FlexPack-Ticker KW 45: Kunststoffsteuer, Preisdruck und Bewegung im europäischen FlexPack-Markt

Die flexible Verpackungsindustrie steht gleichzeitig unter regulatorischem, wirtschaftlichem und technischem Druck. Während in Berlin erneut über eine Kunststoffverpackungssteuer gestritten wird, bleiben Rohstoffe trotz kurzfristiger Entspannung teuer. Zugleich geraten europäische Recycler unter Druck, und mehrere Übernahmen zeigen, dass sich der Markt weiter konsolidiert.

Kunststoffverpackungssteuer: zurück im Eilverfahren?

Die geplante deutsche Kunststoffverpackungssteuer sorgt erneut für Unruhe. 42 Wirtschafts- und Branchenverbände fordern, die Formulierungshilfe zur Einführung der Steuer nicht kurzfristig über das Haushaltsbegleitgesetz 2027 auf den Weg zu bringen.

Das ist besonders bemerkenswert, weil die Bundesregierung am 19. Oktober noch ein reguläres Gesetzgebungsverfahren mit Ressortabstimmung und parlamentarischer Beratung angekündigt hatte. Zum Redaktionsschluss lag keine bestätigte Kabinettsentscheidung vor – die Steuer ist weiterhin ein Entwurf.

Update 5.11.: Das Thema wurde nicht auf die Agenda der Kabinettssitzung gesetzt und damit am 4.11. nicht besprochen und an das Gesetzgebungsverfahren im Eilverfahren angeflanscht. Somit ist die Einführung weiterhin verschoben und die Verbände hoffen auf eine weitere Berücksichtigung ihrer Anliegen.

Für die Verpackungsindustrie geht es dabei um mehr als die mögliche Belastung von 550 Euro je Tonne Kunststoff. Eine rein gewichtsbezogene Steuer könnte leichte, materialeffiziente Kunststoffverpackungen benachteiligen und Ausweichbewegungen zu schwereren Materialien auslösen. Gleichzeitig würden neue Melde-, Nachweis- und Verwaltungsprozesse entstehen.

Eine Kunststoffsteuer sollte Kreislaufwirtschaft fördern und nicht nur Haushaltslöcher schließen. Ohne belastbare Folgenabschätzung, Anhörung der Wertschöpfungskette und klare Anreize für Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz droht sie, am eigentlichen Ziel vorbeizugehen.

Quelle: Packaging Journal

Rohstoffpreise sinken – aber Entwarnung sieht anders aus

Bei einigen wichtigen Rohstoffen für flexible Verpackungen sind die Preise im dritten Quartal 2026 deutlich zurückgegangen. Flexible Packaging Europe meldet gegenüber dem Vorquartal ein Minus von 24 Prozent bei BOPP, 15 Prozent bei LDPE und 14 Prozent bei HDPE. Aluminiumfolie verbilligte sich um drei Prozent, während BOPA und beschichtetes Papier leicht zulegten.

Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt jedoch ein anderes Bild: BOPP liegt noch immer 41 Prozent höher, HDPE 25 Prozent und LDPE 23 Prozent. Auch Energie bleibt ein erheblicher Kostenfaktor.

Für Verarbeiter bedeutet das: Die kurzfristige Entspannung ist willkommen, aber noch keine Rückkehr zur Normalität. Angebotspreise, Zuschläge und längerfristige Verträge bleiben angesichts der hohen Volatilität schwierig zu kalkulieren.

Quelle: Flexible Packaging Europe

Europäische Recycler zwischen Zukunftsversprechen und akuter Krise

Beim Kongress des Bureau of International Recycling in Málaga warnten Vertreter der europäischen Kunststoffrecyclingbranche vor schwacher Nachfrage, hohen Betriebskosten und sinkenden Margen. Günstige Neuware verschärft den Wettbewerb zusätzlich.

Eigentlich müsste die PPWR mit ihren Rezyklatquoten ein starkes Nachfragesignal senden. Die entscheidenden Vorgaben zur Berechnung, Verifizierung und Anerkennung von Rezyklaten stehen jedoch teilweise noch aus. Gleichzeitig werden Kunststoffabfallexporte in Nicht-OECD-Staaten eingeschränkt. Damit könnte mehr Material in Europa verbleiben, ohne dass hier bereits eine ausreichende Nachfrage besteht.

Das ist ein gefährlicher Widerspruch: Europa formuliert Ziele für 2030, verliert aber möglicherweise schon heute die Anlagen, die zur Erfüllung dieser Ziele benötigt werden. Wenn Recyclingkapazitäten schließen, lassen sie sich später nicht einfach per Verordnung wieder einschalten.

Quelle: Bureau of International Recycling

Ringmetall wächst im Bag-in-Box-Markt

Die deutsche Ringmetall SE hat den US-amerikanischen Bag-in-Box-Hersteller Rapak übernommen. Rapak produziert flexible Innenbeutel und Abfüllsysteme für Lebensmittel, Getränke und industrielle Flüssigkeiten. Mit der Übernahme erschließt Ringmetall den nordamerikanischen Markt und sieht sich nach eigenen Angaben nun als viertgrößter Bag-in-Box-Anbieter weltweit.

