweites Mal vergeben, sodass es da nicht zu irgendwelchen Verwechslungen kommen kann. Also es ist basiert auf einem Standard von der GS1. Und darüber hinaus ist auch die, ich nenne es mal, die Programmierung dahinter, sodass die verschiedenen Prozesse miteinander auch kompatibel sind und miteinander verrechnet werden können und die Daten miteinander verrechnet werden können, basiert ebenfalls auf einem Standard.
Das ist so diese, ich nenne es mal, die Programmiersprache, die dahinter steckt. Und die ist ebenfalls von der GS1. Das kennt man bereits von einigen Lebensmittelprodukten, zum Beispiel bei Fisch und Fleisch. Wenn man zum Beispiel mal in den Supermarkt geht, bei der Metro, kann man ganz genau zurückverfolgen.
Wo stand die Kuh? Welche Weide? Was ist mit dem Fleisch passiert? Und, und, und.
Also eine gewisse Rückverfolgbarkeit bei Lebensmitteln. Und das Ganze haben wir übertragen auf Kunststoffverpackung, weil das Prinzip dasselbe ist. Ich sage mal, die Produktion der Verpackung besteht ebenfalls aus verschiedenen Prozessschritten. In jedem Prozessschritt passiert etwas.
Und das ist im Prinzip ganz genau definiert. Und das sind so die beiden Standards, die wir verwenden. Wir arbeiten schon sehr lange mit der GS1 zusammen seit Beginn an. Sie berät uns auch in Sachen Standards.
Und das ist ein wichtiger Punkt auch, dass wir eben auf Standards beruhen, damit wir eben kein proprietäres System sind, sondern eben auf offenen Standards beruhen, die es gibt. Und wir von Ars Cycle sind im Prinzip ein Lösungsanbieter, die sagen OK, wir verwenden einen Standard und wir ermöglichen euch eben diesen digitalen Produktpass für Kunststoffe zu verwenden. Das ist eine spannende Angelegenheit. Jetzt wollen wir mal uns als Praktiker vorstellen, wie funktioniert das?
Also ich kann mir vorstellen, ich habe jetzt eine Folie extrudiert, eine Fünf-Schicht-Folie, Standard, gewisse Rezeptur, so und so viel Gleitmittel drin, dup, dup, dup. Und jetzt schreibe ich also in diese eure Datenbank rein. Da ist so und so viel LLD, so und so viel LLDPE, VLLDPE, keine Ahnung, ist da alles drin und Gesamtdicke ist so und so oder Masse, ich weiß nicht genau. Aber wie geht diese Information weiter?
Wird dann die Folienrolle irgendwie mit einem Code versehen? Oder ist das nur in eurem System? Oder gibt es dann ein Lesegerät? Wie geht das?
Markierungen zur Datenkennzeichnung einsetzen
Du hast schon richtig gesagt, wir verwenden auch Markierungen oder wir arbeiten mit Markierungen, um diese Daten, die auf der Plattform liegen, nachher mit dem Produkt auch zu verbinden. Das muss man sich zum Beispiel so vorstellen. Ich habe jetzt die Folienrolle produziert und die Daten auf die R-Cycle-Plattform, also auf das R-Cycle-System hochgeladen. Also jetzt möchte ich die Information auch mit dem Produkt verbinden.
Das kann ich dann zum Beispiel bei einer Markierung machen. Wenn ich jetzt zum Beispiel im Bereich der Folienrolle bin, da reicht es, wenn ich jetzt zum Beispiel einen QR-Code draufklebe, der mich quasi genau auf die Seite bringt, wo all die Informationen hinterlegt sind. Da reicht zum Beispiel ein QR-Code. Also wir können mit verschiedenen Markierungen arbeiten.
Es gibt zum Beispiel auch das digitale Wasserzeichen. Wenn wir jetzt zum Beispiel über die finale Verpackung sprechen und das Ganze soll nachher in der Sortierung ausgelesen werden, könnte man zum Beispiel so ein digitales Wasserzeichen verwenden und dann quasi mit der Plattform verbinden. Also es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie ich oder welche Markierungen ich tatsächlich verwende. Es kann ein QR-Code sein.
Es kann ein digitales Wasserzeichen sein. Hängt so ein bisschen von den Anforderungen und Applikationen ab. Für den Maschinenbediener ist zum Beispiel ganz spannend. Der QR-Code ist gut sichtbar.
Ich kann schnell einlesen mit einem Scanner zum Beispiel an der Anlage und das digitale Wasserzeichen vollflächig hinterlegt. So spannend für die Sortierung. Die Datenübergabe geht über standardisierte Schnittstellen. Muss man die manuell eintippen?
Wie funktioniert das? Also ich sage mal, wenn jetzt dann ein QR-Code gelesen wird, ich kenne das jetzt vom Handy, dann geht eine Website auf, aber die ist erst mal tot. Das heißt, da müsste ich mich dann anmelden, um irgendwelche Daten hinzuzufügen. So wird das ja in der Industrie nicht gehen.
Du wirst ja wahrscheinlich irgendwie an SAP angeklemmt oder sowas, oder wie macht ihr das? Genau. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Ich habe die Möglichkeit, einmal meine Anlage anzubinden.
Das heißt, ich schreibe automatisiert Daten, die Daten immer wieder einzuflegen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, SAP-Systeme oder ERP-Systeme generell anzubinden, je nachdem, womit eben gearbeitet wird in einem Unternehmen. Es gibt aber auch zum Beispiel Unternehmen, wenn ich jetzt zum Beispiel nicht die neueste Anlage habe und ich möchte das Ganze zum Beispiel auch manuell durchführen, ich möchte die Daten manuell antragen, geht das zum Beispiel auch. Hängt so ein bisschen von den Anforderungen im Unternehmen ab.
Holy Grail Initiative bei Reifenhäuser
Was ist möglich? Was ist nicht möglich? So geben wir den Unternehmen die Chance, es auf verschiedene Weisen durchzuführen. Gehen wir noch mal ein bisschen zurück auf die Kennzeichnung.
Dein Chef, der Herr Klausen, wird morgen einen Vortrag halten beim Inno-Talk im Rahmen von Holy Grail. Holy Grail ist ja eine Initiative von Procter & Gamble ursprünglich. Da haben sich die Retailer und die Marken auch schwerpunktmäßig zu Beginn zusammengetan und nutzen unter anderem Digimark. Das hattest du auch schon genannt, um eben eine Kennzeichnung im Druckwesen zu verstecken, dass quasi auch eine Sortieranlage später vollflächig, egal wie zerknutschelt eine Verpackung ist, noch erkennen kann, was für ein Material es ist und im besten Fall sogar, was drin war, welche Druckfarben usw.
Du hattest es erläutert. Wie arbeitet ihr mit denen zusammen? Gibt es da auch dann diese standardisierte GS1-Datenbank, die Nummern, die dann wieder passen? Würde das ineinandergreifen oder habt ihr mit denen noch gar keine Berührungspunkte?
Doch, tatsächlich schon. Wir sind ebenfalls in dem Projekt Holy Grail mit dabei. Wir sind vor allem für das Thema Datenmanagement dort zuständig. Da gibt es ein Arbeitspaket und wir sind ebenfalls dort mit dabei, um eben in diesen Bereichen auch zu supporten und zu beraten.
Wir sind natürlich auch schon bereits mit Digimark in Austausch gegeben. Die sind ja ebenfalls mit in diesem Projekt dabei. Wir haben die Möglichkeit mit A-Cycle einmal diese Verknüpfung zu schaffen, zu deren Markierungen. Das ist machbar, das ist möglich.
Nun ist es ja so, ich habe schon gehört, Datenmanagement, viele Schnittstellen, Arbeitskreise, das kostet alles Geld. Dahinter muss natürlich irgendwie ein Finanzierungsmodell stehen. Und wir wissen ja aus der Recyclingindustrie, dass da immer sehr viel Geld im Spiel ist. Und sobald da viel Geld im Spiel ist, gibt es auch viele Interessen, die gegeneinander arbeiten.