Die Transaktion zeigt, wie attraktiv das Bag-in-Box-Segment geworden ist. Materialeffizienz, Produktschutz und ein vergleichsweise gutes Verhältnis zwischen Verpackung und Füllgut machen das Format für immer mehr Anwendungen interessant. Gleichzeitig gewinnt die Verbindung von Beutelentwicklung und Abfülltechnik an Bedeutung.

Quelle: Ringmetall

POLIFILM verstärkt das Geschäft mit Stretchfolien

POLIFILM CAST übernimmt den kroatischen Verarbeiter und Händler STRETCH HUNTER. Das Unternehmen ist auf Handstretch- und vorgereckte Stretchfolien spezialisiert, beschäftigt 25 Mitarbeitende und verfügt über einen etablierten Kundenstamm in Südosteuropa.

Damit erweitert POLIFILM seine Position entlang der Ladungssicherung. Es geht nicht mehr allein um die Herstellung der Folie, sondern zunehmend um Verarbeitung, Anwendungstechnik und die Optimierung des gesamten Stretchprozesses.

Gerade bei Transportverpackungen entstehen Materialeinsparungen häufig nicht durch einen einzelnen neuen Werkstoff, sondern durch die richtige Kombination aus Folie, Vordehnung, Maschine und Ladungsprofil.

Quelle: POLIFILM

Polinas übernimmt Mehrheit an İmaj Ambalaj

Auch bei bedruckten flexiblen Verpackungen bewegt sich der Markt. Der türkische BOPP- und BOPET-Folienhersteller Polinas hat 67 Prozent an İmaj Ambalaj übernommen. İmaj produziert bedruckte Verpackungen für Lebensmittel und schnelllebige Konsumgüter.

Die Transaktion verbindet Folienherstellung und Weiterverarbeitung stärker miteinander. Eine solche vertikale Integration kann Entwicklungszeiten verkürzen und den Zugriff auf Druck-, Kaschier- und Veredelungskompetenz verbessern.

Für den europäischen Markt ist die Übernahme relevant, weil türkische Folien- und Verpackungshersteller eng in die europäischen Lieferketten eingebunden sind. Gleichzeitig steigt der Konsolidierungsdruck auf unabhängige Verarbeiter.

Quelle: GC Intelligence

Tierfutterbeutel werden zum Härtetest für Monomaterialien

Die PPWR erhöht den Entwicklungsdruck bei Tierfutterverpackungen. Trockenfutterbeutel benötigen hohe mechanische Stabilität sowie zuverlässige Feuchte-, Fett- und Aromabarrieren. Bei Nassfutter kommt die Retortensterilisation hinzu. Genau hier stoßen einfache Monomaterialkonzepte schnell an ihre Grenzen.

Das Thema knüpft unmittelbar an die Vorträge der INNO-Pouch 2026 an. Unter anderem zeigten TOPPAN, Huhtamaki, LyondellBasell und IRPLAST, wie sich hochbarrierige PE- und PP-Strukturen weiterentwickeln. Auch retortenfähige Mono-PP-Beutel und darauf abgestimmte Klebstoffsysteme wurden diskutiert.

Die zentrale Erkenntnis: „Monomaterial“ allein ist noch keine Lösung. Folie, Barriereschicht, Klebstoff, Druckfarbe, Verschluss und Siegelprozess müssen als Gesamtsystem funktionieren. Dazu kommt die Frage, ob eine neue Struktur auf vorhandenen Abfüll- und Verpackungsanlagen verarbeitet werden kann.

Gerade Tierfutter wird deshalb zu einem interessanten Praxistest. Wenn recyclingorientierte Strukturen hier Produktschutz, Maschinengängigkeit und lange Haltbarkeit verbinden können, ist ein wichtiger Schritt von der theoretischen Recyclingfähigkeit zur industriellen Anwendung geschafft.

Quelle: PetfoodIndustry
Einordnung zur INNO-Pouch 2026

Fazit

Diese Woche zeigt besonders deutlich, wie eng Regulierung, Wirtschaftlichkeit und technische Entwicklung miteinander verbunden sind. Rezyklatquoten helfen wenig, wenn Recyclinganlagen wegen fehlender Nachfrage schließen. Eine Kunststoffsteuer schafft keinen ökologischen Fortschritt, wenn sie Materialeffizienz bestraft. Und Monomaterialkonzepte setzen sich nur durch, wenn sie auch auf der Maschine und am Produkt funktionieren.

Gleichzeitig investieren und konsolidieren Unternehmen weiter – bei Stretchfolie, bedruckten Verpackungen und Bag-in-Box-Systemen. Der Markt wartet also nicht darauf, dass alle regulatorischen Fragen beantwortet sind. Umso wichtiger wird es, technische Machbarkeit, reale Kreisläufe und wirtschaftliche Folgen gemeinsam zu betrachten.

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