Wie sieht euer Business-Modell denn für A-Cycle erstmal im Speziellen aus? Also es ist natürlich so, dass die Anwender, sage ich mal, die nachher auch den digitalen Produktpass für Kunststoffe schreiben und ermöglichen, dann auch den Beitrag dazu zahlen. Genau. Aber so können sie dann eben Vorteile für sich und auch für ihre Kunden eben ermöglichen.
Also ich habe jetzt viel über dieses Thema Kreislaufwirtschaft gesprochen. Das ist natürlich etwas, was noch weiter in der Zukunft liegt. Das ist etwas, was wir von heute auf morgen nicht lösen werden. Das ist ein Prozess, wo verschiedene Unternehmen auch miteinander arbeiten müssten.
Applikationen für Produktionsprozesse nutzen
Deswegen gibt es heutzutage auch noch weitere Applikationen, die das Unternehmen oder die Unternehmen heute schon anwenden können. Das heißt, ich kann Daten heute schon für mich und für meinen Kunden nutzen und einen Mehrwert generieren. Genau. Also wenn wir jetzt zum Beispiel mal hingehen, wir haben ja Unternehmen mit dabei, die zum Beispiel sagen, ich benötige mit dem Produkt, was ich bekomme, brauche ich zum Beispiel die Siegeltemperatur.
Meine Anlage soll eine Schale produzieren, die soll die Schale versiegeln. Und dazu brauche ich mit dem Produkt zusammen die Siegeltemperatur, sodass meine Anlage sich automatisiert einstellen kann. Das heißt, dass der Lieferant zum Beispiel dann einen Mehrwert schaffen kann für den Nachfolger, wenn er zum Beispiel mit dem Produkt zusammen die Siegeltemperatur digital mitliefern kann. Die Anlage liest die Daten aus und kann sich automatisiert einstellen.
Also es ist zum Beispiel eine weitere Applikation. Ich kann Prozesse, meine Produktion optimieren, mit denen ich heute schon einen Mehrwert generieren kann. Ein bisschen Schwierigkeit sehe ich halt rauszufiltern: Wer hat den Benefit?
Und der, der den Benefit hat, der muss ja einen Teil davon abgeben und euer System mitbezahlen. Und ob das dann so reibungslos funktioniert, wir sehen das ja auch gerade beim grünen Punkt zum Beispiel hat es da ja große Verwerfungen gegeben. Und man hat eigentlich den Durchbruch damals Anfang der 90er Jahre ja dann dadurch geschafft, dass man sagt, man macht einen Fond, wo das Geld reinfließt. Auf jeder Verpackung wird quasi ein grüner Punkt aufgedruckt.
Und jeder, der einen grünen Punkt druckt, muss eine Gebühr bezahlen. Da gab es viele Schwarzfahrer, die haben das dann trotzdem bedruckt und haben nicht bezahlt. Dann muss da wieder was Neues gemacht werden. So sind wir jetzt im Moment da mit dem Verpackungsregister in Osnabrück unterwegs, die jetzt auch richtige, ich sage mal, Pranger im Internet haben von Firmen, die nicht bezahlen.
Sowas ähnliches droht eurem System vielleicht auch? Oder habt ihr da eine ganz andere Rückmeldung bisher aus dem Markt? Nee, tatsächlich nicht. Also es ist ja so, wenn ich meinem Kunden einen Mehrwert generieren kann, er benötigt zum Beispiel Daten digital, um effizienter, schneller werden zu können, schaffe ich im Prinzip einen Wettbewerbsvorteil und kann eben meinem Kunden diese Information digital zur Verfügung stellen.
Das heißt, ich, auch wenn ich in das System einzahle, kann ich meinem Kunden einen Mehrwert generieren, sodass er die Produkte bei mir kauft und nicht bei meinem Wettbewerber beispielsweise. Also ich kreiere im Prinzip genauso wie ich zum Beispiel Maschinen heutzutage mit neuen Technologien ausstatte, um meinem Kunden ein besseres Produkt zu verkaufen, schaffe ich im Prinzip in dem Fall einen anderen Mehrwert, damit mein Kunde bei mir kauft. Die großen Industrieunternehmen, die auch Maschinen bauen, Wettbewerber von Reifenhäuser vielleicht, bauen ja auch alle Clouds auf, um Kundendaten auszuwerten, um Mehrwert für den Produzenten auf den Maschinen zu generieren, um Wartungsintervalle zu verkürzen oder zu verlängern, je nachdem, Kosten auf jeden Fall zu senken. Ihr habt A.Cycle ausgegründet aus Reifenhäuser.
Ist das ein Grund, weil ihr neutral sein wollt oder was steckt dahinter? Richtig, ganz genau. Das ist der Grund. Wir sind ein neutrales Unternehmen, unabhängig von Reifenhäuser, die Pro Data steckt als Unternehmen dahinter, weil es nicht funktioniert, wenn wir als, ich sag mal, Maschinenbauer auftreten und diese Plattform zur Verfügung stellen.
Neutrales System für Wettbewerber
Wir müssen ein neutrales System sein, damit eben aber auch Wettbewerber von Reifenhäuser dazukommen können und dieses System verwenden. Es wird nicht funktionieren, wenn wir ein geschlossenes System sind, weil Kreislaufwirtschaft funktioniert nicht alleine. Dazu brauchen wir alle Stakeholder an Bord, die sich eben an dem System beteiligen und mitmachen. Und ich glaube, das ist auch das Neue, was wir als Menschheit kann man fast großspurig sagen, lernen müssen, dass wir wirklich kollaborieren, weltumspannend.
Und das muss Vertrauen aufgebaut werden und eben die rechte Struktur muss klar sein. Das hast du sehr schön ausgeführt. Wenn du jetzt einen Appell an die Branche richten müsstest, bezogen auf das Projekt A-Cycle – nenne ich es mal, Projekt. Es ist ja eigentlich viel mehr als ein Projekt.
Was wünschst du dir von der Lieferkette für A-Cycle? Was ich mir wünschen würde, wäre, dass die Unternehmen viel mehr miteinander kollaborieren, kommunizieren, dass wir wirklich aktiv und gemeinsam dieses Thema Kreislaufwirtschaft vorantragen. Wir sind auf einem sehr guten Weg dahin. Es gibt viele Unternehmen, die sich bereits aktiv daran beteiligen.
Ich würde mir wünschen, dass wirklich alle mitmachen und nicht darauf warten, sage ich mal, bis die ersten schon losgeritten sind, sage ich mal. Und ich lehne mich zurück und warte das Ganze erst mal ab. Wir müssen es gemeinsam bewältigen. Nur so können wir dieses Thema Kreislaufwirtschaft ermöglichen, vor allem für Kunststoffe. Wir wissen ja, dass Kunststoffe jetzt nicht den besten Ruf haben, aber wir aus der Kunststoffindustrie müssen eben etwas tun, um diesen ganzen Verboten auch entgegenzuwirken und das eben gemeinsam.
Danach kann fast nichts mehr kommen. Ganz herzlichen Dank für dieses tolle Interview und diese vielen Insights, die du uns gegeben hast zum Thema A-Cycle und ja, digitalen Produktpass. Dankeschön. Ja, vielen Dank auch, Karsten.
Ja, hat mich sehr gefreut. Und das war es schon wieder für heute. Ich hoffe, es war etwas Interessantes für Sie dabei. Und wenn auch Sie einmal Teil dieser Initiative für mehr Flexpack-Wissen werden möchten, melden Sie sich gerne bei mir unter ks@innoform.eu und nicht vergessen, diesen Podcast zu abonnieren, wo immer Sie Podcasts hören.
Tschüss, bis zum nächsten Mal. Ihr Karsten Schröder.

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